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Mittwoch den 22. März
Erstes Blatt.
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Zlints- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen
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Alle Anzeigen-BermtttlungSstkllm des In- und AuSlaudeD nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
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ttßttch eit Ausnahme bei Montag!.
Die Gießener yemtneelCittet »erden dem Anzeiger rlchentlich viermal beigelegt.
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m. Silberrente Sol-Henle ngiefen caner DpoMlrietben von b. Rentenb. ÖH tu§ DbL
Rebattion, Lppebitton und Druckerei:
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«nuatzme een Anzeigen zu bet nachmittag- für den iwlgeaben La, erfcheinenben Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für bas 2. Vierteljahr 1899 laden wir hiermit ergebenst ein Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer, den Thatsachen entsprechender öctfe zur Kenntnis seiner Leser bringen. Die neuesten Noch richten zuverlässiger telegraphischer Nachrichten- Brreaus sowie zahlreiche Mittellungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Ltüdten der anderen hessischen Provinzen, ist der ,Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie m glich zur Kenntnis seiner Leser zu bringen, desgleichen werden die Begebenheiten in der Stadt Hießen die gebührende Besprechung im lokalen Telle beit An Zeigers erfahren. Den Interessen der in ber Provinz Oberhessen betriebenen Landwirt-, schäft wird der Anzeiger in Zukunft durch eine landwirtschaftliche Beilage Rechnung tragen, daneben aber auch die Beobachtungen und Ersahr- imyen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hauswirtschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. NlrS weitere Beigabe erhalten die Leser die Blätter für Hessische Volkskunde. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren mD helleren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungs- stojff bieten. Die „Gietzener Familienblätter" »c rden dem Anzeiger w ö ch e n t l i ch 4 m a l (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unterhaltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens md der Hauswirtschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Famllien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu vollen. Neuhinzutretende hiesige Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis 31. März den Anzeiger kostenfrei zu gestellt, wie wir auch gerne Krell sind, Probe-Mmmern nach auswärts postfrei p. versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden mir, wie seither, den Anzeiger wellersenden und )an Abonnements betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtungsvoll
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch« u. Steindruckerei (Pietsch Erben).
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Glätter sür hessische Volkskunde.
abreffe für Depeschen: Anzeiger chiehe«.
Fernsprecher Nr. 51.
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Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf^ vierteljährlich.
Gießener Anzeiger
General -Anzeiger
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Bekanntmachung.
Der auf den 22. d. Mts. angesetzte Viehmarkt zu Friedberg fällt eingetretener Maul- und Alauenseuche- fälle wegen aus.
Friedberg, 20. März 1899.
Großherzogliches RmSamt Friedberg.
Dr. Braden.
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Bekanntmachung.
An Stelle des Dr. Fromme zu Gießen ist Metzger« meister Ludwig Pirr daselbst zum Vertrauensmann aus dem Kreise der Arbeitgeber für die Jnvalidttats- und Altersversicherungsanstalt Großherzogtum Heffen ernannt worden.
Gießen, den 16. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
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gtr. 9 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 16. d. Mts., enthält:
(Nr. 2554.) Nachtragskonvention zwischen dem Deutschen «e«ch und Japan. Vom 26. Dezember 1898.
(Nr. 2555.) Bekanntmachung betr. Aenderung des Lenzeichniffes der in der Armee und Marine eingeführten sMengstoffe und Munitionsgegenstände. Vom 13. März 1899.
Gießen, den 20. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
o. Bechtold.
Abg. Bebel (Soz) bestätigt dies und meint weiter, die Konservativen seien jederzeit herzlich froh, die Unter« tützung der Sozialdemokraten zu sinden. Dem Staatsekretär entgegne er, man müße unbedingt verlangen, daß in Kriegervereinen und in der Armee überhaupt keine Politik getrieben werde. Die Statuten der Kriegervereine schlöffen jede Politik aus, verpflichteten zu keiner Politik. Die Mitglieder könnten sehr wohl sozialdemokratisch stimmen.
Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, die Aufgabe der Kriegervereine sei die Pflege der Treue zu Kaiser und Reich. Wer Sozialdemokrat sei, begehe, wenn er einem Kriegerverein angehöre, eine moralisch unwürdige Handlung; denn er heuchele. , , r .
Abg. Graf Klinckowström (kons.) betont besonders, wie hier freisinnige Volkspartei und Sozialdemokraten zusammengingen. _
Abg. Richter (frs. Vp.) erwidert dem Vorredner, im Kreise Gardelegen habe der Landrat noch nach den letzten Wahlen die Kriegervereine aufgefordert zu untersuchen, welche Mitglieder sozialdemokratisch oder freisinnig gestimmt hätten.
Abg. Singer (Soz.) meint, aus allen Reden der Kon- servativen gehe doch nur der Verdruß darüber hervor, daß jetzt selbst schon auf dem Lande die Arbeiter anfangen, selbständig zu denken.
Damit schließt die Generaldebatte.
Beim Etat des Reichstages bemerkt Abg. Heyl zu Herrnsheim (natl.), daß die Lieber'sche Kritik des Stuck'- schen Gemäldes zu weit gegangen sei. Im allgemeinen könne Herr Wallot die Verantwortung für die Ausschmückung des Hauses sehr wohl übernehmen. Er möchte deshalb dem Vorschläge Liebers nicht zustimmen, Herrn Wallot aus der Kommission zu entfernen.
Abg. Lieber (Centr.) bestreitet, die deutsche Kunst al» solche angegriffen zu haben. Er habe nur bedenkliche Einzelleistungen von Künstlern in diesem Hause getadelt. Als aus erhabenem Munde das Wort gefallen sei: Gipfel der Geschmacklosigkeit! wo sei da der Künstlerstolz gewesen? Fragen müsse er noch, was z. B. das Distelornament im Speisesaal des Reichstagsgebäudes bedeute? (Stürmische Heiterkeit.)
Bayerischer Bundesbevollmächtigter Graf Lerchenfeld als Mitglied der Baukommission führt aus, die Hilde- brandt'schen Vasen seien wohl hauptsächlich deshalb in einer für ihren eigentlichen Zweck ungeeigneten Weise hergestellt worden, weil sie von anderer Seite gleichzeitig als Objekt für die bevorstehende Pariser Ausstellung ausersehen worden seien. In Bezug auf Wallot meine er, daß dessen Ver» dienste nicht unterschätzt werden dürften. Wenn die ursprünglich geplante Kuppel hinterher aufgegeben worden sei, dann sei das nicht Wallots Schuld.
Abg. Schwarz-München (wildlib.) protestiert gegen alle Angriffe auf die abwesenden Künstler.
Dem Abg. v. Heeremann (Centr.) scheinen die Nuditäten an den Vasen ebenso wenig passend, wie die am Präsidentenstuhl. Wallots Verdienste erkenne er rückhaltlos an, und er müsse deshalb zu seiner Ehrenrettung eintreten.
Abg. Lieber (Centr.) bemerkt, über den Bau als solchen sei gar nicht zu streiten. Derselbe dürfe aber nicht durch die Art der Ausschmückung verschimpfiert werden.
Der Etat des Reichstages wird genehmigt, ebenso der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei.
Morgen 11 Uhr: Fortsetzung der Etatsberatung.
Schluß 6 Uhr.____________________
Deutsches Reich.
Berlin, 20. März. Durch Kabinetts-Ordre vom heuttgen Tage ist Prinz Waldemar von Preußen, ältester Sohn des Prinzen Heinrich, an diesem Tage, an welchem er sein 10. Lebensjahr vollendet, zum Leutnant im 1. Garde- Regiment zu Fuß und gleichzeitig auch zum Leutnant zur See ä la suite der Marine ernannt. Um der anläßlich dieses Ereignisses stattfindenden Feierlichkeit beizuwohnen, hat sich der Staatssekretär des Reichs-Marineamtes, Tirpitz, auf Befehl des Kaisers gestern nach Kiel begeben.
