Issue 
23/11/1899 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Wttt.

a'*W

iS**

'en«.

wlt ""ki Siu

Ä'Ä?*!

'Hen.ange^fige i 6o'sßfß=

1 b« eeeünläim

ltia9i N SS s, i»

^et ®otft»nb:

. ä: Z-an ftirft.

Zhmikitkv. straße 47.

. dm 23, November:

chM

mner-Truppe.

ds. "*Vk 815$

öäaääEamäim jeebnen Publikum von ©itfeen daß ich düs mir zum Eigentum

shalle «w

rivgö vier von Lich. t\W Sorgt güragtn. kal iu versehen. THE itijmjbnmnt iilr- ugesicherl. blungsvoll user XIII. C Pflax

is

; to M ««!*«< K. IM> M ?b R-.-W°t«e^

,bon

0

fi

er 80.

inerf^'

Donnerstag den 23. November

L8SS

5?r. 276 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Heimat-Anzeiger

Anrts- und Zlnzei^eblntt für den Utek Greben

Amtlicher Teil.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen be» In- und Ausland« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Arezngsprei» vierteljährlich

2 Mark 20 Pf, monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

Uanahme von Anzeigen zu der nachmittag- für bte felfcnbcn La, erscheinenden Nummer bi» norm. 10 Uhr.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Erscheint ttgkilk ent LuSnabme de» MontagS

Di« Gießener y«*Uttel(4tfcr »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal b«i,elr,t.

Rebeftton, Lxpeditton und Druckerei:

Fchmtstraße Ar. 7.

Rede wert. Das richtigste sei, an den Beschlüssen der 2. Lesung fest­zuhalten. (frf $p) bekämpft den Antrag Hasse auf 3 Pfg.

Der Staatssekretär selber habe gesagt, der Tarif beruhe auf gesunden Prinzipien Solche gesunde Prinzipien gebe man doch aber nicht auf aus kleinlichen fiskalischen Rücksichten, aus Pfennigsuchserei!

Abg. Dasbach (Zentt ) zieht seinen Antrag zuruck.

Damit schließt die Debatte, und unter Ablehnung aller Anträge werden die Beschlüsse der 2. Lesung aufrecht, erhalten.

Artikel 2 wird debattelos angenommen.

Bei Artikel 3 war in der 2. Lesung ein sozialdemokratischer Antrag angenommen worden, um die Verbreitung von Zeitungen an anderen Orten durch Zeitungsfilialen, Agenten, sicherzustellen gegen einen Einspruch der Post.

Mit Zustimmung des Staatssekretärs wird auf Antrag Mar- cour eine diesen Zweck noch mehr klarstellende Fassung beschlossen.

In der 2. Lesung war dagegen der fernere sozialdemokratische Antrag abgelehnt worden, welcher diese private Verbreitung von Zeitungen an einem Orte auch gegen polizeiliche Beeinträchtigungen auf Grund von Sonntagsheiligungsverordnungen schützen wollte. , v. . 3

Ein jetzt gestellter Antrag Albrecht (Soz.) nimmt dieses Verlangen wieder auf, indem er den Zusatz zum Absatz 3 vorschlägt: auch an Sonn- und Feiertagen während der Stunden, in denen die kaiserliche Post bestellt. .

Ueber diesen Antrag entspinnt sich eine längere Debatte, m der derselbe von den Abgg. Singer (Soz.) und Lieber (Zentr.) warm empfohlen wird. t

Abg. Rettich (kons.) bekämpft den Antrag, dessen Annahme das ganze Gesetz der Gefahr des Scheiterns oussetze.

Ministerialdirektor W o e d t k e rät, jedenfalls hier von einer solchen Bestimmung abzusehen und die Frage bei der demnächstigen Beratung der Gewerbenovelle zu erledigen, damit nicht etwa dieses Postgesetz scheitere. .

Meckl. Bevollmächtigter v. Oertzen legt Verwahrung dagegen ein, daß das Haus hier einen Beschluß fasse, welcher sich gegen die ein­schlägige Verfügung der Mecklenburgischen Landesrigicrung richte Die Sozialdemokraten in Mecklenburg entwickelten eine besondere Fertigkeit darin, Unfug an Sonntagen anzustiften.

Abg. Singer (Soz.) protestiert lebhaft gegen diese Aeußcrnng.

