Ausgabe 
24.2.1899 Erstes Blatt
 
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1NO9

Nr 47 Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Zlints- und Zlnzeigeblutt für ben Ureis Gieren

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Worten Ausdruck verliehen wurde.

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Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Alle Anzeigen-BermittlungSstelleu de« In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

von

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Redaktion, Expedition und Druckerei:

Kchntflraße Ar. 7.

Später, unterm 18. August 1846, richtete Johannes [, der Wirt auf der Stauffenburg, ein Schreiben

Abgabe ihrer Aeußerung mit dem Bemerken auf, daß nur solche Erklärungen, welche erkennen laffen, ob der Er­klärende der Errichtung der Zwangsinnung zustimmt oder nicht, gütig sind, und daß nach Ablauf des obigen Zeit­punktes eingehende Aeußerungen unberücksichtigt bleiben.

Gießen, den 18. Februar 1899.

Der Kommissar:

Schön, Großh. Regierungsasseffor.

Deutscher Reichstag.

39. Sitzung vom 22. Februar. 1 Uhr.

Die Beratung des Etats des Reichsjustiz­amts wird fortgesetzt.

Abg. Heine (Soz.) kommt auf die gestrige Aeuße­rung des sächsischen Bevollmächtigten zurück und bemerkt, das Urteil des sächsischen Oberlandesgerichts gegen die Ver­breitung von Wahlflugblättern in einzelnen sächsischen Be­zirken sei eine direkte Auflehnung gegen den Willen des Reichstages, wie dieser in der Gewerbeordnung ausdrücklich niedergelegt worden sei. , t

Präsident Graf Ballestrem bezeichnet den Ausdruck

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener Famitienbtütter, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Dotksknnde. __________

direkte Auflehnung" als unparlamentarisch und unzu­lässig.

Abg. Heine (Soz.) fährt fort: Tatsächlich habe das Oberlandesgericht das Gesetz unrichtig angewandt, im Wider­spruch auch zu dem Reichsgericht. Redner wendet sich dann zu der Resolution Beckh. Er befürwortet eine Entschädi­gung auch für willkürliche administrative Inhaftnahme. Weiter müsse ein Strafvollzugsgesetz gefordert werden, u. a. auch zum Schutz von in Strafhaft befindlichen Redakteuren. Den wegen Preßvergehen Verurteilten müffle literarische Selbstbeschäftigung gestattet werden.

Staatssekretär Nieberding entgegnet dem Vorredner, daß, so lange ein Reichsgesetz über den Strafvollzug nicht bestehe, die Einzelstaaten durchaus befugt seien zum Erlaß von Reglements. Was speziell die Redakteure anlange, so fielen auch sie unter die allgemeinen Bestimmungen, und die Selbstbeschäftigung sei auch für sie nur ein Ausnahmefall.

Abg. Frhr. v. Stumm (Np.) protestiert grundsätzlich gegen die sozialdemokratische Forderung, daß sozialdemokra­tische Redakteure im Gefängnis weiter für die sozialdemo­kratische Presse arbeiteten und mit derselben in Verbindung bleiben dürften. Wie die sozialdemokratische Presse alles Rohe verteidige, sehe man ans der Art, wie sie den Löb- tauer Prozeß verarbeitet habe. Die Strafe sei keineswegs für einen solchen Mordversuch (Unruhe), ja, wohl Mord­versuch, zu hoch gewesen. Diese Totschläger sollten aus Notwehr gehandelt haben? Das wäre ja der reine Hohn auf die Wahrheit! (Rufe: Brüsewitz). Die sozialdemokra­tischen Agitatoren der Presse hätten fortwährend gehetzt zu solchen Verbrechen. Diese Agitatoren gehörten ins Zucht­

haus ! (Zustimmung rechts; Unruhe bei den Sozial­demokraten.)

Abg. Stadthagen (Soz.) wendet sich gegen den Abg. Frhrn. v. Stumm. Er fragt denselben, ob er wohl bei der Dresdener Verhandlung Geschworener oder Zeuge gewesen sei? (Zwischenrufe rechts.) Er, Redner, wisse ja, daß der Stall die Vorstufe des Kavaliers sei! (Große Unruhe rechts und Zwischenrufe.) Herr v. Stumm wüte gern gegen die organisierten Arbeiter. Seien denn aber die in ihren Ringen organisierten Unternehmer nicht erst recht solche Verbrecher, organisierte Verbrecher? Verstoße nicht auch das nach einem Urteil des Reichsgerichts gegen die guten Sitten? Die ganze Rede des Herrn v. Stumm

von Personen außerhalb und innerhalb dieses Hauses könne nur mit medizinischem Interesse betrachtet werden.

