Ausgabe 
22.9.1899 Zweites Blatt
 
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dem anatomischen Bau des südgrönländischen Eskimotypus aufweisen. Der Hauptanteil an diesen reichen Ergebnissen ist auf das Konto der überaus günstigen Witterung zu setzen. Vom 29. Juli bis einschließlich 30. Augnst dem Tage der Abfahrt war an der ganzen Küste ununterbrochener Sonnenschein. Da man zudem seinerzeit in Helsingborg einen sehr starken Kohlenvorrat an Bord genommen hatte, so konnte die Expedition ihre wissenschaftlichen Arbeiten in aller Muße aussühren, ohne sich die Gefahren einer allen- fallsigen Ueberwinterung fortwährend vor Augen halten zu müssen.

* Eine Hochstaplerin, die eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, ist in Dresden festgenommen worden. Die betreffende Person nannte sich Selma Was er, verwitwet gewesene Gräfin Einsiedel-Wolkenburg, und gab an, die Frau eines Hotelbesitzers in London zu sein. Unter dem Vorgeben, daß sie nach Deutschland gekommen sei, um eine Erbschaft ihres verstorbenen Galten, des Grafen Einsiedel, zu erheben, hat sie, obgleich völlig mittellos, verschiedene Gasthofsbesitzer zu bestimmen gewußt, ihr zu kreditieren, und auch versucht, einen Juwelier um Schmucksachen von nicht unbedeutendem Werte zu betrügen. Die Schwindlerin, die schon früher, wie sich herausgestellt, unter dem ange­führten altadeligen Namen Betrügereien verübt hat, ist als die 1854 in Niederzimmern außerehelich geborene Karoline Laura Selma Heider festgestellt worden, die bereits vielfach Zuchthausstrafen zu verbüßen gehabt. Der Dresdener Kriminalpolizei ist übrigens auch die durch ein Privattele­gramm aus Breslau gemeldete Festnahme des seit Jahren von verschiedenen Behörden steckbrieflich verfolgten raf­finierten Einbrechers und Hochstaplers Franz Skyba, eines aus Prerau in Mähren gebürtigen Tapeziergehilfen, zu verdanken. Nachdem durch die Dresdener Kriminalpolizei

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Transvaal und Oranje Freistaat

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36. Woche. Vom 3. bis 9. September 1899.

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Für den Kampf mit England hat die südafrikanische (Transvaal-) Republik in dem Oranje Freistaat einen treuen Bundesgenossen gefunden, da der Oranje Freistaat seine Unabhängigkeit ebenfalls gegen England zu verteidigen hat. Der Oranje Freistaat steht unter der Präsidentschaft M. Th. Steiyns, dessen Bild wir heute unfern Lesern vorführen. Er hat einen Flächeninhalt von 131 070 Quadratkilometer und zählt 207 503 Einwohner, darunter 77 716 Weiße. Die Bevölkerung ist zum größten Teil protestantisch. Im Frieden zählt die Sicherheitswache nur 296 Mann, während die Kriegsmacht auf 20 000 Mann angegeben ist. Hauptstadt des Landes ist Bloemfontein mit ungefähr 9000 Einwohnern.

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Telegraphen-Bataillon 1 wird befehligen Major Delius, bisher Direktor der Militär-Telegraphenschule, das Telegraphen-Bataillon 2 Major von Bühn, bisher beim Stab des Pionier-Bataillons Nr. 18, das Tele- graphen-Bataii on 3 Major v. Werner, bisher beim Stab des Eisen­bahn-Regiments Nr. 1 und Vorstand der Versuchsabteilung der Eisen­bahn-Brigade. Das Offizierkorps der drei Telegraphen-Bataillone setzt sich fast ausschließlich aus Pioniere-Offizieren zusammen. Der vielge­nannte Hauptmann Groß, als kühner Luftschiffer bekannt und bisher Lehrer bei der Luftschiffer-Abteilung, ist Kompagnieches beim Telegraphen- Bataillon Nr 1 geworden. Die Inspektion der Telegraphen-Truppen befindet sich selbstverständlich in Berlin. Oberst Zachariae, bisher in der 1. Ingenieur-Inspektion, hat die neugebildete Inspektion erhalten.

Neunzehn türkische Offiziere werden am 1. Oktober in die preußische Armee eingestellt, alle als Leutnants. Die Türken werden sich in allen Waffengattungen zu unterrichten versuchen: acht werden Jnfanterieregimentern, fünf Kavallerieregimentern, zwei Feldartillerie­regimentern, zwei Fußartillerieregimentern, einer (Vizemajor Fettah) dem Eisenbahnregiment und drei dem Pionierbataillon in Spandau zur Dienstleistung überwiesen werden.

