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Nr. 300 Erstes Blatt. Donnerstag den 21. December
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Grsttsleitsgen: Gitßevrr Fsmiliendlütter, Ker hessische Km-wirt, Klötter für hessische Volkskunde.
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Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Teil.
Gießen, den 20. Dezember 1899.
Betr.: Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler in 1900.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a» die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sir für voraussichtlich im Jahre 1900 zur Bedeckung kommende Stuten nötig haben werden.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
Betreffend: Sonntagsruhe im Gewerbebetrieb.
Unsere Bekanntmachung rubr. Betreffs vom 16. l. M. wird insofern aufgehoben, als der Gewerbebetrieb der Friseure und Barbiere am 24. Dezember l. Js. nicht auf die Stunden von 7—9 Uhr vormittags und von 11—4 nachmittags beschränkt wird.
Es wird vielmehr der genannte Gewerbebetrieb am 2 4. Dezember l. Js. auf die Zeit von vormittags 7 Uhr bis nachmittags 4 Uhr ausgedehnt.
Gießen, 19. Dezember 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl.
* Das Gottesgericht in Transvaal.
Gießen, den 20. Dezember 1899.
Wenn jemand Caviar zu essen glaubt und plötzlich bemerkt, daß er seinem inneren Menschen Stiefelwichse ein- »erleibt, so ist das in hohem Maße fatal. Wenn ein großer Spekulant mit einem kühnen Coup Millionen zu erwerben hofft und sich plötzlich in den Urzustand zurückversetzt sieht, in dem der Mensch nichts sein eigen nennt, so ist das gleichfalls fatal. Wenn aber ein Volk, wie die Engländer, davon träumt, auf einem bequemen Spaziergang nach Johannesburg und Prätoria sich eines reichen Landes und unendlicher Goldschätze mühelos bemächtigen zu können, und wenn dann plötzlich die Spaziergänger mit zerschlagenen Köpfen und in kümmerlichen Fetzen zurückkehren und melden, daß die armen Bauern da drüben im Transvaal und im Oranjefreistaat sich keineswegs imponieren ließen von Old-Englands prahlerischem Gebühren, daß sie vielmehr mit sicherer Hand jeden niederknallen, der sich in ihr Gehege wagt, so ist das für die Betroffenen zweifellos auch fatal. ES kann ja niemand bei Beginn
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Die Führer im Trausvaalkrieg
bringen wir heute unseren Lesern im Bilde. Es sind meist ältere Leute, die im Kampf mit der Natur und den wilden Tieren abgehärtet sind. In der Mitte befindet sich das Bild des Oberstkommandierenden I. P. Joubert, auch der Vater Jouberts hat sich dem Heere angeschlossen, ebenfalls der Bruder Frans. Von den Führern haben sich manche schon Lorbeeren erworben, wir nennen nur Cronje, Smit und Bothe, Pretorias ist gefangen genommen und I. M. Kock starb in der Schlacht bei Elandslaagte.
eines Krieges das Ende des Waffenganges voraussehen, denn Frau Bellona ist ein Weib und jedes Weib hat seine Säurten; aber die eigenen Kräfte und die des Gegners gerecht zu wägen, geziemt der Besonnenheit, und nichts sichert den Mißerfolg von vornherein in so hohem Maße, als die Unterschätzung der feindlichen Kraft.
