Ausgabe 
21.7.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

meister, Seine Königliche Hoheit der Großherzog, der Staats­minister und die Minister der Justiz und der Finanzen, die General- und Flügeladjutanten, die nicht funktionierenden Hofchargen. Bei Eintritt des Zuges in den Saal erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. Der vorantretende Dienst begab sich auf die linke Seite des Thrones. Die Fouriere nahmen zu beiden Seiten am Thronhimmel Stel­lung. Der Staatsminister, die Minister der Justiz und der Finanzen und der Seiner Königlichen Hoheit dem Groß­herzog nachfolgende Dienst stellten sich zur Rechten des Thrones.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hielten von dem Throne eine Anrede an die Stände folgenden Wortlauts:

Meine Herren Stände!

Bei dem Schluffe des XXX. Landtags fühle Ich Mich gedrungen, Ihnen persönlich Meinen Dank für die mühe­volle angestrengte Thätigkeit auszusprechen, mit welcher Sie sich den Angelegenheiten des Landes gewidmet haben. Zahl­reicher wie auf früheren Landtagen waren die Aufgaben, die Ihnen gestellt gewesen und viele derselben haben durch Bedeutung und Umfang Ihre Mitwirkung in ganz beson­derem Maße in Anspruch genommen. Seien Sie darum Meiner warmen Anerkennung für die Hingebung versichert, mit welcher Sie sich der Erfüllung Ihrer landständischen Pflichten unterzogen haben.

Durch Bewilligung reichlicher Mittel haben Sie es Meiner Regierung in dankenswerter Weise ermöglicht, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens den erhöhten An­sprüchen, welche unsere Zeit stellt, gerecht zu werden. Für das Unterrichtswesen, für Hebung von Landwirtschaft, Han­del und Gewerbe haben Sie in richtiger Erkenntnis der gesteigerten Bedürfnisse namhafte Summen zur Verfügung gestellt.

Zu besonderem Danke fühle Ich Mich verpflichtet, daß Sie durch Genehmigung des Besoldungsgesetzes und der Besoldungsordnung den lang gehegten Wunsch der Staats­beamten nach Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse erfüllt haben.

Die Aufgabe Meiner Regierung wird es sein, sobald es die Mittel des Landes erlauben, auch den berechtigten Wünschen der Volksschullehrer auf Besserung ihrer Ver­hältnisse gerecht zu werden.

Daß Sie den Kirchen die Möglichkeit gewährt haben, eine entsprechende Erhöhung der Gehalte der Geistlichen anzubahnen, ist von Mir dankbar empfunden worden.

Es hat Mir zu hoher Befriedigung gereicht, daß Sie die durch die bevorstehende Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs veranlaßten Gesetzentwürfe mit besonderem Ent­gegenkommen und mit vollster Würdigung der hochbedeut­samen Aufgaben erledigt haben, welche von der Landes­gesetzgebung im Anschlüsse an das von Mir freudig begrüßte nationale Gesetzgebungswerk zu lösen waren.

Mit gleich lebhafter Befriedigung hat es Mich erfüllt, daß über die Gesetzentwürfe zur Durchführung einer Reform des Staatssteuerwesens noch in letzter Stunde eine Ver­ständigung zwischen Ihnen und Meiner Regierung, wenn auch nur infolge eines weitgehenden Entgegenkommens der Letzteren, herbeigeführt worden ist. Im Interesse des Zu­standekommens des großen Reformwerks habe Ich keinen Anstand genommen. Meine Zustimmung hierzu zu erteilen, da Ich von der Durchführung der lange ersehnten Reform eine wesentliche Förderung der gedeihlichen wirtschaftlichen Weiterentwickelung Meines geliebten Landes erhoffen zu dürfen glaube.

Mit dieser Hoffnung entlasse Ich Sie, Meine Herren Stände, in Ihre Heimat und zu Ihrer gewohnten Be­schäftigung und erteile Ihnen zugleich die Versicherung Meines fortdauernden landesfürstlichen Wohlwollens.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog verließen hiernach in Begleitung Allerhöchst Ihres Dienstes in der nämlichen Ordnung wie beim Eintreten den Thronsaal.

