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22.11.1899 Zweites Blatt
 
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1899

Mittwoch dm 22 November

Amts- und Anzeigeblatt für den Urei» Gieren

Feuilleton.

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20,847 Fr. 07

VMattUn, Lxpedition und Druckerei:

FH.tstrahe Ar. 7.

wurden...................

Kosten des Urteils des Kriegsgerichts . . - Kosten der Entscheidung des Revisionsrates für die Erklärung der Nichtberufung . . .

Lvvahme von Anzeigen zu der nachmittags für de« sitzenden Laß erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Gratisbeilagen: Gießener Famiiienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde._________________

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Fernsprecher Nr. 51.

Besondern Beifall in türkischen amtlichen Kreisen wie bei . der Bevölkerung fand es, daß er eine Vorstellung für das durch Erdbeben stark geschädigte Vilajet Aidin veranstaltete. Der Sultan befahl am Freitag eine Vorstellung im Palais, wozu keine Einladung an die Diplomatie erging. Sämt­liche Künstler erhielten Dekorationen, und der Sultan be­fahl sogar, was noch nicht vorgekommen ist, die Truppe zu einer zweiten Vorstellung auf Sonntag. Das erregt um so größeres Aufsehen, als der französische Tragöde Monnet Sully vor zwei Wochen trotz aller Anstrengungen des Botschafters Constans nicht in Yildiz spielen durfte und nur einen Orden erhielt; erhalte eine Wohlthätigkeits- vorstellung verweigert.

♦♦ Sängertag. Im Cafö Ebel fand am Sonntag ein Sängertag des Lahnthal-Sängerbundes statt. Vertreten waren die Vereine Liederkranz und Liedertafel- Marburg, Bauerscher Gesangverein und Harmonie-Gießen, sowie die Gesangvereine Dillenburg, Wetzlar, Butzbach und Lich; Grünberg und Weilburg fehlten. Man besprach u. a. die Wertung der Gesänge bei Sängerfesten. Bei einem Familienabend des Bauerschen Gesangvereins im Wiener Hof, an welchem einige auswärtige Delegierte teilnahmen, überreichte der Bundesvertreter, Herr Hauptlehrer Schneider- Marburg, den Sängern Friedrich und Todt vomBauer­schen Gesangverein je ein Diplom anläßlich ihrer 25jährigen Mitgliedschaft beim Bunde.

** Verzeichnis der für den XXXI. Landtag 1899 ge­wählten Abgeordneten. Provinz Starkenburg. 1. Wahl­bezirk: Aug. B reim er II. in Beerfelden. 5. Wahlbezirk: Philipp Ripp er V., Beigeordneter in Pfaffenbeerfurth. 8. Wahlkreis: Professor Sch le nger in Mainz. 10. Wahl­kreis : Geh. Reg.-Rat Haas in Offenbach. 11. Wahlkreis: Fabrikant Euler in Bensheim. 12. Wahlkreis: Regierungs­rat Noack in Darmstadt. 13. Wahlkreis: Häusel, Kreis- straßenmstr. in Michelstadt. 14. Wahlkreis: Buchhändler Berthold in Darmstadt. 15. Wahlkreis: Balthasar Cramer in Darmstadt. 17. Wahlkreis: David Horn in Seligenstadt. Provinz Oberhessen. 1. Wahlkreis: Graf Oriola in Büdesheim. 2. Wahlkreis: Gutsbesitzer Friedrich Karl Weith in Nieder-Wöllstadt. 4. Wahlkreis: Bürgermeister Philipp Köhler in Langsdorf. 7. Wahl­kreis: Heinrich Brauer in Ober-Ofleiden. 8. Wahlkreis: Gustav Korell in Leusel. 12. Wahlkreis: Müller Erk in Nidda. 13. Wahlkreis: Wilh. Bähr in Herrenhag. ; Provinz Rheinhessen. 2. Wahlkreis: Bürgermeister

