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Samstag bett 23 December
Zlints- und An;«igeblatt für den Tkrei» Grefzen.
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auch nicht jener Genius sein, der in allen Wirren der Zett und in allem Hader den rechten Weg erkennt und unbeirrt zum Ziele schreitet, so ist er doch der Mann des guten Willens gewesen und Gerechtigkeit und Ehrlichkeit haben ihm zur Seite gestanden. Graf Clary hat seine Laufbahn als Minister begonnen mit der Aufhebung der Sprachenverordnungen, er hat das schwere Unrecht, das einst Badem dem ältesten Kulturvolke Oesterreichs zugefügt hat, wieder gutzumachen versucht und er hat in den Deutschen wieder das Gefühl erweckt, daß sie im Kaiserstaate mcht die rechtlos Enterbten seien, sondern auch einen Anspruch machen dürfen auf Licht und Sonne. Und Graf Clary hat weiter die Herrschaft des Paragraph 14 durchbrochen, jener eigenartigen Verfassungsbestimmung, die eine rabulistische Rechtsauslegung hinzustellen gewußt hatte als die Stabilisierung des nackten Absolutismus. Das Rechtsgefühl gebot dem ehrlichen Mann diesen Schritt. Aber dte poltttsche Klugheit hätte doch vielleicht gefordert, daß er erst dann mit dieser Bestimmung aufräumte, wenn den dringendsten Forderungen der Staatsnotwendigkeit Genüge geschehen, wenn vor allem das Verhältnis zu Ungarn auf Jahre hm-
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J. Ph. Wagner & Co. in Mainz.
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GrstisbMsHem Gießener FeMienblätter, Der hessische Landwirts Mtter für hejUche Volkskunde. _____________
u'.erteljätzrlich 2 Mart 20 Pt«, monoüich 75 PfK mit BringerlotzA.
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2 Mark 50 W virrtelfährlicki.
M. 302 Erstes Matt.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
^abet'bk reaktionären Elemente in Oesterreich, ob sie der Fahne Dipaulis und KathremS oder Btl'NsktS
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Abonnements - Einladung. I
Zum Bezug des „Gletzener Anzeiger" für xxä 1. Vierteljahr 1900 laden wir hiermit ergeLenst eht. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer, den Thatsachen entsprechender I Weise zur'Kenntnis seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrichten- Bureaus sowie zahlreiche Mitteilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser I stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Obcrhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie möglich zur Kenntnis seiner Leser zu bringen, desgleichen werden die Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im lokalen Teile des An,eigers erfahren. Den Interessen der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirtschaft wird der Anzeiger weiterhin durch eine landwirtschaftliche Beilage Rechnung tragen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratnr, Hauswirtschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Als weitere Beigabe erhalten die Leser die Blätter ■ für Hessische Volkskunde Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsten und heiteren Inhaltes den erwünschten llnterhaltungs- stoff bieten. Die „Gietzener Familienbläter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt und den Blättern für Hessische Volkskunde beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unter- haltuugsstofs aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirtschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Ueuhiiimirktklide hi-sigr Jbonutnftn erhalten dobi Tagt der Dkßkülmg biß 31. Dezember btn An» itiger kostenfrei Mkstrllt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe-Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weiterscnden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtungsvoll
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben).
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folgen, haben ein leichtverständliches Interesse daran, jeden Kulturfaktor nach Kräften zu unteidrücken. Sie würden auch den Lichtträger Prometheus getrost wieder an seinen Felsen schmieden. Und so wird die beste That des Grafen Cla'y nicht zur vollen Reife gelangen. So wie hier, so wird auch sein anderes Thun den Stempel des Halbseitigen tragen. Wie viel Konferenzen haben stattgefunden seit seiner Berufung. In seinem Hotel wie in der Hofburg gab ein Abgeordneter, ein Vertrauensmann dem andern bie Thürklinke in die Hand, schlechte Musikanten spielten das alte Lied von der Versöhnung vom Turme der Stephans- kirche herab, und doch ist nicht einmal das Budgetprovi- sorium zu Stande gekommen, und wenn die Staatsverwaltung nicht in volles Stocken geraten soll, so muß Graf Clary gehen und an seine Stelle muß ein Mann mit weiterem Gewissen treten, der wieder zurückgreift auf den Paragraph 14 und mit seiner Hilfe dem Staate giebt, was er zum Leben gebraucht.
