Samstag den 22. April
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Erstes Blatt.
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Amts- und Anzeis-blutt für den Tfreis Gietzen
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seinen Arbeitern freiwillig eingestellt
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Amtlicher Teil
Gießen, den 20. April 1899.
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ALr Alljeigen-BermtMungSstrNea bei In- und ÄulleM nehmen «nzrizeu für den Gießener Anzeiger tntyf*.
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weil er unausführbar sei.
Abg. Raab (Ant.) ist im großen und ganzen mit der Vorlage einverstanden. Die Bestimmungen zum Schutze der Heimarbeiter begrüße er mit Freuden. Als letztes Ziel sei aber die gänzliche Beseitigung der Heimarbeit festzuhalten.
Abg. Bebel (Soz.) hält der Regierung vor, eine Politik ohne große Gesichtspunkte zu treiben, eine Politik, die es mit keiner Partei verderben wolle und daher nichts Ordentliches zu stände bringen könne. Redner bespricht u. a. die maßlosen Gebührenansprüche der Theateragenten. Um da Abhilfe zu schaffen, bedürfe cs viel schärferer Vorschriften, als die Vorlage sie enthalte. au § 137a, betr. das Verbot der Mitgabe von Arbeit ins Haus, sage die Regierung selber in ihren Motiven, daß dieses Verbot sich umgehen lasie. Alsdann, so heiße es in den Motiven weiter, müsse sich die Regierung damit trösten das ihrige gethan zu haben." So etwas sei ihm in feinem ganzen parlamentarischen Leben noch nicht vorgekommen. Die gewerbliche Hausarbeit müsse ganz abgeschafft werden.
Staatssekretär Graf Posadowsky giebt zu, daß recht bedenkliche Uebelstände bei den Theateragenturen beständen Diese existierten aber nicht nur in Preußen, sondern auch in anderen Staaten. Was den Arbeiterschutz anlange, so ließen die diesbezüglichen Verhältnisse tm Auslande mindestens ebenso viel zu wünschen übrig, wie bei uns. t ,
Abg. Gamp (Rp.) wendet sich gegen den vom । Abg. Lenzmann erhobenen Borwurf der Habgier gegen die Agrarier. „„ .
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) fuhrt aus, man scheine die Schwierigkeit der Regelung der Arbeiterverhältnisse im Sinne des Antrages Heyl zu unterschätzen, und es sei daher unrecht, der Regierung darüber Vorwürfe zu machen, daß sie nicht sofort eine brauchbare Form für die Einricht- | ungen zu finden wifie. Weiter bemerkt Redner u. a., der
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2 Mart 20 Pf,. Monatlich 75 Pfß, mit Bringerlohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf* vierteltährlich.
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Kichmer Anzeiger
General-Anzeiger
Deutscher Reichstag.
70. Sitzung vom 20. April. 1 Uhr.
rages-Ordnung: Fortsetzung der Beratung der Gewerbe- -rdi^Dg-novelle. l m m „
ibg. Hitze (Zeutr.) meint, der Antrag Bafferrnann, AürÄjill'gsverhältnisse bei den Werkmeistern, werde wohl tn ri»: Kommission keine Schwierigkeiten machen. Auch den Antlvoz Heyl begrüße er als einen Vorstoß zur Besierung oerx krhältniffe in der Hausindustrie. So weit zu gehen, wie« ü die Sozialdemokraten zu wollen schienen, die eigeut- lich!x:heiimarbeit ganz aufzuheben und die Arbeit nur in geteilten zu verlegen, werde doch nicht ratsam sein. Was Die i Mage selbst anlange, so werde sie von seinen, des ReN«iS„ Freunden im Prinzip begrüßt. Die Bestimmungen abeta bi« offenen Verkaufsstellen gingen aber einesteils zu »eMmdernteils nicht weit genug. Nicht weit genug gehe
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Ausschreiben.
Im .8. I. MtS. hat sich die Tlisabethe Mandler WU sie Neb. Schäfer unter Umständen aus ihrer Wohnung entfÄ, nie daraus schließen lassen, daß sie den Tod '" der Lahiiü akfuicht hat. Dieselbe ist 58 Jahre alt, mittelgroß, bat rfeuSe Haare, schmales Gesicht große Nase, blaue Aucr« Md nur noch wenige Zähne. Sie trug bei ihrem AeoOltg dunkles Kleid, dunklen Regenmantel mit schwarzer lapitot, schwarze Strümpfe und Zugstiefel. Auch trug >raM Mandler doppeltes Bruchband.
