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sozialistischer Abgeordneter eine neue Liga zur Verteidigung der republikanischen Prinzipien gebildet worden. Diese Liga soll einen Gegensatz bilden zu der Liga der Vaterländischen. Das Ausscheiden von Mitgliedern aus der Liga der Vaterländischen soll noch immer andauern, dagegen behauptet die Liga selbst, daß die Zahl ihrer Mitglieder fortgesetzt zunehme und 100 000 bereits überschritten habe.
Paris, 23. Februar. Seit den frühesten Morgenstunden marschieren Truppen in Paris ein. Es sind zum größten Teile Regimenter aus Saint Quentin, Amiens, Fontainebleau und Versailles, welche zur Spalierbildung herangezogen sind, und das rechte Seineufer entlang Aufstellung genommen haben.
Paris, 23. Februar. Die republikanischen Führer der verschiedenen Gruppen der Kammer begaben sich gestern abend zum Präsidenten Dupuy sowie zu den übrigen Ministern und baten, etwaigen Kundgebungen, die heute versucht werden sollten, mit größter Strenge entgegen zu treten.
Loudon, 23. Februar. In den englischen Negierungskreisen ist man über die letzten Nachrichten aus dem Sudan sehr beunruhigt. Wie verlautet, befinden sich 20000 Mahdisten kampfbereit. Der Abgeordnete Morley wird die Regierung über die Verhältnisse im Sudan interpellieren. ____________________
Kckales und ProvinMes.
Gießen, den 24. Februar 1899.
** Militardieustnachrichteu. Oldenburg, Vizefeldwebel im Landwehr-Bezirk Bonn, zum Leutnant der Reserve des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts Nr. 168, Hebenstreit, Vize- ftldwebel im Landwehr-Bezirk Hamburg, zum Leutnant der Reserve des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168, Eyssen, Lizewachtmeister im Landwehr-Bezirk Frankfurt a. M., zum Leutnant der Reserve des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. sLeib-Drag.-Regts.) Nr. 24, die Vizefeldwebel: Rothamel ini Landwehr-Bezirk I Darmstadt, zum Leutnant der Reserve des 4. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Prinz Carl) Nr. 118, Scriba, Plagge in demselben Landwehr-Bezirk, zu Leutnants der Reserve des Großh. Hess. Train - Bataillons Nr. 25, Schmitt, Fries, Vizewachtmeister im Landwehr- Bezirk Frankfurt a. M., zu Leutnants der Reserve des Großh. Hess. Train-Bataillons Nr. 25 befördert. Frhr. v. Bülow, Leutnant der Reserve des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zu den Reserve-Offizieren des 1. Garde-Regts. zu Fuß versetzt.
** Vom Sprachvereine. Zu Georg Christoph Lichtenbergs (geb. den 1. Juli 1742 zu Ober-Ramstadt, gest. den 24. Februar 1799 zu Göttingen) hundertjährigem Todestage wollen wir einige sprachliche Bemerkungen dieses Meisters des deutschen Stiles wiedergeben. „Wenn man viel selbst denkt, so findet man viele Weisheit in die Sprache eingetragen. Es ist wohl nicht wahrscheinlich, daß man alles selbst hineinträgt, sondern es liegt wirklich viel Weisheit darin, so wie in den Sprichwörtern. — Wir bewundern zuweilen die Kräftigkeit der Sprachen unausgebildeter Völker; die unsrige ist nickt weniger kräftig; inqerc gemeinsten Ausdrücke sind ost sehr poetisch; aber das Poetische eines Ausdruckes verliert sich, wenn es uns gemein wird. — Man muß zuweilen wieder die Wörter untersuchen, denn die Welt kann wegrücken, und die Wörter bleiben stehen. Sogar die Wörter „unendlich",. „wenig", „immer" haben