Ausgabe 
21.9.1899 Zweites Blatt
 
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** Die Neugestaltung der Feldartillerie hat auch Ab­änderungen der Bestimmungen über den Unterricht der Kapitulanten zur Folge gehabt. Nach den neuen Be­stimmungen werden alljährlich von jeder Feldartillerie- Brigade sieben und von der Feldartillerie-Schießschule drei Unteroffiziere oder Unteroffizier-Aspiranten der Feldartillerie kommandiert, welche in einem von dem Generalkommando zu bestimmenden Feldartillerie-Standorte gemeinsam unter­richtet werden. Der Unterricht dauert vom 1. November bis 15. März. Die besonderen Anordnungen für die Leitung dieser Schule und für den Unterricht trifft das Generalkommando; die Kommandierung der Mannschaften verfügen die Feldartillerie-Brigadekommandeure, und zwar sind in erster Linie solche Persönlichkeiten auszuwählen, welche sich freiwillig melden und welche auf Grund ihrer Führung, Leistungen in der Truppe und Vorbildung hoffen laffen, für die Feuerwerkerlaufbahn geeignet zu werden. Von den zum Schulbesuch kommandierten Unteroffizieren werden auf Grund der Leistungen und einer Schlußprüfung die zu dem Kommando zur Oberfeuerwerkerschule geeignetsten in Vorschlag gebracht. Das Armeeverordnungsblatt macht ferner bekannt, daß für die Feldzeugmeisterei an Stelle des Entwurfs vom 5. April 1898 eine neue, durch Kabinetts- Ordre vom 2. August 1899 genehmigte Dienstvorschrift in Kraft tritt.

** Die infolge Verbreitung der Maul- und Klauenseuche verschobene Tierschau in Butzbach für Rinder, Pferde, Schweine und Ziegen soll nunmehr am 5. Oktober dort- selbst abgehalten werden. Es stehen an Preisen zur Ver­fügung: für Rindvieh Mk. 3660, für Schweine Mk. 800, für Ziegen Mk. 150, für Pferde ca. Mk. 400. Anmeld­ungen sind bis 2 7. September an den Ausstellungs­kommissär, Großh. Direktor Dr. von Peter in Friedberg, zu richten; Pferde sind bei Herrn Rittmeister z. D. Naegels in Darmstadt anzumelden. Da ein Ausstellungskatalog ge­druckt wird, können nach dem 27. September Anmeldungen nicht mehr entgegengenommen werden. Der Auftrieb hat in Butzbach am 5. Oktober zwischen 8 und 9 Uhr zu erfolgen.

** Die Obstausstellung in Friedberg, welche am nächsten Freitag, nachmittags 3 Uhr dem Publikum geöffnet und um 5 Uhr feierlich eröffnet wird, wird, nach den einge­laufenen Anmeldungen zu schließen, wohl die schönste, welche seitens des Oberhess. Obstbauvereins abgehalten wurde. Nicht allein, daß das Obst in diesem Jahre eine prächtige Ausbildung und Schönheit erlangte, auch die Sortenwahl wird eine vorzügliche sein, sodaß die Früchte nach jeder Richtung hin ein prächtiges Bild geben werden. Dabei wird ein Glückshafen, der außerordentlich viele Ge­winne enthält, dem glücklichen Gewinner manche Freude bereiten und ein guter Anziehungspunkt für den Besuch der Ausstellung sein. Es ist zu hoffen, daß auch in der Be­völkerung ein reges Interesse für die Ausstellung Platz greift und der Besuch der Ausstellung, der für die Mit­glieder des Oberhess. Obstbauvereins frei ist, ein sehr eifriger wird.

