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wandtschaft, über das Schießpulver zu nennen. Mit Vorliebe studierte Bunsen Fragen aus dem Grenzgebiete der Physik und Chemie. Er lieferte Beiträge zur Kenntnis der Abhängigkeit des Schmelzpunktes vom Druck, dcS spezifischen Gewichtes von Dämpfen, der Verbrennungserscheinungen der Gase, der Diffusion u. a. m. Für die Lichtmessung stellte er den nach ihm benannten Photomcter her. Eine Vorrichtung, die auf keinem chemischen Arbeitstische fehlt, ist der Bunsen'sche Brenner.
Ihn hat in den letzten Jahren die Heiztechnik auSge- nutzt, um die Verwendung von Leuchtgas in Haus und Gewerbe zu Heizzwecken zu verallgemeinern. Ohne den Bunsen- schcn Brenner würde es kein Gasglühlicht, und keine Nernstsche Lampe geben. Gewichtig sind die Neuerungen, die Bunsen in der Elektrizitätslehre herbeiführte. Er gab ein neues galvanisches Element und gestaltete wesentlich die Methoden der elektrolytischen Gewinnung der Alkali- und Erdmetalle aus, bereicherte die Kenntnis von der Thermoelektrizität und von der Theorie der galvanischen Kette.
Zu bemerken sind weiterhin Studien über das Gesetz der Gasabsorption und photochemische Untersuchungen. Eine Island-Reise gab Bunsen die Anregung zu geologisch- chemischen Untersuchungen, die wichtige Aufschlüsse über die vulkanischen Erscheinungen gewähren. Der Heilkunde sind Bunsens Studien über die Mengenbestimmung des Harnstoffs und vor allem die Entdeckung der Eigenschaft des Eisenoxydhydrats, die giftige arsenige Säure im menschlichen Magen zu binden, zu gute gekommen.
Hand in Hand mit der erfolgreichen Arbeit als Forscher ging bei Bunsen eine ergiebige Lehrthätigkeit, die sich zeitlich über viel mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckte. Er begann sie mit 22 Jahren 1833 an der Universität seines Geburtsortes Göttingen. 1836 wurde er Professor an der polytechnischen Schule in Kassel und 1838 außerordentlicher Professor in Marburg. Als ordentlicher Professor und Direktor des chemischen Instituts wirkte Bunsen in Marburg (1841—1851), in Breslau (1851 —1852) und in Heidelberg (1852-1889). Voss. Ztg.
des Bunsenscken Brenners die Spektren der einzelnen Metalle genau fest. Dabei erwies sich von besonderem Interesse das Natrium-Spektrum, insofern dessen gelbe Linie mit der v-Linie des Sonnenspektrums zusammenfällt. Diese Koincidenz der Natriumlinie mit der D ßinie hatte schon Fraunhofer beobachtet. Dieselbe Wahrnehmung aber war für Kirchhoff der leitende Faden zu einem entscheidenden Versuche. Das Drummoud'sche Kalklicht liefert ein kontinuierliches Spektrum, d.h. ein solches, das keine dunklen Linien enthält.
Kirchhoff ließ das Drummond'sche Kalklicht zuerst durch eine Natriumflamme und dann durch das Prisma fallen. Dann befand sich an der Stelle der gelben Linie eine dunkle. Das Absorptionsgesetz Kirchhoffs erklärt diese Erscheiunung. Es besagt, daß eine Substanz diejenigen Strahlen vorzugsweise absorbiert, die sie, in glühenden Zustand versetzt, selbst aussendet. Jetzt war mit Hilfe der von Bunsen und Kirchhoff zuvor aufgenommenen Metallfpektren die Erklärung der Fraunhofer'schen Linien des Sonnenspektrums gegeben. Sie deuteten offenbar auf Dämpfe hin, die den glühenden Zentralkörper umgeben und das von ihm ausgehende Licht der Absorption unterwerfen.
Mit ihrer Entdeckung eroberten Kirchhoff und Bunsen der Naturerkenntnis eine gewaltige neue Provinz. Sie gaben ein Mittel an die Hand, die materielle Beschaffenheit der Sonne und der fernen Weltkörper zu erkennen. Um richtig zu schätzen, was die Kirchhoff-Bunsen'sche Entdeckung bedeutet, braucht man nur an ein Wort Alexander v. Humboldts zu erinnern. Er sagt, sich bescheidend im „Kosmos", für unsere Erkenntnis seien die Weltkörper nur gravitierende Materie ohne elementare Verschiedenheit der Stoffe.
Jenes Humboldt'sche Wort machten Kirchhoff und Bunsen zu'Schanden. Sie zeigten sogar, daß aus chemischen Zeichen von den Fixsternen her Schlüffe auf ihre Bewegungsrichtung sich ziehen lassen. Auf dem Grunde der Kirchhoff-Bunsenschen Entdeckung ruht zu einem guten Theile das Gebäude des jüngsten Zweiges der Astronomie, der Astrophysik. Aber die Astronomie ist nur eine der Disziplinen, die aus der Spektralanalyse Nutzen gezogen hat. Was die Spektralanalyse für die Chemie ist, das zeigen Bunsen und Kirchhoff durch die Entdeckung zweier neuer Elemente, des Rubidiums und Caesiums, mit ihrer Hilfe. Ueberdies wurde die Spektralanalyse zu einem der wichtigsten Hilfsmittel des analytischen Chemikers. Von ihm entlehnte es der Arzt und der Techniker, der eine zur Analyse des Blutes, der andere z. B. zur Beobachtung des Bessemer- Prozesses.