Berlin, 20. März. Das Zustandekommen der geplanten deutschen Südpolar-Expedition dürfte, wie die „National-Zeitung" hört, jetzt für Juli 1901 als gesichert anzusehen sein.
Berlin, 20. März. Die „Mitteilungen für die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei" rühmen die Opferwilligkeit der sozialdemokratischen Parten Unter den Einnahmen, über die der „Vorwärts" am 9. Dezember v. I. den Ausweis veröffentlichte, begegnet
Kröffnung der Kattesielle Hlupperlsöurg.
Am 1. April ds. Js. wird an der bei der Station Villingen in Oberheffen nach der Friedrichshütte abzweigenden Anschlußstrecke die Haltestelle Ruppertsburg für Wagen- ladungs- und Stückgutverkehr eröffnet.
Nähere Auskunft erteilt das diesseitige Verkehrsbureau.
Frankfurt a. M., den 11. März 1899.
Königliche Eisenbahndirektion.
Bekanntmachung,
betr.: Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
An den zwei Sonntagen vor Ostern wird für das Handelsgewerbe zu Gießen die Beschäftigung»- und Verkaufszeit bis 7 Uhr abends zugelassen.
Gießen, am 18. März 1899.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
________I. V.: Roth.
Deutscher Reichstag.
60. Sitzung vom 20. März. 1 Uhr.
Am Bundesratstische: v. Thielmann, v. Goßler, Fürst Hohenlohe und v. Bülow. Das Haus erledigte zunächst einige Rechnungssachen.
Es folgt sodann die 3. Lesung des Etats.
In der Generaldebatte wendet sich Abg. v. Schele (Welfe) gegen die unablässigen Heeresvermehrungen. Der Militarismus schädige ganz ungemein die Landwirtschaft. Man solle deshalb mehr auf die innere Tüchtigkeit Bedacht nehmen. .
Abg. v. Sa lisch (kons.) kommt auf einen Vorfall bei der 1. Lesung zurück. Müller-Sagan habe damals dem Landrat seines Wahlkreises, der inzwischen verstorben sei, vorgeworfen, er habe, um bei der Wahl Sozialdemokraten zu fangen, einige derselben in seiner Equipage umherfahren lassen. Richtig daran sei nur, daß einige Sozialdemokraten den Landrat in den Glauben versetzt haben, sie hätten sich zu christlichen Anschauungen bekehrt. (Heiterk.).
Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) beruft sich demgegenüber auf Erklärungen im Saganer Wochenblatt, denen- zufolge tatsächlich zwei ehemalige Sozialdemokraten gegen Bezahlung in der landrätlichen Equipage herumgefahren seien, um Wahlflugblätter zu verteilen zugunsten der Konservativen.
Abg. Stockmann (kons.) wirft dem Abg. Müller- Sagan vor, bei der zweiten Lesung des Postetats von Krieger-Vereinen als „Kriecher"-Vereinen gesprochen zu haben. Eine so schwere Beleidigung der Kriegervereine müsse man energisch zurückweisen.
Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) erklärt, er habe nur von einer gewissen Sorte dieser Vereine gesprochen, welche von Landräten, Postdirettoren rc. gegründet und dazu ausgenützt würden, bei den Wahlen für die Regierung und die Konservativen thätig zu sein.
Staatssekretär Graf Posadowsky bezeichnet das Wort „Kriecher"-Verein als eine arge Geschmacklosigkeit. Man muffe doch bedenken, daß die Mitglieder der Kriegervereine Männer seien, die ihr Leben für das Vaterland ^^^Abg?Stöcker (b. k. F.) erklärt, er habe 1884 mit ben Sozialdemokraten verhandelt, ihnen aber Bedingungen gestellt, u. a. Treue gegenüber den Monarchen, auf welche bie Sozialdemokraten nicht hätten eingehen können.


