Ausgabe 
23.4.1899 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 23. April

1899

95 Erstes Blatt.

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der Insel zugebracht haben, haben sie nun endlich die Nebel, an denen Land und Volk leiden, alle erkannt und sind sie sich auch schon über die Heilmittel klar. Indes bleibt cS immerhin noch abzuwarten, ob nun der Besuch des König- und der Minister der Insel wirklich die so notwendige Hilfe bringen werden, wie die Sarden zuversichtlich hoffen.

Paris, 21. April. Allmählich zwar scheint, so schreibt man aus Paris, die Dreyfus-Sache, deren Kassations- hofs-Protokolle noch immer die Spalten desFigaro" bis zum Ueberdruß füllen, dem Ende näher zu rücken, doch sind wir in der Thal vielleicht noch weit davon entfernt. Am Mittwoch beschäftigte sich der Kassationshof wieder in einer sechsstündigen geheimen Sitzung mit der Frage, ob eine ergänzende Untersuchung in der Wiederaufnahme-Sache für notwendig zu befinden sei. Weder der Rechtsbetstand der Frau Dreyfus, Monard, noch der Generalstaatsanwalt Manau wohnten der Sitzung bei. Das Ergebnis ist noch nicht zuverlässig bekannt. Gleichzeitig besprachen die Minister im Elysee die Dreyfussache ebenfalls sehr eingehend. Weder der Ministerpräsident noch der Juftizminister haben, rote die Zeitungen behaupteten, bei Mazeau Schritte gethan, um die Lösung der Angelegenheit in Anbetracht des bevorstehenden Wiederzusammentritts des Parlaments zu beschleunigen. Es scheint vielmehr jetzt als sicher, daß die Kammern ihre Sitzungen wieder ausgenommen haben werden, wenn der Kassationshof über das Revisionsgesuch der Frau Dreyfus beschließt. Auf die die Dreyfussache betreffenden Inter­pellationen wird die Regierung erst nach dem Urteil des Kassationshofes antworten. Unter denselben befindet sich eine des radikal-sozialistischen Deputierten Charles Bos, welche die Annullierung des Prozesses von 1894 zum Gegen­stand hat. Diese Frage wird die Regierung nur in dem Falle beantworten, daß der Kaffationshof das Revisions- gesuch verwirft. Die Annullierungsfrage steht jetzt ziemlich ! im Vordergründe. Denn sie wird aufgeworfen werden, I wenn das Revisionsgesuch abgewiesen wird. Gleichzeitig mit dem letzteren hat Frau Dreyfus auch ein Annullierungs­gesuch eingereicht. DerMalin" hat hierüber die Meinung eines hohen Gerichtsbeamten eingeholt, der äußerte, daß die Verwerfung des Revisionsgesuchs leicht möglich sei, weil eineneue Thatsache" im streng juristischen Sinne nicht vorhanden sei. Dann werde aber nicht der Kassationshof die Annullierung beantragen, das komme vielmehr allem dem Juftizminister zu. Für die Annullierung sei ein trif tiger Grund die Mitteilung der geheimen Schriftstücke an die Richter des Prozeffes von 1894 ohne Wissen der Ver- I teidigung, was ein ungesetzliches Verfahren bedeute. Die Annullierung würde die entgiltige Lösung der Dreyfus- Sache vermutlich nicht lange verzögern. In 14 Tagen I könne das betreffende Verfahren beendet sein, denn man I würde nur einige wenige Personen zu vernehmen haben. I Jedenfalls wäre die Folge der Annullierung die Eröffnung I einer neuen Untersuchung gegen Dreyfus, und man könne I dann gegebenfalls das merkwürdige Schauspiel erleben, daß I der Gefangene der Teufelsinsel von Rechts- und Gesetzes- I wegen frei werde, während seine Richter von 1894 ver- I urteilt würden.

Petersburg, 21. April. Die Gährung unter den Studenten ist trotz aller zur Unterdrückung der Bewegung getroffenen Maßnahhmen noch im Wachsen begriffen. Das russische Unterrichtsministerium hat zwar den Rektor I der Petersburger Universität, Sergejewitsch, den Urheber I der Studenten-Unruhen, auf unbestimmten Urlaub geschickt und ihn vorderhand durch den bei den Studenten sehr be- I liebten Dekan der philologischen Fakultät, Baron Rosen, I ersetzt, aber dieses Zugeständnis erwies sich als unzulänglich. Daß die Studenten mit den russischen Sozialdemokraten in I Fühlung stehen, dafür spricht der in den Universitäten be- I schlagnahmte AufrufAn die studierende Jugend", in dem I die russischen Arbeiter und Sozialdemokraten die Studenten auffordern, die Polizeiwillkür zu brechen und für die Freiheit I der Individualität zu kämpfen. So erklärt es sich auch, I daß die Petersburger Regierung den Arbeiter-Bezirken nun- I mehr verschärfte Aufmerksamkeit zuwendet und in den Fabrik- I ortschaften 160 neue Polizei-Kommiffariate zu errichten be- I fahl, um die polizeiliche Ueberwachung der Arbeiter zu ver- I schärfen. _________

Kckalrs und Provinzielles.

