Ausgabe 
22.6.1899 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 22. Juni

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen

Amtlicher Feil.

Gieren, den 17. Juni 1899.

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S tliilticn, Expedition und Druckerei:

Zichukstratze Ar. 7.

Adrefle für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

DütiNjimiÜltel nach Deutschland eingeführt, welches vorzugs- wci' ^! at8 den großen Rindermastanstalten in Arad und Ter.MZva? stammt. Das pulverförmige Erzeugnis wird in bcr:a öd'« hergestellt, daß stark verrotteter, von den in _oen MÄijbmfimlten verwendeten Streumaterialien nur oberstächlich bestficki Rinderdung unter Zusatz von Jauche durchgeknetet, und in ziiegelähnliche Stücke geformt wird, welche an der Lnfch uni Sonne getrocknet, und sodann in einer Dresch- > c>iMiel jzerkleinert werden. Bei dieser Art der Herstellung ist Nt Ausgeschlossen, daß der konzentrierte Rinderdünger oiruiknte Seuchenerreger, insbesondere Milzbrandkeime in sich ui birgt ; auch ist bei der starken Verbreitung der Reblaus in ffitn Somitaten Arad und Temesvar immerhin mit der Mi.!>ijichKeit zu rechnen, daß Rebläuse in dem Dünger ent-

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Dotbskunde.

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Auch das Korporationsrecht für Berufsvereine fordere das Centrum. Anerkennen müsse dasselbe die vorkommenden Mißbräuche, die Bedrängung zum Beispiel katholischer Arbeiter durch ihre Arbeitsgenosseu in Fabriken und anderen Arbeitsstätten. Das vorliegende Gesetz sei em bloßes Aus, nahmeaesetz, und das Centrum verwerfe bekanntlich alle Ein Gesetz müsse vor allem geschaffen werden, welches Koalitionsfreiheit bringe für alle Arbeiter. Erst dann könne erwogen werden, ob und wie gegen JJüß5 brauche Abhilfe zu schaffen sei, und auch dann nur auf dem

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) stimmt für kommissarische Beratung, uud zwar nur wegen der Ueberschrift der Vorlage:Schutz des gewerblichen Arbeits­verhältnisses". (Heiterkeit.)

Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Tagesordnung. Handelsprovisorium mit England, Karolinenvorlage und Fortsetzung der heutigen Beratung.

Schluß 6>/, Uhr.__

routr crr beantrage eine solche.

Og. Lieber (Centr.) verwahrt zunächst das Centrum gqW Sen Verdacht, als seien seine Parteigenossen, indem fu iti-n Vorlage verwerfen, Freunde des allerlei Unfugs, gsW den sich die Vorlage richte. Daß die Vorlage mit deii-ioialitionsfreiheit nicht Zusammenhänge, wie Vorredner berlsWle, sei unzutreffend. Die Vorlage wolle als solche, so litt im ihrer schriftlichen und mündlichen Begründung bcNitii die Ueberzeugung seiner in dieser Frage einmütigen P^ii die große Frage des Koalitionsrechts aufheben, abti'H m der Weise, daß sie das Pferd am Schwänze auüWMe. (Heiterkeit.) Die Vorlage solle, wie die Re- ai MW behaupte, die Koalitionsfreiheit schützen; aber ehe Mw sm schützen könne, müsse man sie erst haben. (Heller - ke üv Mfe links: Sehr richtig!) Das Centrum fordere daher K'Emsfreiheit auf dem Boden des gemeinen Rechts, für a die Zwecke, zu welcher sich deutsche Staatsbürger der­er chn'i wollen. Und es fordere auch für alle Verewigungen dciHMcht, sich untereinander zu verewigen, unter Auf- h»Mggaller entgegenstehenden einzelstaatlichen Bestimmungen.

