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Nr. 198 Zweites Blatt- Donnerstag den 24. August 1S99
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Zur inneren Krisis.
Daß thatsächlich eine Krisis besteht, wird heute niemand mehr abzuleugnen wagen, ebenso muß zugegeben werden, daß es sich nicht npr um eine Krisis in Preußen sondern auch um eine solche im Reiche handelt. Denn wenn wirklich Fürst Hohenlohe an der Spitze des preußischen Ministeriums seine Demission giebt, so legt er ohne Zweifel auch das Reichskanzleramt in die Hände des Kaisers zurück. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß es nicht gut sei, allen gegenwärtig umlaufenden Gerüchten allzu willig Gehör zu schenken, und wir betonen nochmals, daß vor der Rückkehr deS Kaisers nach Berlin keine entscheidenden Schritte erfolgen werden. Die am Montag Nachmittag unter Vorsitz des Fürsten Hohenlohe abgehaltene Konferenz der Staatsminister war, wie wir hören, auf Veranlassung des Kaisers zusammenberufen worden, und Herr v. Lucanus war der Ueberbringer des bezüglichen Auftrages an den Präsidenten und den Vizepräsidenten des Staatsministeriums. Auch nach der Sitzung hatte der Chef des kaiserlichen Civil- kabinetts wieder eine Besprechung mit dem Fürsten Hohenlohe, in welcher er voraussichtlich das Resultat der Besprechung entgegengenommen hat, um den Kaiser ungesäumt zu benachrichtigen.
Was bei der gegenwärtigen Krisis besonders bemerkenswert erscheint, ist der Umstand, daß es hauptsächlich die Person Miquels ist, um welche sich die Krisis dreht. Auch bei dieser Gelegenheit läßt sich wieder erkennen, daß Herr v. Miquel thatsächlich die Seele des preußischen Ministeriums und der Reichsregierung war. Viele Freunde hat sich der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums nicht erworben, er hat schon lange Zeit die Ehre gehabt, der bestgehaßte Mann innerhalb der schwarz'weißen Pfähle zu sein. Jetzt, da er seine Mission erfüllt hat, wenden sich auch diejenigen von dem „Manne des Kaisers", die ihm viel zu verdanken haben. Die „Köln. Ztg." läßt ihn schon jetzt fallen, und geht über seine Gebeine hinweg, als ob sein Wirken und Schaffen gar keine Spuren hinterlassen würde.
Leute, die das Gras wachsen hören, wollen wissen, in der vertraulichen Staatsministersitzung am Montag habe es sich auch um die Frage gehandelt, welche Maßnahmen zu treffen seien, gegenüber den Verwaltungsbeamten, welche sich bezüglich der Kanalvorlage in Opposition zur Negierung befanden, und damit gewissermaßen die ihnen obliegenden besonderen Pflichten verletzt haben. Wie weit das richtig ist, läßt sich natürlich nicht feststellen; immerhin ist das ein sehr heikler Punkt, der zeigt, wie schwer sich in vielen Fällen die
Pflichten des Beamten mit denen eines Abgeordneten vereinigen lassen. Jedenfalls findet ein neues Ministerium manche zu lösende neue Frage vor, nach welcher Richtung die Entscheidungen fallen, kommt selbstverständlich auf die Männer an, welche die jetzigen Minister abzulösen berufen sind.
Da heute alle Vorgänge mit der politischen Krisis in Verbindung gebracht werden, so konstruiert man in einzelnen Kreisen auch aus der Abreise des deutschen Botschafters in Paris, Fürsten Münster, nach Deutschland einen Zusammenhang mit den bevorstehenden Entscheidungen des Kaisers. Wir wollen dies nur erwähnen, ohne daß wir für die Richtigkeit der bezüglichen Gerüchte irgend welche Verantwortung zu übernehmen vermöchten. (xx)
Deutsches Wich.
Berlin, 22. August. Die Kaiserin ist mit den kaiserlichen Kindern gestern nachmittag 6 Uhr mittelst Sonderzuges, von Wilhelmshöhe kommend, in Potsdam wieder eingetroffen.
Berlin, 22. August. Eine der wichtigsten Aufgaben in Preußen, an die das S t aasminist erium angeblich sogar in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung herantreten will, ist, der „National-Zeitung" zufolge, die Beseitigung der Anarchie unter den politischen Beamten. Das Staatsministerium hat sich angeblich mit der Frage beschäftigt, was in Bezug auf die bisherige oppositionelle Haltung politischer Beamten zu geschehen habe.
Berlin, 22. August. Wie der Lokal-Anzeiger aus Genf meldet, unternahm gestern eine Gesellschaft junger Leute einen Ausflug auf den Genfer See. Abends 8 Uhr fuhr die Gesellschaft zurück. Als das Schiff noch etwa 200 Meter vom Hafen entfernt war, fiel einer der Leute in den See. Sofort sprang einer seiner Gefährten, der Leutnant von Ramm ihm zu Hilfe, aber er konnte den Verunglückten nicht mehr retten und ertrank selbst dabei. Erst mehrere Stunden später wurde die Leiche des Leutnants gefunden.