Tarnmantel und Kaputze sind am Lahnufer gesunden W°r das Auffinden der Leiche ist eine Belohnung von -reiHz Mark ausgesetzt. .
irdj) für jede sonstige Mitteilung über das etwaige DerMilen der Vermißten wird eine entsprechende Belohnung “tCl 8ii bitten um Nachforschung und Nachricht vom et* taiigm Resultat.
gießen, den 20. April 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Schnapsgenuß sei ... .. . ..
worden, seit ihnen in der Kälte heißer, in der Hitze kalter Kaffee in beliebiger Menge unentgeltlich zur Verfügung
Abg. Lenzmann (frs. Bp.) bemängelt das unablässige Erscheinen neuer und immer neuer Gewerbenovellen unD billigt sodann die Einführung von Lohnbüchern in der Kon- I fektionsbranche. Erfreut sei er über den geplanten Schritt, I der 9lot der Handlungsgehilfen in Ladengeschäften abzuhelfen. I Er betrachte aber die 10 stündige Ruhezeit nur als eine I Abschlagszahlung. Die einstündige Eßpause müsse aber durch I eine zweistündige ersetzt werden. Einverstanden sei er mit dem ersten Versuch eines obligatorischen Ladenschlusses. Bekämpfen müsse er die neue Fassung der Vorschrift tm I 8 23 über den Schlachthauszwang. Dieser dürfe nur statuiert werden, sofern die Gemeinde auf ihrem eigenen Territorium 1 ein öffentliches Schlachthaus besitze Auf die Stellenvermittelung übergehend, weist Redner lebhaft die neuliche An- deutung des Abg. von Wangenheim über Habgier der Rechts- I anwälte zurück. Er bemerkt, mehrfach durch Zwischenrufe von rechts unterbrochen, schließlich : Der Unterschied zwischen I Ihnen und uns besteht darin: Sie hören nicht auf, von der Gesetzgebung etwas für sich zu verlangen, während wir noch nie etwas für uns verlangt haben.
Abg Roes icke (wildlib.) erkennt das Bestehen großer Uebelstände auf dem Gebiete der Stellenvermittelung an, kann sich aber von der Konzessionspflicht der Stellenvermittler I nicht viel versprechen. Es könne hierdurch sogar mogUcher- weisc den Stellensuchern das Finden neuer Stellen erschwert werden. Die Uebelstände in der Konfektionsbranche seien nicht zu leugnen. Aber die Bestimmung, wonach unter gewissen Voraussetzungen der Arbeiterin Arbeit in das Haus nicht mehr mitgegeben werden dürfe, sei sehr fragwürdig und vor allem'schwer durchführbar. Es lasse sich das gar nicht kontrollieren. Unverständlich sei ihm, wie Abg. Lenzmann sich der Stumm'schen Kritik über den Antrag Heyl I habe anschließen können. Derselbe sei doch jedenfalls eine dankenswerte Unterlage. Was die Bestimmungen zum Schutze der Angestellten in Ladengeschäften anlange, so glaube er, daß die einfache Vorschrift einer zehnstündigen I Ruhepause genügen würde, bezw. einer elfstündigen em- I schließlich der Mittagspause. Um dies genau kontrollieren I zu können, empfehle sich die Einrichtung der Institution von Handelsinspektoren. Für die Konfektionsbranche müßten I weibliche Gewerbeinspektoren eingeführt werden.
I Abg. Heyl v. Herrnsheim (nl.) tritt den Einwänden [ des Staatssekretärs und der Abgg. Frhr. v. Stumm und Lenzmann gegen seine Vorschläge entgegen.
Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, die Regierung sei damit einverstanden, die Heyl'schen Vorschläge als Material entgegenzunehmen. Auf den Gedanken aber, auch Wohnung oder Ernährung der einzelnen Heimarbeiter der Kontrolle zu unterziehen, könne man nicht eingehen,
Ausland.
Leoben, 20. April. Zwischen dem Berg-Akademiker Jänschka, einem Deutsch-Nationalen, und einem Ungarn Namens Mattusch, fand ein Pistolenduell statt, bei dem letzterer durch' einen Schuß in den Kopf tätlich verwundet wurde.
Paris,20. April. Der Kassationsh of wird morgen den General Chanoine und Paleologue vernehmen bezüglich der Fälschungen, welche das Telegramm Panizzardis an die italienische Regierung im französischen KriegsministeriuM erlitten hat.
Charleroi, 20. April. Die Truppen mußten heute eine Gruppe Aus ständischer auseinandertreiben, weil sie versuchten, Arbeitswillige zum Ausstande zu verleiten. Die Zahl der Ausständigen ist auf 24 000 gestiegen. Die GlaS- Fabriken haben nur noch für acht Tage, die Eisenwerke für zwei Tage Kohlenvorrat. In verschiedenen der letzteren muß die Arbeit eingestellt werden. Man spricht von ein« Eisenbahn-Linie, welche innerhalb einer Woche den Betri wegen Kohlenmangel einstellen muß. Die Kohlenhän find in großer Verlegenheit, da sie ihre Kunden nicht mehr
Sctreftnb; Die Verminderung der Herbstzeitlosen.
XX 1 TM GroßhciMliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Ilntn Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom ' Klirill. >s. Kreisblatt Nr. 82, ordnen wir hiermit weiter an, M He auSgerupften Pflanzen und Blätter auch nicht o i Lisch wasser oder solche speisenden Gräben, Aus- । m-: unö dergleichen geworfen werden dürfen, da zu oe- d#tn sieht, daß daS in denselben enthaltene Gift den F-i'Äm nachteilig ist. ,.