** Zum Fall Dettweiler. Man teilt mit, daß die schöne Geschichte von Verweisen, die am Schluffe der Mitteilung über das Urteil in Sachen des Oberschulrats Dettweiler erzählt wird, nach dem Ergebnisse der Verhandlungen einige Lücken aufweift, die hier nachgetragen seien. Aus den Weiterungen, die jener Vorfall nach sich zog, wollte Dr. Schrohe es zunächst begründen, daß er, obwohl er bis zuletzt, wie Herr Rechtsanwalt Hallwachs zusammenfaßte, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Direktor Dettweiler als seinenhochverehrten Lehrer auf

Auch in den anderen europäischen Staaten ist der Verlauf der Dinge ein ähnlicher gewesen. Es war aber schon damals, wo sich die ersten Ansätze des internationalen Weltverkehrs entwickelten, klar, daß die Reformen hiermit nicht abgeschlossen sein könnten, und so kam es denn schon in den 60er Jahren zu den ersten, allerdings erfolg­losen Anläufen zur Schaffung größerer internationaler Post- verbände.

Merkwürdigerweise verhielt sich das im übrigen so fortgeschrittene Frankreich am meisten ablehnend gegen alle derartigen Pläne, und Preußen-Deutschland war es be- schieden, bahnbrechend auf diesem Gebiete voranzugehen, demselben Deutschland, welches im Jahre 1845 noch der rückständigste europäische Großstaat auf dem postalischen Gebiete gewesen war, und sich nun als führende Macht an die Spitze stellte.

Wie kindisch sich das allerdings kurz vorher durch seine Niederlagen in seinem Stolze tätlich beleidigte Frank­reich benahm, zeigt das Verhalten desselben, als 1871 die Postverträge mit Deutschland erneuert werden sollten. Frank­reich war damals zu keinem halbwegs vernünftigen Post- vertrag mit Deutschland zu bringen, bis letzteres endlich mit dem gänzlichen Abbruch des Postverkehrs drohte, was zur Folge gehabt hätte, daß die deutsch-französische Grenze zu einem unüberschreitbaren Wall für alle Postsendungen geworden wäre. Schließlich gaben unsere gallischen Nachbarn nach und zwar nur, weil sie in ihrem Verkehr mit Däne­mark, Oesterreich, Rußland u. s. w. auf die Willfährigkeit Deutschlands als Durchgangsland angewiesen waren.

Inzwischen hatte Deutschlands Generalpostmeister Dr. Stephan neue Pfade betreten. Sein Gedanke war es, an Stelle der zahlreichen Postverträge mit den auswärtigen Staaten einen einheitlichen Vertrag zu setzen, der die Länder Europas zu einem einzigen Verkehrsgebiet vereinigen sollte. Im Jahre 1868 verfaßte er zu diesem Zwecke eine Denk­schrift, und das Resultat derselben war, daß am 15. Sep­tember 1874 auf Deutschlands Einladung in Bern der erste internationale Postkongreß zusammentrat.

Das war der Geburtstag des heutigen Weltpostvereins. Auch damals stand Frankreich grollend bei Seite. Als es

pädagogischem Gebiet" feierte und seiner unauslöschlichen Dankbarkeit versicherte, dennoch über jedes Vorkommnis genau Buch führte, umeinmal eine Waffe gegen ihn zu haben". Für dies Verfahren erklärte der Verteidiger gar keinen passenden Ausdruck finden zu können. Dr. Schrohe selbst erklärte, als er die von Direktor Dettweiler gesandten Aprikosen zurückschickte, habe er nicht gewußt, daß an dem­selben Morgen, als er schon das Gymnasium verlassen hatte, alle Lehrer, wie alljährlich, von den Erzeugnissen des Direktor-Gartens erhalten hätten. Die Belehrung, die ihm Direktor Dettweiler zu Teil werden ließ und wegen deren er sich beschwerend an das Großh. Ministerium (nicht an Oberschulrat Soldan) wandte, wurde von dem damaligen Vorsitzenden der Schulabteilung als viel zu milde bezeichnet, kann also keinVerweis" gewesen fein. Dr. Schrohe gab in der Verhandlung zu, daß er für sein Verhalten damals Herrn D. um Verzeihung gebeten habe.

* Postanweisungen mit Postkarten. Betreffs der am 1. Oktober zur Ausgabe kommenden Postanweisungen mit anhängender Postkarte ist neuerdings noch folgendes bestimmt worden: 1) Im Verkehr mit Bayern und Württemberg sind diese Postkarten wie Antwort- Postkarten zu behandeln. 2) Bei Nachsendung der Post­anweisung nach einem Orte außerhalb Deutschlands wird die Karte zur Benachrichtigung des Absenders über die erfolgte Nachsendung seitens der Postanstalt benutzt. 3) Bei unbestellbaren Postanweisungen ist die angehängte Postkarte dem Absender zu überlassen.

