Sitzung der Stadtverordneten
am 21. September 1899.
Anwesend Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, von feiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Em melius, Euler, Faber, Flett, Heichelheim, Huhn, Jug- hardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos,Orbig, vr. Schäfer, Scheel, Schiele, und Wallenfels.
Ihr Fehlen haben entschuldigt die Herren vr. Fuhr, vr. Gafsky, Grünewald, Hanau, Helfrich, Heyligenstaedt, Petri und Schwall.
Bei der nach Eröffnung der Versammlung vorgenommenen Auslosung der zurückzuzahlenden Obligationen städtischer Anlehen wurden folgende Nummern gezogen: A Anlehen von 1893. Lit. L. ä 2000 Mk. 209, 107, 186, 286, 15, 228. Lit. M. ä 1000 Mk. 117, 103, 128,
210, 12, 157, 399, 91. Lit. N. L 500 Mk. 448, 779,
603, 306, 300, 291, 352, 740, 622, 77, 391, 229, 606,
733, 502, 354. Lit. 0. ä. 200 Mk. 270, 6, 7, 253, 290,
283. Lit. P. ä 100 Mk. 373, 48, 239, 57, 315, 137, 140 223.
' B. Anlehen von 1894. Lit. v. ä 2000 Mk. 292, 334. Lit. M. L 1000 Mk. 418, 437. Lit. N. ä 500 Mk. 1070, 830, 866, 824, 849, 969. Lit. 0. ä 200 Mk. 446, 363, 336. Lit. P. älOO Mk. 413, 586, 526, 556.
6. Anlehen von 1895. Lit. L. ä 2000 Mk. 439. Lit. M. ä 1000 Mk. 515. Lit. N.L500 Mk. 1137. Lit. 0. L 200 Mk. 463, 478. Lit. P. a 100 Mk. 635.
Eine Einladung des Turnvereins zu dessen am 1. Oktober stattfindenden Abturnen wird zur Kenntnis der Versammlung gebracht, desgl.
Der vorläufige Abschluß der Rechnung des Gas-und Wasserwerkes, welcher einen Reingewinn von 59,600 Mk. für das Gaswerk ergiebt, nachdem 19,127 Mk. Zinsen zur Stadtkasse abgeführt und 30,000 Mk. zur Schuloentilgung verwendet wurden; das Wasserwerk ergab Reingewinn 15,459 Mk., an Zinsen wurden abgeführt 4428 Mk. getilgt 14,818 Mk. Danach stellt sich der Betriebsüberschuß beim Gaswerk höher um 21,000 Mk. als vorgesehen, beim Wasserwerk um 4859 Mk. — Weiter teilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß auch der Abschluß der Stadtkasse ein günstiger sein werde.
Dem Wirtschaftsplan für die Verwaltung der Stadt Gießen für 1900/1901, welcher einen Mindererlös von ca. 4000 Mk. für Holz, dagegen einen Mehraufwand von ca. 6000 Mk. für Waldkulturen ergiebt, wird Genehmigung erteilt.
Frau Heinrich Leib Wwe. will die von ihrem Ehe- manne s. Z. gepachteten Triebviertel weiter pachten. Die Versammlung sprach sich für Genehmigung des Gesuches unter Erhöhung der Pacht auf 200 Mk. aus.
Herrn Karl Schleenbecker soll Dispens erteilt werden wegen eines Verstoßes gegen die eine Abortanlage betr. Bestimmungen der Bauordnung.
Herrn Jul. Siesel beabsichtigt, seinen Neubau in der Marktstraße in der Höhe von 13 Meter gegenüber der zulässigen Höhe von 11 Metern zu errichten. Der Dispens soll erteilt werden, desgl. bezüglich eines in die Straße reichenden Erkers.
9*e' er erfM^rkennend
Mn. "^cheurer- «
-sche ®renmei r ".der Emulier- ‘
L
«vobei zahl,
S*sa,; r, des Hochverrat
Sf"1
l M I« btt RWhr d!z 8®Mc in Serbien nach iftWen. Ja noch Joji noch für längere Zeit , h abgesehen - die einzige u fein, unb h)nß Serbien der traditionellen Politik i an dem Prinzip der Nicht- * schriMche EntwAnngder “ xbiens, wünscht, inMn- Snerlennung der Verdienste
Daß der Exkönig Serbien c für ausgeschlossen aus dem in Geldnöten fitzt und sein cht entbehren kann.
