Ausgabe 
21.4.1899 Erstes Blatt
 
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Freitag den 21 April

Erstes Blatt.

Amts- unb Anzeigcblatt für den TLreis (Riefelt.

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heute die Anträge Reinecke (freikons.) und Arendt zur Be­ratung Der erstere Antrag will die Regierung zu einer Neuregelung des Volksschul-Unterhaltungspflichten dahm auffordern, daß diese Unterhaltungspflichten allgemein den bürgerlichen Gemeinden und Gutsbezirken auferlegt werde«. Der Antrag Arendt verlangt einen Gesetzentwurf dahm, daß zur Beseitigung der bestehenden Härten die äußere Ver­waltung der Volksschulen, insbesondere deren UnterhaltungS- i lasten in gerechterer Weise geregelt, aber zugleich der ko«. I fesstonelle Charakter der Schule sowie die Rechte der Eltern

und Gemeinden aufrecht erhalten und gesichert werden. I« Laufe der Debatte wurde vom Abgeordneten Seydel (natl.) der Antrag auf Kommissionsberatung dieser Anträge eiu- gebracht; derselbe wurde in namentlicher Abstimmung ab- gelehnt. Der Antrag Reinecke wurde gleichfalls abgelebt, während der Antrag Arend zur Annahme gelangte. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. Auf der Tages­ordnung steht der Gesetzentwurf betr. die Dienststellung der

I Kreisärzte und die Bildung von Sanitäts-Kommisfionen.

Berlin, 19. April. Der Plan der diesjährigen I Flottenmanöver ist, wie man derT. R" schreibt, I festgestellt. Das erste Geschwader benutzt den Zeitraum bis

Ende April zu Einzelübungen, die in Geschütz- und Tor- I pedoübungen bestehen. In den nächsten Tagen sind die

Schiffe mit größeren Geschützübungen beschäftigt, aus welche» Anlasse neben dem kleinen KreuzerHela" eine Flottille von Privatdampfern als Tag- und Nachtdienst dem Ge­schwader als Tender beigegeben ist. Den Monat Mm füllt, wie bereits gemeldet, die Frühjahrsreise nach Lissabon aus.

I Nach Rückkehr von dieser Fahrt haben die Schiffe bis zum I 4. Juni Ruhepause, welche zur Ergänzung der Kohlen- und I Proviantvorräte dienen wird. Am 5. und 6. Juni findet I das erste Schießen von je zwei Schiffen auf Stollergrund I statt; es wird in Gegenwart des Vize-Admirals Thomsen

ausgeführt. Für den 7. und 8. Juni ist die Inspizierung der Besatzung derBayern" undBaden" in Einzelaus- I bildung angeordnet. Am 9. und 10. Juni schließt sich das I Schießen von zwei weiteren Linienschiffen, dergleichen am I 12. und 13. Juni an. Eine Minensuchübung in Vcrbin- I düng mit der Torpedoflottille, die in ruhigem Gewässer zur I Ausführung kommt, soll nach der Inspektion der ersten Di­

vision in der Zeit vom 19. bis 20. Juni zur Ausführung I kommen. Die Schiffe der Brandenburg-Klasse nehmen zu I dieser Zeit ihre Dockungen in der Kieler Werft vor. Die

Kieler Woche, welche vom 22. Juni bis zum 2. Juli dauert, I dient als Ruhepause. Am 3. Juli dampft das Geschwader I im Verein mit der Torpedoflottille durch den Großen Belt

«treffe für Depeschen: Anzeiger ftUftau Fernsprecher Nr. 51.

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ächzet zu sorgen.

Abg. Bassermann (nl.) spricht für seinen Antrag, mlhirr die Gleichstellung der Werkmeister mit den Hand- ll^Kgehilfen in Bezug auf die Kündigungsverhältuiffe be- Biifüt. Zur Vorlage übergehend, bemängelt Redner, daß iilönzug auf die Gesindevermietung speziell hinsichtlich der Kuffibestimmungen zu viel der Partikulargesetzgebung über- Ärm sei. Halte man überhaupt Strafbestimmungen für rtir, fo empfehle sich doch jedenfalls der reichsgesetzliche , ....