Wl T75 Zweites Blatt

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dem Spiegel sich rasieren, dem Amelie zärtlich zuschaute. Als sie beim Eintritt C.. .s sich umwandte, stieß sie einen durchdringenden Schrei aus. DerHerr,dersichrasierte, Angestellter eines Bankhauses der Rue Vivienne, ließ sein Rasiermesser fallen und griff, da er es mit einem Einbrecher zu thun zu haben glaubte, zu einem Revolver, der auf dem Tische lag, und feuerte ihn ab. Amelie hatte aber noch die nötige Geistesgegenwart, den Revolver durch einen heftigen Ruck abzuwenden, sodaß der Schuß in die Decke ging.Was wollen Sie hier in meiner Wohnung?" rief der Bankbeamte Herr 23 ... . wütend aus.In Ihrer Wohnung?" fragte C . . . verblüfft.Ich habe doch die Miete bezahlt?" -Das ist eine Lüge", er­widerte 23 ... .Haben Sie vielleicht auch die Model bezahlt?" Herr C . . . als Mann von Geist und Lebenserfahrung erkannte sofort die Sachlage und sagte in ruhigem Tone:Augenscheinlich hat das Dämchen hier uns Beide an der Nase herumgeführt. Wissen Sie was, geehrter Herr, machen Sie's so, wie ich!" Mit diesen Worten ergriff er die Stutzuhr und warf sie aus dem Fenster. Herr V. . .., der nunmehr ebenfalls be­griff, daß Amelie chm einen Partner gegeben hatte, nahm seinerseits einen Stuhl und ließ ihn denselben Weg nehmen, wie die Stutzuhr. Das ganzeMobiliar der unseligen Amelie, die die Hände rang und schluchzend die beiden er­zürnten Liebhaber um Verzeihung bat, wäre auf die Straße geflogen, wenn nicht Nachbarn und schließlich Polizisten eingeschritten wären und die Herren C. . . und V. . . . in ihrem Rachewerke unterbrochen hätten. Die beiden jungen Männer wurden auf die Polizeiwache gebracht, wo man trotz ihrer Aufklärungen ein Protokoll gegen sie wegen Werfens von Gegenständen auf die Straße und Gefähr­dung von Passanten" aufnahm. Nach dieser Prozedur ent­fernten sie sich Arm in Arm und zogen, einen fröhlichen Abschiedsmarsch pfeifend, an Amelies Wohnung vorbei, um spurlos für sie auf immer zu verschwinden.

Diehl in Gau Obernheim. 3. Wahlkreis: Pitthan in Wöllstein. 4. Wahlkreis: Rentner Simou Friedr. Schill inOsthofen. b.Wahlkreis: Michael W olf VI. in Stadecken. 7. Wahlkreis: Weinhändler Joseph Mo Ith an in Mainz. 8* Wahlkreis: Rechtsanwalt Dr. Schmitt in Mainz. 10. Wahlkreis: Rechtsanwalt Brentano in Offenbuch. Für Gieß en-Land muß ein neuer Wahltermm anbe- räumt werden, da der erste nicht zu Stande kam. Die Nationalliberalen haben vier Sitze verloren, einen an die Antisemiten, einen an die Sozialdemokraten und zwei an sogenannte parteilose Kandidaten. Die Freisinnigen haben einen Sitz an die Antisemiten verloren, sind also nur noch durch zwei Abgeordnete vertreten. Die Antisemiten gewannen zwei Mandate, die Sozialdemokraten einen, das Centrum behauptete seinen Bestand.

Von der Lahn, 20. November. Geh. Hosrat Prof. Philippi hat im vorigen Winter eine Reihe kunsthistorischer Vorträge mit Kritiken über ältere und neuere Werke der Kunst in uneigennützigster Weise dankbaren Zuhörern und Zuhörerinnen dargeboten und hat seitdem seine sehr dankenswerte Orientierung über litteraturhistorische und kunstgeschichtliche Erscheinungen in den LeipzigerGrenz­boten" (Joh. Grünow) fortgesetzt. Von verschiedenen Seiten ist Wunsch wie Bitte verlautbart, Prof. A. Philippi möchte auch in diesem Winter Zeit und Freudigkeit finden, in ähnlicher Weise wie früher über einzelne Perioden aus der Geschichte der Kunst oder der Litteratur zu orientieren; die Zuhörer werden gewiß gerne bereit sein, auf einen Cyklus von Vorträgen im Abonnement sich dankbarlichst zu verpflichten. Die Sachkenntnis, die eindringende Schärfe und Bestimmtheit der Kritik sowie die ansprechende Art des Vortrags sind den Hörern vom vorigen Winter unvergessen. Wir bitten um Gewährung vielseitiger Wünsche.

