Ausgabe 
21.12.1899 Zweites Blatt
 
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etwas fester zusammengestampft werden sollte. Fast alle dabei stehenden Arbeiter wurden zu Boden geworfen und auch mehr oder weniger verletzt. Besonders wurde einem Arbeiter das Gesicht übel zugerichtet, da ihm das Kinn und ein Teil des Mundes verrissen wurde.

Freiensteinau, 18. Dezember. Gestern abend geriet ein alter Mann aus Holzmühl zwischen hier und Holzmühl unter einen Schlitten. Glücklicherweise ist er mit einigen leichteren Wunden davongekommen Wie es ge­kommen ist, daß der Mann den Schlitten, welcher mit einem weitiönenden Geläute und mit brennender Laterne versehen war, nicht gemerkt hat, ist bis jetzt nicht aufge­klärt; jedenfalls trifft den Besitzer des Schlittens keine Schuld.

Hofheim, 18. Dezember. Als sich gestern morgen die Ehefrau Marlin Hofmeister II. zur Kirche begeben wollte, fiel die Frau so unglücklich von der Treppe herunter, daß sie alsbald verstarb, nachdem der rasch herbeigekommene Geistliche noch die letzte Oelung spenden konnte.

Kaffel, 19. Dezember. Bestrafte Taschendiebe. Zwei gemeingefährliche Taschendiebe, welche gelegentlich des Gesangwettstreites der deutschen Männergesangvereine das Publikum ausplünderten, der Klempner Dassel und der Schlosser Poplinski, beide aus Essen, wurden von der Strafkammer in fünf Fällen für überführt erachtet und ver­urteilt. Dassel erhielt 2Jahre Zuchthaus, Poplinski l1/* Jahr Gefängnis.

Erdbeben am Mittelrhein.

In derselben Gegend, die im Jahre 1869 Erdstöße verspürte und bei dem weitverbreiteten mitteldeutschen Erd­beben am 6. März 1872 am meisten heimgesucht wurde, im Mittelrhein-Untermain-Gebiet, hat sich heute wieder ein Erdstoß, jedoch ohne schlimme Folgen, bemerkbar gemacht. Es liegen darüber bis jetzt folgende Mitteilungen vor:

Mainz, 19. Dezember. Heute morgen gegen 3/49 Uhr wurde hier ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt. Die Häuser erzitterten, die Thüren wankten in ihren Fugen und in verschiedenen Gebäuden löste sich der Verputz an den Zimmerdecken. In fast allen rheinaufwärts gelegenen Ort­schaften, Weisenau, Laubenheim, Bodenheim, Nackenheim rc., wurde das Erdbeben verspürt. In Großgerau, Bischofsheim, König st ätten, Rüs­selsheim und in allen benachbarten Ortschaften machte sich das Erdbeben derart bemerkbar, daß die Leute vielfach den Einsturz der Häuser befürchteten und ins Freie rannten.

Mainz, 19. Dezember. Kurz vor 9 Uhr heute morgen verspürte man hier einen Erdstoß, sodaß leichte freistehende Gegenstände erzitterten. Auch in zahlreichen Orten Rhein­hessens wurde das Erdbeben beobachtet.

Groß-Gerau, 19. Dezember. Heute morgen 8.55 Uhr wurde hier ein ziemlich heftiges Erdbeben verspürt Die Einwohner eilten aus den Häusern auf die Straße.

Niersteiu, 19. Dezember. Heute morgen 83/4 Uhr er­eignete sich hier ein ziemlich starkes Erdbeben.

Rüsselsheim, 19. Dezember. Zehn Minuten vor 9 Uhr verspürte man heute hier einen etwa zwei Sekunden andauernden Erdstoß. Von den Häusern stürzten Dach­ziegel herunter, die Bilder an den Wänden gerieten ins Schwanken.

Bad Weilbach, 19. Dezember. Ein ziemlich heftiger Erdstoß erschütterte heute vormittag kurz vor 9 Uhr die Häuser hier; der Stoß war von kurzer Dauer.

