Ausgabe 
24.11.1899 Erstes Blatt
 
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Samstag den 25. November 1899.

Vorabend 4»- Uhr, morgens 9 Uhr Geburtstagsfeier Ihrer «gl. Hoheiten des GroßherzogS und der Groß­herzogin, nachmittags 8 Uhr, Sabbalhausgang 5,a Uhr.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold'.

Berlin, 23. November. Von der Kaiserreise nach England wird gemeldet: Der Kaiser und die Königin Viktoria machten gestern nachmittag in Begleitung der kaiserlichen Prinzen eine Spazierfahrt und nahmen abends an der Familientafel teil.

Wien, 23. November. Die jungtschechischen Ab­geordneten beschlossen, mit der Obstruktion vorzu- gehen. Zu diesem Behufe werden sich sämtliche Klubmit­glieder für die Debatte über die Ausgleichs-Vorlage als Redner eintragen lassen.

Wien, 23. November. Nach zuverlässigen Privatmel­dungen bestätigt es sich, daß die Russen Herat einge­nommen haben.

Wien, 25. November. Das Abgeordnetenhaus lehnte sämtliche Anträge ab, welche die Versetzung des Ministeriums Thun in den Anklagezustand be­treffe.

Wien, 23. November. Bei der gestern fortgesetzten Debatte über die Minister-Anklage kam es bei einer Rede des polnischen antisemitischen Abgeordneten Stojalowski zu einem heftigen Auftritt zwischen diesem und dem Sozial­demokraten Daszynski. Ersterer nannte Daszynski einen niederträchtigen Kerl, der von Berlin aus unterstützt werde. Daszynski rief, ein so schmutziges Individuum sollte man überhaupt hier nicht hereinlassen. Stojalowski erwiderte, Sie sind ein Meineidiger, Sie haben schon drei Meineide geschworen, Sie Spion. An diesen Dialog knüpfte sich ein Schimpf-Konzert der beiderseitigen Parteien.

Budapest, 23. November. Die Quoten-Vereini­gung wird in hiesigen politischen Kreisen, wo man an dem Zustandekommen einer Einigung schon beinahe zweifelte, mit

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E. G m. u H.

Nreitag den 1. Dezember 1899, abends 8V2 Wr:

General-Versammlung

bei Gastwirt Adam Ziegler.

Tages-Ordnung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes und Aussichts­rates. 2. Bekanntgebung des Revisionsberichtes.

einem Gefühl der Erleichterung ausgenommen. Die Ver­treter Ungarns betonten bei den Verhandlungen, die Quoten- Erhöhung sei ziffermäßig nicht motivirbar, doch sähen sie sich zu Konzessionen veranlaßt, um den das Ansehen der Monarchie im Auslande untergrabenden Streit zu beenden. Das neue Quotengesetz wird heute im Parlament ein­gebracht.

Budapest, 23. November. Beim Schließen des Post­amtes in N a gy id a überfiel ein junger, elegant gekleideter Mensch die Po ftmeisterin, schlug sie mit einem Hammer nieder und raubtediePostkassemit beträchtlichem Inhalt aus. Der Attentäter ist ausfindig gemacht. Die Post­meisterin ringt mit dem Tode.

Budapest, 23. November. Auf den Fiumaner Schnellzug wurde gestern ein Attentat verübt, indem die Schienen gelockert wurden. Durch die Wachsam­keit des Personals wurde eine Katastrophe verhindert.

Budapest, 23. November. Nach dem Muster von Mocsa suchten in Ober Ungarn ein Richter und zwei Unterbeamte einer des Diebstahls verdächtigen alten Frau durch furchtbare Foltern ein Ge­ständnis zu erpressen. Die Frau starb unter den Qualen der Folter. Der Richter und feine Helfer wurden zu je 9 Monaten Kerker verurteilt.

Budapest, 23. November. Von der Quoten-Depu­tation wurde die österreichische Quote auf 65,6 und die ungarische auf 34,4 Prozent festgesetzt.

Rom, 23. November. Montenegr o unter­handelt hier wegen einer Anleihe und zwar gegen Ver­pfändung der Zoll-Einnahmen.

London, 23. November.Daily Telegraph" veröffentlicht eine Sensationsmeldung, wonach der russische Finanz- Minister Dr. White auf kaiserlichen Befehl ver­haftet worden sei. Er habe den Versuch gemacht, sich zu entleiben, sei aber daran gehindert worden. Seme Gattin habe eine Audienz beim Zaren erbeten, dieselbe aber nicht erhalten. Diese Nachricht ist mit großer Vorsicht aufzunehmen. A k

London, 23. November. In liberalen Kreisen wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß der Tod der Lady Salisbury eine Rückwirkung auf die englische Politik haben werde, in dem Lord Salisbury dadurch veranlaßt werden dürfte, zurückzutreten, wodurch die Politik Chamberlains zumJmperialismus ungehindert zur leitenden englischen Politik erhoben würde.

Lokales und VrsvmsteUes.

Gießen, den 23. November.