ja ihre Bedeutung verloreu. — Es ist zum Erstaunen, wie sehr das Wort „unendlich" gemißbraucht wird; alles ist unendlich schön, unendlich besser u. s. w. Der Begriff muß etwas Angenehmes haben, sonst hätte der Mißbrauch nicht so allgemein werden können. — Es macht dm Deutschen nicht viel Ehre, daß „einen anführen" (was sonst mit „anleiten" synonym ist) so viel heißt, als „einen betrügen". — Im Deutschen reimt sich Geld auf Welt; es ist kaum möglich, daß es einen vernünftigeren Reim gebe; idj biete allen Sprachen Trotz! — Das Wort Gottesdienst sollte verlegt und nicht mehr vom Kirchengehen, sondern blos von guten Handlungen gebraucht werden. — Wo die gemeinen Leute Vergnügen an Wortspielen finden und häufig selbst welche machen, da kann man immer darauf rechnen, daß )ie Nation auf einer sehr hohen Staffel von Kultur steht. — es nicht sonderbar, daß eine wörtliche Uebersetzung fast immer eine schlechte ist? und doch läßt sich alles gut übersetzen. Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen; es heißt, das Volk ganz kennen, sie spricht. — Wenn ich ein deutsches Buch mit lateinischen Buchstaben gedruckt lese, so kommt es mir immer so vor, als müsse ich es mir erst übersetzen. — Es giebt Menschen, Sie sogar in ihren Worten und Ausdrücken etwas Eigenes haben, da doch Redensarten durch eine lange Mode so und xidjt anders sind. Solche Menschen sind immer einer Aufmerksamkeit würdig: es gehört viel Selbstgefühl und Unabhängigkeit der Seele dazu, bis man so weit kommt." D.T. A.
** Für die Rekrutierung des Heeres 1899 ist durch rabinettsordre bestimmt, daß die Mannschaften des Trains, )it Oekonomie-Handwerker und die Militär-Krankenwärter, iotoie die Reservisten am 30. September 1899 zu ent- Lafsen sind. Die Truppenteile mit zweijähriger Dienstzeit loben an Rekruten zum Dienst mit der Waffe zu beantragen Pr ein Infanterie-Regiment 890, ein Jäger-Bataillon 238, (in Feldartillerie-Regiment (fahrende Batterien) 528, ein ein Fußartillerie-Regiment 519 Mann. Die Truppenteile mit dreijähriger Dienstzeit haben zu beantragen für ein Kavallerie-Regiment 123, ein Feldartillerie-Regiment (reitende Abteilung) 37 Mann. Für die Detachements Jäger zu Pferde hat die Aufstellung der Berechnung des Rekruten- lledarfs in gleichartiger Weise zu erfolgen.
** Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- jeborenen, betrug in der Woche vom 29. Januar bis 4. Fe- huai in Mainz 20, in Darmstadt 21, in Offenbach 19, .n Worms 14 und in Gießen 12, zusammen 86, davon 28
im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 12,9, Darmstadt 15,8, Offenbach 23,2, Worms 20,2 und auf Gießen 5,4. — Die Todesursache anbelangend, verstarben an Keuchhusten 1 (Darmstadt), an Diarrhöe und Brechdurchfall 10 (je 2 in Mainz, Offenbach und Gießen, 1 in Darmstadt, 3 in Worms), an Wochenbettkrankheit 1 (Mainz), an Lungenschwindsucht 13 (6 in Mainz, 4 in Darmstadt, 1 Offenbach, 2 in Gießen), an akuten entzündlichen Krankheiten der Athmungsorgane 10 (je 2 in Mainz, Offenbach und Gießen, 3 in Darmstadt, 1 in Worms), an Gehirn Apoplexie 4 (2 in Darmstadt, je 1 in Worms und Gießen), an sonstigen Krankheiten 41 (8 in Mainz, 9 in Darmstadt, 14 in Offenbach, 7 in Worms, 3 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 6 Personen (je 1 in Mainz und Darmstadt, je 2 in Worms und Gießen).
