Ausgabe 
22.8.1899 Zweites Blatt
 
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Gedanke einer persönlichen Herausforderung ihres Königs schlechthin undenkbar ist. Seiner Majestät aber gar den Fehdehandschuh" hinzuwerfen, eine solche Absicht wäre für einen konservativen Mann geradezu ungeheuerlich.

Berlin, 19. August. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt zu der Ablehnung der Kanal-Vorlage: Den Erklärungen des Reichskanzlers und Minister-Präsidenten Fürsten Hohenlohe und des Vicepräsidenten, Staatsministers v. Miquel gemäß ist es selbstverständlich, daß die Regierung die Angelegenheit damit nicht für erledigt erachtet. Sie hält unbedingt an dem als notwendig erkannten und wohl erwogenen Kanalplan in seiner ganzen Ausdehnung fest und sie wird zu seiner Durchführung diejenigen Mittel an­wenden, welche ihr zu Gebote stehen und ihr der Sachlage nach angemessen erscheinen.

Berlin, 19. August. DemLokal-Anzeiger" wird aus Kopenhagen gemeldet: In hiesigen Hofkreisen erregt es großes Aufsehen, daß die Prinzessin Maud von Wales ihre Mutter, die am Donnerstag hier eintrifft, nicht nach Kopenhagen begleitet, umsomehr als alle Mit­glieder der dänischen Königsfamilie sich in Bernstorff ver­sammeln. Man betrachtet dies als Beweis, daß die Prinzessin Maud überhaupt nicht mehr hierher zurückkehrt.

M.P.C. Berlin, 20. August. Aus Abgeordnetenkreisen wird uns geschrieben: Die Würfel sind zwar gefallen, die Situation ist aber noch nicht geklärt. Je mehr alle Vorausberechnungen bezüglich der Kanalvorlage durch den Verlauf der letzten Tage zu Schanden gemacht wurden, um so größere Vorsicht empfiehlt sich beim Aufstellen neuer Prognosen. Wenn es als ziemlich sicher betrachtet wird, daß der Dortmund-Rhein-Kanal schließlich zur Annahme gelangen werde, so ist doch damit nicht auch die Verstimmung beseitigt, die an entscheidender Stelle gegen die Konservativen besieht. Der Kaiser hat ein Telegramm an die Minister gerichtet, aus dem hervorgeht, daß er es geradezu als eine gegen seine Person sich richtende Kränkung auffaßt, daß die Konservativen, auch nachdem ihnen der Vizepräsident des Staatsministeriums, Dr. v. Miquel, noch einmal kräftig zugeredet hatte, dennoch selbst gegen den Dortmund-Rhein- Kanal stimmten. In ganz besonderem Maße hat es ihn unangenehm berührt, zu erfahren, daß auch Mitglieder der konservativen Parteien in hoher Staatsstellung gegen seine Regierung votiert haben. Eine Anzahl Präsidentenposten wird wohl in nächster Zeit frei werden.

M.P.C. Zu den Vorwürfen, die gegen den Gesetz­entwurf über das Urheberrecht erhoben werden, gehört auch der, daß die Schriftsteller den Musikern gegen­über zurückgesetzt würden, insofern ihren Werken nicht auch wie denen der Musiker ein Schutzrecht von 50 Jahren nach dem Tode des Autors zugebilligt werde. Wie wir hören, werden Anstrengungen gemacht, dahingehend, die Schriftsteller mit den Tonkünstlern in dieser Beziehung in die gleiche Rechtstellung rücken zu lassen. Allerdings kann dadurch nach der Meinung Sach­verständiger auch unter Umständen bewirkt werden, daß die verbündeten Regierungen sich veranlaßt finden, die den Musikern in dem Entwurf zugestandene Erweiterung der Schutzfrist wieder rückgängig zu machen.

