wächst täglich besser. Die hiesige politische Gemeinde bewilligte ihm einen jährlichen Beitrag von 30 Mk., und auch seitens verschiedener Private wurden nahmhafte Zuschüsse gezeichnet. Möge er sich deshalb für alles Schöne und Gute weiter entfalten und besonders zur kräftigen Gesundung seiner Zöglinge recht viel beitragen. Gut Heil!
Wetterfeld, 21. November. Unter donnerähnllchem Begleitgeräusch scheint hier heute vormittags 111/4 Uhr ein Meteor, vielleicht ein Nachzügler vom ausgebliebenen Leonidenschwarm, niedergegangen zu sein. Ein Beobachter behauptet, fast im Zenith eine platzende Feuerkugel gesehen zu haben. Da von verschiedenen Personen bei Hellem Sonnenschein gleichzeitig das Donnern gehört worden ist, so wäre es interessant zu hören, ob ähnliches auch anderwärts wahrgenvmmen wurde und die Erscheinung vielleicht wirklich noch mit den Leoniden in Verbindung steht.
— Stockheim, 22. November. Die neuerrichtete zweite Schulstelle ist Herrn Lehrer Peter von Wenings übertragen worden, und wird derselbe in Kürze hierher überziehen, so daß mit Beginn des kommenden Monats die sehnlichst gewünschte Teilung der überfüllten vierklassigen Schule endlich vollzogen werden kann.
-s- Geiß-Nidda, 22. November. Bezugnehmend aus den in Nr. 275 des „ ießener Anzeigers", Zweites Blatt, von hier aus geschriebenen Artikel, daß das sechsjährige Töchterchen des Karusselbesitzers Kuehn infolge Spielens mit einem Revolver einen Schuß in den Unterleib erhielt, sei hier noch nachträglich mitgeteilt, daß das Kind infolge der schweren Verletzung in der Klinik in Gießen bereits gestorben ist.
Laubach, 19. November. Wie in anderen hessischen Städten, so hat sich auch hier eine Ortsgruppe des „Deutschen Flottenvereins" gebildet. Die Mitgliedschaft kann man sich durch einen Jahresbeitrag von 50 Pfg. an erwerben. Vertrauensmann ist Herr Amtsrichter Zimmermann, der jederzeit bereit ist, Beitrittserklärungen entgegenzunehmen.
E. Echzell, 22. November. Der Massenmord, der kürzlich in unserer Gegend von zweiHunden an einer Schafherde verübt worden sein soll und von dem Ihre Zeitung berichtete, hat sich auf den sechsten Teil vermindert, denn nicht 30 Schafe wurden verletzt, sondern nur fünf. Die Hunde versuchten einen weiteren Angriff auf die Herde, die nur 40 Schafe zählt; sie machten sich jedoch rechtzeitig aus dem Staube, weil sie Witterung von den Jägern erhielten, die die Räuber jedenfalls niedergeschossen hätten, wenn sie schußgerecht gekommen wären.
W. Aus der mittleren Wetterau, 22. November. In unserer Gegend zirkulieren falsche Einmarkstücke aus dem Jahre 1875. Die Falsifikate sind nicht besonders geschickt gemacht und an dem schlechten K.ang, sowie dadurch leicht erkenntlich, daß sie sich fettig anfühlen. Nichtsdestoweniger soll auf dieses Vorkommnis aufmerksam gemacht werden, weil Ungeübte immerhin dadurch getäuscht werden können. Man zähle Rollen nach, in diesen werden die Falsifikate am leichtesten fortgeschafft.
nn. Darmstadt, 22. November. Auf der im Laufe des Sommers zu Groß-Umstadt stattgefundenen Jubiläums- Provinzial-Gewerbeausstellung, mit welcher auch eine Ausstellung von Schüler-Arbeiten der Handwerker- und Gewerbeschulen der Provinz Starkenburg verbunden war, wurde der Gewerbeschule zu Darmstadt für gute Leistungen von der Beurteilungskommission ein Anerkennungsdiplom zuerkannt.