(Der Reichskanzler betritt den Saal). Für angezeigt übergeben worden, und es wird nunmehr mit der Ausführung

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Ker heWhe Kmdwirt Mütter für hessische Volkskunde. _________

Vereins statt.

Berlin, 19. April. Die 9. Kommission des Reichstags zur Vorberatung des Invaliditäts- Vers ich erun g sg esetzes fuhr heute in der zweiten Lesung der Vorlage fort. Die §§ 17 bis 23 wurden erledigt und die Weiterberatung auf morgen vertagt.

Berlin, 19. April. Auf dem Terrain für die Welt- Ausstellung in Paris ist am 13. ds. dem Reichs- Kommiffar Dr. Richter der Platz für das deutsche Re­präsentationsgebäude seitens der Ausstellungsleitung amtlich

Aezugipret» vierieljührlich

2 Mart 20 PI» monatlich 75 Pf», mit vriogerioh».

Bei Postbezug 2 Mart 50 Pf», viertel fthrttch.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. April. Zur gestrigen Frühstückstafel beim Kaiserpaar waren geladen Fürst und Fürstin Anton Radziwill und Oberst v. Schwartzkoppen. Heute mittag um 1 Uhr fuhr der Kaiser nach dem Pots­damer Bahnhof, um sich nach der Wartburg zur Jagd zu begeben. , r ,r

Berlin, 19. April. Der Kaiser hörte heute früh vor seiner Abreise nach der Wartburg die Dorträge des Staats­sekretärs v. Bülow und des Hausministers v. Wedel. Auf dem Potsdamer Bahnhofe nahm der Kaiser noch die Vorträge des Kriegsministers v. G oßl er und des Ministers v. d. Recke sowie auf der Fahrt nach Halle den Vortrag des Chefs des Civil-Kabinetts v. Lukanus entgegen.

Berlin, 19. April. In Gegenwart der Kaiserin und der Königin von Württemberg fand heute unter dem Vorsitz des Staatsministers v. Hoffmann die 33. General­versammlung des Vaterländischen Frauen-

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nach der Nordsee. Auf dem Wege nach Helgoland werden vom Geschwader und der Torpedoflottille gemeinsam taktische Hebungen ausgeführt. Am 8. Juli ist die Flotte vor Hel­goland versammelt. Die großen Schießübungen und Minen­versuche beschäftigen die Schiffe in der Zeit vom 9. bis 20. Juli. Die Torpedoboote führen eine dreitägige Sonder­schießübung aus und dampfen durch den Kaiser Wilhelm- Kanal nach der Ostsee. Eine große Minensuchübung bei Wilhelmshaven fällt in die Tage des 21. und 22. Juli, hieran schließt sich eine Bunkerung der Flotte. In der Zeit vom 24. bis 26. Juli sollen interessante Festungskriegs­übungen stattfinden. Am 27. Juli wird der Rückmarsch von der Elbe um ©tagen nach Kiel angetreten. Die Er­ledigung des letzten Teils des gefechtsmäßigen Torpedo­schießens fällt in die Tage des 1. bis 3. August. Die zweite große Ruhepause ist vom 4. bis 10. August vorge­sehen. Diejenigen Schiffe, welche im Juni nicht dockten, verholen in die Werft. Am 11. August findet die Kanal- paffage nach der Nordsee statt, wo die Herbftübungen statt- finden.

Berlin, 19. April. Samoa. Von der deutschen Plantagengesellschaft der Südsee-Jnseln wird bestätigt, daß Hufnagel bereits am 4. d. M. an Bord S. M. S.Falke" abgeliefert worden ist. Heber die gleichlautenden In­struktionen, welche die drei Mitglieder der Samoa-Kom­mission von ihren Regierungen erhalten haben, will die Kabelkorrespondenz" folgendes Nähere erfahren habe«: Nach Ankunft der Kommission auf der Inselgruppe wird sie die Regierung übernehmen. Die Konsuln, der Ober­richter und der Gemeindepräsident werden vorläufig chr Amt weiter ausüben, jedoch unter der Aufsicht der Kom­mission und als deren Beamte. Die Kommissare werden zunächst die Entscheidung über die Königswahl einer ge­naueren Untersuchung unterziehen, und danach, unter Be­rücksichtigung der Wünsche der Bevölkerung, eine Regierung auf den Inseln schaffen, welche den Ausbruch fernerer Un­ruhen unmöglich macht. Die Errichtung ständiger stärkerer

