Ausgabe 
24.10.1899 Zweites Blatt
 
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zu Hungen; zum weltlichen Mitglied: Herr Professor Stamm zu Gießen, zu seinem Stellvertreter Herr Bürgermeister Bopp zu Bellersheim. Sodann erhält das Wort Herr Pfarrer Draudt zu Wohnbach zum Bortrag seines Cor- refaratS, das bei der vorjährigen Synode wegen vorgerückter Zeit verschoben werden mußte; es handelte von der Ge­meinschaftspflege. Man stimmte im Allgemeinen seinen Ausführungen zu. Das Ergebnis der regen Debatte war die allgemeine Einsicht, daß etwas geschehen müsse, um die rechte christliche Gemeinschaft noch mehr als bisher zu pflegen. Es werden verschiedene praktische Vorschläge ge­macht. Man erinnert sich daran, daß ja auch im Referate der nächstjährigen Synode diese Frage berührt werden wird, welche lautet:Wie können Kirche, Schule und Staat die Bestrebungen der Sittlichkeitsvercine fördern?" Nach einigen Mitteilungen aus dem Gebiete der inneren Mission wird die Synode mit Gebet geschlossen.

Vermischtes.

Bamberg, 21. Oktober. Der hiesige Stadtmagistrat hat die beiden Schutzleute Hau und Müller II. aus dem Dienste entlassen. Beide hatten einen Sergeanten des hiesigen Infanterieregiments widerrechtlich verhaftet und auf dem Wege zur Wache, sowie auf der Wache selbst arg mißhandelt. Gegen eine Anzahl Hilfsschutzleute ist aus gleichem Anlasse eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden

* Aachen, 20. Oktober. Justizrat Heinrich Junker ist heute infolge eines Schlaganfalles gestorben. Der Verstorbene war Mitglied des Vorstandes und des Ehren­gerichtes der rheinischen Anwaltskammer.

* Osnabrück, 21. Oktober. Infolge Genusses ver­gifteten Käses sind hier 40 Personen erkrankt. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung angeordnet. Einer der ältesten Leute der Monarchie ist der 100j ährige Ackerbürger Wiedemann in dem benachbarten Leven, der noch so rüstig ist, daß er nach wie vor seinem schweren Berufe nachgeht. Ein Sohn von ihm ist Geheimer Hofrat in Karlsruhe.

* Hannover, 21. Oktober. Ein todtgeglaubtes Ehepaar wurde hier gefänglich eingebracht. Jm Mai dieses Jahres verschwand hier der Restaurateur Lüderitz mit seiner Ehefrau unter Hinterlassung einer großen Schulden­last. Bald darauf ließ Lüderitz in den hiesigen Tages­zeitungen die Nachricht verbreiten, daß er seine Frau und später sich selbst in Holland erschossen habe. Kürzlich kam ein Weinreisender nach Amsterdam und entdeckte hier in einer Damenkneipe in der Warmoestraße Lüderitz, der dort Inhaber dieser Kneipe war. Der Reisende erstattete An­zeige, Lüderitz und Frau wurden verhaftet und nach Han­nover übergeführt, wo sie sich nun vor dem Gericht wegen Betruges zu verantworten haben werden.

* Leipzig, 21. Oktober. In der sensationellen Wechsel- sichwindelaffäre ist eine weitere Verhaftung erfolgt. Die Höhe der Schwindeleien beträgt über 600000 Mark.

* Schmiedefeld bei Stolpen, 21. Oktober. In der vergangenen Nacht wurde im Hause des aus Seeligstadt gebürtigen Wirtschaftsbesitzers Hermann Winter die Familie anscheinend erwürgt vorgefunden. Ein Knabe und ein Mädchen im Alter von fünf und einem Jahre lagen entseelt auf dem Heuboden. Winter selbst hat sich unweit seiner Kinder aufgehangen. Wahrschein­lich hat letzterer die furchtbare That in plötzlich über­kommenem Wahnsinn gethan. Er galt als ein ruhiger, solider Mann, dem sonst das Wohl seiner Familie am Herzen lag.

* Siruau, 21. Oktober. Die Baron Stummer'sche Zuckerfabrik ist vollständig niedergebrannt.

* Kopenhagen, 21. Oktober. Bei den letzten Stürmen an der norwegischen Küste sind, wie jetzt festgestellt ist, 55 Bote untergegangen und 235 Menschen ums Leben gekommen. Die Not an der Küste ist sehr groß. Ueberall werden Sammlungen veranstaltet.

