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hanseS, eine» der ältesten Sirchenbaubenkmale Hessens und Deutschlands, 1000 Mk. beisteuern will, was in der Gemeinde dankbar und freudig begrüßt wird. Möge auch sonst daS schon lang gehegte Projekt, diese berühmte ro» manische Kirche würdig und stilvoll wiederherzustcllen, weitere freudige Zustimmung finden und noch andere kunstsinnige und opferwillige Geber dem rühmlichen Dorbilde folgen. Später soll die Bedeutung der Kirche auch in diesem Blatte zur weiteren Anregung dargestellt werden.
4- Orteuberg, 20. Oktober. Dom 30. l. Mts. bis r. November wird in unserem Städtchen der sogenannte .Salten-Markt" abgehalten, welcher von alters her ob seiner vielseitigen Volksbelustigungen auch aus der näheren und weiteren Umgebung sehr besucht zu werden pflegt. Am 80. und 31. Oktober findet der vorgesehene Pferbemarkt, um 31. der Schweinemarkt und vom 31. Oktober bis incl. 2. November der eigentliche Jahrmarkt statt. Leider mußte der auf den 31. l. Mts. anberaumte Rindviehmarkt wegen der in einigen Nachbarorten herrschenden Maul- und Klauenseuche verboten werben. ______________________________
Vermischtes.
* Düsseldorf, 18.Oktober. Ein heiteres Vorkomm- uiS Wird aus einem niederrheinischen Landkreise berichtet. Einem Gemeindevorstand war es gelungen, sechs falsche Thaler zu beschlagnahmen. Auf eine Anfrage wurde ihm der Bescheid, er solle die Falsifikate sofort der Staatsanwaltschaft einsenden. Dieser Verpflichtung kam das Gemeindeoberhaupt denn auch in der Weise nach, daß er das falsche Geld auf eine Postanweisung einzahlte. Der Postagent nahm das Geld ohne Anstand an — wer würde auch Mißtrauen hegen gegen Ortsvorsteher? —, die Staatsanwaltschaft kam um ihre Beweisstücke, und die falschen Thaler find wieder im Verkehr.
• Leipzig. 17. Oktober. Zu der bereits telegraphisch gemeldeten Verhaftung des Fabrikbesitzers Neuer ist nachzutragen, daß auch ein Agent in Charlottenburg, welcher Beihilfe zum Betrug geleistet haben soll, verhaftet wurde. Zwei hiesige Firmen sind mit je 100,000 Mk. an der Affaire beteiligt.
♦ Leipzig. 19. Oktober. Die sächsische Eisenbahnverwaltung hat Unterhandlungen mit den deutschen Eisenbahnbehörden eingeleitet, um eine Abschaffung der Personenwagen 1. Klasse wegen deren völliger Unrentabilität herbeizuführen.
* Weimar, 18. Oktober. Ein beklagenswertes Ereignis hat sich im hiesigen Marie Seebach Stift zu- getragen. Das 72 jährige Stiftsmitglied Zottemeyer, ein in früheren Jahren am Hoftheater zu Hannover sowie am Hamburger Stadttheater gefeierter Bariton, hat im Verfolgungswahn seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.
* Tübingen, 16. Oktober. Dem Gouverneur der englischen Kapkolonie, Sir Alfred Milner, bringt man hier in Tübingen ein besonderes Interesse entgegen. Der in diesen Tagen oft genannte englische Staatsmann ist uämlich eine Art „alter Tübinger". Sein Vater, ein guter Deutscher, war Ende der sechziger Jahre außerordentlicher Professor und Lektor der englischen Sprache an der hiesigen Universität. Die Mutter war Engländerin und Witwe eines englischen Generals. Jung-Milner besuchte ix den Jahren 1867 bis 1869 das hiesige Gymnasium und er ist aus jener Zeit noch vielen Tübingern, insbesondere seinen damaligen Mitschülern, in guter Erinnerung. Als Schüler erwies er sich nach Ausweis seiner Schulzeugnisse nicht über das Mittelmaß. Er siedelte bald darauf nach England über, wo er in Oxford und Cambridge studierte mb dann rasch Karriere machte, nachdem er seine politische Laufbahn als Privatsekretär bei Herrn Goschen begonnen hatte.
* Waldenburg, 18. Oktober. Ziegelmeister Winkler aus Hltwaffer ist samt seiner Braut auf der Chaussee von drei Strolchen angefallen und durch Messerstiche ermordet worden.
