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23.9.1899 Zweites Blatt
 
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Samstag den 23. September

Nr. 224 Zweites Blatt

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von den Genossen mit großer Gelenkigkeit geltend gemacht wurden, und die Würde des Kriegsgerichts war erst wieder hergestellt, als der Empörte mit einem trotzigenIch spiel nicht mit!" das Weite gesucht hatte. Jetzt stand er in meiner Nähe und sah mit verächtlichem Ausdruck von fern zu, was die andern machten.Weshalb haben sie dich denn so verhauen?" fragte ich ihn teilnehmend. Er sah mich von der Seite an, und die Thränen kamen ihm wieder in die Augen.Ick hab Mercier sein sollen," sagte er schluchzend, und das war mir zu gemein. Jetzt paßt mir der ganze Krempel nicht!" Sprach's und schlug sich seitwärts in die Büsche.

Zur Abschaffung der Briefmarken. Im englischen Post-Ofsice wird gegenwärtig die Abschaffung der Brief­marke geplant. Zur Wahrung der Priorität eines deutschen Landmannes sei konstatiert, daß die Idee, in allen wesent­lichen Punkten entwickelt, mit dem Nachweise der Möglichkeit und Notwendigkeit der Abschaffung seit Juni 1897 vorliegt. Ein in derZeitschrift für Poft und Telegraphie" Nr. 27 des Jahres 1897 veröffentlichter Aufsatz von I. Baumann enthält alles Wesentliche des Planes, den nun das englische Post-Office aufgegriffen hat. In diesem Aufsatz bespricht der Verfasser zunächst die Mängel der Briefmarke, die Un­bequemlichkeiten, die Ankauf und Gebrauch der Marken ver­ursachen, die entstehenden Zeitversäumniffe und, für große Firmen, den durch den Verkauf in großen Maffen sich er­gebenden Zinsverlust. Das alles ließe sich vermeiden, wenn man die Marke abschaffte und den Briefen als Quittung

gnadigung des Verurteilten spricht deutlich genug dafür, daß die Regierung von seiner Schuld nicht überzeugt ist.

Alfred Dreyfus bringt ein großes Opfer, wenn er die Gnade des Präsidenten annimmt und dadurch seinem Vater­lande die Ruhe, wiedergiebt. Frankreich bedarf der Samm­lung, umsomehr als der gegenwärtige in Paris sich ab­spielende Prozeß gegen die Monarchisten das Land in größere Erregung versetzen dürfte. Das Kapitel über die Dreyfus- affaire wird für die Geschichte Frankreichs kein ehrenvolles sein, es wäre bester, die Blätter, welche davon berichten, könnten vernichtet werden, ehe die Nachwelt Kenntnis davon erhält. (xx)

Das Ende des Dramas.

Kann man anläßlich der Begnadigung des Kapitäns Dreyfus schon von einer Beendigung derAffaire" sprechen? Diese Frage ist eine offene, da über die Beschlüsse des Kapitäns noch nichts endgiltiges bekannt ist. Die Entscheidung des Ministerrats, durch welche die Begnadigung aus­gesprochen wird, kommt nicht überraschend, allgemein war diese Lösung erwartet worden, wenn man auch annahm, daß erst die von Dreyfus gegen das Urteil des Renner Kriegsgerichts ein­gelegte Revision erledigt werden würde. Die französische Re­gierung hielt es mit Recht an der Zeit, eine Beruhigung der Gemüter herbeizuführen, selbst auf die Gefahr hin, durch die Ausführung dieses Beschlusses neuerdings das Recht zu beugen. Denn es bleibt zu bedenken, daß Dreyfus für schuldlos gehalten wird, daß auf ihn also eigentlich keine Gnade Anwendung finden kann. Vielleicht aber hat der Miuisterrat neben dem allgemeinen Staatsinteresse auch die Absicht im Auge gehabt, dem lange Jahre physisch und seelisch gemarterten Kapitän endlich Ruhe zu verschaffen, ohne ihm das Recht zu nehmen, von einem sicheren Exil aus später seine Sache weiter zu verfolgen. Ist die Regierung von diesen menschenfreundlichen Rücksichten geleitet worden, so kann man ihren Beschluß als einen gerechtfertigten würdigen. Aber es bleibt doch sehr fraglich, ob der begnadigte Dreyfus nicht diese Rücksicht bitter empfinden und als einen neuen Schlag betrachten wird, der gegen ihn vom Hinterhalt aus geführt worden ist, weil ihm anders nicht beizukommen war, ohne -allzu offen die Gerechtigkeit zu verhöhnen.