Wiesbaden, 19. Dezember. Auch hier ist heute vor­mittag kurz vor 9 Uhr ein Erdstoß verspürt worden, namentlich in den Stadtteilen, die sich an die Vorberge des Taunus anlehnen. Die Erschütterung war indessen von keiner großen Bedeutung. Soviel sich bis jetzt übersehen läßt, ist der Erdstoß von Süden her gekommen, denn in Groß-Gerau, dem bekannten Centralpunkt der großen Erd­bebenreihe des Jahres 1869, merkte man das Erdbeben kurz vorher. Die heutige Erschütterung scheint also wie damals in der Mainebene sich nach zwei Richtungen gespalten zu haben, von denen die eine auf das linke Ufer des Rheins überging und sich nach Wiesbaden fortpflanzte, während die andere Richtung sich mehr östlich über Hochheim, Weilbach gegen den Feldberg hin erstreckte.

Darmstadt, 18. Dezember. Ein leichter Erdstoß wurde heute vormittag gegen 9 Uhr hier verspürt. Wie man uns mitteilt, soll der Erdstoß namentlich im nordöst­lichen Stadtteil stark verspürt worden sein, mehrerorts seien Fensterscheiben zersprungen, in der Halle des Schlacht­hofes sei das rollende Getön so heftig gewesen, daß die Anwesenden zu flüchten begannen.

Mainz, 19. Dezember. (Nachtrag.) Das heutige Erdbeben wurde in sämtlichen Riedorten verspürt. Das Eentrnm der Erschütterung scheint, wie im Jahre 1872, Groß-Gerau gewesen zu sein. Besonders heftig war der Stoß in den Orten rings um Groß-Gerau, in Nau­heim, Dornberg und Büttelborn. Ernstlicher Schaden scheint nirgends entstanden zu sein; nur in Nauheim fiel im dortigen Schulzimmer die Verschalung von der Decke herab. Interessant find die Mitteilungen über das Gefühl der Erschütterung. Auf Station Dornberg-Groß Gerau glaubte man, dasStations- gebäude wollte einstürzen. Auch wurde dorten ein unter­irdisches Donnern gehört. Von der Gustavsburg erzählt ein Herr, der in seinem Bureau saß, es sei ihm vorge­kommen, als ob ein von der Maschine abgestoßener Wagen gegen das Gebäude gerollt wäre. In Büttelborn wurde auch schon heute früh zwischen 3 und 4 Uhr ein Erdstoß wahrgenommen.

Q Rüffelsheim, 19. Dezember. Heute morgen um 8 Uhr 50 Min. wurde hier ein heftiger, 5 Sekunden an dauernder Erdstoß verspürt, der sich durch starkes Rütteln

und rollendes, anwachsendes Geräusch sehr bemerkbar machte. Bilder rc. gerieten in längeres Schaukeln, und verschiedene Zimmerwände bekamen sogar Risse, wobei der Mörtel ab­siel. Die Richtung des Stoßes schien von Norden nach Süden zu gehen. Die Ausdehnung dieses Erdbebens muß erst durch andere Beobach«ungen sestgestellt werden. Wahr­scheinlich war es eines der sogenanntenGroß-Gerauer Erd­beben". Ob auf den heutigen Stoß noch andere in kürzerer Zeit erfolgen werden, bleibt vorläufig abzuwarten; jedenfalls war dieser einer der stärksten in den letzten 30 Jahren.

Vermischtes.

Osnabrück, 18. Dezember. Der Schlosser Stethin, der Urheber zahlreicher, großer Einbrüche in Westdeutsch­land, ist aus der hiesigen Irrenanstalt entsprungen.