Der päpstliche Delegierte berbringer eines eigenen . an den Zaren.
b, 22. September 1899.
Öie fe/jr eleb Harm-Einrichtungen lis geworden find, Men Hfirnng gümmnen der- tgfier Zeit wurden wieder >e übergeben, und zwar sür ugsburg. Die Einrichtung t aus 2 Mörse-Apparaten, 69 Alarm- und 11 Sprech- nschließlich der Vororte mü natischen Feuermeldern und wurde. Bei der Anlage Anordnung erwähnenswert, ■ Begegnen biitftt: inten galnantftje «UÄ lenbung f-s-n. * ftront. Umformer all tt «“8 “
ÄfctelMg «■*«...«» fass# DW ife. AJepo* Senaa mir R ejteren aW- s'Är ■ Stnifi.
101!« Äift, b4»eI“ ichm, iqtte 3el 1°° freie “ sie Ä d°r< her i*
habe« tii
hie meiste^ r ^l^xnden, 6. al8,!1”™ stelle" iWJ b Ä bei * K »«* Mch-"
i4, nE 7 die von >y okivirtsch^ ^ werde"' .
uen h‘
schaffen. Die Firma Fein hat übrigens auch kürzlich die Ausführung der Feuermelde- und Alarmeinrichtung für die Stadt Geislingen übertragen erhalten.
** Die Berliner Bahnhofsmisfiou warnt zum bevorstehenden Quartalswechsel vor dem unbedachten Zuzug in die Großstadt. Nur bei ganz zuverlässigen Beziehungen, und unter der Voraussetznng, daß ihre Pflegebefohlenen wirklich imstande sind, den in keiner Hinsicht geringen Ansprüchen der großstädtischen Verhältnisse zu genügen, sollten Eltern, Vormünder und Lehrer junge Mädchen ziehen lassen. Enttäuschungen und traurige Erfahrungen aller Art könnten dadurch vermieden werden. Nicht genug kann auch zur Vorsicht beim Unterschreiben von Mietskontrakten geraten werden, da es sehr oft vorkommt, daß die Mädchen leichtsinnig ihre Unterschrift hergeben, ohne den Inhalt des Kontraktes sorgfältig geprüft zu haben, und erst später zu ihrem Schrecken erfahren, wohin und unter welchen Bedingungen sie tatsächlich vermietet worden sind. Wer eine gute Stelle auf dem Lande oder in der kleinen Stadt hat, sollte sich sehr besinnen, ehe er sie auf- giebt, denn Tausende, die alljährlich doch wieder zurückziehen, beweisen, daß man nur selten in der Großstadt das erhoffte Glück findet. Denen, welche aber dennoch durchaus nach Berlin ziehen wollen oder müssen, bietet an den Quartalstagen die Berliner Bahnhofsmission (Bureau: Berlin N., Borsigstraße 5) in gewohnter Weise Schutz und Rat auf den Bahnhöfen durch die Helferinnen, welche, kenntlich an einer weißen Armbinde mit rosa Kreuz und Aufschrift: „Fürsorge für die weibliche Jugend", gern und unentgeltlich die Ankommenden zurechtweisen und auf Wunsch begleiten.
n. Von der mittleren Nidda, 20. September. Trotz des herrschenden Regenwetters ist die Kartoffelernte bei uns schon einige Zeit im Gange. Sie fällt recht gut aus. Die Knollen sind stellenweise von erstaunlichem Umfang und Gewicht. Dies veranlaßte kürzlich einige Landwirte, einmal zu untersuchen, wieviel von den dicksten Kartoffeln, die man .austreiben konnte, auf einen Doppelcentner gehen. Man brauchte gerade 90 Stück dazu. Auch hört man bis jetzt -nicht viele Klagen über faule Knollen. Man wendet bei uns schon eine Reihe von Jahren dem Kartoffelbau erhöhte Sorgfalt zu und hat dies nicht zu bereuen, denn die Erträge sind eben viel höhere als früher. Man bringt die Kartoffeln schon sortiert in den Keller, bezieht neues Saatgut von bewährten Sorten und bereitet die Aecker sorgfältiger vor. — Mit dem Einernten der Zuckerrüben beginnt man in der nächsten Woche. Auf Aeckern, die gut im stände sind, stehen sehr schöne Rüben. Der Zuckergehalt wird sicher die vorigjährige Höhe (14 Prozent) erreichen, denn die Witterung war für die Zuckerentwickelung äußerst günstig. — Die bis jetzt abgehaltenen Aepfelversteigerungen haben gute Preise erzielt. Trotzdem aus vielen Gegenden Deutschlands übereinstimmend berichtet wird, daß die Aepfelernte gering ausfällt, will sich hier noch kein rechtes Geschäft in Aepfeln entwickeln. Es herrscht noch geringe Nachfrage. Für Oktoberlieferung wurde der Centner gebrochene Aepfel für 8 Mk. verkauft.