Totis (Ungarn), 21. Oktober. In der Herren- Distanzfahrt Berlin-Totis ist gestern abend 10 Uhr 7 Min. als Erster Freiherr Senfft von Pilsach und als Zweiter Rudolf Ritter von Wiener-Welten angclangt.

Grrichtssaat.

Prozeß gegen den Klub der Harmlose«.

(14. BkrhandlungStog.)

Berlin, 21. Oktober 1899.

Nach einem kurzen Verhör des Portiers Richter aus dem Hause Hohenzollernstraße, in welchem Herr v. Kröcher gewohnt hatte, begann das Plaidoyer des Oberstaatsanwalts Dr. Jsenbiel. In demselben heißt es, daß sich dasBerliner Tageblatt" unzweifelhaft ein Verdienst erworben hat, als es am 16. Dezember 1898 den bekannten Artikel, der den Anlaß zu diesem Prozeß gegeben hat, veröffentlichte. Der Zeitungsartikel habe nur den Zweck gehabt, darauf auf­merksam zu machen, daß sich ein berüchtigter Gewerbs­spieler in die vornehmen Spielerkreise eingeschlichen habe. Und das sei richtig gewesen. Hermann Wolf, der berüchtigte Spieler, habe in den Jahren 186365 wegen Diebstahls eine zweijährige Zuchthausstrafe verbüßt und später eine mermonatliche Gefängnisstrafe wegen gewerbsmäßigen Glücks­spiels. Ob Wolf in den vornehmen Kreisen falsch gespielt, stehe dahin; es bestehe aber die dringende Vermutung, daß er dascorriger la fortune geübt habe. Er (der Ober­stattsanwalt) müsse hier vor der Oeffentlichkeit feststellen, daß die über die drei Angeklagten verhängte Untersuchungs­haft durchaus notwendig und nach den damaligen Verdachts­gründen durchaus gerechtfertigt gewesen sei. Fragen müsse aran: Wer habe Wolf eingeführt? Herr Hans v. Kröcher sri es gewesen. Er trage die volle Verantwortung dafür. Nls Edelmann hätte er sich nach den Antecedentien des