Die czechische Obstruktion, die den Grafen Clary zu Falle bringt, hat einen besonders widerlichen Charakter getragen. Sie war nicht aus der echten nationalen Erregung geboren, wie einst die deutsche Obstruktion, sie entstammte nicht einer leidenschaftlichen Gemütserregung, sondern dem kühl restektierenden Verstände. Und sie war nicht osten und ehrlich, sondern schleichend und hinterlistig, sie war echt slavisch. Und sie fand ihre Stütze an der Partei der Herren Dipauli und Kathrein, auf daß doch auch der Jesuitismus zu seinem Recht gelange. — Auf die landeS- väterlichen Mahnungen des greisen Monarchen fand man wohl stets süße Worte, aber Worte sind kerne Thaten und von Honigseim kann man nicht leben. Ohne die heimliche Unterstützung der Klerikalen und Polen wäre dre czechrsche Obstruktion unmöglich gewesen, ohne diese Unterstützung würde der Sturz des Grafen Clary nicht herbeigesührb worden sein. Am Tage der Generalabrechnung werden sich das die Deutschen merken und sie werden eine Rechnung präsentieren, an der die Römlinge kaum eine Freude haben dürften. An die Stelle des Kabinetts Clary wird irgend ein Beamtenministerium treten, das für die nächsten Bedürfnisse mit Hilfe des § 14 sorgt. Da ist ja schließlich immer der Ausweg, den man in Oesterreich suchte. Aber ein Beamtenministerium kann schon seiner Natur nach nur ein Provisorium bilden. Und wenn es selbst den besten Willen hat, so wird es nicht imstande sein, sich vor dem tiefen Mißtrauen der Deutschen zu schützen, und es wird andererseits die Feindschaft der Czechen tragen, wenn es sich nicht entschließt, von neuem die Sprachenverordnungen zu dekretieren. Und dann?
Mit dem Grafen Clary verschwindet em ernster und ehrlicher Patriot — wird dereinst seine Stelle wieder | ein Mann einnehmen aus dem Geschlechte der Badem und Thun? Wer kann es wissen. O, Du mein Oesterreich'.
Berlin, 21. Dezember. Der Kaiser empfing geftem mittag den Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, der in Potsdam zum Besuche seiner Schwester, der Herzogin Albrecht von Württemberg eingetroffen ist. Heute vormittag hörte der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke.
— Der Kaiser ist infolge von Erkaltung unpäßlich, und hat ans diesem Grunde bestimmt, daß die Einweihung des neuen Offizierkasinos des Garde-Fußartillerie Regiments in Spandau, die morgen Freitag stattfinden sollte, bis nach Neujahr zu verschieben sei. ,
__ Wie ein Berichterstatter meldet, ist dem Reichs- bankpräsidenten vr. Koch vom Kaiser die Verleihung des Adels gleichzeitig mit vr. Siemens angetragen worden, vr. Koch habe jedoch gebeten, auf diese Auszeichnung verzichten zu dürfm.
_ Die Bestätigung des Bürgermeisters Kirschner als Oberbürgermeister von Berlin steht, wie aus Regierungskreisen versichert wird, in naher Aussicht. Dieselbe ist bereits offiziell erfolgt, oder wird wenigstens demnächst erfolgen. Vielleicht dürfte oas .^eihnachtsfest die endgiltige Lösung dieser Frage bringen. Die .,Nat. Ztg. , welche diese Mit-eilung eines Berichterstatters wredergiebt, hält dieselbe für zutreffend.
। 9 __ Der „Rat. Zig." wird bestätigt, daß der ehemalige
j Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Frhr. v. Maltzan- Gültz zum Oberpräsidenten von Pommern ernannt ist.
— In der in Königsberg abgehaltenen Jahresversammlung des Bundes der Landwirte für
aus geregelt war.
Allerdings hat Graf Clary, wenn man nach dem Aeußerlichen urteilt, die parlamentarische Maschine wieder in Bewegung gesetzt; und es ist ihm gelungen, was seinem Vorgänger versagt blieb, die Wahlen in die Delegationen I zu stände zu bringen. Aber eine Maschine, deren Rädep sich nur drehen, ohne daß die Transmission m Bewegung; gesetzt wird, verfehlt ihren Zweck, und wenn Parlamente und Delegationen nur tagen, um die endlos hinausgespon- I nenen, sinnlosen Redereien von Tschechen und Slovaken zu vernehmen, so tritt Verödung ein. Mit dem guten Willen I allein ist es nicht gethan. m .