Darmstadt, 22. November. Bei einer vor nunmehr acht Tagen in Messel verübten Blutthat hat sich die Frage aufgeworfen, ob es sich hier um einen jedem Gefühl hohnsprechenden mehrfachen Totschlagsversuch oder um die Handlung eines Geistesgestörten dreht. Der inzwischen in Untersuchungshaft genommene Fabrikat beiter GeorgReitz LV. von Messel, 27 Jahre alt und unverheiratet, hat sich von jeher seinen nächsten Angehörigen gegenüber in auffallend gefühlloser, brutaler Weise benommen. So soll er bei den verschiedensten Gelegenheiten seinen Eltern den Tod gewünscht, sich über die Krankheit seines vor Jahren verstorbenen Vaters offen gefreut und seine noch lebende Mutter in rohster Weise behandelt haben. Oesters stieß er gefährliche Drohungen gegen sie aus und brachte es zuletzt so weit, daß sich dieselbe vor einigen Jahren ganz von ihm trennte und bei einer verheirateten Tochter Wohnung nahm. Sie hatte ihr Vermögen bis auf ein Haus, in dem R. im Einsitz wohnte und das sonst vermietet war, an ihre Kinder abgegeben. Am Dienstag voriger Woche erschien abends nach 10 Uhr R., der das Haus seiner Schwester seit zwei Jahren nicht betreten hatte, plötzlich in dem Wohnzimmer, ohne daß man das Oeffnen der Hausthüre gehört hatte, und hielt die Hände in seinen Rockärmeln verborgen. Mit den Worten: „Jetzt habe ich, was ich wollte", entblößte er sofort die rechte Hand und stürzte sich mit einem langen Knickmeffer auf seine Mutter. Diese entging durch schnelles Ausweichen einer gefährlicheren Verletzung, erhielt aber einen Stich in den Schenkel. Alsdann fiel R. über seine, der Mutter beispringende Schwester her und brachte ihr Stiche in die Brust usw. bei, worauf er sich gegen den inzwischen erwachten Schwager wandte und auch diesem einige Stiche in die Schulter und einen in das Bein versetzte. Erst herbeieilende Nachbarn konnten den Wütenden überwältigen, der sich nunmehr des ganzen Vorgangs nicht mehr zu erinnern behauptet, und diesen auf die Wirkung eines am Freitag vorher gehabten epileptischen Anfalls zurückführt. Die Untersuchung wird nun feststellen, ob R. verantwortlich ist. Die Verletzten sind außer Lebensgefahr. (D. T. A.)
Mainz, 22. November. Der juristische Beistand der Stadt Mainz, Herr Rechtsanwalt Dr. Horch, war vor einigen Tagen im Auftrage der Stadt Mainz in Berlin, nm mit dem Verwalter des Simon Blaad'schen Nachlasses wegen des der Stadt Mainz zufallenden Erbschafisbetrags definitiv abzuschließen. Nachdem mit der Schwester des
verstorbene» ei» gütliches Uebereinkommen getroffen worden war, damit diese etwaige Rechtsansprüche gerichtlich nicht zum Austrag bringen möge und damit eine Verzögerung in der Auszahlung des Nachlasses nicht weiter eintrete, wurde nunmehr derselben Schwester mit Zustimmung der drei erbberechtigten Städte Berlin, Bingen und Mainz ein weiterer Betrag von rund 60000 Mark überlassen. Mit dem Nachlaßverwalter in Berlin ist nunmehr vorbehaltlich einer definitiven Abrechnung ein Uebereinkommen getroffen, nach welchem der Stadt Mainz demnächst der auf sie entfallende Hauptbetrag ausbezahlt werden wird. An dem allerdings sehr bedeutenden Vermögen des Erblassers kommen nunmehr für Verwaltung — die Erbschaftsangelegenheit spielt schon nahezu 4 Jahre —, für Prozeßkosten, für übernommene Entschädigungsansprüche rc. ganz bedeutende Summen und zwar über 125000 Mark in Abzug. Der auf die Stadt Mainz entfallende Betrag wird, wie wir sicher vernehmen, den Betrag von 300000 Mk. nicht mehr erreichen.