Sieben, 22. April 1899.

I* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- I Herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom I 15. März d. I. «llergnädigst geruht, dem Hofstallfourage-

Aochachbagk lingfMfr eriy ü) mtii SM

Ausland.

Rom, 21. April. Eine große wirtschaftliche Arbeit im Innern ist Italien bekanntlich noch immer Vorbehalten, namentlich auch in der Urbarmachung weiter Strecken un­bebauten und ungesunden Landes sowie in der Aufbesserung des landwirtschaftlichen Betriebes. Dies gilt ganz besonders auch für die augenblicklich das Königspaar beherbergende Insel Sardinien, auf welche sich die Aufmerksamkeit infolge dieses hohen Besuches jetzt mehr als sonst richtet. Schon vor sechs Jahren wurde die Regierung von einem Präfekten in Cagliari, der die Verhältniffe auf der Insel eingehend studiert hatte, auf die unumgängliche Not­wendigkeit der Korrektion der Bäche und Flüsse und der Entsumpfungen aufmerksam gemacht. Er bezeichnete die im wilden Urzustände dahinfließenden Gewäffer, die Malaria und die Trockenheit als die drei Hauptfeinde der Landwirt- schäft auf Sardinien, ohne deren energische Bekämpfung kein Aufschwung der Insel möglich sei. Die Trockenheit schadet jedes Jahr mehr oder weniger den Bodenerzeugniffen und dem Vieh; letzteres wird von allerlei durch den Waffer- mangel und das schlechte und kärgliche Futter verursachten Krankheiten dahingerafft. In einem einzigen Jahre gingen einst in der Provinz Cagliari wegen der großen Trockenheit für vier Millionen Lire Vieh zu Grunde, und die Land­wirte erlitten außerdem noch am Fruchtertrag eine Einbuße von elf Millionen Lire. Der Bericht dieses Regierungs­statthalters wanderte in Rom zu den Akten, ohne daß man Anstalten traf, etwas für Sardinien zu thu». Aber wunderbar! In den wenig Tagen, welche die den König auf seiner Reise durch Sardinien begleitenden Minister auf

(Gießener Anzeiger

Heneral-Mrzeiger

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung,

bewrtfsrnd: Maul- und Klauenseuche zu Allendorf a. d. Lahn.

$n zwei Gehöften zu Alleudorf a. d. Lahn ist die St Uni- and Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- fpennt angeordnet worden.

di,eßen, den 22. April 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutsches Reich.

MH>C. Berlin, 21. April. In finanziellen Kreisen ;teilt mun mit Spannung der Lösung der Karolinen- s r nagt entgegen. Man glaubt sich der sicheren Erwartung himMbev zu können, daß, weil durch den Abschluß des in Frwgc fliehenden Kaufgeschäftes deutscherseits bis zu einem gewchn Grade Vertrauen in den Bestand der Regierung dct- hm schenken Hauses bekundet und damit den bestehenden I Geöltem ein beträchtlicher Dienst geleistet werde, die! fpaaeijd)« n Werte eine nicht unerhebliche Steigerung erfahren C " M ff.C. Berlin, 22. April. AuS Bundesratskreisen verrnihmen wir, daß von der Absicht, dem Reichstag noch in i kt laufenden Session einen Gesetzentwurf zum S»M der Arbeitswilligen ober, wie es jüngst bic i Schutz des Arbeitsverhältnisses vorzulegen n-aWeinlich werde Abstand genommen werden. Einmal feu die Session mit dringenden Aufgaben bereits derart beRcht, daß kaum abzusehen wäre, wie sich deren Be- roäuüjumg erreichen lasse, ohne daß die Tagung eine un- gekMiche Ausdehnung bis in den hohen Sommer erfahre. Äl-ttiikriu aber erweise sich die gesetzgeberische Ausgestaltung öer< - F rage stehenden Aufgabe, je länger sich die berufenen Stder Reichsregierung mit derselben befaßten, um so ich^iiiger. Auch wenn es indessen noch in Bälde gelingen folültt eine Form zu finden, welche die Bürgschaften ver- jlittti, daß nach der Seite der Arbeitgeber gleiches Recht geljitoir'erbe, wie nach der der Arbeitnehmer, so sei es doch eoninntergeorbnetem Belang, ob bie parlamentarische Ver- trcitttg der Nation eine Session früher oder später mit der ratung des Gesetzentwurfs befaßt werde.

M.P.C. Berlin, 22. April. Die Einbringung der cb tat u n a l to a b 1 r e f o r m im Abgeordnetenhause wird el6d nie bevorstehend angenommen. Während uns von tim« Seite berichtet wird, der Gesetzentwurf habe bereits die« tyen Stadien der Staatsministerialberatung überwunden ttnito bw Billigung der Allerhöchsten Stelle gefunden, will maMMidcrerseits wiffen, das Staatsministerium werde sich seiner auf den 22. April anberaumten Sitzung mit deri lefinitiven Vorbereitung der Vorlage für Einbringung in ittit Kammer beschäftigen.