Die Verbannung der Hofwürdenträger.

Nicht nur die politischen Beamten, welche im preußischen Abgeordnetenhanse gegen die Kanalvorlage gestimmt haben, sind gemaßregelt worden, auch die kanalfeindlichen Hof­würdenträger, die Kammerherren und Schloßhauptleute, haben sich durch ihre Abstimmung einen deutlichen Beweis der königlichen Ungnade zugezogen: sie sind nämlich durch Kabinettsordre bis auf weiteres vom Königlichen Hoflager verbannt worden, weil sie sich zur Person des Königs in Widerspruch gesetzt haben.

Es war vorauszusehen, daß der Kaiser, als er so offen

Graiistreitagen: GießeRer FamüienklSiler, Der hessische Kandmrt, KtStter ffir hessische Volkskunde.

Anm. Die in Klammern gefitzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Krankr kommen.

und unzweideutig für den Kanal eintrat, es als einen gegen seine Person gerichteten Widerstand ansehen würde, wenn Angehörige seines Hofstaats Front gegen den Kanal machen würden. Man muß wohl unterscheiden zwischen der Maß­regelung der politischen Beamten und dieser Verbannung der Hofleute. Die erstere ist unter keinen Umständen zu billigen und zu verstehen, da sie dem Buchstaben der Ver­fassung widerspricht und durch nichts gerechtfertigt werden kann. Die Hofbeamten stehen aber im persönlichen Dienste des Monarchen und haben als solche immerhin auf die An­schauungen und Bestrebungen des letzteren Rücksicht zu nehmen. Zwar ist auch ihnen verfassungsmäßig das Recht der Abstimmung nach freiem Ermessen gewährleistet, aber schließlich kann es dem Monarchen nicht verdacht werden, wenn er durch den Widerstand seiner Hofwürdenträger gegen die von ihm offen verteidigten und gutgehießenen Beschlüsse der Regierung verstimmt ist und dieser Verstimmung in der erwähnten Weise Ausdruck giebt.

Wir legen dieser Maßregelung gar keine politische Be­deutung bei und betrachten sie als eine Privatangelegenheit zwischen dem Monarchen und seiner nächsten Umgebung. Freilich muß auch hierbei wieder die Frage aufgeworfen werden, ob die Stellung eines Beamten, mag er im Staats- oder Hofdienste sich befinden, verträglich ist mit dem Amte eines Abgeordneten. Die Ereignisse haben gezeigt, daß das nicht immer der Fall ist und daß eine ganze Kategorie von Abgeordneten vor die Wahl gestellt werden kann, entweder das Mandat niederzulegen oder ihres Lebensberufes sich zu begeben, wenn sie nicht etwa ihrer Ueberzeugung untreu werden wollen. Jeder vom Vertrauen der Wähler getragene Beamte ist nicht in der Lage, un­beeinflußt durch äußere Umstände eine Entscheidung zu treffen, und er kommt dann in die Notfvendigkeit, sein Mandat niederzulegen, um die von ihm in langer Dienstzeit errungene Stellung zu retten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden diese Dinge in der nächsten Session des preußischen Abgeordnetenhauses zur Sprache gebracht werden, und hoffentlich wird dann eine Lösung gefunden, die gebührende Rücksicht nimmt auf den Geist der Verfassung, welcher nichts weiß von Maßregelung der Abgeordneten wegen ihrer Ab­stimmung. (xx)

Kr. 223 Drittes Blatt

Kecr und Marine.

Telegraphen-Bataillone. Die am 1. Oktober neu zu bildenden drei Telegraphen-Bataillone erhalten als Garnison: Tele­graphen-Bataillon 1 Berlin, Telegraphen-Bataillon 2 Frankfurt a. O. und Telegraph,n-Bataillon 3 Koblenz. Dem Telegraphen-Bataillon Nr. 1 in Berlin wird die Kavallerie-Telegraphenschule unterstellt. Das

Brechdurchfall 2

Nierenschrumpfung 1

Adresse für Depeschen: Aazetger chi-tza».

Fernsprecher Nr. 51.

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Summa: 11 (3) 7 (3)

Krämpfen

Luftröhrenentzündung 1

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen.

35. Woche. Vom 27. August bis 2. September 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär) SterblichkeitSziffer: 23,53, nach Abzug der Ortsfremden 16,88°/«.

Kinder

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1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

Sterblichkeitsziffer:

27,60,

nach Abzug

der Ortsfremden 14,86°/oo.