t Von der Lahn, 24. Februar. Wie manchen Lesern des Gießener Anzeigers bekannt geworden, wird der Professor der Physik Dr. Otto Wiener Ende März die Universität Gießen verlassen und einem ehrenvollen Rufe nach Leipzig Folge leisten. Nur ungern verlieren die Schüler und Zuhörer des hochverehrten Mannes den teuren Lehrer, dessen beredten Worten und Vorträgen sie so oft aufmerksam gefolgt sind, und der cs in so vorzüglicher Weise verstanden hat, ihr Interesse für die von ihm vertretene Wissenschaft zu fesseln. Dazu kam, daß Professor Wiener in der liebenswürdigsten Weise stets bereit war, auf Wünsche und Bitten, die ihm mit Rücksicht auf sein Fach nahe gelegt wurden, einzugehen und strebsame Zuhörer in jeglicher Art zu fördern. Diese Verbindung wissenschaftlicher Tüchtigkeit, besonderer Lehrgabe und liebenswürdigen Entgegenkommens haben den leider bald scheidenden Lehrer vielen Schülern überaus lieb und wert gemacht; und indem wir dem Prof. Dr. Wiener für seine Vorträge und gesamte Lehrtätigkeit geziemenden und ergebensten Dank sagen, wünschen wir ihm für sein wichtiges Amt in Leipzig langjährige, ungetrübte, körperliche und geistige Frische und eine erkenntliche Zuhörerschaft.
+ Tübingen, 23. Februar. Der Straßenwärter Henning hat sich gestern abend durch den um Uhr hier eintreffenden Güterzug überfahren lassen. Die arg verstümmelte Leiche wurde kurze Zeit nach dem Vorfall unweit des Viadukts aufgefunden. Der Körper scheint eine größere Strecke geschleift worden zu sein, denn man fand Blutspuren und Körperteile an verschiedenen Stellen des Bahndammes. Dem Anschein nach hat der Verlebte in einem Anfall von geistiger Umnachtung den Selbstmord verübt.
Aus Oberhefieu, 21. Februar. Das diesjährige Gau- turnfest des Gaues Hessen wird, wie auf dem vorgestern zu Gießen stattgehabten Gauturntage beschlossen wurde, am 17., 18. und 19. Juni in Friedberg gefeiert werden. Als Festort für die am 10. September stattfindende Turnfahrt wurde Klein-Linden bestimmt.
Erbes Büdesheim, 22. Februar. Einen sehr beschäftigten Mann besitzt unsere Gemeinde. Dieser ist nämlich Schnhmachermeister, katholischer Kirchendiener, Glöckner, Konsumvereinsdiener, Polizei- und Gemeindediener, Friedhofsdiener, Reiniger der Seufzerallee, des Gemeindehauses, der freien Plätze, des Spritzenhauses und der Spritzen, Laternenputzer und -Anzünder, und in seiner „freien" Zeit noch Gartenschützs
Aus Rheinhessen, 20. Februar In den Weinbergen hat man bereits mit dem Schnitt der Reben begonnen. Letztere bieten für die Winzer ein wenig hoffnungsvolles Bild. Selbst der gelinde und trockene Winter war nicht imstande, das massenhaft vorhandene schlechte, kranke Holz gesund zu machen. Erfahrene Winzer stellen die Behauptung auf, daß sie seit langen Jahren nicht so schlechtes Holz gesehen hätten wie heuer. Die Hälfte der Reben ist schwarz und blackig. Viele Stöcke müssen deshalb auf Holz und nicht auf Frucht geschnitten werden. Der quantitative Ausfall des nächsten Traubenherbstes wird also vom Winzer zum besten des Fortbestandes seiner Reben freiwillig be- fchränkt. _________ _______________________________________
Vermischtes.