Ma.B assermann (nl.) stimmt namens seiner Freunde aeaen die Vorlage und gegen die Kommissionsberatung. Die bestehenden Uebelstände erkennten seine Freunde an, aber um ihnen zu begegnen, seien die bestehenden Be­stimmungen in Strafgesetzbuch und Gewerbeordnung aus­reichend. Es müsse geprüft werden, ob die Vorlage die I Koalitionsfreiheit antaste und ob andererseits die vor- I geschlagenen Maßregeln ausreichen würden, die Sozial­demokratie zu schwächen. Das Koalitionsrecht sei das heiligste I und wichtigste Recht jedes Arbeiters, taste man es an, dann würden die Arbeiter zu tausenden zur Sozialdemokratie hinüberlaufen. Der neueste Maurerstrike und seine Begleit- I erschewungen zeige, welche Machtmittel die Arbeitgeber schon jetzt in Händen haben und wie sie dieselben handhaben: I Durch Aussperrung auch Nicht-Strikender und ganz Un- I schuldiger (Rufe links: Sehr richtig!) Redner geht alsdann auf die Zwistigkeiten unter der Sozialdemokratie selbst em I und meint, ein solches Gesetz sei nur imstande, Sozial- I demokraten von neuem zu einigen. (Heiterkeit und Rufe: I Sehr richtig!) Die Denkschrift sei verworren, einseitig, parteiisch, tendenziös (Bewegung), und liefere ein ganz Malsches Bild von den Zuständen in Deutschland überhaupt. Er resümiere sich dahin: Eine Vermehrung der Strafmittel sei überhaupt nicht nötig. Ein Teil seiner Freunde halte allerdings den Ausbau des § 153 für notwendig und billige | die §§ 1 und 2 und im § 4 den Absatz, der von Schädigung von Werkzeugen rc. handle Derselbe Teil billige auch solche Bestimmungen Über das Strikepoftenstehen, wie sie in Eng­land beständen. Am besten würde es sein, die Vorlage rundweg abzulehnen. (Lebhafter Beifall.)

Staatssekretär N i e b e r d i n g entgegnet dem Vorredner, daß die Urteile betreffs des groben Unfuges im allgemeinen von Schöffengerichten gefällt seien, also von Volksgerichten. (Lachen.) Die Denkschrift sei nicht vorgelegt worden zur Begründung der Vorlage (lautes Gelächter), sondern nur, um ein allgemeines Bild zu geben von den Bestrebungen, welche (Rufe: Unglaublich! Erneutes Gelächter, sodaß der Schluß des Satzes ungehört verhallt). Die Vorlage richte sich formal gegen Arbeiter und Arbeitgeber, aber er gebe zu, daß sie vorwiegend Arbeitnehmer treffe. Die Arbeitswilligen unterlägen einer Vergewaltigung ihres freien Willens, die nicht geduldet werden könne. Wolle die bürger­liche Gesellschaft auf diese Entwickelung jetzt feine gebührende Antwort geben, dann werde die Reaktion später nachfolgen, und auch die sanguinische Auffassung des Abg. Bassermann werde dagegen nicht schützen. Redner bittet, die Vorlage nicht einfach abzulehnen, sondern ihre Bestimmungen sorg­

sam zu prüfen. , r .. _ ....

Abg. Arendt (Np.) bedauert lebhaft die Ausfuhr- unqcn des Abg. Bassermann. Er bemerkt alsdann, daß es vor allem des Schutzes der Koalitionsfreiheit gegen die Beeinträchtigung derselben durch die Sozialdemokraten be­dürfe. Wirklich arbeiterfeindlich seien nur die Sozialdemo­kraten, alle anderen Parteien wollten, daß es den Arbeitern gutgehe. (Heiterkeit). Er wünsche Annahme der Vorlage und kommissarische Beratung derselben.

Abg. Lenzmann (frs. Vp.) meint, es wäre bester gewesen, wenn der Vorredner das Wort:Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" beherzigt hätte. (Große Heiterkeit). Die Vorlage richte sich gegen die Koalitionsfreiheit, das

Deutscher Reichstag.

97. Sitzung vom 20. Juni. 1 Uhr. ßirngegangen ist die Karolinen-Vorlage. Lo.c Eintritt in die Tagesordnung ruft Präsident Graf Beließt rem nachträglich den Abg. Bebel (Soz.) zur OiMmig wegen seiner gestrigen Schlußworte: Das Gesetz wittck im Falle seiner Annahme für Deutschland eine und Schande sein. (Ruf des Abg. Singer: Ist abwsid!) ,.ix . . .