Selbst die einzige und wahrhaft bedeutende Reform, I die unter all den Wirren das Ministerium Clary versucht I hat, ist nicht zur Vollendung gediehen: die Aufhebung des Zeitungsstempels. Der Reichsrat hat dieser Reform einhellig zugestimmt, aber im Herrenhause sitzen gar eigentümliche Leute, deren dringendster Wunsch es ist, alles, was oer I Aufklärung dient, fern zu halten von ihren Bergen und Thälern, Leute, denen jede Kritik der öffentlichen Zustande als ein tätliches Gift erscheint. Sie drehen den Ausspruch des großen Friedrich in sein Gegenteil: „Gazetten müssen I I nach Kräften geniret werden". Kein anderes Land kennt | das objektive Verfahren, das die ganze Presse unter dir Willkür des Staatsanwalts stellt, kein anderes Land, auch Rußland nicht, kennt die Einrichtung, daß ein ganz besonderes geschäftliches Unternehmen, wie es doch eine Zeitung
I darstellt, einer ganz besonderen, drückenden Steuer unter- l morsen wird. Der Zwang, jede Zeiturlgsnummer mit einer
I Kreuzermarke zu versehen, legt einem kleinen Blatt, das etwa 6000 Abonnenten zählt, eine jährliche Extraausgabe von etwa 30000 Mk. auf, und wenn dieses Blatt gar Die Todsünde begeht, gegen die Sprachenverordnungen oder die Willkürherrschaft des § 14 zu opponieren, wenn al\o das I Gespenst der Konfiskation in seinen Räumen heimisch wird, I so steigt diese Summe noch um Hunderte und Tausende. I Die nationalen deutschen Blätter wissen ein Siebtem davon
I zu singen. Denn eine neu veranstaltete Auflage muß neu I gestempelt werden, und wenn eine Konfiskation zwei- oder dreimal aufeinander folgt, so ist es ein Wunder, wenn das
I erstrebte Ziel nicht immer erreicht, die Gesinnungstreue durch I den materiellen Zwang zu Boden gedrückt wird. Der rieitungsstempel bildet die Ursache der auffallend niedrigen 6ahl der österreichischen Blätter. In einer Statistik der
I „Täql. R." wurde neulich festgestellt, daß in den beiden I Reußischen Fürstentümern doppelt so viel Tageszeitungen I erscheinen, als in dem zwanzig Mal so großen Herzogtum I Steiermark mit seiner sechsfachen Vevölkerungszahl, daß in Hamburg allein genau so viel Blätter erscheinen, als tm
I ganzen Königreich Böhmen, daß es im Deutschen Reiche rund I 1220, in ganz Oesterreich-Ungarn aber nur 138 Zeitungen I giebt, also nicht einmal soviel, wie in Sachsen und WÜrttem- I berg zusammen, oder gar in Bayern, das Über 204 Blatter , verfügt. Die drei Hansastädte weisen mehr Zeitungen auf, ; I als Böhmen, Mähren, Steiermark und Kärnthen zusammen. : Und während die deutsche Presse ihre Mittel aufw^den
l kann, um sich gute Verbindungen zu sichern » 'An Sl°ff i zu bereichern, muß die österreichische Presse ihr G«-ld h>tr_ , I geben, um die Finanzen des Staates zu starken. Ist
ein Wunder, daß es nur wenige, wirklich bedeutende Blatter
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* Des Grafen Clary Glück und Ende. Gießen, den 22. Dezember 1899.
Wieder einmal läutet in Oesterreich das Sterbeglöcklein. Äs kündet das Ende des Ministeriums Clary an, das nach harter mühevoller Arbeit an der Möglichkeit des Erfolges verzweifelt und sich anschickt, sein Mandat in die Hande des Kaisers zurückzulegen. Badem und Thun waren der deutschen Opposition zum Opfer gefallen. Herr v. Gautsch verendete an seiner eigenen Unfähigkeit, Graf ®Iartji M rufanunen unter dem Druck der tschechischen Obstruktion, die in der Haltung der Polen ihre starke Stütze fand.
Graf Clary hat ein besseres Schicksal verdient. Denn mag er auch nicht jener Schicksalsmann von Stahl und Eisen sein, nach dem ganz Oesterreich sich sehnt, mag er I nun
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