** Der Verein der Dentisten de8 Großherzogtums Hessen hielt kürzlich imHotel Britannia" zu Darmstadt unter Anwesenheit des Herrn Regierungsrat Noack eine Ver­sammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Brischossky- Darmstadt, eröffnete die Sitzung, dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen und erteilte dem Kollegen Staudt- Michelstadt das Wort zur näheren Ausführung über die Ziele der Vereinigung. Herr Staudt berichtete über den Gang der wissenschaftlichen und praktischen Ausbildung der Zahnärzte, Dentisten, Zahntechniker und betonte, daß heute im Deutschen Reich über 4000 Personen Zahnheilkunde ausüben, wovon auf den Stand der in Deutschland ap­probierten Zahnärzte etwa nur 1000 entfallen, während die übrigen mehr als 3000 als Dentisten, Zahntechniker u. dgl. praktizieren. Technische Ausbildung sei die Hauptsache der Zahnheilkunde, dieselbe haben die meisten Dentisten oder Zahntechniker vollauf genossen (mindestens dreijährige Lehr- und mehrjähige Gehilfenzeit). Gold-, Platin- und Kautschuk- Gebisse, Kronen- und Brücken-Arbeiten, Obturatoren, Nichtmaschinen zur Regulierung schiefstehender Zähne, das Füllen der Zähne usw. seien technische Arbeiten, welche von der manuellen Geschicklichkeit des Praktikers ab­hängen. Herr Hofzahnarzt Dr. Telchow schreibe hier­über an Herrn Professor Witzel (beide Autoritäten):Der zahnärztliche Stand ist ehrlich gestanden nichts weiter als ein Kunstgewerbe und wird fälschlich ärztlich ge­nannt." Gehört hiernach die Zahnheilkunde hauptsächlich in das Gebiet der Technik, so müsse für den weiteren Auf­schwung dieses Kunsthandwerks eine Fachschule gegründet werden, auf welcher jedem Schüler auch die Gelegenheit geboten sei, sich einer Prüfung zu unterziehen. Staudt wies weiter darauf hin, daß die heutigen Beratungen einen Beschluß zu Tage fördern möchten, auf welche Weise die besten Mittel und Wege gefunden werden, den Stand der Dentisten, Zahntechniker zu heben und ihm ähnlich wie den Zahnärzten eine staatliche Approbation zu verleihen. Nach einer sehr lebhaften Besprechung, bei welcher auch die Gründung einer Zahnkünstler-Jnnung ausführlich behandelt

endlich nach längerem Zögern Vertreter zu dem Kongreß entsandte, erwies es sich, daß dieselben keine Vollmacht zum Vertragsabschluß hatten. Der Vertrag kam aber am 9. Oktober 1874 auch ohne Madame la France zustande, Frankreich mußte schließlich sein Schmollen aufgeben und trat ein Jahr später mit Gültigkeit vom 1. Januar 1876 dem Vertrage bei. Die Wahrheitsliebe zwingt uns übrigens, hinzuzufügen, daß Frankreich, dessen damaliger Finanzminister Löon Say sein Land aus der selbstgewählten Isolierung herausriß, seitdem eines der eifrigsten Mitglieder des Welt­postvereins geworden ist.

