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24.6.1899 Zweites Blatt
 
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Samstag den 24. Juni

Zweites Blatt

Zur Slffaire Dreyfus.

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wrbermilm Anzeiger »tchenwiiLt -viermal Ikylegt

»breffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51.

sammenhanq stehenden Forderungen ungebührlich zu ver­schleppen oder gar sie unter einer Hochflut von Kompen­sationsforderungen zu ersticken, so dürfte durch die morgige Kommissionsverhandlung einer solchen Absicht sehr energisch entaeaenqetreten werden. Die Regierung wird zweifellos durch eine Erklärung, welche an Deutlichkeit Nichts zu

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1899. oer: VI.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblntt für den AreisGietzen

flnßg. rfantmlnnS V Uhr, «f abgeealten g| hiflbUti llll< Big f» 1898' Dividende.

wünschen übrig läßt, alsbald einen dicken Strich durch Spekulationen dieser Art ziehen. Jeder Ersuch, lede Be- reitwilliakeit der Staatsregierung, etwaigen Benachteiligungen anderer Landesteile durch den Rhein-Elbc-Kanal vermittels zweckdienlicher Maßnahmen vorzubeugen, zu mißbrauchen, um das grämte Tableau aller möglichen und unmöglichen Wünsche auf dem Gebiete des Verkehrswesens aufzurollen, muß a limine zurückgewiesen werden. Darüber wird die morgige Kommissionsverhandlung, sofern noch Zweifel be­stehen sollten, volle Klarheit schaffen.

Berlin, 22. Juni. S t a t i st i k der S t r i k es. Seit dem 1. Januar d I. wird von den Ortspolizeibehorden durch Zählkarren eine fortlaufende Statistik der Ausstande und Aussperrungen im Deutschen Reiche ausgenommen. I neuesten reichsstatistischen Vierteljahrsheft sind dle Ergeb­nisse des ersten Vierteljahres zu lesen. Eme ausführlichere Statistik soll veröffentlicht werden, wewn die Ergebnffse eines ganzen Jahres einer eingehenden Prüfung und Be­arbeitung unterzogen sein werden. Begonnen sind im ersten Quartal 1899 191 Ausstände, von denen 154 wieder be­endet sind; außerdem sind noch 7 bereits vor 1. Ja­nuar 1899 begonnene Ausstände im ersten Vierteljahr d. I. beendet worden. Unter den preußischen Provinzen stand, abgesehen von Berlin, wo 36 Ausstände begonnen worden sind, das Rheinland mit 15 Ausständen obenan; dann folgen Brandenburg und Westfalen urtt ie 11, Sachsen mt 10$ Hannover und Hessen-Nassau mit je 9 Ausstandes Von den einzelnen Gewerben hatte die meisten Ausstande das Baugewerbe mit 36. Die Höchstzahl der gleichzeitig ausständigen Arbeiter betrug 8129; darunter waren zur sofortigen Arbeitsniederlegung berechtigt 4 <84, wahrend 3166, also 38,4 v. H. der Gesamtzahl, kontraktbrüchig waren.

Marburg, 22. Juni. Gestern und vorgestern sind hier und in der Umgegend furchtbare Gewitter mit starkem Hagelfchlag niedergegangen. Die Feldfruchte wurden durch den Hagel 'vollständig vernichtet. Landwirt Mengel aus Hachborn wurde vom Blitz erschlagen.

Köln, 22. Juni. DieKöln. Ztg." meldet aus dem Haag: In den amtlichen Kreisen verlautet, daß die Re­gierung von Transvaal sich vorbereite, im Falle eines Krieges mit England hartnäckigen Widerstand zu leisten. Die Regierung der südafrikanischen Republik rüstet demnach in sehr ernsthafter Weise. Sic hat dieser Tage bei Krupp in Essen 25 Schncllseuergeschütze und mehrere große Festungs- 1 geschähe für die Befestigungs-Artillerie bestellt.

->n einigen Tagen wird Dreyfus den französischen Boden wieder betreten und sofort in das Milttärg-sangms tu Rennes überführt werden, wo das Militärgericht zu einer neuen Verhandlung zufammentritt. Unsere heutigen Bilder zeigen das Militärgefängnis und den Ein­gang zum Sitzungssaal des Kriegsgerichts.