Mannes erkundigen müsien. Die Verantwortung für die Einführung Wolfs trügen aber auch die Angeklagten v. Kayser und v. Schachtmeyer. Dies sei aber nicht der einzige Grund zur Verhaftung gewesen, vielmehr seien dazu die schweren Belastungen namentlich des Grafen Königs« marck gekommen. Er glaube nicht, daß der Brief, den Graf KönigSmarck an v. Kröcher gerichtet, ,,nur im Scherz" geschrieben sei. Und auch das Verschwinden des Kellners Montaldi errege den Verdacht. Die Verhaftung der drei Angeklagten sei nicht wegen Verdacht des Falfchspiels er­folgt, sondern nur wegen gewerbsmäßigen Spiels. Und dazu hätten wahrlich genug Momente vorgelegen. Nichtig sei, daß zahlreiche Zeugen ihre Aussagen in der Hauptver­handlung eingeschränkt haben. Das möge aber in dem Um­stand begründet sein, daß jeder dieser Zeugen unter dem Eindruck stand:Res mea agitur". WaS Herrn v. Man­teuffel anlange, so wolle er erklären, daß man kein Recht hatte, diesen pflichttreuen Mann so mit Vorwürfen zu Über­häufen, wie das geschehen fei. Er (der Oberstaatsanwalt) billige durchaus nicht alles, was Herr v. Manteuffel gethan, namentlich nicht den Brief an Herrn Dr. Leipziger; aber schwere Vorwürfe dürften aus demselben gegen Herrn v. Manteuffel nicht hergeleitet werden. Nicht zu billigen sei ferner, daß Herr v. Manteuffel die Verteidigungs­schrift dem Grafen KönigSmarck zugänglich gemacht habe. Dos sei ein schwerer, bedauerlicher Mißgriff. Betreffs des Dr. Kornblum müsse er sagen, daß er es gewesen, der den Stein ins Rollen gebracht, der jetzt als Lawine zu Thal ging. Auf dessen Zeugnis sei zu ver­zichten. Auch von dem Zeugnis des Generalmajors v. Kröcher mache er keinen Gebrauch, wenn er ihm auch jedes Wort glaube. Herrn Hans v. Kröcher wünsche er ein recht langes Leben, damit er in den Stand gesetzt werde, seinem Vater die schwere Stunde, in der er hier vor Gericht für feinen Sohn Zeugnis abzulegen sich entschloß, zu vergelten. Der Oberstaatsanwalt führt weiter aus, rechtlich und thatsäch- lich fei an der vollen Ueberzeugung festzuhalten, daß alle drei Angeklagten des gewerbsmäßigen Glücksspieles schuldig seien. Sie hätten fortgesetzt in der Absicht gespielt, zu gewinnen und aus den Gewinnen ihren Lebens­unterhalt zu bestreiten. DerKlub" sei lediglich zu Spiel­zwecken begründet worden und habe lediglich eine Spielbank dargestellt. Der Oberstaatsanwalt geht nun auf jeden der Angeklagten ausführlich ein und kommt zu dem Schluffe, daß bei Herrn von Kröcher noch viel mehr und viel hand­greiflichere Beweise dafür vorliegen, daß er das Glückspiel gewerbsmäßig betrieben habe, als bei den anderen beiden Angeklagten. Alle drei Angeklagten seien zu verurteilen, und zwar beantrage er gegen v. Kayser 4 Monate Gefäng­nis unter voller Anrechnung der Untersuchungshaft, gegen v. Kröcher 6 Monate Gefängnis, wovon 4 Monate durch die Untersuchung als verbüßt zu erachten seien und außer­dem 6000 Mk. Geldstrafe oder 1 Tag Gefängnis für je 15 Mk. und gegen v. Schachtmeyer 3 Monate Gefängnis, die als verbüßt anzusehen seien. Hierauf ergriff Justizrat Dr. Sello das Wort, welcher seine Rede um 3 Uhr nach­mittags beendet hatte. Darauf antwortete der Staatsanwalt, wonach Rechtsanwalt Sello noch einmal die Gründe des Staatsanwalts zu widerlegen suchte. Hierauf nahm Rechts­anwalt Schachtel das Wort, welcher indes nur kurze Zeit sprach, worauf der Staatsanwalt mit einer kurzen Replik erwiderte. Dann ergriff Rechtsanwalt Schwindt das Wort zu längeren Ausführungen. Hierauf sprach Rechtsanwalt Pincus für seinen Klienten von Schachtmeyer; der Ober­staatsanwalt ergriff sodann nochmals das Wort zu einer kurzen Replik. Nachdem der Präsident sodann eine kurze Ermahnung an das Publikum erlassen, bei Verkündung des Urteils sich jeder Kundgebung zu enthalten, zog sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach etwa D/z stündiger Beratung (gegen 6*/4 Uhr) erschien der Gerichtshof und verkündete folgendes Urteil: Die drei Angekagten werden freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staats­kasse auserlegt. Zur Begründung des Urteils teilte der Vorsitzende mit, daß der Gerichtshof in Bezug auf Betrug, wie auf gewerbsmäßiges Glücksspiel die Fragen geprüft habe, daß er jedoch zu einemnon liquet" gekommen sei.

Kunst und Wissenschaft.

Wiesbaden, 21. Oktober. Heute morgen trat der 5. Ge­sellschaftstag der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur dahier zusammen. Vertreten sind die Vereine Berlin, Breslau, Hamburg, München, Frankfurt a. M., Ulm, Magdeburg und Straßburg Döring- Berlin erstattete den Rechenschaftsbericht. Nach demselben bestehen in Deutschland bereits 17 Zweiggesellschaften. Hierauf berichtete Förster- Zürich über den ethischen Bund und überbrachte die ^Einladung zum internationalen ethischen Kongreß in London, welcher im Juni nächsten Jahres stattfinden wird. Heute abend findet in dem großen Saale der Loge Plato eine große .Volksversammlung statt. In derselben werden die Herren Profestor Döring-Berlin, der Landtagsabgeordnete Sänger-Franksurt a. M., Dr. Kronenburg-Berlin und der Privatdozent Dr. Förster-Zürich sprechen.

Kopenhagen, 21. Oktober. Die schwedische Negierung hat be­schlossen, die seit zwei Jahren offene Stelle Andräes als Ober- Ingenieur am Patent-Bureau in Stockholm wieder zu be­setzen, da die Hoffnung auf Anderes Rückkehr aufgegeben sei.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Markusgemeinde.