Abg. Rickert (frs. Vg.) bemerkt, seine Freunde würden sich am allerwenigsten durch die Bemerkung des Herrn Rettich, daß der Bundes­rat schon aus Gründen der Kollegialität gegenüber der mecklenburgischen Negierung ein Postgesetz mit solcher Bestimmung verwerfen werde, von der Zustimmung zu diesem Anträge abhalten lassen. Eine schöne Kollegialität das l . .

Nunmehr wird der Antrag Albrecht (Soz.) mit sehr großer Mehrheit angenommen.

Die Artikel 4 und 5 handeln von der Entschädigung der Privatpostbetriebe. _

Ein Antrag Schmidt -Warburg (Centr.) will dem Entschadi- gungsberechtigten die Wahl offen lassen zwischen ordentlichem Rechtswege und außergerichtlicher Einigung, dergestalt, daß nur in letzterem Falle die Vorschrift eines Entschädigungsmarimums bestehen bleiben soll.

Ein Antrag Müller-Sagan (frs. Vp ) will 1. bei der Be­rechnung des Reingewinns auch das allerletzte Geschäftsjahr in Betracht ziehen und 2. den von der Post zu übernehmenden Privatangestellten ebenfalls eine Entschädigung sichern, falls ihr Beamtengehalt hinter ihren bisherigen Bezügen zurückbleibt. . , .

Ein Antrag Hasse (natl) will bei Artikel o die Kommissi­onsbeschlüsse wieder Herstellen, also Differenzen zwischen Entschädi­gungsberechtigten und der Postvecwaltung ein Schiedsgericht aus Reichs­gerichtsräten zuständig machen, statt des ordentlichen Rechtsweges, wie in 2. Lesung auf Antrag Rickert beschlossen wordctr war.

Ein Antrag Marcour (Gentr.i zu Artikel 5 will, daß rm Rechtswege nicht auf eine gerin gere Entschädigung < rkannt werden darf, als die Verwaltung sie in ihrem Bescheide bewilligt hat.

Nach kurzer Debatte bemerkt Staatssikretär v. Podbielski, für die Abzufindenden sei ein schnelles schiedsrichterliches Verfahren viel zweckmäßiger als ein langwieriger Prozeß. Dte Postverwaltung brauche einen solchen nicht zu scheuen.

Die Abstimmung ergiebt bei A r t i k e l 4 A n n a h m e d e r B e

Gratisdeilagen: Gießener Familiendlätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde._________________

An die

Bürgermeistereien des Rentamtsbezirks Gieße«. fäV Wegen des am nächsten Gamstag dem 25. ds. stattfindenden Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. König!. Hoheit des Großherzogs findet an diesem Tage bei dem unter­zeichneten Rentamte kein Zahltag statt, und ersuchen wir die Großh. Bürgermeistereien, dies in geeigneter Weise zur Kenntnis der Interessenten zu bringen.

Gießen, den 21. November 1899.

Großh. Rentamt Gießen.

H i e m e n z.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Deutscher Reichstag.

106. Sitzung vom 21. November. 1 Uhr.

Arn Bundesratstische: Staatssekretär Nieder ding, Staatsselretär v. Podbielski. Das Haus ist sehr schwach besetzt.

Tagesordnung : Zunächst dritte Beratung des Gesetzentwurfes betr. die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen.

Die definitive Annahme erfolgt ohne Debatte.

Es folgt die dritte Lesung der Postvorlage.

In der Spezialberatung liegt zum Artikel 1 Ziffer 3, Zeitungs­gebühr, außer einem rein redaktionellen Anträge Dasbach ein Antrag Marcour-Dasbach vor, welcher für die Gebühr wieder eine Unter­scheidung nach zwei Zonen (bis zu 75 Kilometer Entfernung vom Er- scheinungsvite, sowie darüber hinaus) einsühren will.

Abg. Dasbach (Centr.) empfiehlt dießn Antrag zur Annahme.

Staatssekretär v. Podbielski meint, würde dieser Antrag arrge« nommen, dann würde für die Postverwaltung eine enorme Summe von Mehrarbeit erwachsen, ebenso für den Rechnungshof. Und das lohne sich umso weniger, als die Zahl der Zeitungen, zu deren Ungunsten das Zonensystem beantragt werde, doch eine relativ kleine sei. Er bitte des­halb den Antrag Marcour-Dasbach abzul.hnen und außerdem empfehle er, auch die Grundgebühr wieder von 2 Pfg. pro Monat auf 3 Pfg. heraufzusetzen.