* Wernigerode, 19. Dezember. Einen seltsamen Tod infolgeRadfahrens fand der hiesige Rechtsanwalt und Notar Dächsel. Er fuhr in Ausübung seines Amtes von hier nach dem benachbarten Winsleben und benutzte dazu sein Fahrrad. Beim Passieren einer Gosse verspürte er einen heftigen Ruck im Genick, beachtete denselben zunächst aber nicht und kehrte am Abend nach Wernigerode heim. Bald darauf stellten sich heftige Genick- und Kopfschmerzen ein, die sich so verschlimmerten, daß er in die Klinik nach Halberstadt fuhr. Hier verstarb er bereits nach zwei Tagen am Samstag, und zwar, wie die Aerzte feststellten, an einer Verrenkung des Nackenwirbels.

Lauter (Sachsen), 18. Dezember. In vergangener Nacht kurz nach Mitternacht brannte das Salzersche Haus nebst angebauter Scheune nieder, welches von den Familien des Tischlers Georg'e und des Invaliden Althof bewohnt wurde. Georgie gelang es, sich und seine Angehörigen zu retten, und zwar mittels Leinen durch das Fenster, Alt Hof dagegen kam mit Frau und drei Kindern in den Flammen um. Die Leute konnten nur als entsetzlich verkohlte Leichen aus dem noch brennenden Hause her­vorgezogen werden.

* Leipzig, 18. Dezember. Die Strafkammer verurteilte den internationalen Hochstapler und Sch litten fahr er Czepal ans Komotau, welcher bereits von den Gerichten in Breslau, München, Regensburg und Berlin zu Zucht­hausstrafen in Höhe von 21 Jahren verurteilt ist, zu weiteren drei Jahren Zuchthaus. Ein 13jähriger Schul­knabe hat sich aus Furcht vor Strafe von einem Eisen­bahnzuge überfahren lassen. Mit 10,500 Mk. ist der Kommis eines hiesigen Handlungshauses flüchtig.

* Meseritz, 19. Dezember. Der Bahnwärter Scheffler mit Frau und drei Kindern wurde heute im Wärter­hause auf der Strecke Bauchwitz-Meseritz tot aufgefunden. Man vermutet Vergiftung.

* München, 18. Dezember. Bildhauer Ott ver­giftete sich. Es ist die traurige Geschichte gar manches Künstlers er vermochte seine wirtschaftliche Misere nicht zu ertragen.

* Wien, 19. Dezember. Zum Selbstmorde des Kapellmeisters Kossel vomWiener Burgtheater. Wie wir schon kurz meldeten, hat sich der Kapellmeister des Hofburgtheater-Orchesters, Karl Kossel, in seiner Kanzlei im Hofburgtheater das Leben genommen. Der unglückliche Mann führte den Selbstmord unter höchst eigentümlichen Verhältnissen aus. Für den Vormittag war im Burgtheater Probe angesagt. Die an derselben teilnehmenden Künstler hatten sich rechtzeitig eingefunden, ebenso der Kapellmeister Kossel. Letzterer begab sich in seine Kanzlei einen Raum, welcher durch eine 2y2 Meter hohe, jedoch offene Holzwand von der Garderobe getrennt ist, in welcher die Mitglieder des Burgtheaters Toilette zur Probe machten. Man kann jedes Wort aus der Garderobe im Büreau hören und um­gekehrt. Kossel war allein in der Kanzlei. Während sich nun die Schauspieler plaudernd in der Garderobe an­kleideten, vernahmen sie vom Büreau des Kapellmeisters her ein leises Röcheln. Man legte dem Geräusche keine Be­deutung bei. Die Schauspieler vermuteten, Kossel gurgle mit Wasser. Sie plauderten weiter und begaben sich dann zur Probe. Als nun vor Beginn derselben das ganze Orchester versammelt war, bemerkte man, daß der Kapell­meister noch fehle. Der Theaterdiener Prang wurde be­auftragt, ihn zu holen. Als nun der Diener in die Kanzlei eintrat, sah er zu seinem Entsetzen, daß sich Kossel mit seinem blauen Schnupftuche, an das er eine lange, dicke Spagatschnur gebunden, erhenkt hatte. Prang durchschnitt die Schnur und legte Kossel auf den Boden. Wieder­belebungsversuche blieben erfolglos. Das Gurgeln, das die sich ankleidenden Schauspieler gehört hatten, war das Todes­röcheln des Sterbenden gewesen. Es ist zweifellos, daß Kossel den Selbstmord in einem Anfalle von Trübsinn aus­geführt hat. Schon seit längerer Zeit prägte sich in seinen Zügen und in seiner Haltung ein hoher Grad nervöser Abspannung aus, der seinen Freunden Besorgnis einflößte. Man riet ihm, sich zu schonen und einen Urlaub zu nehmen; doch beachtete er nicht die Ratschläge. Kossel war zu Brandeis an der Elbe geboren, 54 Jahre alt und verheiratet. Er hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder. Seine Frau ist Inhaberin einer Tabaktrafik. Von anderer Seite wird über den traurigen Vorfall noch gemeldet: Kossel war früher Militärmusiker und später Violinspieler im Karl- Theater. Infolge der Befürwortung einer hohen Persön­lichkeit soll Kossel nach Sulzers Tod die Stelle des Kapell­meisters des Burgtheaters erhalten haben, hauptsächlich sei hierbei der Umstand maßgebend gewesen, daß er unter allen Kompetenten die geringsten Gehaltsforderungen stellte. Kossel wird als ein Mann von krankhaftem Ehrgeize und großer Empfindlichkeit geschildert. Wiederholt äußerte er sich mit tiefer Kränkung über die Behandlung, die er von mancher Persönlichkeit im Burgtheater erfahren mußte. So hat er bei den Vorbereitungen zurDcrschwender"- Vorstellung manches scharfe Wort von der Bühne herab

