Ausgabe 
24.9.1899 Drittes Blatt
 
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dern etwas seitwärts nach den Neuen Bauen zu verschoben, schräg davor nach Nord'Osten der Kopf der Zugbrücke. In unmittelbarer Nachbarschaft, südlich vom Thor, befand sich die HoSpital-Nedoute, der ehemals Schüler'sche Garten.

Eine Vergleichung unseres alten Festungsplanes mit dem vom Stadtbauamt angefertigten neuen Stadtplan zeigte bei beiden fast genau den gleichen Maßstab, was die Arbeit sehr erleichterte. Doch ist der alte Plan, wie Herr Köhler feststellte, in der Angabe der Straßenbreite und der Größe der Häuserblöcke nicht ganz zuverlässig, wodurch sich bei einem Aufeinanderlegen der beiden Pläne geringe Abweich­ungen ergeben. Trotzdem war es vollkommen möglich durch dieses Verfahren auf dem alten Plan die Stelle zu be­stimmen, an der die Mauerwerke freigelegt wurden. Diese Stelle ist genau diejenige des alten Thorturmes. Daß sie heute rechts, statt wie früher links, am Ausgange des Neuenweges liegt, ist daraus zu erklären, daß die Straße damals eine andere Richtung hatte. Man erkennt dies noch heute sehr deutlich an der Front der Häuser, die vorn Hause Nr. 40 ab einen spitzen Winkel mit der Straße bißen. Wir dürfen demnach in dem aufgedeckten Gemäuer die Reste des Neuenweger Thortarmes erblicken. Hierfür spricht auch noch ein anderer Grund. Der Augenschein belehrt, daß selbst bei der Annahme einer ziemlichen Breite

des Grabens, der bei den Thorhäuschen begonnen hat, der Brückenkopf noch ein beträchtliches Stück von der fraglichen Stelle entfernt, etwa an der Ecke der Schüler'schen Be­sitzung an der Johannesstraße, gewesen sein muß, also für uns nicht in Betracht kommt. Ein drittes festes Bauwerk hat aber in der Nähe nicht gestanden.

Die Erklärung der vorgefundenen Mauerreste ist danach teilweise sehr einfach. Das rechtwinklige Dreieck A ist das Fundament einer der südlichen Ecken des Turmes, das Rechteck B eines Strebepfeilers, der Mauerstrang C der Ansatz der inneren Stadtmauer, die die eigentliche Stadt umschloß und den Zugang durch andere Straßen als die Thorstraßen sperrte. Dagegen bleibt die Bedeutung des Manerblockes D unklar. Da die Basis des Blockes A unter­brochen ist, darf angenommen werden, daß nicht der ganze Turm, sondern nur seine Umfassungsmauer in dieser festen Weise fundamentiert war. ES steht zu hoffen, daß bei Ge­legenheit der bevorstehenden Kanalisationsarbeiten neue Aufschlüsse über die alten Befestigungen unserer Stadt sich ergeben werden, so auch an der jetzt blosgelegten Stelle. Denn gerade hier ist im Laufe der Zeit sehr viel ge­ändert worden, da die Entwässerung dieses Teiles offen­bar große Schwierigkeiten zu überwinden hat. Mehrfach ist der Boden durch Auffüllung verändert worden. Man

konnte an den Wänden der für den Neubau hergestellten Grube ganz deutlich zwei Schichten erkennen. Die eine davon, die untere, ^rührt sicher aus der Zeit der Schleifung der Festungswerke (18051810) her. Es wurden auf der Sohle Scherben von Ofenkacheln und Steingut-Gefäßen aus jener Zeit gefunden, eine derselben trägt deutlich die Jahreszahl 1802. Mit dem zur Auffüllung des Bodens rings um die gestürzten Mauern dienenden Schutte mögen sie dahingenommeu fein.

Wir haben die manchem vielleicht unbedeutend scheinende Frage nach dem Ursprung jener Mauerrefte aus verschiedenen Gründen ausführlicher behandelt, als sie zu verdienen scheint. Allein einem größeren Kreis ist es wohl nicht unlieb, wieder einmal etwas vom alten Gießen zu Horen, und dann verschwindet ein Zeuge der Vergangenheit unserer Stadt nach dem andern auf Nimmerwiedersehen. Es erscheint daher keineswegs unwichtig, mit möglichster Genauigkeit die spärlichen Reste, die hie und da aufgedeckt werden, zu unter­suchen, um so im Laufe der Zeit zu einer brauchbaren älteren Topographie Gießens zu gelangen. Von feiten des Stadtbauamts wird dieser Frage pietätvoll große Aufmerk­samkeit geschenkt. Möge auch jiber einzelne, wo er Ge­legenheit hat, dieses rühmliche Streben unterstützen.

Ebel.

Gewerbeschule Gießen unter Oberaufsicht Großh. Centralstelle für die Gewerbe stehende Aachschute für «Handwerker aller HLerufszweige, insbesondere für AarrhandwerLcr. Anfang des Winter-Semesters: 23. Kktoöer 1899.

Schluß: Ende März 1900.

Nähere Auskunft über Lehrplan, Programm rc. durch die mit­unterzeichnete Schulleitung. 688-1

Der Aufsichtsrat: Die Schulleitung:

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