• Zweibrücken, 18. Oktober. In der letzten Nacht wurde in Trulben das Anwesen der Witwe Hungler angezündet, die Frau selbst ermordet und die Barschaft geraubt.
♦ Pleschen, 19. Oktober. Als bei Boguslaw zwei russische Arbeiter, die keinen Paß besaßen, den Grenzfluß Prosna durchwateten, um nach Beendigung ihrer Beschäftigung in die Heimat zurückzukehren, gab die russische Grenzwache zahlreiche Schüsse auf sie ab, und tötete einen Arbeiter. Ob eine Grenzverletzung vorliegt, ist noch zweifelhaft.
Theater.
Gießen, 20. Oktober. (Stadttheater). Bei der ungeheueren KNlle der über den Burenkrieg vorliegenden Meldungen und anderer Politischer Ereignisse mußten wir aus Mangel an Raum und Zeit die Besprechungen über die Aufführungen in unserem Stadttheater etwas zurückstellen. Wir nehmen dieselben heute in Kürze wieder auf, indem wir über die letzten Darstellungen summarisch berichten. Wie wir bereits erwähnten, war die erste Volksvorstellung in dieser Saison sehr gut besucht und sie verdiente auch das ihr »ugewandte Interesse nach jeder Richtung hin. Schillers dramatisches Gedicht „Don Carlos" «ar auch sür eine Volksoorstellung sehr wohl geeignet. Wenn sich auch die Szenerie manchmal etwas bunt und oft nicht so recht ^ritterlich" ausnahm, so konnte das doch dem Eindruck des Ganzen wenig Eintrag tijun. Gespielt wurde recht flott und auch die Rollenbesetzung war ziemlich angemessen. Eine gute Leistung, wohl die beste deL Abends, war die des Herrn Joseph Cur land, der den Beichtvater des Königs iu Spiel, Maske und in der Sprachnüancierung der Lebenswahrheit am nächsten brachte. Die Hauptrolle war in den Händen von Herrn Alwin Henrp ebenfalls gut aufgehoben und wurde von dem begabten Künstler mit edlem Feuer und großer Wärme gegeben; auch das gewaltige Remotterw^rk scheint ihm wenig Schwierigkeit bereitet zu baben. Eine gleich schwierige Aufgabe fiel Herrn Karl Walter durch die Wiedergabe des Königs zu und wurde mit viel Fleiß durchgeführt. Leider war die Maske etwas „blutdürstig"; wir stellen uns den alten Philipp auch gerade nicht in der Gestalt eines Adonis vor, aber so wird er wohl
kaum ausgesehen haben. Im Laufe des Spiels vergaß man den ersten Eindruck etwas und söhnte sich mit dem sonst trefflichen Spiel des Künstlers aus. Die bedeutendsten Damenrollen das Abends waren Frl. Hardegg (Elisabeth von Valois) und Frl. Haussig (Prinzessin von Eboli) anvertraut und — wie vorauszusehen — in guten Händen. Beide Damen boten Leistungen, die keinen Tadel aufkommen lassen. Die Herren Par en und Ro lan, erster als Marquis von Posa und letzterer als Alban waren ebenfalls durchaus würdige Vertreter der Schillerschen Schöpfung, nur der Darsteller der letzteren Rolle hätte etwas größer sein müssen. Herzog Alba war nach den von ihm erhaltenen Bildern ein langer, schlanker Mann, außerdem hatte dieser spanische Grande keinen mächtigen bis auf die Brust reichenden germanisch-blonden Vollbart, sondern den damals üblichen spanischen Spitzknebelbart und zwar einen schwarzen Das waren allerdings kleine äußerliche Versehen, dem Beifall, der diesem sonst tüchtigen Künstler im Verein mit stinem Kollegen gezollt wurde, haben sie keinen Abbruch gethan. Herr Rolan führte an diesem Abende auch die Regie und der Erfolg der ganzen Aufführung entsprach der Tüchtigkeit des Regisseurs. In eine ganz andere Welt führte uns die Dienstag-Vorstellung. Von Schiller zu L'Arronge, aus dem alten spanischen Königspalaste in den Trubel der modernen Großstadt, von Königen, spanischen Granden, Offizieren und Trabanten zu Hochzeitsgästen, Lohndienern, Arbeitsleuten des Zeitalters der Elektrizität — ein weiter Sprung Vom Weinen zum Lachen! Und er wurde herzlich belacht der Compagnon von L'Arronge, das Publikum amüsierte stch über die alten, guten harmlosen Witze köstlich. Das ist das Gute an der L'Arrongeschen Muse: sie hat stets ein sauberes Gewand an, nichts von französischen Kotspritzen und seichten Schlüpfrigkeiten. Gespielt wurde frisch und temperamentvoll. Das gilt diesmal besonders von Frl. Eichwald, welche den Hauskobold Marie (Dienstmädchen) zu einer wunderhübschen Figur gestaltete. Sie hat sich einen reichen Anteil an dem Beifall des Hauses zuzuschreiben. Herr und Frau Direktor Helm sowie die Damen Zimmermann und Hammer waren prächtige Lustspielfiguren, deren künstlerische Leistungen wir wiederholt gewürdigt haben. Bei einer Wiederholung der Vorstellung werden wir auch ihren übrigen Kollegen gerecht werden. Teilweise bietet sich auch heute abend anläßlich der Aufführung von Freitags „Journalisten" Gelegenheit dazu. Hoffentlich entspricht der Besuch des heutigen Abends den — wie wir hören nicht unbedeutenden — aufgewandten Mühen.