Inzwischen ist noch ein Antrag Hasse (nl.) etngegangen, die Monatsgebühr wieder auf 3 Pfg. zu erhöhen und die Gewichtsabrundung auf Vs (statt ein volles) Kilo erfolgen zu lassen.

Abg. Oertel-Sachsen (kons.) erklärt sich gegen die Anträge Das­bach und Marcour. Was den Antrag Hasse anlange, so habe seine Fraktion sich darüber noch nicht schlüssig machen können. Er persönlich fti gegen den Antrag

Abg. Singer (Soz) bedauert, daß hier nochmals die Zonenfrage aufgerollt werde. Entschieden widersprechen müsse er der Wiedererhöhung der Monatsgebühr auf 3 Pfg EinGefamteinnahmeausfall von200,000 Mk, von dem der Staatssekretär gesprochen, sei doch überhaupt nicht der

es aber vor, so liefe ich aus einer protestantischen Kirche so rasch davon, als aus einer katholischen. Mir würde es bitter hart an­kommen, aus der katholischen Kirche zu treten und doch muß ich so oft die Partei der Protestanten nehmen, ihre christ­lichen (nicht etwa politischen) Bestrebungen unterstützen, wie und wo ich nur kann. Das ist nun der Zwiespalt. Ich -märte immer darauf, daß die katholische Kirche sich von der Weltlichkeit, der Macht und Politik mehr abkehre und der Lehre Jesu sich zuwende. Einstweilen muß ich es mit meinem Gewi>sen vereinbar finden, als Katholik dem evangelischen Gottesdienste bei­zuwohnen, dort Trost und Kraft für das Leben zu holen. Manchmal ist mir in solchen Stunden, als ginge mir ein neues Leben auf. Und doch zittere ich. Denn wer kann wissen, wie weit die Gnade gehen wird? Wenn Not und Jammer kommt, ob die Zuversicht vor­halten wird? Wenn dauerndes Unheil Körper und Geist niederdrückt, ob die göttliche Stärke da sein wird? Und wenns zum Sterben kommt1 Es ist wohl mein Gebet jeden Tag um Gnade, so zu denken und so zu sein, daß Christus, der Heiland, neben mir stehen bleiben kann. Ein Verdienst habe ich doch auch selbst, ein einziges: den guten Willen. Sonst habe ich nichts. Im ganzen gehöre ich halt auch zu jenen Leuten, die gern besser und christlicher werden möchten, heißt das, wenn es der Censur recht wäre.

Welch ergreifendes Ringen einer Menschenseele nach unmittelbarem, von der Vermittelung des Priesters unab­hängigen Verkehr mit Gott! Was einst in Luther vorging und als innerer Konflikt sich in den äußern Bruch mit Rom umsetzte, vollzieht sich fast mit photographischer Treue von Neuem in der Brust des großen steiermärkischen Dichters. Rosegger ist innerlich längst Protestant, sein Uebertritt kann nur noch eine Frage absehbarer Zeit sein. Ist er erfolgt, so darf man bei der großen Volkstümlichkeit des Dichters als sicher annehmen, daß Hunderte sich ihm anschließen werden.

Rosegger in Glaubensnot.

Der katholische Dichter Peter Rosegger hat sich aber­mals in klassischer Weise über Katholizismus und Protestantismus ausgesprochen. Wie erinnerlich, hatte er kürzlich einen Aufsatz über den evangelischen Christus verfaßt, dessen Abdruck imHeimgarten- die österreichische Zensur nicht gestattete. Der für Oesterreich unterdrückte Aufsatz ging indes in deutsche Blätter über und wurde hier viel bemerkt und lebhaft besprochen. Nun kommt der Dichter auf diesen Artikel zurück, um sich u. a. folgender­maßen zu äußern:

Oft habe ich es mündlich und auch schriftlich versucht, mit katho­lischen Geistlichen mich über das Evangelium auszusprechen, doch, wenn sie sich Überhaupt in ein Gespräch einließen, so kamen sie gleich auf die K'rchengebote. Die Leser meiner Schriften braucht man kaum zu er­innern, in welchem Verhältnisse ich zum katholischen Gottesdienste stehe. Allein auch Betrachtungen über das Evangelium mit Rede und Gegen­rede hätten mich gefördert. So weit kam es mit Priestern nie; sie ver­wiesen mich auf die Predigt, bei der man kein Zwi gefpräch führen kann, aus die Beichte, bei der k in Einwand geduldet wird, im übrigen wichen sie stets aus, als ob sie selbst nicht Bescheid wüßten, oder als ob ein Laie nicht würdig wäre, über so hochstehende Sachen nut ihnen iu reden. Es hat Zeiten gegeben, da ich nach ihrem Zuspruch lechzte, doch Mißtrauen und nichts als Mißtrauen haben sie nur geschenkt. Einen Verirrten und Verlorenen haben sie stets an mir gesehen, aber Keiner kam, um mich liebreich zu suchen. Hingegen habe ich Anregung und Erhebung gefunden im Gespräche mit evan­gelischen Geistlichen. Ohne zu protestantisieren haben sie sich gern finden lassen, mit einem Katholiken gemütlich und innig über unseren Heiland zu sprechen und über seine göttlichen Lehren, die immer tiefer und höher werden, je mehr und vielseitiger man sich mit ihnen befaßt. Zudem hat sich eine Bibliothek über den evangelischen Christus um mich aufgehäuft, Betrachtungen und Studien beschäftigen die dürstende Seele, und je mehr sie schöpft, desto unerschöpflicher ist der Gegenstand. Diese Wendung ist gekommen durch jene Beschlagnahme des belanglosen Jesu-Aufsatzes. Eine geringe Ursache zu einer für mich bedeutsamen Entwickelung. Und doch ist ein schwerer Konflikt in mir. Ein Konflikt, den mir gewiß nicht alle nachempfinden können, der manchen ganz überflüssig und thöricht erscheinen wird, weil eben mancher keine Ahnung hat von der Macht der Gottessehnsucht. Ich bin von meinen Vorfahren der Katholik. Ich bekenne und ehre so vieles der katholischen Kirche, sie ist meinen Kindeserinnerungen, meiner Mystik- Neigung und meiner Sinnenfreude eine Heimat. Und doch zieht es mich hinüber zu den Evangelischen, weil dort nach meiner Erfahrung und Ueberzeugung die Lehre Christi reiner ver­kündet wird, als gemeiniglich in den katholischen Kirchen. Besonders in unseren Tagen ist eine evangelische Predigt eine wahre Labnis. Es kommt selten vor, daß man dort schimpft, poltert, hetzt, andere Bekenntnisse verflucht und deren Seelen verdammt. Karne

Feuilleton.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

(Nachdruck verboten.)

nh. Berlin, 21. November 1899.

Etwas Konfl ktsstimmung lagerte heule noch über dem Hause alS Nachwirkung der gestrigen Kstaftrophe, und einige Male kam eS auch zu kleinen Entladungen, obwohl die Tagesordnung wenig dazu angethan war.

Zunächst wu de der Gesetzentwurf betr. die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen, bei dessen zweiter Beratung am Samstag Abg. v. Strombeck (Etr.) eine Reihe von Ausstellungen aemacht hatte, in dritter Lesung devattelos angenommen. Sodann begann die dritte Beratung der Postnov He, die einige Aenderungen gegenüber der in zweiter Lesung angenommenen Faffung brach«r 8a>ar schlugen die Versuche der Abgeordneten Marcour und Dasbach (Etr.) aus Einsührw g des Zonentarifs bei der Beiö derung von Zeitungen, sowie der des Dr. Haffe auf Wiederherstellung der in der Regierungsvorlage vorgesehenen Zritungsgrundgebühr von 3 Pfg. monatlich, die auf Antra der Sorialdemokratrn auf 2 Pfg. herabgesetzt worden war, fehl. Für den Zonentarif, gegen den sich Staatssekretär v. Podbielski wiede, um entschieden aussprach, stimmen nur einige Mitglieder des Centrums, und auch dem Abg. Haffe, dem der Staatssekretär natürlich lebhaft zustimmte, folgte nur rin Teil seiner Parteifreunde sowie die Mehrheit der konservativen Par­teien, wählend eine Minderheit dieser letzteren, unter Führung des Abg. Oertel, mit der Mehrheit des Hauses für die in der zweiten Lesung befchloffene Herabsetzung eintrat.

