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22.3.1899 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 22. März

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Zweites Blatt

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General-Anzeiger

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ReMettion, Expedition und Druckerei:

Sch.kstr.ße Nr. 7.

ft ab t studierte van Dyck mit großem Fleiße die alten Meister, und seine in diese Zeit fallenden Bilder zeigen namentlich den großen Einfluß, den Tizian und Veronese auf ihn aus­übten. Wir treffen unseren Meister alsdann porträtierend am Hofe zu Mantua, und hierauf wieder in der Siebenhügel, stadt. Ueberall erregten seine vornehm aufgefaßten Porträts Aufsehen, während er persönlich durch sein aristokratisch feines Wesen, das ihn in Rom in scharfen Gegensatz zu dem wüsten Treiben der dortigen Malerkolonie setzte, be- sonders auffiel. Daß ihn da die Liebenswürdigkeit der Kollegen nicht gerade auf Rosen bettete, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Vom Tiberstrande zog van Dyck dann wieder an die Riviera; von dort wurde er im Sommer des Jahres 1624 an den Hof in Palermo berufen, worauf er später noch längere Zeit fleißig in Genua malte, lieber Marseille kehrte er endlich durch Frankreich in die Heimat zurück.

Hier hatte er zunächst eine Pflicht gegen seine» in­zwischen Heimgegangenen Vater zu erfüllen, der auf dem Sterbebette dem Wunsche der Stiftung eines Gemäldes fit die Kirche der Antwerpener Dominikanerinnen Ausdruck ge­geben hatte. Der pietätvolle Sohn malte infolgedefien für dieselbe jenen Christus am Kreuze, der nach mannigfachen Schicksalen jetzt im Museum zu Antwerpen zu finden ist. Ueberhaupt ist die Darstellung tiefsten Seelenschmerzes vor­zugsweise in des Meisters religiösen Bildern zu finden. So gehört zu seinen Lieblingsdarstellungen in erster Liniedie Kreuzabnahme" unddie Beweinung Christi", die beide mehrfach vorhanden sind. Auchdie heilige Familie" malte der Künstler öfter, und zwar in durchaus irdischer, entzückend heiterer Anmut, wie z. B- das wunderliebliche BildRuhe auf der Flucht nach Egypten", das sich in der Pinakothek zu München befindet. Dort kann man überhaupt van Dyck und seinen großen Meister Rubens in ihrer Vielseitigkeit

le*e|me een An,eigen zu der nachmittags für den |d gn*<n Daß erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51.

Die Probefahrt des neuen Doppel schrauben-Dampfers derHamburg-Amerika Linie" Graf Waldersee" fand am Samstag statt und nahm, vom schönsten Wetter begünstigt, einen in jeder Beziehung be­friedigenden Verlauf. Unter den Gästen befand sich neben einigen Senatoren und mehreren Vertretern der Reichs- und Landesbehörden, der Armee und der Marine, auch General­oberst Graf Waldersee. Bei dem Essen brachte Bürger­meister Dr. Mönckeberg den Trinkspruch auf den Kaiser aus, Direktor Ballin denjenigen auf den Senat, und Wörmann denjenigen auf die Packetfahrt. Der Vorsitzende des Auf­sichtsrates Karl Laeisz dankte mit einem Toast auf ganz Hamburg und den Grafen Waldersee. Letzterer erwiderte dankend mit einem Trinkspruch auf die Firma Blohm und Voß' Den Schluß der Reden bildete eine Ansprache des Senators Burchard, in welcher dieser die jetzige Stärke Deutschlands zu Land und zur See darlegte und mit einem Hoch auf die Armee und Marine schloß. Um 10 Uhr abends traf der DampferGraf Waldersee" wieder in dem Ham­burger Hafen ein.

Fürst Her bert Bismarck veröffentlicht in den Hamb. Nachr." folgende Danksagung:

Berlin, 18. März 1899.

Bei der Beisetzung meiner Eltern ist ihr Andenken durch zahlreiche Kundgebungen treuer Gesinnung und durch die Uebersendung vieler schöner Kränze geehrt worden. Ich bitte alle Freunde und Vereinigungen, welche an jenem schwere» Tage ihre Empfindungen in so wohlthuender Weise zum Ausdruck gebracht haben, durch diese Veröffentlichung meinen herzlichsten Dank entgegennehmen zu wollen.

H. Bismarck.

Die Unterzeichnung

des spanisch-amerikanischen Friedens.