—-r.
— Mainz, 19. Oktober. Ungefähr 5 Wochen sind fett der Eröffnung der Theatersaison, unter der Direktion des städtischen Kapellmeisters Emtl Steinbach, verflossen, und man ist jetzt wohl imstande, ein bestimmtes Urteil über das diesjährige Ensemble abgeben zu könmn. Die allgemeine Ansicht ist die, daß weder im Schauspiel, noch in der Oper trotz der um 20—25 Prozent erhöhten Abonnementsprrise eine Verbesserung gegen früher eingetreten ist. Einzelne Hauptfächer sind unzureichend besetzt, und die Veränderungen im Schauspielpersonal haben auch nur ein negatives Resultat ergeben, sodaß man wieder auf einige der bereits gekündigten Mitglieder zurückgreisen mußte. Das verwaiste Fach der jugendlich-dramatischen Sängerin düifte durch F'äulein Grining vom Stadttheater in Elberfeld nun cndgilttg besetzt sein» die am Sonntag als „Gretchen" in Gounods „Faust" einen vollen Erfolg zu verzeichnen hatte. Allgeme n bebaue-t wird der Weggang eines jungen stimmbegabten Tenoristen, Herrn Elassen, der in den Rollen deS „Manrico" und „Faust" Spuren bemerkenswerter künstlerischer Begabung zeigte, jedoch in D fferenzen mit der Direktion geriet, in deren Folge er seine Entlassung forderte und erhielt. Heute beginnt der berühmte Bayreuther Sänger Fritz Friedrichs sein auf drei Abende berechnete« Gastsptel als „Hans Stadtnger" im .Waffenschmied".
= Frankfurter Stadttheater. Um vielfachen Anfragen entgegenzukommen, sei hier miigeleilt, daß für das zweimalige Gastspiel Francesco b'Andrade'S am Montag dem 23. und Mittwoch dem 25. ds. Mts. die normalen großen Preise des Opernhauses in Geltung sein werd,«.
Arbeiterbewegung.
Minden, 18. Oktober. Gestern abend kam es hier zwischen auSständischen Maurern und zugezo^enen Aibritswilltgen zu schweren Ausschreitungen. Zwei Arbeitswillige wurden durch Messerstiche schwer verletzt und durch Fußtritte und Stockschläze mißhandelt. Mehrere der Thäter sind verhaftet; einer gehöct der Streck Kommission an. .
Dresden, 19. Oktober. Während auf allen Steinmeh-Werk- plätzen in Dr.sden, Puna undUmgegend die Arbeit wieder ausgenommen woiden ist, haben sämtliche hiesige Postamenttrer die Arbeit niedergelegt.
Bunzlan, 19. Oktober. Der Ausstand der hiesigen Stein- arbetter ist beendet. Die ausständischen St-'tnmchen sind zu Unterhandlungen mit d n Aroeitgebern bereit. D^r j tztge Lohntarts soll bis 1902 bestehen bleiben, alsdann solle Lohne,Höhung erfolgen.
Gingesandt.
Gießen, 20. Oktober 1899.