M.P.C. Hin und wieder begegnet man der Auffassung, der deutsche Kaiser sei durch Aeußerungen des Generals Mercier und anderer Zeugen in dem Dreyfus-Prozeß be­leidigt worden. Nach deutscher Auffassung kann der deutsche Kaiser durch Aeußerungen, wie die in Frage stehenden nicht beleidigt werden. Ebenso ist es eine Dummheit von fran­zösischer Seite, wenn dort mitunter angenommen wird, der deutsche Kaiser verkehre mit Spionen oder komme jemals mit solchen in Berührung.

schlossen. Nur Deutschland und Oesterreich blieben bisher hinter den übrigen Staaten zurück; wo die Frauen zum Besuche der Vorlesungen zugelassen werden, geschieht es unter allerhand Beschränkungen. Die Einrichtung von Mädchen­gymnasien wird seitdem fortgesetzt. Auch im neuen Bürgerlichen Gesetzbuch ist den Forderungen selbst der ge­mäßigten Frauenbewegung nur in geringem Grade Rechnung getragen.

Den bedeutenden Umfang der Erwerbsthätigkeit der Frauen am Ende unseres Jahrhunderts zeigt die Statistik in trockenen, aber überzeugenden Zahlen. In Deutschland betrug nach der Zählung vom 14. Juni 1895 die Zahl der erwerbsthätigen und dienenden weiblichen Personen überhaupt 25 Prozent, in Oesterreich (1890) 51,2 Prozent, in Italien (1881) 43,9 Prozent, in der Schweiz (1888) 29,1 Prozent, in Frankreich (1891) 29,5 Prozent, in England (1891) 26,9 Prozent. In Deutschland betrug die Zahl der erwerbs­thätigen weiblichen Personen 5,264,408, der dienenden 1,313,954 von insgesamt 26,361,125 weiblichen Einwohnern (am 14. Juni 1895).

Davon waren u. a. beschäftigt 2 753154 in Landwirt­schaft, Gärtnerei u. s. w., 1 521153 in Industrie, Berg­bau u. s. w., 579 608 in Verkehr, 233865 in häuslichen Diensten, 739 755 in Fabriken. Die Frauenarbeit ist dabei gegenüber der Männerarbeit überall im Wachsen. Studierende Frauen gab es an den Schweizer Hochschulen im Winter 1894/95 unter 3813 Studenten 600, darunter 362 regel­recht immatrikulierte; in Helsingfors unter 1921 Hörern 105 weibliche. In Rußland gab es am 1. Juli 1895 be­reits 563 weibliche Aerzte, darunter etwa 200 in amtlichen Stellungen. Zweifellos besitzt die Frauenbewegung noch eine große Zukunft und wird das 20. Jahrhundert den Forderungen der unermüdlich agitirenden Frauenwelt ein offenes Ohr leihen müssen, während die Erfüllung mancher anderen Wünsche an den der Frauenthätigkeit von der Natur gezogenen Grenzen von selbst Halt machen wird.

Ausland.

New-Zork, 19. Mai. lieber die Fortschritte des Deutschtums in den Vereinigten Staaten wird derOstd. Rdsch." u. a. geschrieben:Mit der Einschränkung auf die Stadt Philadelphia und ihre weitere Umgebung stellen wir eine auffallende Ueberhandnahme des Deutschen fest. Diese durch eigene Informationen gestützte Erkenntnis hat erst dieser Tage ihre Bestätigung auch in einem Ameri­kaner Brief derKölnischen Zeitung" gefunden, wo gesagt ist, daß in Pennsylvanien nicht selten alte englische Nieder­lassungen durch deutsche verdrängt werden. Dieses erfreuliche Uebergewicht des eigenen Volkstums zeigt sich auch darin, daß in den Städten auf den Schaufenstern und Ladenthüren die Inschrift:Hier wird deutsch gesprochen" in ganz auffälligem Maße zunimmt. Rückwanderer oder Welt­reisende werden die Richtigkeit dieser sozialen Beobachtung jedem bestätigen und vom nationalen Standpunkt aus wird davon nur mit dem Ausdruck größter Genugthuung Kenntnis genommen werden können. Der daraufhin von wohlmeinen­der Seite gemachten Einwendung, durch diese Verkehrs­neuerung zu gunsten Der deutschen Sprache möchte der Einzelne drüben abgehalten sein, das Erlernen des Eng­lischen mit dem gleichen Eifer zu betreiben wie früher und dadurch in seinem Fortkommen gehindert sein, weil er die englische Sprache nicht sprechen könne, wird von anderer Seite mit der Behauptung entgegengetreten, daß die Ameri­kaner ihrerseits noch viel mehr denn je zuvor heute auf Die Deutschen, ihre Fertigkeiten und ihre Künste angewiesen seien, und weil die Amerikaner dies einsähen, sei die neuer­lich bethätigte Uebung, die eigenen Kinder deutsch lernen zu lassen, im Begriffe, bei ihnen immer allgemeiner zu werden. Jedenfalls unterliegt es bei den Kundigen gar keinen Zweifeln, daß dem Deutschtum in den Vereinigten Staaten von Amerika noch eine sehr große Zukunft bevorsteht unter einer Be­dingung wenn nämlich die Deutschen von der nationalen Erbsünde derSelbstverkleinerung" lassen können, dafür ihre Zahl und ihre Stärke um so selbstbewußter als bisher in das Pendelspiel der Landespolitik einsetzen und dafür einstehen, daß es einst in den Ratsälen und auf den Platt­formen, wie jetzt schon auf den Storethüren von Philadelphia heißt:Hier wird auch deutsch gesprochen." Politik macht aber, wenn irgendwo in Amerika, die Wirtschaft."