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Hin, 12. Juni. Das Abgeordnetenhaus beriet fjeuhit ben Gesetzentwurf betreffend die Dienststellung des >rrei^WK gegenüber den Gesundheits-Kommissionen. Nach idnaiiettr Debatte wurde die Vorlage in zweiter Lesung zum qrötotlin 2 eile nach den Kommissionsbeschlüsfen angenommen. NäckWr Sitzung Samstag. Tages-Ordnung: Richter- PcnfLmerungen, Karfreitagsgesetz, Nachtragsetat und kleinere

Sie bestieg den Genienwagen und trat die lange Reise an Unser Schmerz machte sich in lauten Klagen Luft; denn Wir waren tief betrübt, Wir waren glücklich ihren Befehlen zu gehorchen, wie die Menschen sich der Sonne freuen, die ihr Leben verlängert; aber nie wieder werden Wir ihr liebreiches Antlitz erblicken, und Wir sind un­tröstlich. Wir empfingen ihre letzten Befehle, daß nur 27 Tage Trauer getragen werden soll; aber Wir können Uns damit nicht begnügen, und werden daher, da es sich aeriemt, das Sohneskleid für 100 Tage anlegen, und 27 Tage derselben sollen in tiefer Trauer vergehen. Was ihre Ermahnungen betrifft, daß Wir, da Wir fast 70 ^ahre alt sind. Uns nicht tiefen Kummer hmgeben sollten, so können Wir nicht wagen, sie zu mißachten, und muffen Uns deshalb zwingen, Unseren Gefühlen Schweigen auf- zuerleqen. Tägliche Libationen in dem Palaste der Zu­friedenheit sind ihr geweiht worden. Wir selber werden im Palaste bleiben, wo ihre Bahre steht, um ihren Manen o^)f? war der Einfluß der Kaiserin-Witwe ein segens­reicher und das Verhältnis zu dem regierenden Kaiser em wahrhaft herzliches; häufiger aber war es durch den um die Macht ringenden weiblichen Ehrgeiz getrübt. Schon bei Tao-kuangs' Tode, der durch eine von den Anhängern der verstorbenen Kaiserin-Witwe im Palast gelegten Feuers­brunst beschleunigt wurde, bestätigte sich dies. Nicht der Sohn der nunmehrigen Kaiserm-Witwe, sondern der vierte Sohn des verstorbenen Kaisers von emer Nebenfrau ward Kaiser unter dem Namen Hien-fong, und hatte zeitlebens mit den von der Partei der Kaiserin-Witwe angezettelten Kabalen zu kämpfen. Seine erste Frau war kinderlos; da- her wurde -m- Frau der zweiten Rangstufe von welcher der Kaiser einen Sohn hatte, in den ersten Rang erhoben mit dem Titel einerKaiserin des westlichen Zimmers .

Diese zweite rechtmäßige Kaiserin ist die jetzt so viel von sich reden machende Tsu-Hszi,der liebevolle Wand- chirm", wie ihr Name verdeutscht lautet, eine jedenfalls ehr kluge, aber auch sehr gewaltsame Dame, welche oben­drein eine Erzreaktionärm ist. Schon Ö lungen Jahren fand sie Gelegenheit, ihre Energie zu betätigen; denn ihr Gemahl Hien-fong starb nach kurzer Regierung Beide Kaiserinnen-Witwen teilten sich nunmehr mit dem Prinzen Kong in die Regierung, welche sie durch lange Jahre als Vormünderinnen für den minderjährigen Sohn und Nach­folger des Verstorbenen, namens Tung Tshi, führten, als dieser im Jahre 1873 großjährig wurde und heiratete, traten sie von den Staatsgeschaften ab; indes die Regie- rungszeit war nur von kurzer Dauer, da der junge Kaiser schon im Januar 1875 nach kaum zweijähriger Regierung an den schwarzen Blattern starb. Von Rechts wegen hatte nun seine erste Gemahlin Al-lu-ts Kaiserm-Witwe werden sollen; das paßte aber den beiden anderen nicht, und so fanden sich denn willige Hände, welche die arme Frau mit Gift beseitigten. . , ,. L

Jetzt war die Bahn für den Ehrgeiz der bisherigen Kaiserinnen-Witwen frei, welche sofort wieder die Zugel der liebaewordenen Gewalt ergriffen, um sie so spat wie niöglich'freizugeben. Als neuen Kaiser suchten sie sich emen möglichst jugendlichen Prinzen aus, da sie wahrend beffen Minderjährigkeit noch die Regierung führen konnten, ^hre Wahl fiel auf ein zweijähriges Kmd, einen Sohn des Prinzen Chun, der seinerseits ein Enkel des oben genannten Kaisers Tao-kuang ist, und den sie als Adoptivsohn des eben verstorbenen Kaisers ausgaben. Dieses Kind, Tsai-tten, welches damals zur Nachtstunde aus den Betten geholt und in aller Eile vor den huldigenden Hofstaaten zum Kaiser proklamiert wurde, ist der jetzige Kaiser Zweifel an seiner Rechtmäßigkeit wurden schon bald danach laut; aber nachdem

ig Ende 1897

ustruktiov, zu Bandsäge, faeii aschine,sür N': wird im Betritt a labet zum & d Dietze N.