Niemals vielleicht seit dem Freiheitskampfe, der das deutsche Volk gegen Napoleon führte, hat die Macht der
' Imponderabilien sich so stark erwiesen wie jetzt, wo das Burenvolk, gottesfürchtig und gottvertrauend, für seine Freiheit gegen das übermächtige England kämpft. Es ist ein
i Zeichen dafür, daß das Edle im Menschengeschlecht noch | nicht erstorben ist, wenn fast überall in den Herzen die
Saite der Sympathie erklingt, sobald ein neuer Sieg der BurgherS von Transvaal gemeldet wird. Nicht Selbstsucht spricht daraus oder Schadenfreude, sondern jenes sittliche Hochgefühl, das uns schon als Kinder erfüllte, wenn wir von der Thermopylenschlacht vernahmen und von Salamis und Marathon, und wenn heute die Knaben mit glänzenden Augen der Kunde von den Siegen bei Colenso und am Modderriver lauschen, wenn ihre jungen Herzen höher schlagen, sobald man von Ohm Krüger, von Joubert, Schalk, Burger und Cronje spricht, so trifft das jugendliche Empfinden, unbekümmert um alle Politik und unbeeinflußt, das Rechte. Wie lauscht man eifrig den Anekdoten, die über die wackeren Burenführer verbreitet werden, wie Ohm Paul vor dem Kriege versicherte, man brauche keine Kanonen zu kaufen, weil die Engländer sie umsonst ins Land bringen würden, wie er ein anderes Mal sich mit dem alten General Smit streitet, wie seine alte Gattin ihm sorglich den Kaffee bereitet und die wollenen Strümpfe strickt und den unvermeidlichen Cylinder ausbürstet. Das instinktive Gefühl für Recht und Redlichkeit giebt unserer Haltung das Gepräge. Gewiß, auch die Tapferkeit der englischen Soldaten verdient mit wenigen Ausnahmen alles Lob, und wenn die Offiziere ihrer Mannschaft voran todesmutig gegen die Stellung der Feinde stürmen, dem sicheren Tod entgegen, so wird man ihnen den Lorbeer, der des Helden Stirn schmückt, nicht versagen. Doppelt schmerzlich ist es ja, als Besiegter zu sterben. Aber um so härter muß das Gericht sein, das über die Urheber des Krieges ergeht, über Jene, die, um ihrem Ehrgeiz und ihrer Habsucht zu fröhnen, alle Leiden des Krieges über zwei Völker heraufbeschworen. Fürst Bismarck hat einmal gesagt, es sei an sich ein verbrecherisches Beginnen, zwei große Nationen, die beiderseits den ernsten Willen hegen, mit einander in Frieden zu leben, die keine wesentlichen Juteressen haben, welche sie trennen können, in einen Krieg hineintreiben zu wollen. In solchem Sinne wird Chamberlain, wird auch der allzu nachgiebige Salisbury, werden die höchsten entscheidenden Instanzen des britischen Weltreiches vor dem Richterstuhle der Geschichte als Verbrecher erscheinen.
Theater.
-r. Gießen, 18. Dezember. Gestern abend begann vor nicht übermäßig besetztem Hause Frau Lucie Vierna aus München — von welchem Theater, ist auf dem Theaterzettel nicht gesagt — ihr erstes Gastspiel als Frau Eva in Schönthan - Koppel - Ellfelds dreiaktigem Lustspiel „Die goldene Eva". Dieses Fabrikwerk des betriebsamen Verfasserpaares wurde gestern abend mit ziemlichem Beifall ausgenommen; wem er gegolten, dem Stück oder den Darstellern, vermögen wir nicht recht zu beurteilen, wir entscheiden uns für das letztere ohne das erstere gerade abzulehnen. Das Stück führt uns auf den Boden der blühenden Reichsstadt Augsburg. Die „goldene Eva" ist eines reichen Goldschmiedes junge, schöne Wittwe, der das Bewußtsein ihres Wertes, bestehend im Liebreize blühender Erscheinung und im verlockenden Besitze stattlicher Habe, gewaltig zu Kopfe gestiegen ist, sodaß sie, der sogar der Kaiser gelegentlich einen Kuß gegeben hat, erstaunlich hoch hinaus will und zum Erlöser aus ihrer Wittwenschaft nur einen Freier adligen Geblütes für tauglich hält. Ein solcher findet sich denn auch in der Person des Grafen Zeck ein; aber seine Herrlichkeit ist so fadenscheinig, daß sie nicht lange Stand hält, mag er noch so dringlich prahlen mit seinem Ahnenschlosse, das wohl im Monde liegt und mit seinem Dienertroß, wovon der leider unsichtbar bleibende und doch durch seine bloße Erwähnung überaus komisch wirkende Knappe allerdings als wenig überzeugendes Bei