Meßmer Anzeiger

General-Anzeiger

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Staatssekretär Gras Posadowsky fährt anläßlich I einer Aeußerung des Vorredners aus, daß auf dem Gemete I auch des Theateragentenwesens schwere Mißstände bestünden, I wie überhaupt auf dem Gebiete des Stellenvermittlerwesens, so daß hier eine Regelung unerläßlich fei. Gegen den 8 Uhr-Ladenschluß bestehe großer Widerspruch, man thue daher gut, den Handelsgehilfen mit etwas sanfteren Mitteln I zu helfen. Statt der Maximalarbeitszeit empfehle sich eine I Minimalruhezeit. Persönlich glaube er, daß der Antrag I Bassermann keinen Bedenken unterliege. Anders liege Die Sache mit dem Antrag Heyl. Die Vorschläge desselben I betr. Arbeiterschutz in Werkstätten der Hausgewerbetreibenden dürften zum Teil nicht durchführbar fein. Die Sonntags- ruhe sei überdies schon jetzt auf diese Werkstätten aus- dedehnt. Einen eigentlichen Heimarbeiter könne man aber unmöglich zwingen, am Sonntag zu ruhen; auch könne er gar nicht überwacht werden. Gestern habe sich hier em Sturm erhoben; weil die Hausschlachtungen kontrolliert werden sollten. Heute verlange man, die Polizei solle das gesunde Wohnen und die gesunde und ausreichende Be- i köstigung überwachen. Solche Vorschläge könne er, der Staatssekretär, nicht ernst nehmen. r

Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) wendet sich gleichfalls gegen die Heyl'schen Vorschläge. Mit der Vorlage erklärt I Redner sein volles Einverständnis; dieselbe könne man ganz gut ohne Kommissionsberatung annehmen.

Abg. Pfannkuch (Soz.) sieht die Vorlage als bloße Abschlagszahlung an, zu der man greife, um den fort­währenden Angriffen wegen Stillstands der Sozialgesetzgebung wenigstens irgend etwas entgegensetzen zu können. Vorlage und Antrag Heyl befriedigten weder Arbeitgeber, noch Arbeitnehmer. Seine, Redners, Partei werde sich be­mühen, die Vorlage zu verbessern. Die Gewerbeaufsicht müsse auf Hausindustrie und Handwerk ausgedehnt und auf Arbeitskammern aufgebaut werden. Auch das Einführen einer Maximalarbeitszeit müsse gefordert werden. Unzuläng- I lich seien die Bestimmungen zu Gunsten der Handlungs- I gehilfen in offenen Ladengeschäften.

I Abg. Jacobskoetter (kons.) sympathisiert mit der I Vorlage und wendet sich gegen die weitergehenden Forder- I ungen des Vorredners. Zur Abstellung der Mißbräuche I bei der Heimarbeit seien feine Freunde bereit, mitzuwirken, ob man aber da werde über die Vorlage hinausgehen können, sei ihm noch unklar. Den Antrag Heyl lehnten seine Freunde I ab, weil er zu weit gehe.

Abg. Pauli (Antis.) protestiert gegen zu viel Polizei- I aufsicht im Gewerbe und stimmt der Vorlage zu unter Ab- I lehnung der darüber hinausgehenden Forderungen.

I Nächste Sitzung: Morgen 1 Uhr. Fortsetzung der Debatte.

Schluß nach 51/* Uhr.

B er Arbeitsordnungen für die großen Warenhäuser, des Gebäudes unverzüglich begonnen werden, damit die jfate- Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf die Haus- rechtzeitige Fertigstellung in jedem Falle gesichert ist.