Marburg, 21. November. In der Universitäts-Klinik starb nach kurzer Krankheit Kadettenpfarrer Wegener, der durch seine langjährige Thätigkeit als Pfarrer des Kadetten- Hauses Bensberg in weiten militärischen Kreisen bekannt war.
Kunst und Wissenschaft.
Diebische Kunstfreunde? Mehrfach haben wir über einen Bilderdiebstahl berichtet, durch den der Wiener Maler, Professor Kraemer, betroffen sein sollte. Wie sich jetzt herausstellt, hat vor längerer Zeit Professor Kraemer mehrere Aquarelle verloren, während der jetzt zur Kenntnis gekommene Diebstahl bei Professor Paul Meyer- Heim in Berlin begangen ist. Als vor einiger Zeit Professor Meyer- Heim von einer längeren Reise zurückgekehrt war, wollte er ein Aquarell, das von einem früheren Aufenthalt im Süden herrührte, einrahmen (affen. Aber das Bild war und blieb verschwunden. Bei näherer Untersuchung seiner Mappen sand Professor Meyerheim, daß noch drei weitere Aquarelle fehlten. Eines der Bilder stellt einen Luxortempel dar, ein anderes einen egyptischen Schöpfbrunnen, an welchem Ochsen und Esel getränkt werden, das dritte das Schloß Tarasp im Engadin (im Vordergründe eine Frau bei der Heuernte), und das vierte eine oberitalienische Landstraße zwischen engen Mauern und von Olivenbäumen beschattet. Die Aquarelle stnd aus großen Mappen gestohlen worden, welche stets in Professor Meyerheims Wohnung geblieben sind. Von der Ehrlichkeit seines Personals ist Professor Meyerheim völlig überzeugt. Er vermutet, daß die vier Bilder bei Gelegenheit einer vor längerer Zeit gegen Eintrittsgeld zu wohlthätigen Zwecken gestatteten Atelierbesichtigung von „Kunstfreunden" entwendet worden sind — Hierzu sei noch bemerkt, daß auch bei Excellenz Menzel kürzlich ein größerer Bilderdiebstahl entdeckt worden ist In Berliner Kunsthandlungen wurden zahlreiche echte „Menzel" zu abnorm billigen Preisen angeboten, und bei der Nachforschung stellte sich heraus, daß jbie billigen Menzel gestohlen waren. Wie wir hören, ist eine des letzterwähnten Diebstahls verdächtige Persönlichkeit bereits festgenommen worden.
Kirche und Schule.