über sich ergehen lassen müssen. DaS kränkte den empfind­lichen Mann sehr und verschlimmerte seinen krankhaften Nervenzustand.

Landwirtschaft.

Darmstadt, 18. Dezember. An der heute abgehaltenen Generstveis ammlung der land- und s orstwirts chaft- lichen Berufs genossenschaft für das Gr ohherzogtum Hessen nahm der Vorsitzende deS LandeSveisiche»ungsamtes, Herr Gebeim'at Emmerling, und der Vorsitzende deS Schiedsgerichts in @ tgen, Herr Kretsamtmann Freiherr v. Schenck, te l. Nach­dem dre Versammelten das Andenken an das verstorbene lanojäh ige und verdiente Mitglied, Herrn Gutsbesitzer Johannes Lutz V. von Lengfeld, durch Erheben von den Sitzen geehrt hatten, brachte der Voisitzende, Herr Regeerungsrak Nover, die in der letzten Zett gegen die Gcschäftslettung und die Organe der Genossenschaft str verschiedenen Ze'tun en stattgehabten Angriffe zur Sprache. Er führte aus, wir die GefchäsisUrtung stets bemüht gewesen sei, ihrer Aufgabe gerecht zu werd n, und wie sie innerhalb der durch Gesetz und Statut gegebenen Schranken die Einrichtungen auf Grund der gemachten Erfahrungen fortgesetzt bis in die letzte Zeit vervoll­kommnet habe, und namentlich darauf bedacht getreten sei, alles un­nötige Schreibewerk zu beseitigen und unnötige Kosten zu vermelden. So labe man es schon siit längerer Zil erreicht, daß die Gutachten der KretsgesundhettSämter nur mit je drei Mark berechnet werden. Es sei nicht wahr, daß bei uns mehr Berufungen verfolgt würden, wie and^rarürts. Nach den Durchschniltsberechnung-n für alle Berufsgenossenschaften sei das Gegenteil der Fall. Eine geringe un­beabsichtigt dnpetretene Mehranlage zum Reservefonds habe keine B-laNung im Gefolge gehabt, da sich der Ausschlag auf eine Ge­samtsumme von vierzehn Millionen Mark Grundsteuerkaptalen ver­teile. Andererseits sei ein Reservefonds in möglichster Höhe von Vorteil, da vom Jahre 1901 an die Zinsen desselben zur teilweisen Deckung der Verwaltungskosten verwendet werden könnten. Von demselben Zeitpunkt sanden auch keine weiteren Rück­lagen zum Reservefonds mehr statt, so daß alsdann gegen 170000 Mark weniger aufzubrtngen sein würden. Dies werde ermöglichen, die Umlagen einige Jahre lang nicht erhöhen zu müssen. Die zunehmende Belastung der Genossenschaft sei aber inso- lange unvermeidlich, als noch mehr Rentenempfänger zugehen, als ab­gehen. Einige Erleichterungen könnten wohl durch das bevorstehende neue Rnchsgesetz erreicht werden, so j. B. wenn die Beiträge von den Grundeigentümern erhoben werden dürften, statt von den jeweiligen Pächtern rc., wodurch das Katasterwesen vereinfacht werde, ferner wenn , Entschädigungsbeträge nicht unter 20 Prozent der Vollrente gewährt würden, sondern erst dann, wenn die Erwerbsbeschränkung über ein Fünftel betrage, was auch der deutsche Landwirtschaftsrat befürworte. Hierdurch würde nach