A Alsfeld, 20. September. Unter dem Vorsitz des Herrn Kreisrat Dr. Melior tagte gestern die Kreis- lehrerkonferenz im Saale des „Deutschen Hauses" hier. Trotz des denkbar schlechtesten Wetters hatten sich die Lehrer des Kreises vollzählig eingefunden, was der Herr Vorsitzende der Konferenz bei ihrer Eröffnung dankend bestätigte. Herr Kreisschulinspektor Mathes teilte die statistische Uebersicht über die Schulen des Kreises mit. Einen formvollendeten Vortrag hielt hiernach Herr Lehrer Diehl-Billertshausen über „Berechtigung und Wert der Hausaufgaben." Das weitere Thema der Tagesordnung behandelte „Die Heimatkunde als Grundlage des gesamten Unterrichts"; Referent: Herr Schulverwalter Schaab in Untersorg. Mit großem Fleiß und Geschick hatte sich Redner seiner Aufgabe entledigt, deren interessante Behandlung den vollen Beifall der Versammlung fand. An beide Vorträge knüpfte Herr Kreisschulinspektor Mathes kurze Erörterungen in meisterhafter Manier. Beiden Referenten sprachen die Leiter der Konferenz ihren vollen Dank aus. Bei der dem amtlichen Teile folgenden Mittagstafel, die dem allbewährten Rufe des „Deutschen Hauses" entsprach, brachte Herr Kreisrat Dr. Melior das begeistert aufgenommene Hoch aus auf den hohen Förderer des hessischen Schulwesens, Se. Königliche Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig.
0 Vom Manöver, 20. September. Am Montag kämpften — wie bereits gemeldet — die 49. und 50. Jn- fanteriebrigade in der Nähe von Ruppertenrod und Mücke. Die Truppen hatten nach dem Gefechte zum Teil noch große Entfernungen bis zu ihren Quatieren zurückzulegen. Weil durch die nasse Witterung viele Erkrankungen vorkamen, wurden die zum biwakieren bestimmten Truppen in sogenannten „engen" oder Notquartieren, die außer näheren Orten, in Großen-Buseck, Oppenrod und Ettingshausen bezogen wurden, untcrgebracht. Dadurch entwickelte sich denn bald in Grünberg und Umgegend ein recht buntes, interessantes, militärisches Leben. Die mit der Einquartierung bedachten Orte hatten mehr Soldaten als ihre Einwohnerzahl betrug. Selbst in Scheunen und Ställen fanden die Mannschaften Unterkunft. Die Herren Offiziere, oft mehrere in einem Zimmer, — begnügten sich mit einem einfachen Stohlager. — Dienstags standen die feindlichen Vorposten der 49. Brigade — die mit Helmbezügen versehenen Truppen bezeichnen den Feind — bei Grünberg. Die Höhen nordöstlich, östlich und südöstlich von Grünberg waren von dieser Brigade in guter Stellung besetzt, während die 50. Brigade von südwestlicher und westlicher Richtung her gegen die 49. Brigade vordrang. Nachdem der rechte Flügel der 50. Brigade geschlagen war, wurde das Gefecht gegen ^ll Uhr abgebrochen, und die Truppen rückten in ihre Quartiere. Damit ist das Divisions
manöver beendigt. Heute ist Ruhetag. Am 21. und 22. d. Mts. ist Korpsmanöver in zwei Parteien. Das Ost- Korps (25. Division) trägt Helmbezüge. Am 23. September kämpfen die vereinigten Divisionen gegen einen markierten Feind. Bei Gießen wird voraussichtlich an diesem Tage biwakiert, abgekocht und gespeist. Dann werden die Infanterie-Regimenter per Bahn in ihre Garnisonsorte zurückbesördert. Hieran schließt sich die Entlassung der alten Mannschaften.