Seit Montag ist der Bentilbrunnen Ecke der Wallthorstraße und Brandgaffe entfernt worden. Hiermit ist ein Mißstand hervorgerufen worden, dem abzuhelfen, die zuständige Behörde verpflichtet ist. Die Bewohner der anliegenden Straßen sind nunmehr gezwungen, ihren Bedarf an Wasser von den weitüegenden Brunnen am Thor oder Lindenplatz zu holen Damit ist aber keinesfalls die Gefahr eines Ausgleitens bei Frost beseitigt, welches durch Verschütten bei größeren Strecken verursacht wird, sondern nur erhöht worden. Denn naturgemäß gebraucht man doch an Plätzen, wo Wasser entnommen wird, entschieden mehr Vorsicht. Die Anlieger der nächsten Straßen bedauern daher die Entfernung eines so notwendigen Brunnens und betrachten dies als keine Förderung der städtischen Verhältnisse.
Viele Bürger.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
'Sonntag den 22. Oktober. 21. nach Trinitatis. Gottesdienst.
In -er Stadtkirche.
Vormittags 9</t Uhr: Pfarrer Schlosser.
Vormittags 11 Ubr: Kinderkirche für die Mattbäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskrrche.
Abends 8 Uhr: Versammlung der Konfirmandenveremrgung der Matthäusgemeinde in der Herberge, wozu auch die in diesem Jahre konfirmierten Knaben eingeladen werden.
Donnerstag den 26. Oktober, abends 8 Uhr: Bibelstirnde im neuen Konfirmandensaale, Kirchstraße. Auslegung des zwetten Brief Pauli an die Korinther. Pfarrer Schlosser.
Dienstag den 24. Oktober, abends 6 Ubr, im Schwesternhaus (Johannesstraße): Versammlung der konfirmierten Mädchen aus der Markusgemernde, wozu die tn früheren Jahren und in diesem Jahre Konfirmierten eingeladen werden. Dr. Grein.
In der Johannesktrche.
Vormittags 9«/i Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vormittags 11 Uhr: Kmdergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrassistent Dr. Heußel.
Montag 'den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bibelstirnde ,m Konfirmandensaal der Johanneskirche. 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher. Kap. 1. Begrüßung und freudiger Dank des Apostels für die Aufnahme und Kraft des Evangeliums. Pfarrer Dr. Naumann.
Mittwoch den 25. Oktober, vormittags 9 Uhr: Gottesdienst zur Eröffnung der Dekanats'TißNdde.
Katholische Gemeinde.
Samstag den 21. Oktober.
Nachmil w s um 4'/, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag den 22 Oktober. 22. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6Ve Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht.
, um 7 Uhr: Die erste heil. Messe;
vor und in derselben Austeilung der heil. Communion;
, um v Uhr: Die zweite heil. Messe;
„ um 91/s Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2'/, Uhr: Christenlehre; darauf Rofenkranz- andacht mit Segen.
An den Wei klagen ist täglich des Abends um 6*/zUhr Rosen- kranzandacht mit Segen.___________________________________________
Neueste Meldungen.
Deveschen des Bureau „Herold".
Berlin, 20. Oktober. Die Kaiserin wirb mit den kaiserlichen Prinzen der heutigen Wohlthätigkeitsaufführung im neuen königlichen Operntheater zum besten der Ueber- schwemmten in Bayern beiwohnen. Auch bas Erscheinen bes Kaisers ist sicherem Vernehmen nach zu erwarten.
Berlin, 20. Oktober. Die Hundertjahrfeier ber Technischen Hochschule zu Berlin fand gestern mit einem Diner ihre Fortsetzung. 1200 Gäste waren dazu erschienen, darunter v. Miquel, Studt, Brefeld und ber Hausminister v. Webel. Mit einem Trinkspruch auf den Kaiser, indem er die Anteilnahme des Kaisers an den technischen Wissenschaften, namentlich was die künstlerische Seite anbetrifft, hervorhob, eröffnete Herr v. Miquel die Reihe der Toaste. Dann folgte v. Studt mit einem Toaste auf die Hochschule. Zum Schluß wurde ein Theaterstück aufgeführt.
Karlsruhe, 20. Oktober. Nach einer offiziellen Erklärung will die badische Regierung das direkte Landtags-Wahlrecht nur einführen, wenn neben den direkt gewählten Abgeordneten auch solche von Ständen, Kreisen, größeren Landgemeinden und den Handels - und Gewerbekammern gewählt werden. Auf andere Wahlvorschläge erklärt sich die Negierung nicht einlassen zu können, und würde in diesem Falle ihren Rücktritt vorziehen.