** Stadttheater. Auf die morgen Freitag stattfindende Premiäre der Lustspiel-NovitätDas Opferlamm" wird hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Die Besetzung der Rollen ergiebt sich aus dem Theaterzettel in heutiger Nummer. _________

Aus Hessen, 22. November. Ein Professor einer Hochschule berührte kürzlich bei seinen Zuhörern während des Vortrags eine amüsante Reminiszenz. Ein Verwaltungs­beamter Name und Wohnsitz wollen wir verschweigen telegraphierte nach einem glücklich überlebten Erdstoß seiner vorgesetzten Dienstbehörde:Heute nacht hier Erdbeben verspürt. Was machen?" Jedenfalls erteilte die Behörde dem besorgten Beamten schleunigst angemessene Verhaltungs­maßregeln zur wirksamen Bekämpfung der Erderschütter­ungen. *

Klein-Krotzenburg, 22. November. Der heutige all­gemeine preußische Bußtag brachte der benachbarten Kahlthalbahn trotz des düsteren Himmels eine sehr lebhafte Frequenz. Der eingelegte Sonderzug wurde fleißig benutzt. Den Arbeitern wurden die gleichen Ver­günstigungen wie an Samstagen gewährt. Die gesamte Ringofenanlage zu Blankenbach war zur Herstellung von hydraulischem Stuck- und Schwarzkalk im Betriebe. Don der Erlaubnis zum freien Zugang wurde seitens der zahl­reichen Interessenten Gebrauch gemacht.

Hainstadt a. M., 22. November. Eine Kuh des Weichenwärters Gerbig dahier brachte dieser Tage ein Kalb mit sechs Beinen und zwei Köpfen zur Welt. Die überzähligen beiden Vorderbeine hingen von der Schulter des Monstrums herab, während der zweite Kopf an der Seite des normalen Kopfes hervorgewachsen ist. Die Miß­geburt befindet sich zwar, wie die Kuh, wohl und munter; gleichwohl will der Besitzer das seltsame Naturgebilde töten und auSbalgen lassen.

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Bekanntmachung.

Der Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Heuchelheim für 1900/1901 liegt acht Tage lang, vom 25. November an, zur Einsicht aller Beteiligten auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen.

Heuchelheim, den 22. November 1899.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

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Attaedot der Arbeitnehmerr 2 Weißbinder, 1 Schneider, 1 Maschmen- schloffer 1 Schuhmacher, 2 Taglöhner, 2 Hausburschen, 1 Lagerarbeiter, 1 Dienst­mädchen, 2 Lauffrauen, 1 Putzfrau, 1 Kontorist, 1 Spengler.

Nachfrage der Arbeitgeberr 1 Bürstenbinder, 1 Tapezier (Polsterer), eine Anzahl Maschinenschloffer, 1 Mechaniker, 1 Bauschloffer, 2 Schreiner, 1 jüngerer Lausbursche, 2 Dienstmädchen, 1 gewandtes Hausmädchen, 1 Laufrnadchen für den ganzen Tag, 1 Lagerarbeiter im Alter von 22 bis 25 Jahren.

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Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Ruttershausen für das Jahr 1900/1901 liegt auf dem hiesigen Bürgermeisterei Bureau vom 24. d. Mts. an acht Tage lang offen.

Ruttershausen, den 23. November 1899.

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Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur Kenntnis der Beteiligten, daß die gestern stattgehabte Verpachtung von Triebvierteln genehmigt worden ist.

Gießen, den 21. November 1899. 8223

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth.

Gingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 23. November 1899.

Die Leitung her öffentlichen Vortt äge in der Aula wird ersucht, für eine erträgliche Temperatur und atembare Luft im Saale Sorge iu tragen. Der Zustand war bei dem gestrigen, in Form und Inhalt vorzüglichen Vortrag des Herrn Geb. Rat Prof. vr. Oncken geradezu «nertiägltch. Schon in der Mitte des Vortrages war kaum jemand »ehr imstande, mit Aufmerksamkeit, geschweige denn mit Genuß dem Redner zu folgen. Am Schluß hone man nur daS eine Gefühl äußern: Gott sei Dank, endlich kann man hinaus.

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Als Reinertrag der bei Gelegenheit des Sortraged eon v. Paul v. Zimmermann veranstalteten Sammlung habe lch heute 135 Mk. an den Schatzmeister der evangeüschen Gemeinde Turn bei Tdplitz in Deutschbbhmen abgesandt.

Gießen, 22. November 1899.

verMMes

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Reinhardshain für das Jahr 1900/1901 liegt vom 27. November 1899 an acht Tage lang zu Jeder­manns Einsicht auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen.

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Sabbathfeier am 25. November 1899.

Freitag abend 4« Uhr, Samstag bormittog 8» Uhr Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit deS Großherrogs und Ihrer Kgl. Hoheit der Grovyerzogiu, nachmUtagS s Uhr, Sabbathausgang t,e Uhr. , <s nhr

Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 5«- Uhr.

.Bei dem hiesigen Zweigvereiu vomXotcn Kreuz" sind an Uaterfiützungeu sur Transvaal eingegaugeu und werden dankend quittiert:

»on A^H. 10 Mk , E. R. 1 Mk., Justizrat Dr Reatz 20 Mk S. F 15 Mk, Kommerzienrat Gail 10 Mk, Kommerzienrat Äofi 0 SKL, L'ouU Wallenfels 20 Mk., Q. 8 M., durch die ExpedMon des Gießener Anzeiger von W. in Gießen 5 Mk., Pfarrer Hamann 2 Mk., zusammen

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