Wir sind der festen Ueberzeugung, daß diejenigen, welche im Jahre 1894 den Dreyfusprozeß inszenierten, schon lange gewünscht haben, nicht die Veranlasser desselben gewesen zu sein. Ihre Absicht war, einen oder mehrere ausländische Staaten bloszustellen, aber was haben sie erreicht? Sie haben Frankreich in Mißkredit gebracht bei aller Welt, sie haben das Ausland einen Einblick thun lassen in Verhält­nisse, die einer Nation, die an der Spitze der Civilisation marschieren will, unwürdig sind. Verderbnis über Verderbnis ist aufgedeckt worden, die politischen Leidenschaften hat man aufs höchste angespannt, die höchsten Würdenträger sind blosgestellt worden, und Generale, auf welche Frankreich mit oder ohne Grund stolz war, haben während der letzten Entwickelung des Prozesses eine bedauernswerte Rolle gespielt. Jahre lang hat Frankreich unter dem Einflüsse derAffaire" gestanden, und manche notwendige Kulturaufgabe, mancher im allgemeinen Interesse liegende Gesetzentwurf hat im Hinblick auf den Dreyfusskandal zurückgestellt werden müssen. Und dabei haben die Veranstalter des Prozesses noch nicht einmal die Genugthuung, daß das auserwählte Opfer auch wirklich der Schuld überführt worden ist. Wir haben schon bei Besprechung des Renner Urteils ausgeführt, daß in dem letztern ein Schuldspruch gar nicht liegt, weil beim Vor­liegen von Landesverrat keine mildernden Umstände hätten zugebilligt werden dürfen. Auch die Thatsache der Be-

Erklärrrug Dreyfus.

Die Regierung giebt mir meine Freiheit wieder. Ohne die Wiederherstellung meiner Ehre hat diese für mich keinen Wert. Von heute ab werde ich fortfahren, die Wiedergutmachung des schrecklichen Justiz-Irrtums, dessen Opfer ich geworden, herbeizuführen. Ich will, daß ganz Frankreich wisse, und zwar durch ein end­giltiges Urteil, daß ich unschuldig bin. Mein Herz wird nicht eherRuhe finden, bis es feinen Franzosen mehr giebt, der mir ein Verbrechen zutrauen kann, welches ein anderer begangen.

* * *

Das Journal offiziell veröffentlicht heute das Dekret, betreffend die Begnadigung Dreyfus', und den zugehörigen Bericht des Kriegsministers Generals Gallifet an den Präsidenten Loubet. Der Bericht erinnert nach einem uns aus Paris zugehendeu Telegramm zunächst daran, daß Dreyfus schon fünf Jahre der Deportation aus- gestanden habe und bemerkt, wenn er die zehn Jahre, zu denen er neuerdings verurteilt sei, zu verbüßen hätte, so würde er eine höhere Strafe erleiden, als die, zu der er tatsächlich verurteilt wurde. Ferner sei Dreyfus' Gesund­heit schwer geschädigt und lasse ihn eine länger dauernde Haft nicht ohne große Gefahr ertragen. Gallifet schließt: Die Regierung würde dem Wunsche des Landes, das nach Herstellung des Friedens begierig ist, schlecht entsprechen, wenn sie sich nicht bemühte, alle Spuren des schmerzlichen Streits auszulöschen. Es steht Ihnen zu, Herr Präsident der Republik, das erste Unterpfand für das Werk der Barmherzigkeit zu geben, das die öffentliche Meinung ver­langt und das Wohl der Republik gebieterisch erheischt." Gallifets Tagesbefehl an die Korpschefs, der in den Worten gipfelte:Keinerlei Repressalien! Das Vergangene sei vergessen, die Armee denke an die Zukunft!" wird heute in sämtlichen Kasernen verlesen. Der Schlußsatz lautet:Hoch die Armee, welche keiner Partei, sondern dem gesamten Frankreich angehört.

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Die New-Yorker Firma, welche, wie wir gestern be- richteten, Dreyfus für die Veröffentlichung seiner Erlebniffe eine Million Dollars anbot, heißt Siegel-Cooper L Co.

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Deutsches Keich.

Berlin, 21. September. Der Kaiser in Snoge- holm. Wie aus Snogeholm gemeldet wird, ist dort das Wetter während der gestrigen Jagd des Kaisers nicht günstig gewesen, trotzdem hat der Kaiser 13 starcke Böcke und einen ganz besonders großen Fuchs geschossen. Nach dem gestrigen Diner trug der schwedische Sänger Smith im Musiksalon des Schlosses Lieder vor. Das Wetter für den heutigen Tag scheint besser zu werden.

Gießener Anzeiger

General-"Anzeiger

mit vurruchme M SStntefl.

Die Gichencr

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* DreyfuS im Berliner Tiergarten zu finden, so schreibt derVoss. Ztq." ein Mitarbeiter, das hatte ich Nicht er­wartet. Und doch fand ich ihn gelegentlich einer kleinen Szene, die ich beim Spazierengehen belauschte. Da hatte sich auf einer Bank am Goldfischteich eine Gesellschaft Berliner Jungen zusammengefunden, die, tote ich von rinem Nachbarplatz rasch mit Ergötzen feststellte,Kriegs- acricht in Rennes" spielte. Ans der Bank saßen die Richter; «war waren es nur drei an der Zahl, aber sie hatten Würde für sieben. Vor ihnen, inmitten eines Vierecks, das mit dem Lineal in den Kiesweg gezeichnet war, stand, von dem Gendarmerie-Offizier" mit gezogenem Regenschirm bewacht, der unglückliche Angeklagte. Rechts von ihm halten die Verteidiger Aufstellung genommen, von denen der eine mit seinem gutmütigen Pausbackengesicht wirklich ein wenig an dem wackern Demange erinnerte, während der feurige Berliner Labori sich von seinem französischen Namensgenossen außer durch einige andere Äußerlichkeiten auch dadurch unterschied, daß er hartnäckig Labort (mit dem Ton auf der zweiten Silbe) ausgesprochen wurde. Rmgsherum tummelten sich noch einige andere jugendliche Mitbürger, die offenbar noch keine Rollen erhalten hatten. Schon hatte der Präsident sich erhoben, da entstand unter dem versammelten Volk eine fürchterliche Keilerei; ein Hascher Krauskopf wehrte si^ verzweifelt gegen eine Mengeschlagender Gründe, die