Berlin, 23. August. Zur Lage schreibt die „T. R." unterm 22. August: Es ist klar, daß Beschlüsse über die Lage erst nach der Ankunft des Kaisers, die heute erfolgen soll, gefaßt werden. Wenn die Minister auch stundenlang über die verworrene Lage beraten haben, so werden sie doch erst dem König ihre Meinung unterbreiten, und es wird dann in neuem Gedankenaustausch der Weg der künftigen Politik überlegt werden. Dann werden hoffentlich vor allem die Worte der amtlichen „Berliner Korrespondenz", daß die
Staatsregierung die Ablehnung des Kanals nur im Zusammenhang mit der eigenartigen Gestaltung der Lage betrachten könne, daß auch ferner einzig und allein das Gesamtwohl des Vaterlandes ihr Leitstern sein werde — «diese Worte werden hoffentlich allen Beratungen voranlenchten. — Es ist jetzt Sache der Räte des Königs, ihm die einstweilige Versagung eines Lieblingswunsches, den Schmerz dieser Versagung und die Bedeutung, die diese Versagung für die Volkswirtschaft hat, in Verbindung mit allen übrigen Verhältnissen, mit dringenden anderen Bedürfnissen der Politik zu zeigen, damit nicht über dem wichtigen Einen das noch Wichtigere vergessen werde: ein festes Gefüge von Parteien zu erhalten, die in Wirtschaft und Volkskraft und Volkswillen das Gefühl, den Sinn für das Notwendige und Mögliche haben, jene staatserhaltenden Kräfte, die, wenn sie wirklich irren, nur besser geleitet sein wollen, vor allem zu erhallen. Verhüte der Himmel, daß wir jetzt in den Nebel von Neubildungen steuern und in einer Auflösung des Hauses das Heil suchen! — Wenn die Klagen über die erschütterte Autorität zu laut werden, so bieten die Worte Seiner Maje- stät selbst einen Ausweg. Der Kaiser sagte: „Es ist selbstverständlich schwierig, solche neuen großen Gesichtspunkte schnell in die Bevölkerung hineinzubringen und das Verständnis dafür zu erwecken. Ich glaube aber,, daß mit der Zeit auch die Ueberzeugung sich immer mehr Bahn brechen wird, daß der Ausbau unserer großen Wasserstraßen absolut notwendig ist und für beide Teile, für Industrie und Landwirtschaft, segensreich sein wird." — Und noch eins! Wenn der Kaiser seine Person für bestimmte Ideen mit glühender Lebhaftigkeit einsetzt, so wird dies zwar den Streit über die betreffenden Ideen heftiger gestalten, niemals aber wird es jene hohe Idee des Königtums, wie sie das Volk im Herzen trägt, beeinträchtigen. Die Führerrolle, die wir alle dem König wünschen, ist nicht in jedem Fall und ist nicht immer sofort reich an Erfolgen, und wenn das Einsetzen der Person jenen Schaden bedeutete, wie manchmal behauptet wurde, wie müßte das Königtum in den letzten Jahren bei uns gelitten haben! Unseres Erachtens mar das, was auf die Rede von Oeynhausen folgte, viel unerfreulicher als die Verwerfung der Kanalvorlage nach der Dortmunder Rede.
— Zu den Züchtigungserlassen. Mit den beiden Ministerial-Verfügungen über die Züchtigung von Schülern hat sich der geschäftsführende Ausschuß des Landesvereins preußischer Volksschullehrer in seiner ersten Sitzung nach den Ferien beschäftigt. Es lagen dazu von sechs Lehrervereinen Zuschriften vor, so auch von Berlin und Schöneberg. Der geschäftsführende Ausschuß will seinen
Ieuermelder.
Von Fred Hood.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Ein gleichfalls sehr verbreiteter Feuermelder von C. und E. Fein gestattet, unter Verwendung eines gleich einfachen Mechanismus, die Feuerwehr auch von der Art des Brandes zu unterrichten. Die Scheibe eines Uhrwerkes ist hier mit den Bezeichnungen „Groß"-, „Mittel"- und „Klein Feuer" versehen, und der Meldende hat nur eine Kurbel zu drehen und auf eine dieser Bezeichnungen einzu- stellen, um der Zentralstelle gleichzeitig Ort und Art des Brandes mitzuteilen. In diesem Falle können also von jeder Station aus drei verschiedenartige Striftzeichen auf dem Morseapparat erzeugt werden, wodurch eine größere Aufmerksamkeit des Beamten beansprucht wird. Viele Fachleute bestreiten aber, daß der größte Teil des Publikums über Art und Umfang eines Brandes zutreffend zu urteilen vermag, und deshalb wollen sie die Meldung von Privatleuten auf eine rein mechanische Thätigkeit beschränkt wissen. Jene Fachleute meinen, eine Scheibe einzuschlagen und einen Hebel zu ziehen verstände ein jeder, aber nur wenigen sei etwas mehr zuzutrauen.