Das Wachstum des Vereines, der schon bei seiner Gründung 22 Staaten mit einem Areal von 37 Millionen Quadratkilometer und 350 Millionen Einwohnern umfaßte und sich auf Europa, Egypten, die Vereinigten Staaten von Nordamerika und kleinere Teile Asiens und des nörd­lichen Afrikas erstreckte, war ein überraschend schnelles, ebenso wie dasjenige seiner geschäftlichen Manipulation, welche, auf dem Briefaustausch aufbauend, anfänglich nur Briefe, Postkarten, Drucksachen, Zeitungen, Warenproben und Geschäftspapiere umfaßten. Zur Zeit des zweiten Post- kongresses 1878 in Paris war durch Beitritt anderer Länder, unter denen auch das aufstrebende Japan sich befand, das Vereinsgebiet bereits auf 67 Millionen Quadratkilometer mit 750 Millionen Einwohnern gewachsen und 18 bezw. 16 Vereinsländer verpflichteten sich auf demselben zum Aus­tausch von Wertbriefen und Postanweisungen. Die Pariser Konferenz von 1880 brachte die Ausdehnung des Verkehrs zwischen 22 Ländern auf Postpackete bis zu 3 Kilo, ein Gewicht, welches auf dem Kongreß zu Lissabon eine Erhöhung auf 5 Kilo erfuhr, wobei gleichzeitig der internationale Postauftragsdienst bis zu 1000 Franks beschlossen wurde. Das Verkehrsgebiet umfaßte damals 83 Millionen Quadrat­kilometer mit 848 Millionen Einwohnern.

Im Jahre 1895 endlich waren es bereits 102 Millionen Quadratkilometer mit 1035 Millionen Einwohnern, welchen über 220000 Postanstalten zur Verfügung standen. Be­fördert wurden im Jahre 1892 nicht weniger als 16821 Millionen Sendungen, darunter 7824 Millionen Briefe, 6611 Millionen Drucksachen und Warenproben, 1760 Millionen

wurde, kam man zu dem Beschluß, den Verein in feiner seitherigen Gestalt unter dem Namen Verein hessischer Dentisten bestehen zu lassen, als ein Glied des über ganz Deutschland ausgebreiteten Centralvereins deutscher Zahn- künstler. Um aber die Frage für Ausbildung der Gehilfen und der Einrichtung von Fachkursen näher treten zu können und innerhalb des Großherzogtums an einer größeren ge­werblichen Organisation festen Anschluß zu finden, wurde beschlossen, daß der Verein dem Landesgewerbeverein als korporatives Mitglied beitrete.

_ ** Das mit dem 1. Januar 1900 im Großherzogtum Hessen in Kraft tretende Gesetz über den Urkundenstempel bringt recht einschneidende Aendemngen: Aerzte und Apotheker zahlen außer einer Gebühr von 40 Mk. für Staatsprüfung und Zeugnis 10 Mk. für den Approbationsschein; für Be­urkundung des Austritts aus Kirche ober Religionsgemein­schaft erhebt der Staat 6 Mk. Stempel, Jahreskarten für öffentlich ausgestellte Automaten und Musikwerke kosten 10 bis 40 Mk. und bei besonders leistungsfähigen Instrumenten kann die Abgabe bis auf den zweifachen Betrag erhöht werden; Jahreskarten für Automobile werden gegen Erlag von 5 bis 50 Mk. ausgegeben. Für Gestattung einet Be­erdigung in privaten Begräbnissen beträgt der Stempel 10 bis 300 Mk. Beglaubigung einer Unterschrift kostet 1 Mk., beim Ortsgericht wie seither 20 Pfg. Bei Charakter­erteilungen kostet der Stempel 50 bis 300 Mk. Befreit sind davon die Staatsdiener und die Personen, denen vom Großherzog die Taxe erlassen ist. Die Legitimationskarte für reichsinländische Handlungsreifende stellt sich auf 5 Mk., für ausländische auf 25 Mk. Für Luxuswagen und Luxuspferde sind jährlich 20 Mark zu entrichten. Die Radfahrkarte ist mit jährlich 5 Mk. bewertet. Pacht- und Mietverträge, Mobiliarversteigerungen, Bau- und Lieferungsverträge, Kreditverträge, Schuldverschreibungen aller Alt, Schuldversprechen, Schuldanerkenntnisse und Ab­rechnungen unterliegen einem Stempel von 10 Pfg. von jedem angefangenen 100 Mk. des Wertes, für Vollmachten ist eine Gebühr von 2 Mk., für Generalvollmachten bei einem Wert des Vollmacht-Gegenstandes von 50,000 bis 100,000 Mk. eine solche von 20 Mk. und bei einem Wert über 100,000 Mk. hinaus von 40 Mk. zu entrichten. Wechselproteste erheischen einen Stempel von 2 Mk. und bei Wechselbeträgen über 2000 Mk. einen solchen von 3 Mk. Man sieht, die Steuerschraube wird in Hessen kräftig an­gezogen.