4- Geiß-Nidda, 20. November. Heute wurde baß sechs­jährige Töchterchen des Karousielbesitzer Kühm, welches mit einem geladenen Revolver spielte, so unglück­lich durch einen in den Unterleib dringenden Schuß ver­wundet, daß der herbeigerufene Arzt nicht imstande war, das Geschoß zu entfernen. Das schwer verletzte Kind wurde in die Klinik nach Gießen verbracht.

Crainfeld, 19. November. Nachdem der Ortsge­werbeverein hier einen schönen Mitgliederbestand nicht allein von hier, sondern auch von den benachbarten Orten Ber- mutshain, Grebenheiu u. s. w. bekommen hat, wird am

Eine Kreditanstalt ans Ehrenwort für Schriftsteller ist wohl der neueste Beitrag zum Genossenschaftswesen in Frank­reich. Ein solche giebt es zu Passy bei PariS; sie leiht dürftigen Rittern von der Feder 5 bis 20 Franken aufs bloße Ehrenwort ohne Zinsen; für das, was darüber hmaus- geht, läßt sie sich einen Schein ausstellen, aber ohne An­gabe der Rückerstattungszeit; es heißt darin einfach:Ich gebe mein Ehrenwort, daß ich die Summe von . . . . zu­rückgeben werde." Die Idee ist eigenartig, noch eigen­artiger aber die Thatsache, daß die meisten Schuldner ihr Wort bis jetzt eingelöst haben. Was dieser Kreditanstalt für die Geldbedürftigen einen doppelten Reiz verleiht, ist die Abwesenheit aller lästigen Fragen bei den Gesuchen; man giebt sein Ehrenwort, das ist alles. An der Spitze steht als Gründerin die Frau Jeanne Robin, die selbst als Ver­fasserin mehrerer Romane das Schriftstellerelend kennen gelernt haben mag; sie nennt ihre Anstalt stolz dasHaus der schönen Wissenschaften" und hat als Kunden nicht die Kranken und Alten im Auge, sondern diejenigen, die in jüngeren Jahren ihre schrifstellerische Ware nicht gleich an­bringen können; bis ihnen das Glück lächelt, hilft ihnen Frau Robin über die ärgste Not hinweg. Augenblicklich hat sie über 20,000 Franken ausstehen und rechnet zu ihren Schuldnern einen Schriftsteller der über 30 Romane ver­öffentlicht hat, aber zeitweilig in Geldknappheit sich befand.

* Amelies Pech. Aus Paris wird derBerl. Ztg." folgende amüsante Geschichte berichtet: Als gestern morgen Herr C . . ., der einen hohen Posten in einem Ministerium bekleidet, die Rue Dupuis passierte, kam ihm der sehr nahe­liegende und verzeihliche Gedanke, seiner kleinen Freundin, der niedlichen Modistin Amelie D . . ., die un Hame Nr. 7 dieser Straße wohnt, einen Besuch abzustatten. Er öffnete in dem ruhig freudigen Bewußtsein eines verbürgten Alleinbesitzes die Thür zur Wohnung seiner Angebeteten mit dem Schlüssel, der ihm als Symbol des Herrenrechtes an- vertraut war, und sah einen Mann in Hemdsärmeln vor

* Eine kleine Mauövergefchichte wird nachträglich aus Konstanz erzählt: Die 114er, vom obersten Kriegsherrn scherzweiseSeehasen" genannt, hatten in Gochsheim in Baden längere Zeit im Quartier gelegen und es während dieser Reit den dortigen Schönen gewaltig angethan. Die darüber erzürnten Burschen des Ortes hatten nun zur Kirchweih imBrettener Sonntagsblatt" auswärtige Mäd­chen mit der Bemerkung eingeladen, die Gochsheimer Schonen sollten sich nur bei den Konstanzern schadlos halten, von denen so viele Liebesbriefe einliefen, daß der Gochsheimer Postbote schon ein Paar Stiefel abgelaufen habe. Selbst­verständlich war dieser Akt der Eifersucht alsbald m Kon­stanz bekannt geworden und vor einigen Tagen erhielt der Briefbote ein geheimnisvolles Packet. Als er es öffnete, alänzten ihm ein Paar neue Prachtstiefel entgegen und em Zettelchen dabei enthielt die Worte:Gewidmet von den dankbaren Konstanzer Soldaten."