Grünberg, 21. September. (Manöver.) Während des Gefechtes, welches vergangenen Dienstag in unmittelbarer Nähe unserer Stadt stattfand, hatte Schreiber dieses Gelegenheit, ein recht hübsches Reiterstückchen zu beobachten. Auf dem auf der Ostseite der Stadt am „Brunnenthal" sich hinziehenden schmalen Spazierwege ritt ein Meldereiter, welcher, um eine Ecke biegend, sich unverhofft einer feindlichen Patrouille gegenüber sah, die in entgegengesetzter Richtung ihren Weg nahm. Bei der Enge des Weges war an Umkehren nicht zu denken. In demselben Augenblicke als der Meldereiter an der Patrouille vorüber sprengen wollte, erhob sich der Führer der letzteren in die Steigbügel, beugte sich ein wenig nach der Seite und entriß dem Gegner blitzschnell den Meldezettel, den dieser in der Hand hielt. Unter lebhaften Bravorufen seitens der zahlreichen Zuschauer galoppierte die Patrouille davon, während der überlistete Meldereiter, der sür den Spott nicht zu sorgen brauchte, jedenfalls mit sehr gemischten Gefühlen seinem Bestimmungsorte zuritt. — Heute früh haben die letzten militärischen Gäste unsere Stadt verlassen, um in der Umgegend von Gießen zunächst gegen die 21. Division zu manöverieren.
* Frankfurt a. M., 21. September. Zola und Labori als Vornamen. Zu der gestrigen Notiz teilt man der „Franks. Ztg." mit, daß schon am 3. Mai 1898 dem Sohne eines in der Finkenhofstraße wohnenden Kommissionärs die Vornamen Zola August Labori beigelegt wurden, wie in dem Auszug aus den Standesamtsbüchern vom 8. Mai 1898 zu lesen ist.
* Brühl, 20. September. Gestern wurde im hiesigen Schloßpark ein junger Mann mit zwei lebensgefährlichen Schußwunden in der Brust aufgefunden. Allem Anscheine nach ist er ein Kieler Student. Er trug eine grüne Mütze mit silberner und roter Perkussion und ein Band in den gleichen Farben. Ein schwarz-rot- goldenes Wappen an der Perkussion trug den Buchstaben „T“, ein Papierstreifen in der Mütze den Namen „Kiel".
Herr Wilh. He' beabsichtigt, in der Brandgaffe eine Waschküche zu errichten, wodurch eine Verkleinerung des Hofes herbeigeführt n .rde. Dem Gesuche soll ausnahmsweise stattgegeben wer en.
Der Gamb r in.Brauer ei Butzbach soll die Erlaubnis erteilt werd einen Teil der an der Klinikstraße zu errichtenden Bierkeüer nebst Kontoren in Holzarchitektur auszuführen.
Die Herren Architekten Stein & Meyer beabsichtigen, den oberen Stock eines der an der Ostanlage (im Oppen- heimerffchen Garten) zu errichtenden Hauses in Holzarchitektur auszuführen; der dazu nötige Dispens soll erteilt werden.
Das Gesuch des Herrn Architekten Huhn für die Plockstraße bedarf des Dispenses von der Bestimmung, die die Freilassung einer Durchfahrt nach dem Hofraum fordert. Derselbe soll erteilt werden, nachdem der Nachbar des Gesuchstellers erklärte, auf seinem Grundstück die Durchfahrt zu gestatten.
Aehnlich lautet das Gesuch der Herren JugHardt LKockerbeck für ihre Neubauten in der Wilhelmstraße, das ebenfalls befürwortet wird.
Das Gesuch des Ei renmitgliedervereins der Burschenschaft Germania um Fristerstreckung zur Erbauung eines Germanenhauses auf dem Gelände der ehemaligen Rabe- nauschen Besitzung wird genehmigt unter der Bedingung, daß im nächsten Jahre mit dem Bau begonnen wird.
Zur Vergebung der Arbeiten für die Brücken über die Wies eck im Zuge der Goethe- und Moltkestraße wird Genehmigung erteilt auf Grund der gegebeuen Erläuterung über einige nicht nennenswerte Abweichungen von den Voranschlägen.
Die Erd- und Maurerarbeiten für die Errichtung neuer Pissoirs sollen der Firma Birkenstvck & Schneider übertragen werden. Herr Löber wünscht, daß man dem Pissoir an Oswalds Garten einen anderen Platz anweisen sollte. Herr Huhn bestätigt die im Publikum darüber geäußerten Meinungen. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, der bisherige Standort sei zu klein, einer Vergrößerung würde sich die Eisenbahndirektion widersetzen; die Bauart der neuen Pissoirs lasse übrigens nicht befürchten, daß der erhobene Einwand des Publikums von Dauer sein werde. Herr Wallenfels bemängelt den Zustand der Pissoir-Anlage in der Bahnhofstraße. Der Antrag des Herrn Löber, das Pissoir im Oswalds Garten noch nicht aufzustellen, wird abgelehnt.