Derartige Alarmapparate können nicht mit vollem Recht als „automatische Feuermelder" bezeichnet werden, da der Telegraph doch thatsächlich durch eine Person in Thätigkeit gesetzt wird, die zunächst selbst von dem Ausbruch des Feuers unterrichtet sein muß. Einen wahrhaft automatischen Feuermelder, oder sagen wir das Ideal eines solchen, wird man also in einem Apparat sehen müssen, welcher völlig selbstthätig von dem Ereignis Kunde giebt, auch wenn bis zum Zeitpunkt der Meldung kein lebendes Wesen davon unterrichtet ist. Es giebt eine ganze Reihe derartiger mehr
oder minder vollkommener mechanischer Vorrichtungen, welche vorzüglich in abgeschlossenen, schwer zugänglichen oder von Menschen selten betretenen Räumen angeordnet werden, in welchen durch Brandstiftung, Selbstentzündung gewisser feuergefährlicher Stoffe oder durch Fahrlässigkeit vorübergehend in diesen Räumen beschäftigter Personen ein Brand entstehen kann. In diesem Falle kommt es aber weniger darauf an, unmittelbar die Rettungsmannschaft zu alarmieren, als vielmehr den Eigentümer oder die Bewohner des Hauses, bezw. einen zur Bewachung desselben angestellten Aufseher von dem Ausbruch des Feuers zu unterrichten. Auch auf Schiffen, welche nicht selten durch Selbstentzündung der Kohlenvorräte auf offenem Meere ein Raub der Flammen werden, finden derartige Vorrichtungen Anwendung. Bei gänzlich isoliert stehenden, unbewachten Gebäuden ist man natürlich genötigt, einen Mechanismus zu schaffen, welcher ferner wohnenden Personen die Kunde auf telegraphischem Wege übermittelt.
Alle diese Anlagen sind keineswegs so kompliziert, wie sich der Leser wohl vorstellen mag. Eine einfache Vorrichtung dieser Art beruht z. B. darauf, daß ein in eine elektrische Leitung eingesetzter, aus einer Metalllegierung bestehender Pfropfen in normalem Zustande den Strom unterbricht, bei einem gewissen Temperaturgrade aber schmilzt und dadurch eine Kontaktfeder auslöst, welche den Stromschluß und das Ertönen einer Alarmglocke bewirkt. Natürlich können auch mehrere Alarmapparate gleichzeitig in Thätigkeit gesetzt und in größeren Entfernungen von dem gefährdeten Punkte angeordnet werden.
Noch simpler ist eine Vorrichtung, welche in jedem mit einer elektrischen Glockenleitung versehenen Hause unter Anwendung der bescheidensten Mittel ausgesührt werden kann. In die den betreffenden Raum durchschneidende Stromleitung wird eine Kontaktfeder eingeschaltet, welche durch
einen an der Decke entlang geführten Wachsfaden derart festgehalten wird, daß in normalem Zustande der Strom unterbrochen ist. Sobald der Faden aber auch nur an einer einzigen Stelle durchgebrannt ist, muß die Kontaktfeder zurückschnellen, den Strom schließen und die Alarmglocke ertönen lassen.
Ein anderer von Tunnard u. Keny erfundener Feuermelder besteht aus einem Thermometer, in dessen Quecksilberbehälter ein mit einem Pol der Leitung verbundener Platindraht eingeschmolzen ist; ein zweiter an dem anderen Pol befestigter Draht ist in die Quecksilberröhre eingeschmolzen und in dieser bis zu dem Punkte geführt, an welchem die Quecksilbersäule den kritischen Hitzegrad erreicht Sobald nun das steigende Quecksilber die,es Drahtende berührt, ist der Strom geschlossen und so die Alarmglocke in Thätigkeit gesetzt. Es kann aber an die Stromleitung event. auch ein Meldetableau angeschlossen werden, sodaß z. B. der Portier eines Hauses oder der Kapitän eines Schiffes sofort erkennen kann, welcher Punkt gefährdet ist. Auf Schiffen finden derartige Thermometer Apparate hauptsächl ch zur Messung der Temperatur in den Kohlenbunkern Anwendung, um eine rechtzeitige Lüftung oder Kühlung bewirken zu können.
Eine einfache, aber sehr sinnreiche Vorrichtung, welche an der Decke der Räume angeordnet wird, tritt gleichfalls infolge Ausdehnung eines Körpers bei Temperaturerhöhung in Funktion, doch ist es in diesem Falle ein gasförmiger — die Luft. Eine Halbkugel aus Messingblech ist an der Hohlseite durch eine leicht bewegliche Membrane verschlossen, über welcher sich, ein bis zwei Millimeter entfernt, die Spitze eines Kontaktstiftes befindet. Wird nun die Luft in der Halbkugel infolge Erwärmung bis zu einem gewissen Grade ausgedehnt, so wölbt sich die Membrane nach oben, berührt den Kontaktstift und schließt hierdurch den Strom, der nun das Ertönen einer Alarmglocke bewirkt oder ein Tableau in