Neu-Isenburg, 20. November. Am 20. September 1699 wurde den Bürgern des neugegründeten Hugenottendorfes Neu-Isenburg von ihrem damaligen Landesherrn, dem Grafen von Isenburg daS Recht verliehen, „sich einen Lehrer zu wählen, wen und woher sie wollen". Als 1816 Isenburg in hessischen Besitz überging, wurde der reform. Kirchengemeinde daselbst dieses Recht bestätigt. Man nennt deshalb die erste Stelle an der hiesigen Volksschule, die mit dem gewählten Lehrer besetzt wird, heute noch die sogen. Wahlstelle. Sämtliche Glieder der hiesigen Gemeinde, welche zu den evangel. Kirchenwahlen stimmberechtigt sind, besitzen auch das Stimmrecht zu dieser Wahl Keine andere Gemeinde unseres Großherzogtums kann sich eines gleichen Rechtes rühmen. Die hiesigen Einwohner haben in diesem Jahrhundert nur selten Gelegenheit gehabt, ihr einzigartiges Recht auszuüben, denn seit der letzten Lehrerwahl ist mehr als ein Menschenalter dahingerauscht. Der vorletzten Lehrerwahl gar, kann sich fast kein Bürger mehr erinnern. Bei der Wahl, die gestern "in der hiesigen Kirche stattfand, waren fünf Bewerber aufgetreten. Es sind dies die Herren Lehrer Fr. Ad. Lack aus Offenthal, Feurer aus Dudenhofen, Otto Jung aus Gras-Ellenbach, Schulverwalter Pet Remy von hier und Christoph Jost aus Götzenhain. Als Sieger ging der jüngste Bewerber mit ansehnlicher Mehrheit aus der Urne hervor. Die Werbung vor der Wahl war sehr rege; auch die üblichen Wahlaufrufe und die hier unvermeidlichen Flugblätter fehlten nicht An der Abstimmung beteiligten sich über vier Fünftel der Wähler, eine Beteiligung, die hier selten zu verzeichnen ist. Gerüchtweise verlautet, der Gemeinderat habe am Samstag einstimmig beschlossen, gegen die Giltigkeit der Wahl Einspruch zu erheben. Er ist der Ansicht, daß nicht alle Kirchensteuerpflichtigen stimmberechtigt sind, sondern nur diejenigen von ihnen, welche im Besitze des Ortsbürgerrechts sind. Man ist daher sehr gespannt, ob die Wahl die behördliche Genehmigung finden wird. — Am vergangenen Donnerstag regte der Gemeinderal an, die Stelle der hiesigen Volksschule, mit welcher die Dienstobliegenheiten eines Oberlehrers verbunden werden sollen, nochmals zur Bewerbung auszuschreiben, da er bereit ist, nicht nur — wie irrtümlich im Ausschreiben angegeben — 300, sondern 600 Mk. zu bewilligen, wenn in einem geprüften Oberlehrer ein Leiter unserer Schulen gewonnen wird.
Universität und Hochschule.
Ernannt: Die juristische Fakultät der Universität Bern hat den Bundesrat Deucher, die Altkatholisch-Theologifche den Licentiaten Leop. Götz in Passau zu Ehrendoktoren ernannt.
Berlin, 22. November. Die Angelegenheit der Hörerin im Kolleg des Professors Behrendt, welche weiteren Kreisen bekannt geworden ist, scheint sobald nicht zur Ruhe kommen zu wollen. In der Vorlesung des oben genannten Dozenten, welche eine öffentliche ist, wiederholen sich regelmäßig die von uns im Anschluß an das erste Kolleg bereits geschilderten und gewürdigten tumultuarischen Vorgänge. Prof. Dr. Behrendt liest, wie erinnerlich, über „Die Prostitution in ethischer, rechtlicher und gesundheitlicher Beziehung". An diesem Kolleg nimmt mit Erlaubnis des Dozenten auch eine keineswegs jugendliche Dame Teil, eine Vorsteherin einer höheren Schule. Bei den Studenten erregt das Erscheinen der Dame das höchste Mißfallen, was sich in stürmischen Kundgebungen äußert. Auch gestern abend erschien die Hörerin wieder im Kolleg, und von neuem entbrannte der Kampf. Länger als zehn Minuten wurde gescharrt, gezischt, gepfiffen nnd nur vereinzelt getrampelt. Auch als Professor Behrendt das Katheder bestieg, hatten die Gemüter sich noch noch nicht beruhigt, und wieder entstand ein heftiger Spektakel. Als der Sturm sich ein wenig gelegt hatte, erhob sich Professor Behrendt und sagte: Er, als Lehrer, habe der Dame gestattet, den Vorlesungen beizuwohnen, die Studenten sollt-n sich diesem Beschlüsse fügen und möchten nach Möglichkeit ruhig sein. Hingegen wären das letztemal eine große Anzahl Turnlehrer, Kaufleute und andere Personen erschienen, die kaum ein wissenschaftliches Interesse an seinen Ausführungen haben dürften. Es seien aus diesen Gründen diesmal Pedelle an den Saalthüren ausgestellt, welche den Eintritt nur gegen Vorzeigung der Studentenkarte gestatteten. Hierauf ging der Professor zu seinen äußerst sachlichen Ausführungen über, in denen er weit mehr die soziale Seite der Prostitution betont und ihre historische Entwickelung darlegt, als medizinische Auseinandersetzungen bringt. Trotzdem wurde
et auch iwt weitere« verlauf des Vortrages von Ueußerungen deS Beifalls und Mißfallens wiederholt unterbrochen.