Fokales und UrsvinMes.

Bad Nauheim, 18. August. Vom 11. bis 17. August 1899 sind 1048 B ad egäste angekommen; verabfolgt wurden an Bädern 14 989 bezahlte und 600 Freibäder. Die Zahl der vom 1. April bis 17. August angekommenen Badegäste beträgt 19 409, der verabfolgten Bäder: 231672 bezahlte und 8617 Freibäder.

A Mainz, 20. August. Zwischen der Militärbehörde und den linksrheinischen Gemeinden Raunheim, Rüsselsheim und Bischofsheim schweben gegenwärtig, ihrem Abschluß nahe, Verhandlungen zur Erwerbung eines größeren Ge­ländekomplexes in den drei genannten Gemeinden, auf welchen mehrere große Gefechtsschteßstände in den dortigen Waldungen für die Garnisonen Mainz-Kastell, Frankfurt und Wiesbaden errichtet werden sollen. Seither wurden diese Gefechtsschießübungen in der Gegend von Sonnenberg bei Wiesbaden abgehalten und bildeten den Gegenstand fort­währender Klagen dortiger Grundbesitzer wegen Feld­beschädigungen und Störungen bei den landwirtschaftlichen Arbeiten. Diese Klagen wiederholten sich in der letzten Zeit bei jeder neuen Hebung in verstärktem Maße, und zwar teil­weise mit Androhung von Entschädigungsklagen, so daß die Militärbehörde ernstlich an eine Verlegung der Schieß­stände gemahnt wurde und sich daher in dem obenangedeuteten Maingebiet einen Ersatz schaffen will.

Mainz, 20. August. Zum Kaiserbesuch. Es ist irrtümlich angegeben, daß auch das thüringische Manen- Regiment Nr. 6 (Hanau) an der Truppenschau teilnehme. Das ist nicht der Fall, sondern das Regiment stellt nur eine Anzahl Pferde zur Berittenmachung der Begleitung des Kaisers. Vom kaiserlichen Marstall sind gestern abend um 6 Uhr 7 Minuten im Centralbahnhof von Metz aus ein­getroffen zwei Sattelmeister, ein Wagenmeister, 16 Stallleute, 30 Pferde und zwei Equipagen. Diese Marstall-Abteilung steht unter Befehl des zum kaiserlichen Marstall komman­dierten Oberleutnant von Heydebreck. Eingetroffen sind auch schon die Spielleute der 42. Infanterie-Brigade, die in der Reduitkaserne in Kastel untergebracht worden sind. Das Jnf.-Regiment Nr. 81 trifft am Montag um 7 Uhr 36 Minuten vormittags in Kastel ein und begiebt sich direkt auf den großen Sand. An der Parade vor dem Kaiser werden beteiligt sein 21 Bataillone, 10 Eskadronen und 12 Batterien oder cirfa 10000 Mann. Für die Truppenschau auf dem großen Sande gibt sich ein leb­haftes Interesse kund; die Nachfrage nach Wagenkarten auf der Kommandantur ift eine ungewohnt zahlreiche. Schon gestern waren über 100 Wagenkarten ausgegeben. Der Zufluß von Fremden scheint ein außerordentlich starker zu werden. Viele Fremden belebten schon gestern die Straßen der Stadt. Die Kasernen, die an dem Wege liegen, den der Kaiser passiert, werden auf das prächtigste geschmückt sein. Sehr hübsch geschmückt wird auch die Gendarmerie­kaserne sein. Erstaunlich ist, was einzelne Hausbesitzer und auch andererseits Wohnungsinhaber für Anstrengungen ge­macht haben, teils ihre Häuser, teils die Außenfronten ihrer Wohnungen zu dekorieren. Stilvoll und nobel geschmückt wird die Front des Gutenberg-Kasinos nach der großen Bleiche zu geschmückt sein. Echte persische Teppiche werden dort zur Schmückung verwandt. M. A.