Den 14. Oktober. Philipp Heinrich Müller, Maurer zu Gießen und Julianne Kümmel, Tochter von dem verstorbenen Taglöhner Philipp Kümmel zu Daubringen.

Lukasgemeinde.

Den 14. Oktober. Dr. Heinrich Pitz, Realgymnasiallehrer zu Gießen, Witwer, und Katharina Johanna Fresenius, Tochter des ver­storbenen Polizeirats August Fresenius zu Gießen.

Denselben. Wilhelm Haupt, Spengler zu Gießen, und Margaretha Maria Magdalena Schlaudraff, Tochter des TaglÜhners Gottfried Echau- draff zu Königsberg.

«etaufte.

M a t t h ä u s g e m e i n d e.

Den 15. Oktober. Dem Schneider Georg Hartmann eine Tochter, Mathilde, geboren den 16. Juni.

MarkuSgem einde.

Den 15. Oktober. Dem Buchhalter Herbert Heinz eine Tochter, Meta Johanna Emma Wilhelmine Katharine, geboren den 12. September. Lu kaSgem einde.

Den 15. Oktober. Dem Post Assistent Wilhelm 9lagel ein Sohn, Karl Wilhelm, geboren den 2. September

Denselben. Dem Hilsobremser Karl Otter ein Sohn, Georg Friedrich, geboren den 17. September.

Johannesgemeinde.

Den 15. Oktober. Dem Postboten Karl Pfeiffer ein Sohn, Georg Heinrich Karl, geboren den 10. September.

Denselben. Dem Bahnarbeiter Konrad Schmidt ein Sohn, Johann Richard, geboren den 3. Juni.

Militärgemeinde.

Den 20. Oktober. Dem Hauptmann und Kompagnie-Chef, Georg von Stößel ein Sohn, Georg Sigismund Wolfgang, geboren den 28. August.

Beerdigt«.

Matthäusgemeinde.

Andreas Stoll, Osenputzer, verheiratet, 49 Jahre alt, starb den 17. Oktober.

Johannesgemeinde.

Den 16. Oktober. Johann Jost Dönges, Schutzmann, 54 Jähre alt, starb den 13. Oktober.

Spirlplan der vereinigten Frankfurter Ltadttheater.

Opernhaus.

Dienstag, den 24. Oktober 7 Uhr:Hernans. Jm Ab. Gr. Pr. Mittwoch, den 25. ds., 7 Uhr: Letztes Gastspiel des Herrn Fran cis c» d'Andrade:Barbier von Sevilla". Außer Ab. Gr. Pr. Donners» tag, den 26. ds., 7 Uhr:Der fliegende Holländer". Jm Ab Gr. Pr. Freitag, den 27. ds., 7 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: Der Verschwender". Außer Ab. Samstag, den 28. ds., > ,7 Uhr: Vorstellung bei kleinen Preisen:Tannhäuser". Jm Ab. Sonntag, den 29. ds., SVj Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen:Trom­peter von Säkkingen". Außer Ab. 7 Uhr:Mignon". Jm Ab. Gr. Pr. Montag, den 30. ds., V»8 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: Lumpaci Vagabundus". Außer Ab.

Schauspielhaus.

Dienstag, den 24. Oktober, 7 Uhr:Als ich wiederkam". Jm Ab. Gew. Preise. Mittwoch, den 25. ds., 7 Uhr:Als ich wieder­kam". Jm Ab. Gew. Pr. Donnerstag, den 26. ds., 7 Uhr: Ab-Vor- stellung für einen ausgefallenen Samstag:Nora". Jm Ab. Gew. Pr. Freitag, den 27. ds., 7 Uhr: Vorstellung bei kleinen Preisen:Iphigenie auf Tauris". Jm Ab. Samstag, den 28. ds., 7 Uhr: Neu einstudiert: Heimat". Jm Ab. Gew. Pr. Sonntag, den 29. ds., 3 /, Uhr: Vor­stellung bei kleinen Preisen:Als ich wiederkam". Außer Ab. 7 Uhr: Heimat". Jm Ab. Gew. Pr. Montag, den 30. ds., 7 Uhr:Als ich wiederkam". Jm Ab. Gew. Pr.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