Dagegen haben die Sozialdemokraten, die selten so vom Glück bedach! worden sind, wie in diesen Tagen, schon wieder einen gesitz geberischen Erfolg erzielt. Dte Leser werden sich erinnern, bat, bei der zweiten Lesung der Postnov.lle ein sozialdewokra ischer Antrag abgelehnr worden war, der mit Bezug auf die private Zeitungs­bestellung die einzelstaatlichen SonutagSgesetze und -Verordnungen aufheben wollte, ein Antrag, der dadurch hervorgerufen worden war, daß die Polizei in Mecklenburg das Austraqen der sozialdemokrati­schen Zeitungen nicht erlaubt hatte. Dte Redner des CentrumS und der Nationalliberalen hatten sich aber nicht prinzipiell ablehnend aus­gesprochen, sondern im wesentlichen an der zu weit gehenden Form Anstoß genommen. Das halten sich die Sozialdemokraten nicht zweimal sagen lassen und hatten nun heute zur dritten Lesung einen neuen Antrag gestellt, der dte private ZeitunaSbestellung gestattet, auch an Sonn- und Feiertagen während der Stunden, in dmen.dte kaiserliche Post bestellt."

Gegen diesen Antrag wurden vom Bundesratstische aus die gewaltigsten Anstrengungen gemacht. Staatssekretär v. Poddielsky erklärte sich entschieden dagegen, da er einen nicht zu rechtf-rttgenden Eingriff in dte Land^sgesetzgebung darstelle. Und Ministerialdirektor v. Woedke bat das Haus, wenigstens den Sintiag bis zur Gewerbe- O'dnuvgsnovelle zu verschieben, in die er ja viel eher hineinpaffe, als ins Postgesetz. Aber was die beiden Herren eventuell hätten erreichen können, das verdarb gründlich der mecklenburgische G. sandte o. Oertzm. der gegen die äußerste Lmke einen so verletzenden Ton anschlug, daß er dem Abg. Singer Gelegenheit gab, sich in Grob­beiten gegen ihn gerad.zu zu erschöpfen, ohne daß der Präsident G legenheit nehmen konnte, dagegen einzuschreiten. Ausschlaggebend für den Antrag war bann Singers Hinweis aas das nicht eingelöste Kanzlerversprechen, betreffend die Aufhebung deS VerbinbuvgsverboteS

für die Vereine, da« jetzt nach der gestrigen Abi hnuna der Zucht­hausoorlage nach der Erklärung des Grafen Posadowtky Überhaupt nicht mehr werde eing löst werden. Das ronfie. Dr. Liebtr (-) ) und Rickert (fr. Vg.) erklärten, daß sie infolge 1 mr Ersah ung für den so.ialdemokratilchen Antrag stimmen würden, obwohl er besser in die Gewerbeordnungsnovelle hineingehören wurde; denn das Zustandekommen der letzteren sei doch sehr zweifelhaft, während die Regierung die Postnomlle an dieser Best.mmung sicherlich nicht scheitern lassen werde. N-mentl ch Abg. Rickert, der seinerzeit wesent­lich dazu betgetragen hatte, infolge des Kanzlerversprcchcns die Auf­nahme des obiaen Vere-nkprragraphen in das Bürgerliche Gesetz­buch zu unterlaßen, erklärte heute fast feierlich, sodaß es wie eine Selbstanklage klang, daß er nun auch zu den B-kehrten gehöre, die auf solche Mtnistervesprechungen nichts mehr geben. Und am Schluß kündigte er an, daß er beantragen werde, den nationeb liberalen Antrag auf blanke Aufhebung detz Dcibindungsverbotes an die eiste Stelle der Jntiatioanträge zu setzen. Aus dem Hause sprachen gegen den iozialdemokrat scheu Antr-g nur die Abgeordneten Rettich (k.) und Büsing (nl.). Ersterer erklärte ihn für einen ekla­tanten Eingriff in die mecklenburgische Landesgesetzgebung, letzterer hatte formale Bedenken. Bei der Abstimmung verlretzen Herrn Büsing aber alle seine Parteifreunde, und so stimmte nur er m t der Rechten gegen den Antrag, der ionach angenommen wurde.

Eine längere Di kussion entspann sich dann noch über den bei Festsetzung der E tschädtgung für die Privatposten einzu- schlagenden Weg. Auf Antrag Dr. Haffe (nl.) wurde das schieds­gerichtliche Verfahren durch die eigenartige Konstellation, Rechte- Nationalliberale Sozialdemokraten, wieder hergestellt. Zum Schluß wurde noch die Fernsprechgebühren Ordnung ohne wesentliche Debatte in dritter Lesung erledigt.