* Zm Schueesturm umgekommen. An einem der schönsten Punkte der Vogesen, an der von Münster im Elsaß nach Gerardrner führenden romantischen Schluchtstraße, hat der vor kurzem verstorbene Großindustrielle Alfred Hartmann in der Höhe von über 1000 Metern einen Gasthof erbauen lassen, der den Namen Hotel Altenberg trägt. Dort oben hat im vorigen Jahre Lord Salisbury, der englische Ministerpräsident, einige Wochen zugebracht. Wie aber im Winter auf diesen Vogesenhöhen Sturm und Wetter hausen, beweist folgender hier im Auszug wiedergegebener Bericht des „Bote vom Münsterthal" über einen Unglücksfall: „Am vergangenen Mittwoch fuhren drei Herren von Münster nach dem Hotel Altenberg. Kurz vor der Auffahrt zum Hotel bemerkte der Kutscher im Straßengraben einen Hut. Dadurch aufmerksam gemacht, begab er sich nachher wieder an die Stelle zurück, wo er zu seinem Schrecken den von Füchsen aufgefressenen, entsetzlich entstellten Leichnam eines Mannes im Straßengraben liegend fand. Der Kutscher machte den drei Herren Mitteilung von feinem qraufigen Fund, worauf sie herbeikamen und in den Kleidern des Toten nach Papieren forschten, die zur Feststellung seiner Persönlichkeit dienen könnten. Man fand ein fast neues Portemonnaie mit etwas Geld, eine Jnvalidenkarte, die auf den Namen Johann Buschi, Säger, geboren am 27 März 1852 zu Aargau (Schweiz), lautete, ein Arbeitsbuch und ein Lohnbuch. Die letzte Jnvalidenkarte war mit dem Datum des 26. Dezember in Freiburg entwertet. In dem Arbeitsbuche fanden sich Zeugnisse, nach denen der Verunglückte ein treuer, fleißiger Arbeiter gewesen sei. Es ist erschütternd, zu denken, daß der arme Säger, der wahrscheinlich in Frankreich Arbeit suchen wollte, nur 50 Meter vom schützenden Hause entfernt, vor Erschöpfung
zusammenbrach und im Toben des wilden Schneesturmes in rauher Bergeseinsamkeit den Tod fand. Zum Unglück hatte auch der große Bernhardiner des Hotels Altenberg, der sonst die Umgebung abstreift und seine Fähigkeit zum Auf- suchen von Menschen schon bewiesen hat, gerade zwischen Weihnachten und Neujahr Junge geworfen und wurde deshalb eingesperrt gehalten.
* „Küß' mich nicht!" Eine nachahmenswerte Einführung haben die praktischen Engländer zum Schutze ihrer Kinder gegen ansteckende Krankheiten getroffen. Man sieht in London, wo gegenwärtig Influenza und DiphtheritiS stark umgehen, kleine Mädchen und Knaben, auf deren Hutbänder die warnenden Worte: „Don’t kise me!“ eingewebt sind. Sicherlich werden hierdurch viele Leute abgehalten, ihre Kinderfreundlichkcit durch Küsse zu be Ihätigen, die erfahrungsgemäß schon manchem gesunden Kinde den Keim einer gefährlichen Krankheit gebracht haben.
* Zum neuesten Äubreegerücht. Das russische Ministerium des Aeußern hat vom Gouverneur in Jenisseisk folgende aus Krasnojarsk vom 20. datierte Drahtmeldung erhalten: Die Mitteilungen des Blattes „Jenissei" bezüglich der Expedition Andree haben sich, wie die von dem Inspekteur der Minen vorgenommene Untersuchung an Ort und Stelle ergab, nicht bestätigt. Wie seiner Zeit betont wurde, konnte nach Lage der Dinge kaum ein anderer Ausgang der An- gelcgenheit erwartet werden.
* Zölle auf Cuba und Portorico. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Am 1. Februar wurde vom Kriegsdepartement in Washington für alle Hafenplätze Portoricos und aller von Spanien geräumten, östlich vorn 74. Grad westl. Länge gelegenen westindischen Inseln der neue Zolltarif in Kraft gesetzt. Derselbe entspricht im Wesentlichen dem Zolltarif, den die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1899 für die von ihnen besetzten Häfen Cubas erlassen hatten, und welcher am 1. Februar im „Reichsanzeiger" veröffentlicht wurde; doch sind die Zollsätze größtenteils niedriger als die für Cuba.