Präsident Gras Ballestrem ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.

Abg. Stadthagen (Soz.) fortfahrend, kritisiert die bedingte Begnadigung sehr abfällig und empfiehlt das System der bedingten Verurteilung. Weiter wendet er sich gegelt

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosih. Bürgermeistereien des Amts- gerichtsbezirks Gießen

Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in orts­üblicher Weise zur Kenntnis der Beteiligten bringen und den Vollzug uns baldigst anzeigen.

v. Bechtold.

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hulhos, A°lkh°s, «* ud.Lchlabach

Orscheint täglich rtit Ausnahme de» Montag-.

Die Gießener -«»ttieuStätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Bekanntmachung.

Oberhefsischer Obstbauverein.

Am Samstag dem 25. Februar, abends 8 Uhr, findet im Saale des (Safe Ebel in Gießen eine Ver­sammlung mit folgender Tagesordnung statt:

1. Die Blutlaus und ihre Bekämpfung,

2. Heber Versuchspflanzungen im Vogelsberg.

Referent: der Sekretär des Vereins, Herr K. R ei chel t, Lehrer für Naturwissenschaften und Obstbau au der Großh. Obstbauschule in Friedberg.

Die Mitglieder des Oberhessischen Obstbauvereins, so­wie sonstige Interesse,den werden hierzu freundlichst ein* * * * * * * * * * * geladen.

Gießen, 14. Februar 1899.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins. Frhr. Schenck.

Aezttgsprel» vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pf^ mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mllrk 50 Pfg. vierteljährlich.

u. s. w. Mit diesen Stücken hätte sich schon ein kleines griechisches Scherbengericht abhalten lassen.

Die Jugend will getobt haben!" sprach jener weise Landmann, als ihm das Kind aus der Keetze gehupft war.

in Indiana, Nordamerika), 12. F. Voltz, stud for. (Nord­

amerika), die beiden Schildwächter: 13. Th. Schildwächter, stud. med. (Arzt in Nordamerika), und 14. Jul. Schild­

wächter, stud for. (gestorben als Farmer in Nordamerika),

15. C. Voelker, stud. theol. (Gastwirt in Nordamerika),

16. K. Walter, stud. cam. (New Orleans, später verschollen), zusammen mit Preetorius 17 akademisch gebildete junge Männer allein von der Universität Gießen, die dem Vater­lande den Rücken wiesen, jenseits des Ozeans eine neue Heimat suchten, und dieser Heimat ihre besten körperlichen und geistigen Kräfte widmeten.

Viele sind nicht mehr übrig, die den Auszug im August 1846 miterlebten. Sein Wunder! Wenn einer einmal mehr als hundert Semester auf dem Buckel hat, gehts abwärts, die meisten Walzer sind getanzt, und die Reihen lichten sich. Kommen aber hie und da zwei oder oder gar drei aus jener Zeit zusammen, und die Rede führt auf den Stauffenberger Auszug, dann erglänzen die Augen, die Wangen röten sich, und man erinnert sich an diesen und jenen Ulk, den man hat ausführen helfen. Auch unter den lieben Gießener Philistern, die jene Tage miterlebten, wirds immer lichter. Darum dachte der Schreiber dieser Zeilen: es kann nicht schaden, wenn man jene Erlebnisse in mög­lichst gedrängter Weise noch einmal vorführt. Die Alten freuen sich dessen, und die Jungen werden diesen Zeilen, die durch das Jubiläum des Ehrendoktors Preetorius ver­anlaßt wurden, auch nicht gram sein. Vielleicht ruft auch einer oder der andere: Fiducit!

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Bekanntmachung,

betreffend: Die Feuervisitation in den Orten des 4. Bezirks.

Durch die auf Ansuchen erfolgte Entbindung des Kreis­straßenmeisters Maringer in Grünberg von dem Dienste eines Aeuervisitalors ist die Stelle eines solchen für den 4. Bezirk, bestehend ans den Gemeinden Belters­hain, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Lauter, Lindenstruth, Lumda, Odenhausen, Qneckborn, Reinhardshain, Saasen, Stangenrod, Stockhausen und Weickartshain, in Erledigung gekommen.

Bewerbungen um diese Stelle sind bis zum 10. März l. I-, unter Anschluß von Zeugnissen über die seitherige Beschäftigung und etwa bestandene Prüfung bei der unter­zeichneten Stelle einzureichen.

Gießen, den 21. Februar 1899.

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

v. B e ch t o l b.

Bekanntmachung.

Hierdurch mache ich bekannt, daß die Aeußerungen für -ober gegen die Errichtung einer Zwangsinnung für das Backereihandwerk im Amtsgerichtsbezirke Gießen schriftlich bis zum 10. März l. Js. einschließlich, oder mündlich in k; Zeit vom 1. bis 10. März l. Js. einschließlich bei mir »bjugeben sind.