Die Thüringische Universität Jena erregt jetzt, wie wir in Nr. 136 der „Deutschen Frauenztg." lesen, in den Kreisen der Frauenbewegung ein ganz besonderes Interesse. Sie ist bekanntlich die einzige Universität in Deutschland, die den Frauen, selbst als Hörerinnen, verschlossen ist. Die genannte Zeitung schreibt: „Man kann nicht glauben, daß die Hochschule, die in so vielen Dingen als freiheitlichen Grundsätze« huldigend bekannt ist, aus Prinz'p sich den Frauen verschließt, zumal von manchen ihrer Dozenten bekannt ist, daß sie direkt für das Frauenstudium eingetreten sind. Man kann dies um so weniger annehmen, als der Rektor der Universität der Großherzog von Sachsen-Weimar ist, von dem man allgemein weiß, wie er die Glanzzeit seines Landes und der Landesuniversität weiter zu führen bestrebt ist. Noch auffälliger wird die Zurückhaltung dadurch, daß im vollen Gegensatz dazu in Preuße» der Kultusminister selbst soeben einen Erlaß an sämtliche Regierungen gerichtet hat, in welchem er ausdrücklich auf die in reger Arbeit stehenden Fortbildungskurse für Lehrerinnen in Berlin, Göttingen, Königsberg, Münster und Jena hinnnift. Warum soll, was in Preußen amtlich empfohlen wird, in den Thüringischen Staaten unmöglich sein? Die deutsche Frauenwelt dürfte wohl Aufklärung darüber erwarten."
Kiel, 21. November. Vor der Strafkammer wurde heute gegen den hiesigen Universitätsprofessor Lehmann wegen Beleidigung des Distriktskommissars Gottschalk in Bromberg, früher in Elberfeld, in der Ziethen-Angelegenheit verhandelt. Nach zweistündiger Verhandlung erfolgte Vertagung zum Zwecke von Zeugenvernehmungen, ob Gottschalk im Rufe eines agent provocateur bei der Niederwaldaffaire gestanden habe.
Verschiedenes: Der Wiener Stadtrat hat die Widmung eines Ehrengrabes für den am 28. September l. I. verstorbenen Universitätsprofessor Hofrat Dr. Puschmann — denselben, der früher in München eine Professur bekleidete — beschlossen.
Jagd und Spott.
nn. Der Darmstädter Bycicle-Club hat in einer am Freitag stattgefundenen G neral-Verfammlung den einstimmigen Beschluß gefaßt, seine am Karlshof gelegene große Rennbahn voll- frSndtg aufzugeben und dem Erdboden gleich zu machen. Die Rennbahn wurde vor drei Jahrm nach den neuesten Erfahrungen der Renntechnik mit ca. 3 M ter hohen Kurven umgebaut, was einen Kostenaufwand von ca. 3000 Mk. erforderte. Gerade dieser Umbau soll aber mit dazu be getragen haben, daß hervorragende Rennfahrer auf der Bahn nicht mehr fterteten sondern die Flachbahnen vorzogen. Mit dem Abbruch der Umzäumung ist bereits begonnen.
Arbeiterbewegung.