Sic »vollen dies wiederholt ortsüblich bekannt machen nse«. unb die Feldschützen, Wiesenwärter u. f. w. mit be- ? nöwiti Weisung versehen.
Gratisbeilagen: Gießener Familienbiätter, Der heWtze Kandwirl Mütter Mr hessische Volkskunde.
gestellt werde.
Die Debatte wird geschloffen.
Die Vorlage und die beiden Anträge werden an eine besondere 2 1 e r K o mm i s s i o n verwiesen.
Nächste Sitzung: Dienstag 25. April 2 Uhr. Tagesordnung: Antrag Liebermann v. Sonnenberg betr Schächt- verbot, Antrag Lieber betr. Arbeiterkammern und Antrag
ancifoe Vorlage für die Betriebe mit großer Ausnutzung jjjf, der: «ikeitskraft: für die intensiven Betriebe in großen
StiAitm„ Kolonialwarenhandlungen, Eisenhandlungen. Zu biflfrgtn ieien die Ladenschlußvorschriften in der Gestalt der Boirssze (Mehrheitsbeschluß der Beteiligten). In fernen d veüklM Ausführungen plaidiert Redner fürArbeitsordnungen für! jrofje Warengeschäfte und für landespolizeiliche Dor- schWrii über Aufnahme von Stellensuchenden in Hospize, in nHmie. Wünschenswert seien auch Bestimmungen, die es denk ilieirn jugendlicher Arbeiter ermöglichten, die Löhne der Rirblki yn kontrollieren; es müßten dieserhalb in den Fabriken Lolli,ilcher für Minderjährige eingeführt werden.
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Pachnicke betr. Arbeitsamt. ______________ Schluß nach 6*/a Uhr.
Deutsches Reich.
Mainz, 20. April. Der hiesige Wachswaren-Fabrikant Alois Werner, welcher kürzlich mit einem hiesigen Apotheker ein Duell hatte, wurde gestern wegen verschiedener Betrügereien verhaftet.
Berlin, 20. April. In der 9. Kommission de» Reichstags zur Vorberatung des JnvaliditätS- V ersicherungsgesetzes wurde heute zunächst der vorher rurückgestellte § 12b in einer vom Abgeordneten Trimborn (Centrum) beantragten Raffung angenommen, alsdann § 1^ nach dem Antrag Hitze (Centrum) abgeändert und schließlich die §§ 26 bis 32 im wesentlichen nach den Beschlüssen der ersten Lesung bestätigt. _
Berlin, 20. April. In der Reichstags-Kommission für die lex Heinze wurde heute der vom Gentrum beantragte § 182a des Strafgesetzbuches angenommen, wonach Arbeitgeber ober Dienstherren und deren I Vertreter mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft werden sollen, falls sie Arbeiterinnen durch Androhung von Nachteilen rc. zur Duldung ober Verübung von unzüchtigen Hanblungen verleiten. Dafür stimmten 13 Mitglieder, dagegen 8 (Konservative, Nationalliberale und zwei Freisinnige). , .
Berlin,20. April. Die Kommissions-Verhandlungen über die Kanal-Vorlage werden vermutlich in nächster Woche ihren Anfang nehmen. In Ab- geoTbnetentreifen zählt man der „National-Zeitung" zufolge 17 Gegner und 11 Freunde des Kanals, soweit die vor- I läufige Stellung zu dem Entwurf in Betracht kommt. Man ist aber der Meinung, daß die Entscheidung wesentlich von I der Haltung des Finanzministers abhängen wird. Wenn I diese Wirkung der zweiten Rede des Herrn v. Miquel im I Plenum nicht beabsichtigt war, so sei sie doch thatsächlich I eingetreten. Herr v. Miquel werde in den Kommissions- Verhandlungen wohl bald Gelegenheit nehmen, persönlich die Mißverständniffe seiner Stellung zu dem Verhandlung-.
I gegenstände zu beseitigen, wenn solche obwalten.
I Berlin. 20. April. In ihrer heutigen Sitzung beschäftigte sich die Post-Kommission mit der Ausdehnung des Post-Regals auf die Beförderung verschlossener Briefe im Ortsverkehr und den Bestimmungen betreffend die Privat- Postanstalten. Zu einer Abstimmung kam es heute noch I nicht.
I Berlin, 20. April. Der neu ernannte Flügel-Adjutant des Kaisers, Rittmeister v. Bülow, bisher kommandiert I zum Generalstab des 10. Armeekorps, ist an Stelle des Militär-Attaches v. Moltke zum Militär-Attachö bei der deutschen Botschaft in Wien ernannt.
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Bekanntmachung.
8enrn Errichtung eines Neubaues unmittelbar an der •Hitttrn«! wird die letztere mit Rücksicht auf die den ^o.ffjjüitn drohenden Gefahren bis auf weiteres polizeilich gespiiAt.
diefßen, den 20. April 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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