§ Aus dem DivifionSmanöver im Vogelsberg, 19. Sept. Das gestrige Divisionsmanöver der 49. Jnfanteriebrigade, bestehend ans den Regimentern Nr. 115, 116 und 118 gegen die 50. Jnfanteriebrigade, die aus den Regimentern Nr. 117 und 118 besteht, fand in dem südwestlichen Teil der Gemarkung Ruppertenrod statt. Recht ungünstiges Wetter begleitet die Vogelsberger Manöver. Der verflossene Samstag glich ganz dem unvergeßlichen Manöverwetter der Kaisermanöver, die vor zwei Jahren in der südlichen Wet- teran stattgefunden. Die Divisivnsmanöver nahmen ihren Anfang am verflossenen Freitag in der Gegend östlich von Ulrichstein. Die 49. Brigade kam aus der Umgegend von Lauterbach, die 50. hatte Ausstellung auf der Straße von Ober-Seibertenrod nach Ulrichstein genommen und rückte dann ostwärts vor. Bei Eichenrod kam es zum Zusammen­treffen der Divisionen. Die Truppen rückten an diesem Tage in die Biwaks. Am Samstag entspann sich das Ge­fecht bei Ulrichstein. Terrassenförmig lagerten die Schützen­linien dem Ulrichsteiner Schloßberg hinan. Den anrückenden Feind konnten die 117er und 118er so wirksam beschießen.

Postkarten, 42 Millionen Briefe mit Wertangabe, 307 Millionen Postanweisungen, Postaufträge und Nachnahmen und 276 Millionen Packete. Mit der Erschließung und dem völligen Anschlüsse Chinas an den Verein wird derselbe den ganzen Erdball umfassen.

Aus der Zahl der Briefe, welche pro Kopf der einzelnen Staaten befördert werden, läßt sich ein interessanter Rück­schluß auf den Bildungsgrad und die materielle Entwickelung der einzelnen Staaten machen. Es entfallen auf den Kopf der Bevölkerung in: England 52,8, Vereinigte Staaten 46,5, Schweiz 30,6, Deutschland 26,4, Belgien und Niederlande 19,3, Frankreich 16,9, Oesterreich Ungarn 10,3, Italien 6,1, Japan 4,3, Rußland 1,5 und Britisch-Jndien 0,9 Briefe. Die Schweiz nimmt hierbei wegen ihres Fremdenverkehrs eine Ausnahmestellung ein, die ihr eigentlich nicht zukommt, und Deutschland erscheint nur deswegen erst an vierter Stelle, weil sein ungeheuer entwickelter Telephonverkehr zwischen 800 mit Berlin telephonisch verbundenen Städten Hunderte Millionen von Briesen unnötig macht.

Der Weltpostverein ist übrigens noch lange nicht an der Grenze seiner Leistungen. Eines der wichtigsten Probleme, die von ihm noch zu losen sind, ist die Schaffung einer internationalen Postsparkasse. Die diesbezüglichen Anträge sind bisher nur deswegen abgelehnt worden, weil die ver­schiedenen Währungs- und Münzverhältniffe einen sehr komplizierten Apparat erforderlich machen, werden aber zweifelsohne früher oder später in Erfüllung gehen. Das­selbe gilt von der Einführung einer überall gültigen Welt- Postmarke. Dieselbe ist ein unabweisliches Bedürfnis, umsomehr als der zur Antwort bestimmte Teil einer inter- nationalen-Weltpostkarte mit Antwort schon heute ein Post­wertzeichen ist, welches von jedem anderen Lande befördert werden muß, also gewissermaßen schon eine Weltpoftkarte mit allgemeiner Gültigkeit darstellt.

Neben den greifbaren materiellen Vorteilen, welche der Weltpostverein bietet, darf man übrigens auch nicht die wertvollen Unfchätzbarkeiten vergessen, welche darin liegen, daß der Verein um die ganze Menschheit ein Band schlingt und sie zu einem Weltbürgertum in edlem Sinne vereint. Darin liegt der fruchtbare Keim und die Saat für die Zukunft.

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