21 Oktbr. Frachtpreise. SBetjenJt 156615,75 Soru X 00,00-00,00, Gerstel00,00 -00,00. Hafers 13,22-1360 Erbsen ** 16,0000,00, Linseri A 28,0000,00, Wicken A 00,00 Lein A 00.00, Kartoffeln M 0,00O,iO. Samen A 00,0000,00 Mannheim, 21. Oktober. Der 1898er Tabak war kein aus­gesprochenes gutes Cigarrenmaterial, aber jedenfalls so gut, wenn nicht besser, wie die 1839er E.ute, Vergangenes Jahr ging man etwas verzagt in den Einkauf. Die Tabake wurden zu Preisen ge­kauft, dte dem Händler im Laufe des Verkaufs fast nichts mehr verdienen ließen. In diesem Jahre steht eS mit dem Einkauf viel schl mmer. Nachdem Dbnlänbir Fabrikanten einige Kleinigkeiten kauften, glaubten sämtliche Händler, im Einkauf der Oberländer Tabake benachletligt zu werd n und kauften in aller Et e dte sämt­lichen Vorräte auf. Dieser Tabak ist nicht zu unterscheiden, ob reif oder nicht; er ist schlecht im Brand und Qualität und man zahlte hierfür Mk. 3236. Bet eintretender schlechter Witterung ist eS gar nicht ausgeschlossen, daß dieser Tabak noch am Dache fault. Dte von früher bekannten guten Orte romben im Sturme genommen. Es sind im Oberland ca. 80 000 Zentner Tabak verkauft. Dte Haardtorte, wie Spöck und Staffort, wurden in einigen Stunden zu Mk. 32 dis 35 auso.rkauft, Graben 3032, Ncuthardt 3032. Jm N^ckarthale das nämliche Bild. Tabak, der noch vor 14 Tagen im Felde gestanden, ordinär und nicht ausgewachsen, schlecht im Brand, wurde zu 2227 und 30 genommen. Bet diesen Zuständen kann der Produzent, den man ständig anleitet, für d'e Veredelung des Gewächses mehr Sorgfalt zu verwenden, nur ein stilles Lächeln haben. Gegen Schluß der Woche nahni der Einkauf im Bruhrein seinen Anfang unb geht es hier sehr stürmisch zu. V" kaust wurden bis jetzt Uiiterowtsheim zu Mk. 2526, Zeutbern Mk. 22. Dte ganze Tabakswelt war dort vertreten. In Württemberg wurde Pleidels­heim zu Mk. 2022 geräumt. Wenn diese Situation noch anhält, ist in den nächsten Tagen dte ganze Tabak-Ernte genommen, aber nicht gekauft.

Viehmärkie. Die süddeutschen Viehmärkte waren in der Berichtswoche durchgängig sehr stark betrieben, auch das Ausland lieferte ziemlich Großvieh. Gang- und Mastochsen waren wen'ger vorhanden, dagegen aber Jungvieh sehr zahlreich vertreten. Viele Kühe, sowohl Mast« als auch Nutzvieh waren angetrieben. Jm allgemeinen ging ba< Geschäft an allen Plätzen flott, die Preise gingen durchgängig aber zurück, was hauptsächlich beim Jungvieh zu bemerken war. Die zugesührte« Schafe, Kälber und Schweine fanden größtenteils schlanken Absatz. CS kosteten durchschnittlich: Gang- und Mastochsen 1. Qualität Mk. 940 bis 1075, 2. Qualität Mk. 775 biS 950, 3. Qualität Mk. 590 bis 765, Stiere Mk. 390 bis 630 das Paar, Kühe Mk. 180 bis 290, Jungvieh Mk. 70 bis 140 das Stück.

Kraftfuttermittel. Die Tendenz für alle Sorten Kleien, Futtermehle und Biertreber ist anhaltend fest und haben die Preise weitere Steigerungen erfahren; prompte Ware sehr gefragt. Feine und grobe Weizenkleie Mk. 9.75, Roggenkleie Mk. 10.75, Viehtreber Mk. 10.75, Futtermehl Mk. 12.75 bis Mk. 13.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellei belief sich die Roheifenproduktiot» des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) tm Monat September 1899 auf 66 l 068 Tonnen, darunter Puddelrobeisen und Spiegeleisen 128 042 Tonnen, Bessemerrohetsen 38 830 Tonnen, Thomasrohelsen 369063 Tonnen und Gießereiroheisen 125133 Tonnen. Dte Produktion tm August 1899 betrug 681651 Tonnen, im September 1898 614 497 Tonnen Vom 1. Januar bis 30. September 1899 wurden produziert 6 028 577 Tonnen gegen 5 450595 Tonne« im gleichen Zeiträume beS Vorjahres.

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