Jedenfalls recht schweren Herzens hat die Königin 3ltiflcntin von Spanien am letzten Freitag den Friedens- »er trag mit Amerika unterzeichnet, und binnen kurzer Zeit bürften die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Lämdern wiederhergestellt werden. Wenn wirklich noch einzelne Spanier gehofft hatten, die Madrider Regierung würbe sich gegen die Annahme der harten Bedingungen ftrÄuben und es vielleicht aufs äußerste ankommen lassen, so ist diese Erwartung zu Wasser geworden. Die maß- gei enden Kreise haben einmal der Sprache der Vernunft Gehör gegeben zum Heile deS Landes. Irgend welche Au-ssicht, die Friedensbedingungen herabzumildern, war steilich nicht vorhanden, seitdem die Mächte es vorgezogen hallen, jede Einmischung in die spanisch-amerikanische An- gel«genheit zu vermeiden. Cuba, diePerle der Antillen", wellche die Spanier seit Jahrhunderten ausgesogen hatten, ohne irgend nennenswertes im Interesse der Kultur zu leisten, war ihnen unter allen Umständen verloren, da der Sounpf der Cnbaner als ein gerechter anerkannt werden mt ßte und als ein Auflehnen gegen unerhörte Willkür- Herrschaft anzusehen war, wenn man auch immerhin einige Zweifel an der Berechtigung Nordamerikas zum Eingreifen he,en durfte. Unter den obwaltenden Verhältnissen waren die übrigen Antillen für Spanien nicht mehr zu halten, uitb cs blieb der beste Ausweg, wenn Amerika dieselben als Kriegsentschädigung im Besitze behielt.

Mit den Philippinen lag die Sache anders, und die Spanier hatten sich ja auch noch eine Zeit lang der Hoff- nuug hingegeben, diese Inselgruppe retten zu können, ins­besondere weil sie annahmen, die in Ostasien interessierten Mchte würden nicht dulden, daß die Vereinigten Staaten fich dort festsetzten. Aber die betreffenden Mächte scheinen diele Erweiterung des amerikanischen Einflusses nicht allzu tro zisch genommen zu haben, denn sie rührten sich bekanntlich nicht zugunsten Spaniens, und auch Deutschland, dem man sehr zu Unrecht spanische Sympathien nachsagte, hat sich völlig passiv verhalten und höchstens im Interesse der Mensch­lichkeit seine Pflicht erfüllt, wo ein Eingreifen notwendig wer. Wir sagten im Eingang, daß die Königin-Regentin nun schweren Herzens die Unterzeichnung des Friedensver- tiages vollzogen habe. Damit ist die Kolonialmacht Spaniens tnbgiltig von der Landkarte entfernt worden, und man darf wohl annehmen, daß nach menschlichem Ermeffen dieses Reich niemals wieder so groß und mächtig werden wird, wie es

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Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klättrr für hessische Volkskunde._________________

Ausland.

Paris, 20. März. Lernaitre erklärt imEcho de Paris", es sei ungerecht, die Liga der Vaterländischen auf­zulösen, und fordert alsbald ein allgemeines Gesetz für alle Korporationen.

Paris, 20. März. Präsident L.oubet begnadigte den Mörder Schneider zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, um seine Abneigung gegen die Todesstrafe zu bekunden.

Paris, 20. März. Kürzlich berichteten hiesige Blätter, der frühere russische Botschafter Baron Mohren heim hätte 1894 der deutschen Regierung den russisch-französischen Militär-Vertrag verkauft, dann aber Dreyfus der französi­schen Regierung als Spion benunciert. Mohrenheim hat

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nach der Geburt ihres zwölften Kindes starb, hat ihm wohl ihre künstlerische Anlage vererbt. Sie war eine kunstfertige Stickerin. Der junge Anthonis scheint von vornherein zum Maler bestimmt gewesen zu sein. Schon im Jahre 1609 wurde er als Schüler des Historienmalers Hendrik van Balen in die Liste der Lnkasgilde eingeschrieben, und neun Jahre später als Freimeister in die Gilde aufgenommen. In dieser Zeit war der Künstler jedoch schon lange in der Werkstatt des großen Rubens thätig gewesen, als dessen genialster Schüler er zweifellos gilt, und dessen Mitarbeiter er auch noch als Meister der Lnkasgilde blieb. Diese Mit­arbeit war eine solche, daß wir bis zum Jahre 1620 eine qauze Reihe von Bildern haben, bei denen man nicht sicher entscheiden kann, ob sie mehr Rubens oder mehr van Dyck angeboren. Des letzteren eigene Bilder, deren Stoffe zu­nächst noch wesentlich der heiligen Geschichte angehören, zeigen um diese Zeit vielfach Uebertreibungen von Rubens energischer Ausdrucksweise. So z. B.die Verspottung Christi" im Berliner und Madrider Museum. Hierin trat indes sofort eine Aenderung ein, als der junge Meister Hesperiens schöne Gefilde durchzog. Zuvor war er jedoch fune Reit in London als Hofmaler des Königs Jakob I. thätig gewesen. Von diesem Aufenthalt wissen wir nur, daß er dabei ein Jahresgehalt von 100 Pfund bezog, roemge Monate nach Antritt seiner Stellung einen langen Urlaub bekam und nach Ablauf deffelben nicht mehr nach London zuruckkehrttovembEr bed Jahres 1621 sehen wir van Dyck gefeiert inmitten der glänzendsten Gesellschaft Genuas. Dann fuhr er über das blaue Meer nach Civitavecchia, um von dort aus Rom zu erreichen. Doch blieb er zu­nächst nicht lange in der ewigen Stadt, da es ihn nach Venedig zog. Hierhin gelangte er über Florenz, wo er den Onkel des Großherzogs malte. In der stolzen Lagunen-

Deutsches Reich.