Die Abgabe der mündlichen Aeußerung kann während angegebenen Zeitraumes werktäglich von 912 Uhr »ormittagd in den Diensträumen des Großh. Kreisamts Gießen erfolgen.

Ich fordere hierdurch alle Handwerker, welche im Amts­gerichtsbezirk Gießen das Bäckereihandwerk betreiben, zur

Bekanntmachung, betreffend: Die Bäcker-Innung zu Gießen; hier: Errichtung einer Zwangsinnung.

Nachdem seitens der Bäcker-Innung zu Gießen der Antrag auf Errichtung einer Zwangsinnung in dem in § 100 der Reichs-Gewerbeordnung bezeichneten Sinne für Jiq5 Bäckereigewerbe in dem Amtsgerichtsbezirke Gießen bei .mis gestellt worden ist, haben wir zur Ermittelung der Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden den Großh. Negierungsasseffor Schön zum Kommissar bestellt.

Gießen, den 12. Februar 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Wir sind mit der Schilderung des Gießener Studenten- Auszuaes anno 1846 zu Ende; nun handelt es sich darum, den Schluß unserer Mitteilung an den Anfang anzuknüpfen. Dieser Anfang bezog sich auf den Jubeldoktor Herrn Dr. Emil Preetorius, Chefredakteur derWestlichen Post" in St. Louis (Nordamerika). Er hat in Gießen studiert, hat den Exodus anno 1846 mitgemacht, und hat auch in Gießen promoviert, wie das am 21. Januar l. I. überreichte Ehrendiplom besagt. Die 1848/49er Wirren führten ihn mit vielen anderen Kommilitonen über den Ozean nnd von diesen anderen, die auch den Auszug mit­machten und in Gießen studierten, wollen wir einige erwähnen:

1 O. Sonnemann, stud arch., 2. G. Jaeger, stud iur *), 3. C. Wundt, stud. med (gestorben als Arzt in Cuba 4. F. O. Schenk, stud med. (gestorben als Arzt in Nordamerika), 5. C. Wüst, stud. cam. (Apotheker in Nordamerika), 6. F. Leiß, stud. theol ev. (Redakteur des Freidenkers" in New-York >, 7. W. Wagner, stud cam. (aestorben in Nordamerika), 8. C. Hesse, stud. cam. (Notar in New-York), 9. Th. Schleuning, stud. jur. (Kaufmann in New York), 10. L. Dauber, stud. theol. ev. (Apotheker in Mascotah, Illinois), 11. C. Noirö, stud. cam. (Farmer

*) Der Aufenthaltsort dieser beiden ist nickt näher bekannt geworden. Jaeger soll eine Stiefelwichsfabrik gegründet haben.

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D-uW-ch unb qo, niemals ausgesch Bonaparte u 'n sein.

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i an Herrn K . . . und legte eine Rechnung über 75 Gulden ng 2 Kreuzer bei, worin nachgewiesen wurde, daß allerlei Ge-

9 rite in die Brüche ging, als da waren: 130 Bier- und rir Deimgläser, 296 Bier- und Wasserflaschen, 30 Wasserkrüge,

ft/ bu^ fll1 2 Windlampen, 54 porzellanene Teller, 10 gute Tassen

K affe NurschenfierrlichKeit!

(Schluß.)

Am folgenden Tage wurde der Ausschuß vor den 8iettor (es war der allgemein beliebte Professor Dr. Knobel, ein berühmter Senner der hebräischen Sprache und Litteratnr) geladen, und ihm eröffnet: Alle Schritte zur vollständigen Beilegung der Sache auf gütlichem Wege sind eingeleitet; die seit dem 1. August verhängten Strafen werden zurück- gtriDmmen; die Relegation der dreiSch" (Schlich-Schneider- Lchlosser) wird aufgehoben, eine weitere Untersuchung findet

1 richt mehr statt.

Da sich die Gießener Bürgerschaft in der ganzen An- , ßrlegenheit wahrhaft musterhaft benommen hatte, sollte ihr 311 * * * 15 16 Ehren ein solennes Bankett im Busch'schen Garten ab- iflfiCMUl* gehalten werden. Der akademische Senat fand die Sache |U1»*V inopportun und verweigerte die Erlaubnis; wahrscheinlich ftrchtete er allerlei Demonstrationen. Der Studenten- |8D naD)pfbetrie ausfthtiß richtete darum ein herzliches Dankschreiben an d- °°ä %eit Herrn H. Ferber u. Gen., worin den Dankgefühlen der