Prag, 20 Oktober. Die Tschechen versuchten gestern abend abermals auf dem Wenzelsplatze vor dem Museum zu demonstrieren. Die Ansammlungen wurden aber rechtzeitig von der Polizei zerstreut.
Budapest, 20. Oktober. Die in Deutschland in Form einer Broschüre gedruckten Memoiren der Fürstin Odeskalchi über das Kronprinzeu-Drama in Mayerling wurde auf Verfügung ber Regierung in ganz Ungarn beschlagnahmt.
Vom Kriegsschauplatz.
Loudon, 20. Oktober. Der Leiter ber „Review Officeveröffentlicht eine Flugschrift über bie Ursachen des Transvaalkrieges, in welcher er den Beweis führt, daß der Jameson-Einfall in Transvaal eine diplomatische Mache sei, deren letzter Akt sich jetzt abspiele und vom englischen Kolonialamt nach Kräften unterstützt wurde.
Loudon, 20. Oktober. Die gestrige Unterhaussitzung dauerte bis nachts 12 Uhr 40 Minuten. Nachdem Chamberlain feine Politik in Südafrika verteidigt hatte, erklärte Balfour, indem er einen warmen Appell an die konservative Partei richtete, die ganze Regierung und er selbst billigten die von Chamberlain in Südafrika befolgte Politik. Der Zusatz-Antrag von Stanhope, welcher gegen diese Politik ist, wurde mit 362 gegen 125 Stimmen abgelehnt.
London, 20. Oktober. Nach einer Meldung aus Prä- toria telegraphierte Präsident Krüger an den Präsidenten des Oranje-Freistaates einen Bericht über die Eroberung des Pan- zerzuges bei Kraaipan, worin er erklärt, der Kommandant Nesbit und 7 englische Soldaten seien schwer verwundet, aber niemand sei tot. Alle übrigen seien wohlauf und würden als Gefangene sestgehalten. Nach einer Meldung ber Times schlug an der Westbahn eine englische Kolonne die Buren zurück und brachte ihnen schwere Verluste bei. Die Engländer hatten zwei Tote und 14 Verwundete.
London, 20. Oktober. „Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, baß bie Buren Vryburg besetzt haben. Bevor ber Sturm begann, würben bie Frauen unb Kinber aufgeforbert, bie Stadt zu verlassen. Nachdem dies geschehen, rückten die Buren in bie Stadt ein. — Das Kriegsamt veröffentlichte heute früh eine Note, worin es heißt, es liegen zwei wichtige Nachrichten vor aus Natal. Unsere Kavallerie bewegt sich zwischen Ladysmith und Glencoe. An der Ostseite ist die Eisenbahn-Verbindung zwischen Mafeking unb Kimberley abgeschnitten. Man glaubt, — b. h. nämlich in Englanb — baß am vergangenen Sonntag 6 Meilen südlich von Kimberley ein Gefecht'stattgefunden habe, wobei die Buren zurückgeschlagen wurden. Bei Mafeking haben am vergangenen Freitag und gestern ebenfalls Gefechte stattgefunden.
Loudon, 20. Oktober. Nach Berichten aus Ladysmith fahren die Bure« mit ihren Umzingelungs-Operationen fort Man glaubt, daß bie von Tintwaoah nach Aktonhomas vorgegangenen Freistaatler beabsichtigen, bie Bahn südlich von Colenso zu zerstören, um Ladysmith unb Glencoe zu isolieren, während Kolonnen von Helomaker auch die Bahn zwischen Ladysmith unb Glencoe besetzen wollen. — Es verlautet auch, baß einige Natal-Buren im Verein mit einer Abteilung Transvaal-Buren bie Eisenbahn zwischen Pietermaritzburg und Durban zerstören wollen. — Nach einer Depesche aus Südafrika fiud eruste Zwistigkeiten zwischen deu Burenführern nnd ihren Mauuschafteu ausgebrochen. Eine große Anzahl älterer Leute sei in Hellem Aufruhr nach New-Castle zurückgekehrt, während die jungen Mannschaften bei Tagagani liegen und stürmisch verlangen, gegen Dundee geführt zu werden. Auch sollen Reibereien zwischen den Kommandeuren ber Transvaal- unb Oranje-Truppen entstauben sein.