Berlin, 20. März. In der 8. Kommission des Reichstags zur Vorberatung des Bankgesetzes wurde heute die dritte Lesung vorgenommen und nach An­nahme eines Kompromiß-Antrages bezüglich des Artikel 1 das ganze Gesetz mit allen gegen 6 Stimmen angenommen.

Berlin, 20. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst kleinere Vorlagen und beriet alsdann Petitionen, welche zum größten Teile nach den Vorschlägen der Kommissionen verabschiedet wurden. Morgen steht auf der Tagesordnung die dritte Lesung des Hamburger Staats­vertrages und Wahlprüfungen.

M.P.C. Berlin, 20. März. Da dazu geschritten werden soll, einen besseren Schutz der im Handelsg-ewerbe Angestellten herbeizuführen, so ist cs nicht ungerechtfertigt, darauf zu verweisen, daß auch dieser Zweig der Sozial­politik im Ausland weit mehr vernachlässigt ist, als bei uns. Was beispielsweise den Dienst der Verkäufer in England anlangt, so ist er zum Teil viel angestrengter und anspannen­der als in Deutschland. Namentlich in Detailgeschäften ist die strikte Tageseinteilung, die wirengl. Geschäftszeit" nennen, sehr problematisch, und besonders in den Stadtteilen, wo eine Bevölkerung lebt, die erst gegen Abend daran gehen kann, Einkäufe zu machen, sieht man das Personal von 9V2 Uhr morgens bis nach 8 Uhr abends thätig. Die Ver­käufer müssen den ganzen langen Tag stehen und haben kaum mehr als 20 Minuten Pause für die Mittagsmahlzeit. In den großen Handlungen ist ein Aufseher, der jeden ein­tretenden Angestellten notiert und genau die Minuten seines Kommens und Gehens registriert. Es gibt auch allerlei Ordnungsstrafen, und was die Kündigungsfristen betrifft, so ist der deutsche Angestellte weit besser gedeckt, als sein englischer Kollege, der oft mit einer Woche Kündigung seinen Platz verlassen muß. In Amerika gehört die Kündigung von einem Tag zum andern zu den berechtigten Eigentümlich­keiten.

Grscheivi tÄgfld) mit Ausnahme be6 Montags.

Di« Gikßrnkr He*tru*eutur »rrfren dem Anjttger Dbchentlrch viermal beigelegt.

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Feuilleton.

Anthonis van Dyck.

300. Wiederkehr seines Geburtstages am 22. März 1899.

Bon Bruno Schrader.

(Nachdruck verboten.)

ES ist eine schöne Sitte, Jubiläen von Geburts- und Sterbetagen großer Männer durch Wort und That zu be geben. Die Nationen reichen sich an solchen Tagen brüder­lich die Hände, werden eingedenk der Gemeinsamkeit fried­licher Kulturarbeit, und Völkerzwist und Rassenhaß, ihre flh'Iimmsteu Feinde, verhüllen das Haupt, und werden wenigstens für eine kleine Weile zur Seite stehen.

Der 22 März dieses Jahres bringt uns in Erinnerung, wais die Geschichte der Kulturmenschheit den Nieder­ländern zu.danken hat. Dieses Volk war einst groß auf Im Gebiete der Musik, wo cs in der Zeit vor der ita­lienischen Periode Führer der Nationen war; groß war es dann auch später auf dem Gebiete der Malerei, auf dem noch heute durch einige seiner Meister die Jungen den ganzen Welt' beeinflußt. Einer von diesen Meistern ist Anthonis van Dyck, dem unser heutiger Fest- tziiuß gilt. .,< nn- r

Unser Künstler ist zwar keine so vielseitige Riesen- Mait wie sein Meister Rubens; auch keine so hervorragend «ffi unsere heutige Künstlergeneration wirkende Erscheinung wi« Rembrandt; aber doch eine von den vornehmsten ^bimbualitäten, welche die Künstlergeschichte aufzuweisen HM, und als Porträtmaler einer der bedeutendsten, den die

Anthonis van Dyck wurde am 22. März des Jahres 155.99 als siebentes Kind eines begüterten Kaufmannes in Annlwerpen geboren. Seine Mutter, die im Jahre 1607

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früher war. Jahre und Jahrhunderte werden vergehen, und immer dunkler wird die Erinnerung daran werden, daß Spanien, dessen nächste Zukunft noch schicksalsschwer sein dürfte, früher einmal über weite Gebiete in außereuropäischen Ländern geherrscht hat. Das Buch der Geschichte aber wird verkünden, daß eigne Schuld das Land in Verfall gebracht hat, daß Günstlingswirtschaft in großem Maßstabe und un­erhörter Raubbau die Ursachen waren, Spanien von einem großen Reiche zu einem Staate zweiten oder gar dritten Ranges herabzudrücken. (xx)

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