Der Staatsminister übergab sodann die Ausfertigung des Landtags-Abschieds dem Präsidenten der Ersten Kammer der Stände. Der Präsident brachte das Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog aus und hiernach erklärte der Staatsminister auf Allerhöchsten Befehl Seiner König­lichen Hoheit des Großherzogs den Landtag für geschlossen.

D. Ztg.

Deutsches Keich.

Berlin, 19. Juli. Aus Athen wird derVossischen Zeitung" geschrieben: Bei Besprechung der freundschaftlichen und herzlichen Beziehungen, welche sich wieder zwischen der griechischen Kronprinzen-Familie und der Kaiser-Familie an­geknüpft haben, berichtet die ZeitungAsty", daß bereits bei den vorjährigen Besuchen des Kronprinzen Konstantin in Deutschland der Kaiser diesem sein Bild geschenkt habe, unter das er eigenhändig die griechische Niederschrift gesetzt hatte: El«; xotpovoc earw, etc ßaatXeu;. Zu deutsch: Einer nur soll Herrscher sein, einer nur sei König. (Ilias 2, 204/5. Der Vordersatz lautet: Oux apz^öv -rcoXuxotpaviT): Nimmer frommet Vielherrschaft.)

N.k.0. Der Kaiser hat die ganze Fahrt nach dem Industrie Gebiet, die für den 3. und 4. August in Aussicht genommen war, aufgegeben und mit seiner Stell­vertretung bei der Hafeneinweihung in Dortmund den Prinzen Friedrich Leopold betraut. Es kann nicht fehlen, daß hieraus allerlei Schlüsse auf das weitere Schicksal der Kanalvorlage werden gezogen werden. Man erinnert sich, daß kürzlich die Meldung verbreitet wurde und nicht auf Widerspruch stieß, Minister Dr. v. Miquel habe Herrn v. Lucanus gebeten, den Kaiser zu bestimmen, die Kanalfrage auf eine gelegenere Zeit zu vertagen. Ginge der Kaiser nach Dortmund, so würde er auch nicht umhin können, sich zur Kanalfrage zu äußern, dies wäre dann von den Kanalfreunden stark ausgenutzt worden. Wenn hinterdrein das Abgeordnetenhaus oder das Herrenhaus den

Kanal abgelehnt hätte, wäre der Kaiser nach Ansicht der Kanalsreunde engagiert. Die Auflösung sei denn nicht zu vermeiden. Es kommt noch weiter hinzu, so wird erzählt, daß der Kaiser von Transaktionen mit dem Centrum sehr wenig wissen wolle, nachdem die Wahlen in Bayern dort für das Centrum eine absolute Mehrheit ergeben haben. Wenn die Verabschiedung der Kanalvorlage nur durch Kon­zessionen an das Centrum zu erreichen sei, so bleibt nichts übrig, als zu warten, bis eine günstigere politische Kon­stellation eintrat. Dies ungefähr ist die Meinung von Kreisen, welche in der Regel gut orientiert sind. Daß auch andere Gründe für die Aenderung der Pläne des Kaisers maßgebend gewesen sein können, muß von vornherein zu­gegeben werden. Morgen dürfte sich mehr darüber sagen lassen.

Berlin, 19. Juli. Nach einer Meldung aus Geeste­münde ist heute in den dortigen Hafen das französische KriegsschiffIbis" eingelaufen.

Berlin, 19. Juli. Wie aus Warmbrunn (Schlesien) gemeldet wird, sind infolge heftiger Gewitter in Schlesien bei Neinerz, Tarnowitz, Sagan und Liegnitz zahlreiche Personen vom Blitz erschlagen worden. Ebenso wüten zahlreiche Feuersbrünste in der ganzen Provinz infolge von Blitzschlägen. Ueberall ist der Ernteschaden groß.