anderwärts vorgenommenen Berechnungen eine Entlastung von etwa 45 Prozent der Renten eintreten. Ferner müßten landwirtschaftliche Betriebe auch als Nebenbetriebe gewerblicher Betriebe angesehen werden dürfen, während dermalen nur das Gegenteil der Fall sei u. s. w. Es werde Sache unserer Neichstagsabgeordneten sein, dem­nächst bei Beratung der Gesetzes-Novelle eine möglichste Entlastung der Steuerzahler durchzusetzen. Sodann seien bei der infolge des neuen Reichsgesetzes nötigen Revision unseres hessischen Ausführungsgesetzes et­waige Verbesserungen derselben zu erwägen. Aenderungen in unserer Organisation würden an sich nur dann zu Ersparniffen an Verwaltungs« kosten führen, wenn der Staat oder Kommunalverbände Kostenanteile Übernähmen. Eine Visitation unserer Kaffe habe kürzlich stattgefunden, und sei hierbei die Kassen- und Buchführung unseres Rechners, des Herrn Rechnungsrat Krebs, in vorzüglichem Stande befunden worden. Auf die eingehenden Darlegungen des Vorsitzenden fand eine gründliche Besprechung statt, an welcher sich die Herren Geheimrat Emmerling, Gutsbesitzer Schmitt von Bretzenheim, Gutspächter Lucke von Pattershausen, Oekonomierat S ch l e n k e vom Hardthofe (Gießen), Mühlenbesitzer Bauer von Nieder-Modau, welcher auch eingehend eine Umgestaltung der bestehenden Versicherungen empfiehlt, Gutspachter Backhaus von Rudlos, Gutsbesitzer Fischer von Hof Zwiefalten, Bürgermeister Jochem von Laubach, Freiherr v Schenck, der die präzise Geschäftsführung des Gießener Schiedsgerichts zahlen­mäßig nachweist, und Bürgermeister Trautmann von Rimbach be­teiligten. Man war darin einig, daß der Weg, den Vorsitzenden und die Genoffenschaftsorgane in der Presse herabzusetzen, nicht der richtige gewesen fein. Vermeintliche Anstände hätten bei der Genossenschafts­versammlung, oder dem Landesversicherungsamte, vorgebracht werden sollen. Weiter wurden bei der Diskussion verschiedene Vorschläge, wie durch Aenderung der Gesetzgebung die Genossenschaft entlastet werden könne, vorgetragen. Die Genoffenschaftsversammlung erteilte darauf auf Antrag der Herren S ch l e n k e und Lucke durch einstimmige Annahme der folgenden Resolution dem Vorsitzenden unb den Genoffenschasts- organen ein Vertrauensvotum:Die heutige Versammlung der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft int Großherzogtum Hessen weist die in verschiedenen Preßorganen erschienenen Angriffe, welche gegen den Vorsitzenden und die Organe unserer Berufsgenoffenschaft ge­richtet worden sind, auf das Entschiedenste zurück und spricht allen Or­ganen fein volles Vertrauen aus." Zur Beratung des Voranschlags für das Jahr 1900 übergehend, bemerkt der Vorsitzende, daß die darin angegebene Summe der Rentenbeträge selbstverständlich nicht von der Ver- sammlungzu bewilligensei,indem sich der Bedarf an Entschädigungenvonselbst