Pi äsident Graf Ballestrem: Ich verbitte nur jede KiMÜ

i>jj« Haus setzt sodann die erste Lesung des Gesetz­en MiPZum Schutze des gewerblichen Arbelts- vktsiältnisses" (Zuchthausvorlage) fort.

Vig. v. Levetzow (kons.) plaidiert für Annahme der BksillW. Das Koalitionsrecht lasse die Vorlage gänzlich ur dtelrt. Eine Kommissionsberatung sei dringend wünschens-

rrs.M.1 Mflfid) mit des

Hiitig».

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toerbenrnkii Anzeiger wüchnemü viermal gehegt.

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»Mleich wird darauf hingewiesen, daß das Präparat alM Ar qstoff nur einen geringen Wert hat, weil der beste BeOndtml der ursprünglichen Masse, das Amomak, durch baSüfldrffe Austrocknen der Dungziegel und des daraus her- qesMri Pulvers größtenteils verloren gegangen ist.

Wm warnen deshalb vor dem Bezüge des Mittels. Gießen, am 19. Juni 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

sei nicht zu bestreiten. Fast alle Jahre müsse der Reichs­tag einen Kampf um das Koalitionsrecht führen; von dem brutalen Sozialistengesetz an, über das nicht minder ge­schmacklose Umstnrzgesetz bis zu dem vorliegenden, und fast immer vollziehe sich dieser Ansturm gegen das Koalitions­recht in der Form des Ausnahmegesetzes. Zu verkennen sei nicht, daß sich in der Vorlage ein Ansatz zu Bestraf­ungen auch von Arbeitgebern befinde, welche Arbeitswillige vergewaltigten; aber dieser Ansatz sei nichts gegen die Ge­fahren der Vorlage für die Arbeiter. Und wie bedenklich seien gerade die Manipulationen der Unternehmer, und welche Brutalisierungen kämen vor durch Anwendung der schwarzen Listen! Staatssekretär Nieberding habe bestritten, daß die Denkschrift zur Begründung der Vorlage vorgelegt sei Das zeige den klaren Blick des Herrn Nieberding, i der erkannt hatte: Mit der Denkschrift kannst du nichts beweisen! (Große Heiterkeit). Die Vorlage müsse eigentlich betitelt sein: Gesetz zum einseitigen Schutz der Arbeit­nehmer im Interesse der Arbeitgeber. (Lebhafter Beifall; Rufe: Sehr richtig!). Auf die Urteile der Justiz

wolle er nicht näher eingehen. Aber was die Ge­richte thun, mit dolus eventuahs, nut Delikten an untauglichen Objekten, mit untauglichen Mitteln rc., das sei auch nicht in der Ordnung. (Heiterkeit ) Seien etwa die Strafen bisher noch nicht hoch genug? Wegen Löbtau 12 und 8 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Gefängnis für Leute, die eigentlich nur zugesehen! Die Herren vom Bundesratstische wüßten eben nicht, was 4 Jahre Gefängnis bedeuteten. (Lebhafter Beifall links.) Selbst für den schlimmsten Gegner der Sozialdemokratie sei das Gesetz un­annehmbar, so lange er auf dem Boden des Rechts stehe. (Lebhafter Beifall.) Das deutsche Bürgertum werde hier beweisen, daß es noch den Mut, die Kraft und den Willen habe, ein solches Gesetz a limine abzuweisen, welches nur zum Schaden des deutschen Volkes gereichen könne. (Leb-

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anmenln von Anzeigen zu der nachmittag« für den f,lge»MtTa»g erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr.

ÄS »t. 144 Erstes Blatt

SS,

BeMn: Förderung der Fischzucht. ....

Do« Großherzogliche Kreisamt Gießen «Usnahm-g-s°b- annbie Großh. Bürgermeistereien des Kreises. r '

> Verlage von Emil Roth in Gießen ist das im [ , .