Den Helden des altenIltis". Die Be­satzung des neuenIltis" hat auf dem einsamen Kirchhof am Südost Promentory zum Andenken ihrer Kameraden vom altenIltis" am 1. Juni, wie derOstasiatische Lloyd" meldet, eine einfache schlichte Feier veranstaltet. Der Kommandant, sämtliche Offiziere und Deckoffiziere mit Ausnahme der Wachthabenden, ein Landungszug von 18 Matrosen mit Gewehr und Seitengewehr und alle dienst­freien Leute begaben sich an Land. Am Strande begrüßte sie der Wärter des Leuchtturmes, Herr Schwelp, der seiner­zeit den Schiffbrüchigen des altenIltis" so aufopfernde Dienste geleistet hatte." Die Offiziere und Mannschaften marschierten sofort zum Friedhof. Vor dem Denkmal, das hochragend die Mitte des Kirchhofes schmückt, wurde der Landungszug aufgestellt, daneben die kleine Musikkapelle des Schiffes. Im Halbkreis standen die anderen Leute, davor die Offiziere.Stillgestanden!" Ernst und bewegungslos lauschten alle den tiefempfundenen, markigen Worten des Kommandanten.Nunmehr da wir an diesem Orte unseren gebliebenen Kameraden vom altenIltis" die schuldige Ehrung erweisen", führte dieser etwa aus,hat erst recht eigentlich die Thätigkeit des neuenIltis" begonnen, hat er den altenIltis" erst abgelöst. Kaiser und Vaterland, die Landsleute hier draußen in Ostasien und die hier ruhenden Toten blicken auf uns und verlangen von uns, daß wir uns als der Tapferen würdige Nachfolger erweisen. Im Namen der Besatzung des neuenIltis" gelobe ich an dieser Stelle, daß Not und Gefahr uns nicht anders finden sollen, als die Helden, die hier zur letzten Ruhe gebettet sind." Darauf gab der Kommandant den Befehl, drei Salven über die Gräber zu feuern. Kurze Kommando­worte ! Weithin hallende Schüsse! Die ersten Salven, die den Toten gefeuert wurden. Der neueIltis" dem alten. Die Musik setzte ein, alles nahm die Mützen ab, und aus kräftigen Männerkehlen klang es über die stille Stätte, das Flaggenlied, dasJltislied", welches sie einst ins Donnern der Wogen hinausgesungen hatten, das ihren Ruhm brau­sender der Welt verkündete, als der Sturm rauschte, der ihr Schifflein zerbrach. Leider sind die Anpflanzungen von japanischen Kiefern auf dem Kirchhof wieder eingegangen, dagegen haben sich Monatsrosen herrlich entwickelt. Es ist jetzt in Aussicht genommen, auf sämtlichen Gräbern Monats­rosen zu pflanzen. An der Mauer sollen rings herum Eichenhecken gezogen werden. Auch wird die ganze Fläche des Kirchhofs mit Nasen bedeckt werden. Weniger freundlich sehen die jetzigen Holzkreuze aus, die die letzten Ruhestätten derJltis"-Helden kennzeichnen. Es ist schon angeregt, sie durch Marmorsteine zu ersetzen, für welche die Kosten durch Sammlungen unter den Offizieren des Kreuzergeschwaders aufzubringen vorgeschlagen ist.

Das deutsche Lepraheim in Memel, welches am Donnerstag in Gegenwart des Kultusministers Dr Bosse, des Oberpräsidenten Grafen Wilhelm v. Bismarck und zahl­reicher Aerzte feierlich eingeweiht werden wird, erhält be­reits am Samstag seine ersten Kranken. Es sind dies im Ganzen elf Personen beiderlei Geschlechts. Ein 17jähriges Mädchen, das bereits seit seinem vierten Lebensjahre leprös ist, befindet sich gegenwärtig im Kreislazareth zu Memel und wurde daselbst vor einigen Tagen konfirmiert; die anderen zehn Patienten waren bisher in der Universitäts klinik zu Breslau untergebracht. Als Pflegerinnen sind zwei Diakonissinnen aus Königsberg angestellt worden. Das Heim liegt völlig entlegen vor der Stadt und ist mit einer geschlossenen hohen Einfriedigung umgeben, so daß also nie­mals ein Fremder einen Aussatzkranken zu Gesicht bekommen wird. Diese Maßnahme ist wegen der hohen Ansteckungs­gefahr des Aussatzes erforderlich gewesen.