ergebe, sondern nur schätzungsweise eingestellt werde, um ein Gesamtbild der Finanzlage der Genosse,.schäft zu geben und den einzelnen Posten der V-rwallungskosten genau würdigen und prüfen zu können. DaS Statut schreibe die Aufstellung eines Voranschlags vor. Dessen Form sei dem unserer Gemeinden, wie auch unsir ganzes Rechnungs­wesen, nachgebildet und von unserer Ober-R chnungskammer nicht beanstandet worden. Zu besonderen Eiörtrrungen gibt di« Vorlage des Vorstandes Veranlassung, einen Betrag von 2000 Mk. zu be­willigen, um einen zweiten ständigen Bureaubeamten zu gewinnen, der insbesondere auch imstande wäre, dir gesamte GeschäftSlettung zu übernehmen, wenn der Vorsitzende genötigt sein wird, wegen einer devoittehenden Organisationsoeränderung bezüglich seines Haupt­amtes um Enthebung von dem seither im Nebenamt geführten Vor­sitze beö Genosscnschaftsoorstandes nachzusuchen. An der Debatte beteiligten sich die Herren Gutspachter Lucke, Gutsbesitzer Pitthan von Wöllstein, Gehetmerat Emmerling, Mühlentefitzer Bauer, Obeifinanzrat Fuchs, Forstmeister Stockhausen von Schlitz, Geheimer Oberforstrat Dtttmar. Herr Gehetmerat Emmerling führt namentlich aus, daß infolge einer Umbildung der Behörden dem Vorsitzenden in seinem Hauptamte verschiedene neue Referate zugetetlt werden sollten. Wenn er das Nebenamt fortführen könne, sei er unter allen Umständen darin zu entlasten. Bet seinem Rück­tritt aber müff? doch ein geschäftscrfahrener Beamter vorhanden sein. Die Annahme der Vorlage sei daher zu empfehlen. Diese besondere Vorlage wird hierauf mit allen gegen fünf Stimmen angenommen, dagegen das Erbieten deS Vorsitzmden, wegen der ihm durch den zweiten Beamten gewährten Beihilfe auf die Hälfte der ihm seither verwtlligt gewesenen Remuneration zu verzichten, nicht angenommen. Die Versammlung genehmigte hierauf noch die Anrechnung orr Verdienstzett des SekrelärS vom Tage seiner A-stelluna als an, die definitive Anstellung des seither nur widerruflich angestellien Registrators, sowie die übrigen Ausgabeposten des Voranschlag?. Die Neuwahl in den Vorstand für Herrn Lutz wird von der Tages-; ordnung abgesetzt, da der erste Stellvertreter, Herr Oberforstrat Krauß in den Vorstand eintreten soll. Der andere Stellvertreter, Herr Freiherr v. L ö w in Nieder-Florstadt, ist als unständiges Mitglied in das Landes­versicherungsamt gewählt. Die Rechnung für 1898, welche samt Urkundenbänden während der Sitzung offen gelegen hatte und von der Rechnungsprüfungskommission nicht beanstandet worden war, wurde ge­nehmigt. Weiter wird nichts dagegen zu erinnern gefunden, wenn der als zweiter Bureaubeamter in Aussicht genommene Herr Regierungs- affeffor vr. Langrock von der Großherzoglichen Regierung zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzenden ernannt werden soll und die Versammlung hierauf geschlossen.