-luf'Mm des Fischereivereins für das Großherzogtum Wege des allgemeinen gleichen Strafrechts. Das sei um HeM vnn Schulrat Dosch in Worms verfaßte Nachschlage- I j0 notwendiger angesichts der manchmal geradezu, yaar- buch. tv Fischwasser und die Fische des Großherzogtums sträubenden, himmelschreienden gerichtlichen Urteile (Beifall vesfs.«» arschienen. Wir empfehlen Ihnen die Anschaffung jjnks), welche auf der einen Seite drakonisch strafen, auf des HM. der anderen unbegreifliche Milde walten ließen

v. Bechtold. I Präsident Graf Ballestrem ruft der Redner zur

-----777^Ordnung, weil er den Landesgerichten Parteilichkeit vor- Lekanmmacyung, geworfen. (Große Heiterkeit.) .

tat'ff-nd Einsührung ungarischen Rinderdüngers. Abg^ Lieb er (Centr.) sortsahrend erklärt, »"unbc

Zkii einigen Jahren wird ans Oesterreich-Ungarn unter lehnten die Vorlage kurzer Hand Nicht ab. Der

ten konzentrierter ungarischer Rinderdünger -in ersten und der zweiten Lesung würden si"ersuch°n G gew wi»Trhps nni-runS- I Vorschläge anszuarbetten zur Regelung des Koalittonsrecyts, und sie hofften, daß die Regierung sich an dieser Arbeit

Gießener Anzeiger

/C . I ' 1J A* A zt* /T AV Allk Anzeigrn-BkrmittlungSstkllkn des In- und AuSlandr«

nehmen Anzeigen für den G.efeener Anzeiger entgegen.

iankage 1 esl. Besuch dnsck Hochachtungsvoll ert Zul TÖC men wegen voM

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nz-Aussch issic lwein.

Deutsches Reich.

Wegen^-rlaß eines Reichs-Wohnungs­gesetzes hatten der deutsche VereinArbeiterhetm" zu Bielefeld und der Gesamtverband der Evangelischen Arbeiter- Vereine zu M.-Gladbach beim Reichstage petitioniert. Die Petitionskommission war über diese Petition zur Tages­ordnung übergegangen. Der Regierungs Kommissar hatte die Erklärung abgegeben, die Reichsverwaltung sei durch­drungen von der hohen Bedeutung, welche eine Besserung der Wohnungsverhältnisse der unbemittelten und der ar­beitenden Volksklassen für die soziale Wohlfahrt und soziale Ethik besitzt. Unleugbar seien weitere wichtige Aufgaben auf diesem Gebiete durch die Gesetzgebung und die Ver­waltung zu lösen. Zu bezweifeln sei es aber, daß gerade das Reich hier zum Eingreifen berufen sei und nicht viel­mehr den Bundesstaaten die erforderlichen Maßnahmen zu überlassen seien. Das gelte sowohl von der Wohnungs­polizei, als auch von der Wohnungsfürsorge. Das Be­dürfnis nach Herstellung billiger und gesunder kleiner Woh­nungen und nach öffentlicher, insbesondere auch finanzieller Unterstützung der darauf gerichteten Bestrebungen sei örtlich in hohem Grade verschieden und daher nur durch Landes­behörden sachgemäß zu beurteilen. Wenn aber die Ent­scheidung darüber, ob und wieweit die positive Wohnungs- fürsorge durch behördliche Thätigkeit und Gewährung öffent­licher Mittel oder öffentlichen Kredits zu unterstützen sei, in den Händen von Landesbehörden zu belassen sei, so werde auch die Gewährung von Staatsmitteln oder von öffent­lichem Kredit Sorge der Einzelstaaten bleiben müssen.

Ausland.

Wien, 20. Juni. Der Kaiser hütet zwar noch das Bett, nach übereinstimmenden Berichten läßt die fortschreitende Besserung aber vollkommene Wiederherstellung seiner Gesund­heit für die nächsten Tage erwarten.

Brunn, 20. Juni. Der Textilarbeiterstreik ist zusammengebrochen. Eine große Anzahl Arbeiter nahm die Arbeit unter den alten Bedingungen wieder auf.