Mainz, 20. August. Eine für Radfahrer und Rad­fahrerinnen des Großherzogtums Hessen oder die solches auf ihren Touren berühren, höchst erfreuliche Nachricht, sind wir aus bester Quelle in der Lage mitzuteilen.

Auf den Straßenbrücken des Großherzogtums über Rhein, Main u. s. w. sind nämlich vom 1. September nächfthin die Fahrräder vom Brückengeld befreit. Den zahlreichen Radfahrern, die Tag für Tag die Straßenbrücke zwischen hier und Kastel passieren, wird diese Nachricht besonders erfreulich sein. Den Interessenten der demnächst zur Ver­pachtung kommenden Brückengelderhebereien bei Kostheim und Mainz ist von dieser bevorstehenden Brückengeld­befreiung der Fahrräder bereits von der Obersteuerdirektion Mainz Kenntnis gegeben worden.

Vom Rhein, 20. August. Das Hinterschraubenboot Industrie JX. geriet gestern abend Sei der Anfahrt nach der Landungsbrücke vor dem Schlosse in Biebrich auf einen Felsen und erlitt eine starke Lekkage. Ein Teil der zum größten Teil aus Kaffee bestehenden Ladung erlitt Schaden, während es durch Anwenden mehrerer Zentrifugalpumpen gelang, das Schiff vor dem vollkommenen Sinken zu schützen. Infolge des fortwährenden Zurückgehens des Wasser­standes sind die größeren Schiffe bereits behindert, mit voller Ladung zu fahren und müssen teilweise schon im Rheingau lichten.

30. Kongreß für Innere Mission in Straßburg. In der Zeit vom 2. bis 5. Oktober dieses Jahres findet in Straß­burg der 30.Kongreß für Innere Mission" statt. Diese Kongresse, von Wichern, demVater der Inneren Mission", 1849 begründet als Mittel- und Sammelpunkte aller Kreise und Kräfte, die der evangelischen Liebesthätigkeit in Deutschland sich widmen und im Sinne ihres Gründers Pflegestätten einer weitschauenden christlichen Thätigkeit, fanden in der Regel alle zwei Jahre statt, meistens in Norddeutschland, einigemal in Süddeutschland, nämlich in Stuttgart (1850, 1857, 1869, 1879), in Frankfurt a. M. (1854), in Karlsruhe (1884), in Nürnberg (1890). Zum erstenmal findet also der Kongreß in der Hauptstadt des Reichslandes statt. Das wird gewiß viele Gäste aus der Nähe und aus der Ferne anziehen, zumal auch die Gegen­stände der Referate (u. a. Evangelisation und Innere Mission, die Innere Mission in den großen Städten, die Innere Mission auf dem Lande, die Innere Mission und studierende Jugend), sowie die Namen der Referenten und Festprediger einen lehrreichen und erbaulichen Verlauf des Kongresses verbürgen. Ein Ortsausschuß hat es über­nommen, für Beschaffung von Privatwohnungen nach Mög­lichkeit Sorge zu tragen. Anmeldungen sind bis zum 15. September zu richten an dieBuchhandlung der Evang. Gesellschaft", Münstergaffe 7 zu Straßburg i. E. Von ebenda sind auch Programme des Kongresses zu erhalten.