Die Pflasterung zwischen den Schienen des Bahngeleises der Bieberthalbahn ist von der Bieberthalbahngesellschaft beantragt worden auf Grund des s. Z. abgeschlossenen Vertrags. Die Versammlung beschließt, dem Anträge stattzugeben und die zu 1500 Mk. veranschlagten Kosten in das nächste Budget einzustellen.
Die Straße von der Westanlage nach der Herberge zur Heimat, deren Benennung aus verschiedenen Gründen wünschenswert erscheint, soll den Namen „In der sch epp en Ecke" erhalten.
Das am 1. Januar 1900 in Kraft tretende neue Hundesteuerreglement ermächtigt die Gemeinden, für sich denselben Satz an Steuer zu erheben, den der Staat erhebt. Es liegt der Versammlung die Frage vor, ob die Stadt den bisherigen Satz von 5 Mk. erhöhen soll. Die Finanzdeputation hat vorgeschlagen, die Gemeindesteuer auf 10 Mk. zu erhöhen, die Meinung betonend, daß eine mäßige Verminderung der Hundezahl im öffentlichen Interesse liege. Herr Krumm ist gegen Erhöhung der Steuer, desgl. Herr Haubach. Herr Scheel ist für Erhöhung, desgl. Herr Heichelheim. Die Versammlung erhob den Antrag der Deputation zum Beschluß.
Im Einverständnis mit dem Vertreter des Stifters wird beschlossen, die Zinsen aus der Wilson-Stiftung derart zu verteilen, daß dem Knabenhort 350 Mk., dem Mädchenhort 150 Mk., der Volkslesehalle 300 Mk. überwiesen werden.
In die Kommission, welche die Wahlen für das Gewerbegericht vorzubereiten und zu leiten hat, werden die Herren Stadtverordneten Orbig und Petri (Arbeitgeber) und Schwerdtfeger und Bräutigam (Arbeitnehmer) wieder gewählt.
Von den vorliegenden Gesuchen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb werden befürwortet diejenigen von Bruno Hoheisel (Asterweg 12), Ludwig Klein (Brandgasse 2), Peter Leilich (Grünbergerstraße 117), Albert Rahnefeld (Schanzenstraße 2), Johannes Gamö (Dammstraße 29), Hermann Otto (Klinikstraße 21), Wilhelm Busch (neuer Saal, Grünbergerstraße 47), Gottlieb Nauheimer (Neubau, Bahnhofstraße 47), Johannes Gerlicher (Trainiersaal, Rod- heimerstraße 36), Wilhelm Kupke (Garten, Ludwigsplatz 13), Emilie Nebl Ehefrau (Garten, Grünbergerstraße 48). — Die Bedürfnisfrage wird verneint bezüglich der Gesuche von Martin Steinmeyer (Licherstraße 1) und PH. Mootz (Neustadt 30).
Heer und Murine.
Das neue Jnfanteriegewehr erhielt durch Armee-Verordnungsblatt vom August 1897 bekanntlich die Bezeichnung „Gewehr 88/97" und weist viele Verbesserungen auf. Die Patronen, welche bisher übereinander in dem Patronenrahmen staken und in einen unten offenen, unförmlichen Kasten geschoben wurden, sind jetzt auf einem Ladestreifen befestigt, welcher nicht ins Gewehr kommt und daher auch nicht entfernt zu werden braucht. Der Kasten ist unten geschloffen und ragt nicht mehr über den Schaft hinaus, der Laufmantel kommt ganz in Fortfall, sodann wird ein Hineinbringen einer zweiten Patrone, bevor der Schuß gefallen bezw. die erste Patrone entfernt, unmöglich, Gasentweichungen und unbeabsichtigtes Losgehen des Gewehres vor dem vollständigen Verschluß des Laufes können ebenfalls nicht mehr vorkommen. Das neue Modell erhält ein sogenanntes Treppen-Leitervisier, das Bajonet wird nicht mehr auf dem Laufe, sondern am Schaft oben befestigt, der Lauf bekommt statt vier nunmehr sechs Züge.