Ernennung. Der Geheime Ober-Regierungsrat und vortragende Rat im Ministerium des Innern Herr von Philipsborn ist zum Regierungspräsidenten in Hildesheim ernannt worden. Herr von Philipsborn war einige Zeit Hilfsarbeiter im Finanzministerium. Nach kurzer Beschäftigung bei den Regierungen zu Aachen und Stettin war er längere Jahre bei dem Oberpräsidium der Rheinprovinz zu Koblenz thätig und seit 1891 als vor­tragender Rat im Ministerium des Innern beschäftigt. Im Jahre 1894 wurde er zum Geheimen Ober-Regierungsrat befördert. Er hat die formelle Fassung des so kräftig ab- gelehnten Vereinsgesetzes samt seiner famosen Begründung auf dem Gewissen.

Der Mittellandkanal. In Gegenwart des Herzogs Ernst Günther von Schleswig-Holstein hat die schleswig-holsteinsche Landwirtschaftskammer eine Kundgebung gegen den Mittellandkanal mit großer Mehrheit beschlossen;

es wurde eine vom Grafen Rantzau angeregte Resolution angenommen, in der das Abgeordnetenhaus aufgefordert wird, dem Mittellandkanal den sogenannten Nordkanal vor­zuziehen.

Zeugnisse über Herkunft und Reinheit der Weine. Bei der Sachverständigen-Beratung im Februar im kaiserlichen Gesundheitsamte zu Berlin über die Abänderungsbedürftigkeit des Weingesetzes ist von mehreren Seiten zur Sprache gebracht worden, daß von Gemeinde­behörden, Bürgermeistern und Handelskammern über die Herkunft und Reinheit der Weine zuweilen Bescheinigungen ausgestellt werden, welche die wünschenswerte Zuverlässigkeit vermissen lassen. Das bayerische Staatsministerium des Innern hat Erhebungen angestellt. Nach dem Ergebnisse der letzteren sind in Bayern besondere Mißstände der ge­dachten Art bis jetzt nicht zu Tage getreten. Hieran an­schließend ist in einer Entschließung des genannten Ministe­riums bemerkt:Sowohl im Interesse des ehrlichen Wein­handels, als auch im Interesse der Konsumenten, ferner zur Wahrung des eigenen Ansehens der betreffenden Behörden und Organe wird stets darauf zu sehen sein, daß dieselben in der Ausstellung fraglicher Zeugnisse nicht über ihre Zu­ständigkeit hinausgehen und im übrigen mit größter Sorg­falt und Gewissenhaftigkeit verfahren. Andernfalls besteht die Gefahr, daß durch solche Atteste unlauteren Geschäfts­gepflogenheiten im Weinhandel Vorschub geleistet wird. Die Aussteller der Zeugnisse werden deshalb vor jeder Bestä­tigung eine genaue Prüfung des Sachverhalts vorzunehmen haben und nur dann die nachgesuchte Bescheinigung aus­stellen dürfen, wenn sie die Gewißheit haben, daß damit kein Mißbrauch getrieben werden kann, und wenn sie für die Richtigkeit der bezeugten Thatsachen unbedingt eintreten können. Vorsicht erscheint um so mehr geboten, als die Feststellung der wirklichen Sorten und Unverfälschtheit des Weines bekanntlich mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist."

Frankfurt a. M., 19. Juli. Aus guter Darmstädter Quelle vernimmt dieFranks. Ztg.", daß gegen den Land­gerichtsdirektor in Pension Küchler nunmehr wegen Ver­gehens gegen den § 211 der Konkursordnung ein Straf­verfahren eingeleitet worden ist.