spiel dient. Letzterer ist nämlich kein anderer, als Zecks Geldgeber, der Roßhändler Aaron aus Kaufbeuren, der zäh auf seinem Schuldtitel besteht und den edlen Ritter in dieser angemessenen Verkleidung auf seinen nach Geld spürenden Freiersfahrten begleitet. Die freundschaftliche Unterstützung des abgebrühten Pumpgenies Hans v. Schwetzingen hilft den Faden der gräflichen Werbung weiterspinnen. Aber allzu weit kommt es nicht damit. Dafür sorgt Peter, der Goldschmiedsgeselle. Der ist mit künstlerisch gewecktem Sinne aus Italien, dem neu erblühten Lande der Künste herübergekommen und hat in Frau Evas Hause eine Stätte gefunden, wo er die Goldschmiedekunst nach den neuen ihm aufgegangenen künstlerischen Ideen bethätigen will. An die Meisterin aber hat der lebensfrohe, frische Jüngling alsbald sein Herz verloren. Mutig und klug durchkreuzt er die Pläne der aufdringlichen Freier, heilt die hübsche Goldschmiedswittwe von ihren hochfliegenden Einbildungen und gewinnt zuletzt in siegender Entschlossenheit Herz und Hand der „goldenen Eva", die somit den Boden wiederfindet, der ihr einzig angemessen ist. Ueber den Wert oder die Bedeutung der Fabel und der Dramatisierung derselben wollen wir uns heute den Kopf nicht weiter zerbrechen, wir müßten auch schließlich unser Urteil über die Schönthal'sche Kompagniearbeit überhaupt im großen ganzen wiederholen. Wir können es füglich dabei bewenden lassen. Die Darstellung war flott und auch decorativ lobenswert. Guten Erfolg hatte Frau Vierna in ihrem lebendigen, oft gut pointierten Spiele, ihrer an-
ziehenden Erscheinung und vor allem ihrer prächtigen, stellenweis .fast zu üppig gehaltenen Kosttime. Alles in allem genommen, ließ die Gästin ein stets interessantes und der Wirkung sicheres Bild der lebensfrohen, liebebedürftigen Frau Meisterin erstehen. Der Peter des Herrn Kirchhoff gelangte durch sein männlich stolzes, siegessicheres Auftreten zur schönsten Geltung. Ein köstliches Pärchen gaben die Herren Walter und Rolan ab, welche die schiffbrüchigen Existenzen des bier- und weinseligen, ewig schmarotzenden Ritters Hans von Schwetzingen und des vom Pferdehändler Aron über Wasser gehaltenen, spielwütigen „Grafen Zeck" mit guten Humor verkörperten. In der Repräsentaüonsrolle der Gräfin Agnes wirkte Frl. Haussig durch vornehme Haltung, Erscheinung und Toilette. In der Rolle des „Lehrjungen" legte Frl. Kugler eine Probe hübschen Talentes ab, das weitere Beachtung verdient. Das Stück fand in dieser vorzüglichen Wiedergabe, wie erwähnt, reichen, wohlverdienten Beifall. Die Regie war, wie stets unter Herrn Helms Leitung, ohne Tadel.
-r. Gießen, 20. Dezember. Gestern abend folgte als zweites Gastspiel von Frau Lucie Vierna Schillers „Kabale und Liebe", in welchem die Gästin, entsprechend ihrer Erscheinung und ihren kostbaren Toiletten, die Rolle der Lady Milford übernommen. Das Schillersche Trauerspiel wird ja immer eine packende, fortreißende Wirkung ausüben, um so mehr aber, wenn es in einer so guten Besetzung wie gestern abend gegeben wird. Die Hauptrolle der Luise hatte Frl. Hammer erhalten und der Griff, der