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Him, 22. Juni. In der Kanalfrage spitzt sich >ic '»dlion scharf zu. Der Abgeordnete Lieber ist an StelM eives andern Mitgliedes seiner Fraktion m die Kanal- KonMissiom eingetreten. Wie dieNational-Zeitung ' meldet ist r nnmdhr von autoritativer Seite erklärt worden, daß die ÄblcMmV der Kanal-Vorlage die Auflösung des Abgeord- ncte:aW$ zur Folge haben würde.

Mitt, 22. Juni. Zur Kanalvorlage wirt> °fstr'°s qcfitviem: Wenn an irgend einer Stelle dte Abs chl °b- ivalhi stillte, die Verhandlungen über dte Kanalvorlage $ $|. urcflte Aufstellung einer Menge von damit nicht >m Zu-

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' »Ai«!' (4; Uft 5 Äfc ^t lltti.it lötag drn A, ni ist in 's» Bahnhosslix.

großer Teil dieser^Huldigungen ist ebenfalls durch

pS Ausdrück°?°uach'ih«m Msiudm 'zV erkundigen. .Jwm weiß zwar, daß der Niedriggestellte dem Höheren Ehrenbezeugungen erweist, wtC sie in Europa selbf

- UT . j(it der mittelalterlichen Hörigkeit Nie üblich waren. Da Hüar der chinesische Kaiser bei seinem Kommen und GeML-ie alte Dame mit dem Kau-tau zr-begrüßen hat

-Tt die Hände zu den Ohren °rh° 'e sich/u dte Kni-e

1 «» . nieitai-rft und den Boden dreimal Mit dem Kopfe berührt, - dirft nur wenig bekannt fein. A-Hnltch demütigenden ' »*** Z-Ä-m hat sich der Kaiser auf den Festen zu unter, wert welche die Kaiserin-Wttwe tn regelmäßigen Zwischen- täuüM veranstaltet, und bei denen er diese unter oftmaliger 4 8° , Wi^Älijiolung des Kau tau zu bedienen hat.

' itüirbt die Kaiserin-Witwe, so erlaßt der Kaiser die ! Dorcumi selbst verfaßte Trauerkundgebung, die naturlich von

4 dern.Mmsten Ausdrücken strotzt und uns höchst lächerlich

Mianning, der sich als Kaiser Tao-kung nannte, ' Mtt* Lrl tetn Tod von der Kaiserm-Witwe befreit wurde btfl' rt7 ftchM tur unter anberm in bem schon genannten Peklnge

GratisbeiläqeiuGießener Zamilienbtätter, Zer hessische Kandwirt Zlätter für hessische Vrükslmn-e.

Feuilleton.

:Mitlenregimen1 und ^dfdftititrifluen dm chinestschen Kose.

V°n Heribert von 6^lers^bbe/u9(i verboten.)

Deutsches Keich. I

»MHl, 22. Juni. Der Kaiser ist, burch ben Kaiser Wilsslgck-.'wnal kommenb, heute früh 8 Uhr an Borb der I ,,Hol>,aMrn" in Kiel eingetroffen und vom gesamten im ^ase'ifm lieitenden Geschwader und den Schulschiffen durch SalM un'lo Hurrarufen der Besatzungen begrüßt worden. I Der i.tila, der sich gegen 10 Uhr zur B-grußung der .

...tu Atuzefsin Heinrich ms Schloß begeben hatte, kehrte i nach | ling-rcm Aufenthalte an Bord derHohcnzollern zurü' d - Die Kaiserin ist Donnerstag mittag am Damm- lhorbochhi.f in Hamburg eingetroffen und wurde vom prcnMli Gesandten Grasen Wolff-Metternich, dem eqa jtunSmt Frhrn. v. Heintze und dem Chef des Geueral- ,'dbdä öc8 9. Armeekorps Oberst v. Falkenhayn nebst Ge- mahbÄiii emofangen. Nach Begrüßung der Genannten fuhr Ihre, fcftät unter lebhaften Hochrufen des Publikums ach d bcn Vereinshospital des Vaterländischen Frauen-

HilfiMacinls. , T. .

?»lm, 22. Juni. Wie derReichs-Anzeiger" meldet, )t d m Gutsbesitzer Moritz Villeroy zu Wallerfangen im 5Saarlouis der Adel verliehen worden.

wittß 1h In ?nlm, 22. Juni. Wie dasBerliner Tageblatt tttluB tu ijätqQit, H der bisherige kaiserliche Richter tm Bismarck- unbeschraukter y. rchtchrl, Haas, zum Landeshauptmannd ei 8« r°s ,c, ieqc .in em uidSersehen. Er wird nach Beendigung semes Urlaubs, wer 1399. ben -t Deutschland verbringt, seinen neuen Posten

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