* Die Gehaltsbezüge des sranzöfischen Staatsoberhaupts. Die Bezüge des Präsidenten der französichen Republik sind weder durch die Verfassung noch durch ein Gesetz bestimmt, sie werden einfach alljährlich im Budget aufgeführt. Der eigentliche Gehalt ist bisher regelmäßig auf 600000 Frs. für das Jahr festgesetzt worden. Die Repräsentations- und Reisegelder wurden 1873 von 162400 Frs. auf 300000 Freund 1876 auf die jetzige Ziffer von 600000 Frs. erhöht. (Für die Reise Fanres an den russischen Hof wurde eine besondere Entschädigung gewährt.) Der Präsident bezieht also jährlich 1200000 Frs., die ihm monatlich in zwei besonderen Anweisungen ausgezahlt werden. Die ehemaligen Zivillisten zeigen große Unterschiede. Am 26. Mai 1791 bewilligte die Nationalversammlung dem König und dessen Hausstaat eine Zivillifte von 25 Millionen Frs., welche die gesetzgebende Versammlung vom 10. August 1792 wieder aufhob. Der erste Konsul erhielt 500000 Frs., die beiden Mitkonsuln mußten sich mit je zwei Dritteln dieser Summe begnügen. Das erste Kaiserreich führte die Zivilliste von 1791 — 25 Millionen — wieder ein. Unter der Restauration stieg die Zivilliste auf 32 Millionen, dann sank sie unter der Juli-Monarchie auf 13 Millionen herab. Nach der Revolution von 1848 erhielt zunächst General Cavaignac als Oberhaupt der ausübenden Gewalt 120000 Frs. zu- erkannt; die Verfassung vom 4. November setzte dann den Gehalt des Präsidenten der Republik auf 600000 Frs. und überließ die Höhe der Repräsentationskosten dem Gutdünken der Kammer. Das zweite Kaiserreich stellte wieder die Zivilliste von 25 Millionen het.
* Ein Silberkranz für das Bismarck Mausoleum. In Stendal ist gegenwärtig der kunstvoll gearbeitete Silber- kranz ausgestellt, der von den Offizieren und oberen Be amten des ehemaligen 26. Landwehr-Regiments (Bataillone Stendal und Burg) für das Bismarck-Mausoleum in Fried- richsruh gestiftet ist; die Widmungsinschrift sagt, daß der Kranz „dem Andenken des verklärten einstmaligen Regimentschefs" geweiht ist.
* Johann Orth. Trotz aller entschiedenen Dementis der Nachrichten, daß Erzherzog Johann noch am Leben sei, tauchen solche doch immer wieder auf. Die neuesten Meldungen finden wir diesmal in den „Times". Deren Pariser Korrespondent telegraphiert nämlich: Nach einem Briefe aus Argentinien lebt der österreichische Erzherzog Johann, dessen lange Verschollenheit als ein Beweis seines Todes betrachtet wurde, mit feiner morganatischen Gattin auf einer Farm am Parana, und ist mehr als je entschlossen, auf die Vorrechte seiner Geburt zu verzichten.
* Die BenueExpedition. Mit den Vorbereitungen zur BennZ-Expedition ist man dem Vernehmen nach andauernd beschäftigt, auch über die Wahl sowohl des Führers als der übrigen Mitglieder scheint man so ziemlich schlüssig zu fein. Ein Abschluß der Vorbereitungen, wie der Abgang der Expedition ist noch nicht abzusehen und zwar deshalb, weil die Verhandlungen mit der Royal Niger-Gesellschaft nur langsam vorwärts gehen. Im Jahre 1893 hatte sich diese Gesellschaft mit Rücksicht auf die französischen Unternehmungen am Benuö und nördlich davon gegen die deutsche Kamerun-Expedition recht entgegenkommend erwiesen. Jetzt fehlt der französische Gegendruck, deshalb scheint die Stimmung umgeschlagen zu sein. Aus mehreren Gründen wäre es wünschenswert, wenn der geplante Uebergang des Gebietes der Royal Niger-Kompanie in britische Reichsverwaltung sich bald vollzöge. Schließlich wird nichts übrig bleiben, als auch einen deutschen Dampfer nach dem Benuö zu bringen, damit wir volle Bewegungsfteiheit erhalten und nicht mehr in dem gesamten Verkehre von den Engländern abhängig sind.
Verkehr, Kmd- Md Volkswirtschaft.
22. Februar. Frachtmarkt. Rother We<re»
14,10, weißer Wetzen X 00.00, Stotti X 11.14, «erste X 9.10, Hafer X 7.33.