1 Berlin, 19. April. Im Abgeordnetenhause standen

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Amtlicher I

Bekanntmachung, ti «reifenb: * Die Ernennung des Großh. Rentamtmanns I ' Dexheimer zu Gießen zum Obereinnehmer der I Obereinnehmerei Mainz. I

S S wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß | «ch Verfügung Großh. Ministeriums der Finanzen, Ab- I .«ilanc für Steuerwesen, der Großh. Steuerasseffor Boß I n Gießen vom 16. If. Mts. an mit der interimistischen I iHwcltung des Rentamts Gießen beauftragt worden ist. I

Gießen, den 19. Avril 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________v. Bechtold.____________I

Gießen, den 17. April 1899.

. Dachend: Die Vertilgung der Raupennester.

Großherzogliche Kreisamt Gießen an Me Orotzh. Bürgermeiftereieu bezw. Lokal- polizeibeamteu des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vorn B6. Öetbruar I. IS. (Gießener Anzeiger Rr. 42) noch nicht i wlspnochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.

'____________ v. Bechtold.___________________

y?ise, Jakob, Sergeant 8. Komp. Jnf.-RegtS. 135, . |((iDrrn 8. Oktober 1870 zu Lich, Kreis Gießen, evangelisch, . Fcki! arbeiter, wird aufgefordert, sich spätestens in dem auf : >,n l August 1899, vormittags 10 Uhr im hiesigen Militär- iWnchtSlokal (Militär-Arresthaus) anberaumten Termine tiajuf. nben mit der Warnung, daß die Untersuchung im M des Ausbleibens geschloffen wird, der Abwesende für | i Deserteur erklärt und zu einer Geldstrafe von 150 bis BO») Mark verurteilt wird.

Diedenhofen, den 12. April 1899.

Kaiserliches Kommandanturgericht.___________

Deutscher Reichstag.

69. Sitzung vom 19. April. 1 Uhr.

TageS-Ordnung: Erste Lesung der Novelle zur «riv crbeordnung. Neben einer Reihe minder wesent­liche Bestimmungen enthält dieselbe namentlich eine Dor- jjtrifi:, welche die Stellenvermittler und Gesindevermieter der Ulli«'ssionSpflicht unterwirft (Artikel 3 der Vorlage). Ferner tfcijjt ein Artikel 6 Bestimmungen zum Schutze der Kon- s'Mns.Arbeiter und Arbeiterinnen, besonders auch in Bezug oj Mitgabe von Arbeit nach Hause. Ein Artikel 8 betr. V>. Schutz der Angestellten im Handelsgewerbe, Vorschriften itr Nuhezeit, Zulassung von Anordnungen über Zeit des LOevischlusses, sofern diese von mindestens 2/s der beteiligten ' GshLftsinhaber einer Gemeinde beantragt werden 2c.

In Verbindung hiermit werden zur ersten Beratung !^lll a) ein Antrag von Heyl und Genossen betr. wArbeiterschutz in Werkstätten der Hausgewerbetreibenden, sftie die Arbeitszeit der weiblichen Angestellten in Laden- g^öiften und Schank- und Gastwirtschaften; sowie b) ein «trag Bassermann und Genossen zur Gewerbeord-

§ 133, betr. Kündigungsverhältuiffe bei den gewerb- Itiicu Arbeitern, Werkmeistern, Technikern.

8bg. Heyl v. Herrnsheim (nl.) vermißt in der YMe u. a. Bestimmungen über Krankenversicherungspflicht Ä: Heimarbeiter. Unzulänglich seien auch die bestehenden Ruf Triften der §§ 135 bis 139 der Gewerbeordnung zum Xiit^e der Arbeiterinnen in der Konfektionswäsche. Redner «rsiiehlt sodann seinen Antrag und betont schließlich noch w Notwendigkeit, namentlich für die weiblichen Angestellten inofijenen Verkaufsstellen durch Vorschriften für eine Mindest-

Irennerei .

l. Wtn etc. Ho/L Hamburg «itnTautltfttiWe i. sachgaMMtHit^ »t langjährig teti gldchm^t a 9*n an Muh icht.

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