* Was hat der Dreyfus Prozeß gekostet? Man berichtet aus Paris: Die Antwort auf die Frage nach den Kosten des Prozesses von Rennes giebt die Kostennote, die an Monsieur le capitaine Dreyfus (dieser Titel ist auf der- s-lb-n voll ausgeschrieben) nach Carp-Ntras llb-rsand. worden ift. Di- Note beläuft sich aus 20,847 Franks 07 Centimes und weist an Einzelposten aus: Justtzkosten, fteugen-, Sachverständigen- und Dolmetschgebühren sllr die Personen, die in diesen Eigenschaften im Sßtoicfie derhort 20,823 Fr. 07

Fokales und Provinzielles.

Gießen, den 21. November 1899.

Militärdienst Nachrichten, v. Hagen, Lt. im Großh. Heff. Inf. (Leibgarde )Regt. Nr. 115, zum Oberleutnant befördert. M elms, Lt. im 4. Großh. Hess. Inf. Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, als Kompagnie Offizier zur Unter­offizierschule in Biebrich kommandiert Koeppen, Lt. ä la suite des 2. Großh. Hess. Drag.-RegtS. (Leib-Drag.- Regiment) Nr. 24, in dieses Regiment wieder eingereiht. Graf v. Schweinitz u. Krain Frhr. v. Kauder, Hauptm. ä la suite des 1. Großh. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25 (Großh. Art.-Korps) und Adjutant bei der Jnsp. der Feld Art., zum Mitglied der Studienkommission der vereinigten Artillerie- und Ingenieur-Schule ernannt. Graffy, Zeughauptmann beim Art.-Depot in Darmstadt, zur 3. Artillerie-Depotdirektion, Böttcher, Zeughauptm. bei der 3. Art. Depotdirektion, zum Artillerie-Depot in Darmstadt versetzt Die Unteroffizier^ Frhr. v. Gall im 1. Großh. Hess. Inf. (Leibgarde )Regt. Nr. 115, Graf zu Nidda im 2. Großh. Heff. Drag.-Regt. (Leib-Drag.- Regt.) Nr. 24, Niedesel Frhr. zu Eisenbach un 1. Großh. Hess. Feld Art.-Regt. Nr. 25 (Großh. Art.- Korps) zu Fähnrichen befördert. Fürst zu SolmS- Hohensolms-Lich, Oberlt. im Leib Garde-Hus. Regt., ausgeschieden und mit Belassung seiner bisherigen Uniform zu den Offizieren A la suite der Armee übergetreten Dr. Rampoldt, Oberarzt beim 1. Hanuov. Inf. Regt. Nr. 74, zum Stabs- und Bataillonsarzt bei dem 2. Bat. 1. Großh. Hess. Infanterie (Leibgarde-)Regiments Nr. 115, Dr. Maßkow, Unterarzt beim Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Versetzung zum Jns.- Reqt. von Horn (3. Rhein.) Nr. 29, zum Assistenzarzt, Dr Henckel, Dr. Joerß, Unterärzte der Reserve des Landwehr-Bezirks Gießen, zu Assistenzärzten befördert. Dr. Birnbaum, Dr. Schmidt, Oberärzte der Land­wehr 2. Aufgebots vom Landwehrbezirk I Darmstadt, der Abschied bewilligt. Dr. Bötticher, Stabs- und Bats.- Arzt des 2. Bats. 1. Großh. Hess. Inf. (Leibgarde-Megts. Nr. 115, als Halbinvalide mit Pension ausgeschieden und zu den Sanitätsoffizieren der Landwehr 2. Aufgebots über­getreten. , .

** Alexander Matkowski, welcher kürzlich hier in unserem Theaterverein austrat, gab ein äußerst erfolgreiches Gast- . spiel mit einer eigenen Truppe in Konstantinopel. ;

Gießener Anzeiger

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»ssM darauf aufmerksam, daß Bintermonate Gelegenheit die an jedem Montag ! statistilben.

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18 willkommen.

Ter Vorstand.

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>er gewünschten MoM nicht aufgebalten wird. rgS gilt nach §§ 9,10

8181 r Vorstand:

Jean Kirch.

MW. ung Mags 3 Hr, verordneten.