Reich und groß ist, was Bunsen in der Wissenschaft für sich allein fein eigen nennen konnte: es sind Funde, Beobachtungen, Neuerungen auf ganz verschiedenen Gebieten. Auf dem Arbeitsfelde, das Bunsen zu lehren hatte, in der Chemie sind vor allem seine Studien über die Doppel- Cyanüre, über die Kakodylreihe, über die chemische Ver-
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Robert Wilhelm Bunsen, der am Mittwoch, wie gemeldet, in Heidelberg hingeschieden ist, zählt zu den Fürsten der deutschen Naturwissenschaften. Eine ganze Gruppe von Wiffenszweigen, deren jede ihn zu den ihrigen rechnete, steht trauernd an seiner Bahre. Physik, Chemie, Mineralogie und Geologie, Astronomie und Medizin haben aus seiner Arbeit Nutzen gezogen. Zu den Pflegern der verschiedenen Wiffenszweige gesellt sich aber noch die Allgemeinheit, der die technische Verwertung der wissenschaftlichem Funde Bunsens zu gute gekommen ist. Es ist nämlich eine hervorstechende Eigenheit der wissenschaftlichen Erfindungen und Entdeckungen Bunsens, daß sie in ganz hervorragendem Grade die Technik beeinflußt haben. Es sei nur als em geläufiges Beispiel au die Umwälzung erinnert, die der Bunsen'sche Brenner in der Heiztechnik und im BeleuchtungS- wesen herbeigesührt hat. Wer auf die praktischen Fortschritte vor allem Gewicht legt, wird bei der Schätzung der Lebensarbeit Bunsens besonders auf diese Seite seines Schaffens Gewicht legen. Andere hingegen, die den Fortschritt in der Kultur mehr in der Erweiterung der Kenntnis von dem Zusammenhang der Erscheinungen im Weltall sehen, werden an erster Stelle auf die Entdeckung der Spektralanalyse, an der Bunsen teil hat, Hinweisen. Ein Zeugnis für die universelle Art Bunsens ist es, daß er beiden Gruppen von Beurteilern vollauf gerecht wird.
Mit der Entdeckung der Spektralanalyse hat Bunsen der Theorie und der Praxis einen Dienst von nicht absehbarer Tragweite erwiesen. Sie ist die allgemeinste der wissenschaftlichen Thaten, mit denen "Bunsen seinen Namen verknüpft hat." Denn der Hauptanteil an der Entdeckung — über ihre Geschichte liegen genaue Nachrichten vor kommt Gustav Kirchhoff zu. Aber es darf nicht außer acht gelassen werden, daß der Kernversuch allein ausführbar war mit Hilfe des nicht leuchtenden Brenners, der Erfindung Bunsens. Aber auch sonst hat er sicher viel aus dem reichen Schatz seines chemischen Wissens und seiner chemischen Erfahrung zu der grundlegenden gemeinsamen Arbeit bei- gefteuert. Fraunhofer hatte im Sonnenspektrum die dunklen Linien entdeckt und am Spektrum der Talgkerzenflamme eine bezeichnende Linie aufgefunden. Diese Versuche hatte Kirchhoff in der Erinnerung, als er Bunsen mit Versuchen über Flammenfärbungen beschäftigt fand. Bunsen studierte tue Flammenfärbungen verschiedener Metalle, um daraus Satze zur Ausmittelung von Metallen mit Hilfe der Farbenerscheinungen bei der Verbrennung abzuleiten. Dabei betrachtete er zur Ausschaltung von Farben ans den Gemischen die Flammenfärbungen mit farbigen Gläsern und Lösungen. Kirchhoff schlug Bunsen vor, anstatt der Gläser und Lösungen das Spekrum anzuwenden.
Sie bauten einen besonderen Apparat, das erste Spektroskop und stellten mit Hilfe der nicht leuchtenden Flamme
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1869 zu dem Verbände deutscher Frauenbildungs- und Erwerbsvereine (Organ: „Der Frauenanwalt") zusammen. Schon im Oktober 1865 wurde außerdem in Leipzig auf einer Fraucnkonferenz der ähnliche Ziele verfolgende allgemeine deutsche Frauenverein ins Leben gerufen (Organ: „Neue Bahnen"). Für die Zulassung der Frauen zum Universitätsstudium wirkt der Frauenverein „Reform“ in Weimar (Organ: „Der Frauenberuf"), welcher 1893 in Karlsruhe das erste Mädchengymnasium zum Zwecke der Vorbereitung von Frauen für das Universitätsstudium errichtete. Außer einer Anzahl zu Wohlthätigkeits- und Bildungszwecken gegründeten Vereinen, wie z. B. der 1890 begründete kaufmännische und gewerbliche HilfsvereinJüt weibliche Angestellte zu Berlin (mit 1894 bereits 5500 Mitgliedern) entstand im April 1894 der Bund deutscher Frauenvereine, dem bis zum Jahre 1896 bereits 75 Vereine nut 50,000 Mitgliedern angehörten. Im Jahre 1896 fanden zwei große internationale Frauenkongrefse statt, einer vom 8. bis 12. April in Paris mit mehr radikaler Tendenz, und einer vom 20. bis 26. September in Berlin, auf welchem etwa 500 Teilnehmerinnen aus Deutschland, Frankreich, England, Italien und Amerika anwesend waren. Letzterer bewegte sich mehr im Rahmen der als gemäßigt geltenden Richtung. . , .