Paris, 22. November. Die Hufschmiede vereinigten sich gestern in der Arbeiter-Börse. Es waren ungefähr 2000 Mitglieder anwesend. Nach einer längeren Debatte wurde der allgemeine AuSftand beschlossen. Zahlreiche Hufschmiede in der Umgegend von Paris haben sich mit den Pariser Hufschmieden solidarisch erklärt.
Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle tu Gießen.
46. Woche. Vom 12. bis 18. November 1899.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär).
SterblichkeitSztffer: 25,47, nach Abzug der Ortsfremden 19 09 ’/oo.
Kinder
ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Lungenschwindsucht
2 (1)
2 (1)
—
—
Bronchitis
1 (1)
1 (1)
—
—
Diarrhöe
2
2
—
Bösart. Neubildungen 5 (1)
5 (1)
—
—
Unbekannte Krankh.
2
1
1
—
Summa: 12 (3) 9 (3) 3
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viels der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von «uSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Wetterbericht. Am Südrande des östlichen Minimum, welches eine westliche Bahn verfolgt, hat sich abermals ein Ausläufer gebildet. Derselbe erstteckt sich über das Ostsee-Gebiet bis nach Norddeutschland herein. Innerhalb seines Bereiches herrscht trübes und an vielen Orten unruhiges Wetter. Im nördlichen Deutschland regnet es stellenweise. Das barometrische Maximum weist einen Kern von über 775 Millimeter vor dem Kanal auf und erstreckt sich keilförmig durch Central-Europa bis zum Gebiete der unteren Donau Im Mittelmeer-Gebiete ist das Barometer gestiegen. Das dort befindliche Minimum weicht südostwärts zurück. In Süddeutschland ist das Wetter meist kühl und trübe; zeitweise schneit es auch ganz leicht.
Voraussichtliche Witterung: Meist kühles und trübes Wetter mit vereinzelten leichten Niederschlägen.___________________________________
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
— Schnellprefsen-Fabrik Frankenthal. DaS am 1. Oktober beendete erste Semester des laufenden Geschäftsjahres weist einen Versandt von 1561735 Mk. auf. Der Brutto-Buchgewinn beträgt 435000 Mk. An unerledigten Aufträgen lagen 816 350 Mk. vor, zu denen inzwischen weitere 445 000 Mk. hinzugetreten sind. Die Fabrik begeht am 25. November ein dreifaches Jubiläum: 40jährlgetz Bestehen, 10jährige Aktiengesellschaft und Fertigstellung der 5000stm Maschine.
— 3proz. StaatSbahN'Prioritäten. Der Einlösungskurs für verloste 3proz. Odltgattonen und verfallene KouponS für die Zeit vom 20. bis 25. d. M. wurde auf 80.93 festgesetzt.
^aklunaseinüellunaen.
Laut B. B.-Z'g. rst die Zahlungseinstellung der TabakfiktMt Leopold Königsberger in Frankfurt a. M. bedeutender all anfänglich angenommen wurde. Die Schulden stnd zwar noch nicht genau festgestellt, man glaubt aber, daß sie sich auf mindesten! 1*/, Millionen Mark belaufen werden. Die Frankfurter Niederlassung der Kommerz- und Diskontobank ist sowohl durch Kiro-Verbindlichkeiten als auch durch eine Buchforderung bet der Zahlungseinstellung beteiligt. Für die Buchfordeiung hat st« Waren in Pfand. Wie hoch die Buchforderung sich beläuft, ist bisher nicht bekannt geworden; man will aber wissen, daß die Bank mit insgesamt etwa 600000 Mk. beteiligt ist.
Brüssel, 22. November. AuS Antwerpen wird gemeldet, daß die Passiva der großen Getreide-Firma Dehdl f r ö r e S , welche ihre Zahlungen eingestellt hat, mehr als drei Millionen Francs betragen. Eine große Anzahl kleiner Firmen ist in Mitleidenschaft gezogen.
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