Aus Abbas-Tuman telegraphiert man der Tägl. Rundsch.": Am 6. Juli (alten Stils) als am 9. Tage nach dem Ableben des Großfürsten-Thronfolgers wurde seine sterbliche Hülle in feierlichem Zuge aus dem Palast in die, eine Werst entfernte Kirche getragen. Der Trauerzug, in welchem der Großfürst Nikolaus Michajlo­witsch, das Gefolge des verstorbenen Großfürsten und zahl­reiche Würdenträger einherschritten, und welchem sich eine große Volksmenge anschloß, traf gegen 11 Uhr an der Kirche ein. Großfürst Nikolaus und die Würdenträger ge­leiteten den Sarg in das Innere der Kirche, wo er ans einer mit tropischen Gewächsen geschmückten Erhöhung unter einem Baldachin Aufstellung fand. Nunmehr wurde eine feierliche Seelenmesse celebriert. Am 8. Juli (alten Stils) früh morgens geht der Trauerzug nach Borshom ab. Die Beerdigung des Großfürsten-Thronfolgers Georg findet am 26. Juli statt. Der Zar fährt der Leiche am 22. Juli nach Moskau entgegen.

MPC. Der Gang der Dinge in Transvaal bestätigt die Nichtigkeit unserer Auffassung, daß es zu einem Krieg der Engländer gegen die Buren nicht kommen werde. Beide Teile sind geriebene Geschäftsleute. So lange es geht, suchen sie sich zu Übervorteilen. Es braucht aber nur ein Dritter zu kommen und Miene zu machen, als würde er gern eine alte Rechnung begleichen, so finden die ge­schäftlichen Gegner einen modus vivendi. Wer aus dem jetzigen Streite Englands und Transvaals Vorteile für sich herauszuschlagen versuchte, mag für heute unerörtert bleiben. Thalsache ist, daß die deutsche Regierung es nicht gewesen ist. Sie hat sich von Anfang an durchaus neutral und somit vollständig korrekt verhalten. Ultra posse nemo obligatur, dies Wort gilt auch in diesem Falle.

Ausland.

Wien, 19. Juli. Das Gerücht von einem bevorstehenden Wechsel in der Wiener Nuntiatur wird dementiert.

Palermo, 19. Juli. Der Aetna ist in vollem Aus- bruch, sodaß die Ansiedler flüchten müssen.

Paris, 19. Juli. Die Begnadigung des im Ge­fängnis schwer erkrankten Arto'n steht unmittelbar bevor.

Paris, 19. Juli. La bori ist mit seiner Familie nach Rennes abgereist, wo er bis nach Beendigung des Prozesses bleiben wird. Diese Umsiedelung von Dreyfus' Anwalt wird dahin ausgelegt, daß der Prozeß länger dauern wird, als bisher angenommen wurde.

Paris, 19. Juli. Zola wird sich in den nächsten Tagen nach Rennes begeben, um dem Prozeß gegen Dreyfus beizuwohnen.

London, 19. Juli. DieTimes" melden aus Apia: Oberrichter Chambers überreichte den Spezial-Kommissaren der Vertrags-Staaten seine Demission. Er dürfte sich bereits auf der Rückreise nach Amerika befinden.

Transvaal. Die Sitzung des Volksrats scheint endlich eine annehmbare Lösung gebracht zu haben. Zwar fehlt noch der genaue Wortlaut der nunmehr feststehenden Reform des Wahlrechts, allein man scheint in Pretoria den Ge­danken aufgegeben zu haben, die jetzt im Lande ansässigen Ausländer in Stufen abzugliedern, um zu verhindern, daß mit einem Male eine beträchtliche Anzahl nichtburischer Wähler zur Ausübung des vollen Bürgerrechts zugelassen werde. Die Bestimmung, daß diejenigen Ausländer, die bereits sieben Jahre im Lande ansässig sind, das volle Bürgerrecht gleich nach der Veröffentlichung des Gesetzes erhalten sollen, wird voraussichtlich allem Hader ein Ende machen. Die Times schreibt heute morgen, die Richtigkeit der Meldung über den gestrigen Beschluß des Volksrats vorausgesetzt, könne die Krisis als beendet angesehen werden.