Brechdurchfall

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Lungenschwindsucht

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Lungenentzündung

1 (1)

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Brustfellentzündung

1

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Schlagfluß

2

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Rückenmarksentzünd.

1 (1)

1 (1)

Wasserkopf

1 (1)

1 (1)

Krebs

1 (1)

1 (1)

Altersschwäche

1

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Verunglückung

2 (1)

1 (1)

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Summa:

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9 (ö)

3 (1)

1

Feuilletsn.

* Keine Spur von Andree. Aus Stockholm, 15. Sep­tember, schreibt man: Der in diesen Tagen eingetroffene EismeerfahrerAntarktik", der unter Führung des bekannten Polarforschers Pros. Nathorst die Durchforschung der Ost­küste Grönlands nach dem Verbleib Andrees und seiner Be­gleiter zum Ziel hatte, hat sich mit einem völlig negativen Ergebnis seiner Nachsuche begnügen müssen. Prof. Nathorst hatte sich bei der Aufstellung seiner Fahrroute von der Er­wägung leiten lassen, daß Andree im Falle einer glücklichen Landung unzweifelhaft den Versuch unternommen haben müsse, auf seiner Wanderung nach Süden sich streng an die grön­ländische Ostküste, als dem nächstliegenden Wege nach einer bewohnten Zufluchtsstätte, zu halten. Namentlich das unter dem 70. Breitengrad gelegene Kap Ryders, wo sich ein größeres Proviantmagazin befindet, mußte ihm als ein günstiges und vergleichsweise leicht erreichbares Ziel vor­geschwebt fein. Auch in dem Fall, daß das Schlittenmaterial Andrees im Laufe der langen Wanderung unbrauchbar wurde, hätte die auf gleichem Wege gelegene Franz-Josefs Förde mit ihrem großen Waldreichtum eine willkommene Unter­kunft für mehrere Ueberwinterungen geboten. DerAnt­arktik" steuerte unter diesen Umständen zunächst nach Jan Mayen und von dort nach der Franz-Josefs-Föhrde. Eis­hindernisse ließen jedoch eine unmittelbare Landsteigung nicht ausführbar erscheinen, so daß man sich gelungen sah, den Kurs auf den Skoresby-Sund zu setzen, wo sich das Ryders- sche Depot befindet. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß jenes Depot sich in vollkommen unberührtem Zustand befand; Spuren, die auf die kürzliche Anwesenheit von Menschen hindeuteten, waren nicht aufzufinden. Mit der

vorrückenden Jahreszeit gelang es schließlich, bis zur Franz- Josefs-Förde vorzudringen und dort das gesamte Küsten­terrain genau zu untersuchen. Auch hier fand sich nicht das geringste Anzeichen vor, woraus auf eine eventuelle Durch­reise Andrees hätte geschlossen werden können. Damit war die Aussichtslosigkeit weiterer Nachforschungen klar. Hat Andree, um auch die letzte Eventualität seiner Rettung ins Auge zu fassen, wirklich das grönländische Festland erreicht, so kann er seinen Weg nur noch an der Westküste entlang genommen haben und dürfte in diesem Falle mit der Sveidrup- schen Expedition, die von jener Seite aus den höchsten Norden zu gewinnen versucht, zusammengetroffen sein. Sehr reich war das Ergebnis der Nathorst'schen Unter suchungsfahrt in wissenschaftlicher Beziehung. Südlich von der Franz Josefs-Förde wurde ein großes, mehrere hundert Seemeilen umfassendes Fjordsystem entdeckt, dessen genaue Kartenlegung vorgenommen wurde. Jenes Küsten­gebiet ist bisher von keinem europäischen Reisenden erreicht und betreten worden. Mächtige Erdwälle längs der Küste und zahlreiche Moränen ergeben wertvolle Schlüsse auf die bedeutsame Rolle, die Grönland in glacialgeologischer Be­ziehung spielt. Daß auch die einzelnen naturwissenschaftlichen Spezialfächer, wie u. a. die Erforschung der arktischen Grönlands-Fauna und Flora und die ethnographische Forschung bei diesen Streifzügen nicht zu kurz kamen, braucht kaum angedeutet zu werden. So wurden nicht weniger als 28 Exemplare des sehr seltenen und interessanten Moschus- wildes von der Expedition erlegt, ferner 17 Eisbären und eine große Anzahl seltener Polarvögel. Besonderen Wert besitzt auch die ethnographische Sammlung. Man hat näm­lich an mehreren Küstenpunkten im Bereich der Franz Josefs-Förde Höhlenfunde von einem längst ausgestorbenen Eskimostamme gemacht, die deutliche Verschiedenheiten von