für die erfolgte Frankaturgebühr einen Stempel aufdrückte. Das könnte an den Schaltern der Postämter, bequemer noch außerhalb der Post geschehen. Die Postverwaltung brauchte nur selbstregistrierende Stempelautomaten, deren Herstellung der heutigen Technik keinerlei Schwierigkeiten bietet, un­fertigen zu lassen und an Geschäftshäuser, Banken, Wirte und andere Interessenten abzugeben. Eine Menge zeit­raubender Operationen und eine gewaltige Entlastung der Post wäre damit gewonnen. Auch auf dem Lande würden diefe Stempelautomateu zur Erleichterung des Verkehrs bei­tragen. Jeder Betrug wäre durch eine tadellos funktio­nierende Selbstregistratur ausgeschlossen. Die Postverwaltung hätte es außerdem in der Hand, eine Beschränkung des Ge­brauchs durch Fixierung der Giltigkeit des Stempels für den vermerkten Tag und den Ortsbereich festzusetzen. Da­durch wäre eine dauernde Giltigkeit, wie bei den Marken, vermieden, und die Post wäre stets in der Lage, ihre Ein­nahmen für gelieferte Transporte zu übersehen. Die fatale Verschiedenheit preußischer, bayerischer und württembergischer Marken wäre mit einem Schlage gegenstandslos gemacht, weil die Marke die, einst eine Befreierin, jetzt eine Fessel, ihre Mission erfüllt hat - überhaupt entbehrlich würde. («2. N. N. )

Das Uebergewicht der weiblichen Bevölkerung. Es ist allgemein bekannt, daß es in fast allen Kulturländern mehr Frauen als Männer giebt. Bei uns in Deutsch­land ist das Durchschnittsverhältnis der beiden Geschlechter wie 104 (Frauen) zu 100 Männern. Allein dieses Miß-

Zu Dreyfus' Begnadigung und Abreise.

Wie wir bereits berichteten, ist Dreyfus von Rennes in Nantes eingetroffen und von da in Begleitung seines Bruders Mathieu nach Südfrankreich weitergefahren; die Polizeibeamten verließen den Zug bereits auf der ersten Station hinter Nantes, womit dem Begnadigten die volle Freiheit wiedergegeben wurde. Ueber Drey­fus' Abreise aus Rennes berichtet ein Berliner Blatt noch: Derselbe Landauer, welcher Dreysus bei seiner Ankunft in Station Bruz abholte und in das Gefängnis ablieferte, hielt heute 3 Uhr morgens auf der Seitenstraße der Bahnhofs- Avenue. Mit Dreyfus stieg ein Polizeibeamter in den Landauer und fuhr eine halbe Stunde bis zur Station Vern. Dort stieg Dreyfus in ein Abteil zweiter Klasse und fuhr bis zur Station Martignö, wo die großen Bahn­linien einmünden. Dreyfus' Kinder werden heute nach einem geheimgehaltenen Orte an der südfranzösischen Grenze gebracht. In Nantes traf Dreyfus, wie uns von dort telegraphiert wird, um 8 Uhr vormittags ein. Er war begleitet von seinem Bruder Mathieu Dreyfus, dem Direktor der Sicherheitspolizei Viguis und einem Polizeiagenten. In Nantes wußte niemand etwas von der Ankunft. Dreyfus und seine Begleiter bestiegen den um 8 Uhr 58 Min. nach Bordeaux abgehenden Zug und nahmen, um jedes Aussehen zu vermeiden, in einem Abteil 1. Klasse Platz, in welchem schon mehrere Reisende saßen. Auf der ersten Station stiegen Viguis und der Polizeiagent aus und ließen Dreyfus und seinen Bruder die Reise allein fortsetzen. Wie man glaubt, haben sie auf irgend einer Zwischenstation den Zug verlassen.

Paris, 21. September. Dreyfus ist in Carpentras angelangt. Seine Gemahlin hat sich gleichfalls dorthin begeben, um mit Dreyfus weiterzureisen. Der künftige Aufenthaltsort ist unbekannt. DerFigaro" berichtet, daß einer seiner Mitarbeiter Dreyfus auf seiner Reise von Rennes überraschte und eine Strecke mit ihm und dessen Bruder zusammenreiste.Figaro" will den Bericht hier­über mit Rücksicht auf Dreyfus erst morgen veröffentlichen.

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