- In dem Befinden des Kardinals Krementz »unnk gestern, derKöln. Volksztg." zufolge, eine bedeu- tenM Sicherung festgestellt. Es wurde berichtet, daß von deviilmfall zwar eine ziemliche Schwäche zurückgeblieben sei.r d-tz sie aber den Kirchenfürsten nicht hinderte, wieder anm®i;e Schriftstücke zu unterzeichnen. Das Befinden sei toitt'jfi ein verhältnismäßig so befriedigendes, daß zu un- mimkiren Befürchtungen kein Anlaß vorliege. Dieser Bekch wird freilich heute durch die telegraphische Nachricht ibteitolttt, daß seit gestern eine weitere Abnahme der Kräfte einzelnen sei.

Bekanntmachung.

Wegen Errichtung eines Neubaues unmittelbar an der M «erg ässe wird die letztere mit Rücksicht auf die den fsaxTijanteui drohenden Gefahren bis auf weiteres polizeilich qesidmi.

di-ßen, den 20. April 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

SK

l' Gießener S^Eeovkätter iDMiln l»cm Anzeiger eWt'd> viermal t «gelegt.

Vefuude«: 1 Armband mit Anhängsel, 1 Rosen- 1 Borstecknadel, 1 Okuliermesser, 1 Strickbeutel, 1 ßM-decke, 1 Leiter, 1 Kord und 1 Schachtel mit 9lci.edn.

WtÄoaeu: 1 Wellensittich und 1 Taube.

-ließen, den 22. April 1899.

Großherzogliches Polizeiamt.

Muhl.

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Der Fall Roth. Aufrichtige Freude erregt es bei den brasilischen Deutschen, daß dn Fall Roth, der soviel I Staub aufgewirbelt hat, dank dem kräftigen Einschreiten der I deutschen Regierung und des deutschen Gesandten Grafen I Arco Valley jetzt endlich in einer der Würde des Deutschen Reiches entsprechenden Weise zum Abschluß gekommen ist. Zuerst wollte Brasilien sich gar nicht dazu bequemen, dem Lehrer Roth für die unmenschlichen Mißhandlungen, deren Opfer er geworden war, eine angemessene Entschädigung zu zahlen, aber die deutsche, mit ebenso viel Mäßigung wie Entschiedenheit festgehaltene Forderung ist dieser Tage be­glichen worden. Der Lehrer Roth hat nach Empfang der Entschädigung einen in den wärmsten Worten gehaltenen Brief an den kaiserlichen Gesandten gerichtet, in dem er ihm und dem Generalkonsul in Desterro seinen tiefsten Dank ausspricht, daß sie der Sache eines armen Landsmannes | durch Eifer und Hingabe zu einem glücklichen Ausgang ver- ! holfeu haben. Wie dieKöln. Ztg." berichtet, hat die brasilische Regierung auch die bestimmte Zusage gegeben, daß der Fall Roth noch einmal auss gewissenhafteste unter­sucht werden soll. Wenn sich dabei ein Verschulden der örtlichen Behörden Herausstellen sollte, so ist deren strenge Bestrafung zugesagt worden. Der Fall hat insofern eine über das rein Persönliche hinauSgehende Bedeutung, als die energischen Reklamationen des Auswärtigen Amts, die in diesem Falle mit vollem Erfolg gekrönt waren, hoffentlich zur Folge haben werden, künftige Ausschreitungen gegen Deutsche zu verhindern. In dem Maße, wie in fremben Staaten sich die Ueberzeugung festsetzt, daß Deutsche bei Rechtsverletzungen unter allen Umständen auf den Schutz des Reiches rechnen können, in demselben Maße wird man sich auch hüten, Deutsche oder deutsche Jntereffen wider­rechtlich zu verletzen. Erfreulicherweise wird noch hinzuge­fügt, daß die grausamen Mißhandlungen des Lehrers Roth keine bleibenden Folgen gehabt haben. Er ist vollkommen wiederhergestellt und beabsichtigt, sich in nächster Zeit zu verheiraten.

Karlsruhe, 21. April. Der König von Schweden ist auf der Rückreise von Biarritz nach Schweden heute vormittag 11 Uhr 19 Min. mit dem Paris-Wiener Schnell­zuge zum Besuch des Großherzogs hier eingetroffen. Der ; König hatte sich jeden offiziellen Empfang verbeten. Zur | Begrüßung waren am Bahnhofe anwesend: der Großherzog, Prinz Karl, der preußische Gesandte, der kommandierende General des 14. Armee - Corps, der Stadtkommandant, der Divisions-Kommandeur und der Brigade-Kommandeur. Der Großherzog trug schwedische (Senerald Uniform. König Oskar kam im Neiseanzuge an. Am Schlöffe wurde der König von der Großherzogin und dem gesamten Hofstaate empfangen. Der König bleibt bis morgen hier und wird heute Abend im Hoftheater einer Aufführung der Wagner'schen OperTannhäuser" beiwohnen^

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