Vermischtes.

* Metz, 16. Aug. Wie früher, so hat auch in diesem Jahre die in Metz bestehende Vereinigung zur Schmückung und dauernden Unterhaltung der Kriegergräber ihre Obliegenheiten vortrefflich erfüllt. Kein Grabhügel, kein Denkstein und kein Kreuzchen, liegen sie auch noch so weit entfernt, haben gestern ihres Schmuckes mit prächtigen Kränzen entbehrt, gleichviel ob Freund oder Feind darunter seine ewige Ruhestatt hat. Allerwärts erblickt man die Zeichen wehmütigen Gedenkens und immerwährender Liebe. Zum Gedächtnis der Gefallenen fand in der westlich vom Dorfe Gravelotte gelegenen einsamen, aber durch herrlichen Waldsaum belebten Wiesenschlucht die übliche Gedenkfeier statt. Tausende von Menschen aus der nähern Umgebung und aus weiterer Entfernung wohnten dem üblichen patrio­tischen Feste bei. Wohin man aus dieser denkwürdigen Thalschlucht die Blicke wendet, findet man wieder zahlreich in der Ferne hervorleuchtende Kreuzchen und Denksteine, wovon das auf einer Anhöhe der Schlucht vor mehreren Jahren errichtete Denkmal des 7. Jäger-Bataillons ganz besonders eindrucksvoll wirkt. Um 4 Uhr nachmittags sammelten sich die Vereine mit ihren Fahnen bei dem Ge- denkturm auf der Höhe von Gravelotte. Bei gesenkten Fahnen spielte die Kapelle des 174. Regiments zunächst Den ChoralWie sie so sanft ruhn", worauf die Ver­sammelten das LiedDeutschland, Deutschland über alles" anstimmten. Mit klingendem Spiel setzte sich dann der Festzug nach der Schlucht in Bewegung. Hier begann der Festakt. Nach einem Choral trug der Metzer Männer­gesangverein den ChorWir sind in Frieden" von Benecken recht stimmungsvoll vor. Auf einer grünbekränzten, von Fahnen geschmückten Tribüne hselt der kaiserliche Ober- regierungörat Pohlmann die Gedenkrede. Er gedachte m gebundenen Worten der int weiten Felde ruhenden Helden und führte den Zuhörern den alten Heldenkaiser und seine Heerführer Bismarck und Moltke in lebhafter Schilderung ihrer großen Thaten vor Augen. Die mit reichem Beifall aufgenommene Rede endigte mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser. Der Metzer Männergesangverein erfreute noch mit mehrern vaterländischen Chören, darunterVater, ich rufe dich" von Himmel. Den weitern Verlauf der Feier verschönte die Musik mit Konzertstücken, bis gegen 7 Uhr der große Zapfenstreich zum Aufbruch mahnte, wo­mit der Gedenktag seinen Abschluß sand. Es ist beabsichtigt, noch im nächsten Jahre die Feier zu wiederholen, dann aber nur alle fünf Jahre den Tag festlich zu begehen. In diesen Tagen ist in Gravelotte neben dem Hause, in dem Kaiser Napoleon vom 15. zum 26. August 1870 übernachtete, ein neues Gebäude errichtet worden, das in großer Goldschrift die WorteKriegsmuseum" trägt. Es sind darin allerlei Fundstücke aus dem Kriege, Waffen, Bekleidungsstücke und Granatsplitter in ziemlich großer Anzahl ausgestellt. Die National-Gedenkfeier bei Mars la Tour findet alljährlich mit großem Pomp und unter regster Teilnahme statt. Nicht nur den in Frankreich ansässigen Patrioten, sondern auch den noch eng mit ihm verwachsenen Elsaß Lothringer findet man hier neben vielen neugierigen Deutschen. Am Grenz­pfahl hatte die Gendarmerie der beiden Nationen recht enge Fühlung miteinander; die Beamten waren kaum zwanzig