Anlangend die Erfolge der Bewegung, so besteht der hauptsächlichste wohl darin, daß man der Frauenftage die allgemeine Aufmerksamkeit zugewendet hat, und die wirklich anzuerkeiinenden Forderungen dem Verständnis der Vernünftigen immer näher bringt. Die Zahl der für das
Deutsches Reich
Berlin, 19. August. Der Kaiser hat, wie der „Germania" zusolge in parlamentarischen Kreisen verlautet, die Nachricht hierher gelangen lassen, daß er mit Rücksicht auf die Verwickelungen der innerpolitischen Lage seine Reise unterbrechen und heute nach Berlin zurückkehren werde.
Berlin, 19. August. Zu der gestrigen Meldung der „Berliner Neuesten Nachrichten" über die Folgen der Ablehnung der Kanal-Vorlage schreibt die „Kreuzzeitung": Dieser Zeitungs-Mitteilung gegenüber können wir nur auf das allerentschiedenste betonen, daß für die konservative Partei ihrer ganzen Geschichte und Gesinnung nach der
Siebener Anzeiger
General-"Anzeiger
weibliche Geschlecht geschaffenen Bildungsgelegenheiten in Bezug sowohl auf geistige als körperliche Ausbildung, der Wohlthätigkeitsanstalten, Stellennachweise u. s. w. ist Legion. Ueberall rüsten sich die Regierungen zum Schutze der arbeitenden Frauen gegen Ausbeutung; in Deutschland erweitert z. B. die Gewerbeordnungsnovelle vom 1. Juni 1891 den Schutz der Fabrikarbeiterinnen erheblich, schließt die Verwendung von Frauen für mit Gefahr für Gesundheit nnd Sittlichkeit verbundene Betriebe aus, und begrenzt das Maß der Arbeitszeit. Die Stimmberechtigung der Frauen wird bald nach dieser, bald nach jener Richtung erweitert (so macht die deutsche Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung in Bezug auf Wahlberechtigung bereits keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern mehr); die Universitäten der meisten Staaten sind — bedingt oder unbedingt — den Frauen geöffnet worden. Die Schweiz ging — wie vielfach in Fragen des Fortschritts — voran, indem sie 1867 zuerst die Universität Zürich der Frauenwelt erschloß, worauf die anderen Fachschulen des Landes folgten. In England wurde 1878 den Frauen die Prüfungsuniversität London geöffnet, 1881 beschloß Cambridge, 1884 Oxford die Zulassung der Frauen zu den höheren Prüfungen. 1892 öffneten sich die schottischen Hochschulen den Frauen. In den Vereinigen Staaten sind die Frauen bezüglich des Studiums an fast allen Universitäten den Männern gleichberechtigt, nebelt den allgemeinen Hochschulen bestehen 4 Frauenkollegs. Frankreich gab zuerst (1868) das medizinische Studium srcr, spater alle Zweige. In Rußland wurde sogar em eigenes medizinisches Institut zur Heranbildung «leiblicher Aerztc be-
Femüets«.
Das 19. Jahrhundert.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder AuSzug verboten.
XIII.
Frauenbewegung.
(Schluß.)
Die deutsche Frauenbewegung datirt aus der Mitte der 60er Jahre. Wie Herr Pierstorff mitteilt, begründete der Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen auf Vei> anlaffung einer im Oktober 1865 vom Präsidenten Lette überreichten Denkschrift einen Verein zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit des weiblichen Geschlechts in Berlin (1866), den späteren Seltenerem. Derselbe entwickelt sich seitdem in wahrhaft großartiger Weise und entfaltet eine ausgezeichnete Wirksamkeit. Er besitzt eine Handels-, Gewerbe-, Zeichnen- und Modellierschule (1890 = 1716 Schülerinnen), eine photographische Lehranstalt, eine Setzerinnenschule, ein Kunsthandwerk Atelier, Restauration und Kochschuie, Haushaltungsschule, eine Waschanstalt und Wasch- und Plätt-Lehranstalt, den Viktoriabazar und das Viktoriastift, sowie ein Arbeitsnastweisungs- und Stellenvermittelungs-Bureau (1890 = 4036 Stellensuchende, 3006 Stellenanbietende, 1440 vermittelte Stellen). Zahlreiche ähnliche Vereine entstanden anderwärts und schlossen sich


