Ausgabe 
20.10.1899 Erstes Blatt
 
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1899

Freitag den 20 October

Erstes Blatt.

Nr. 247

Anrts- und 2lnzeigeblntt fut? den ICreU Gieren.

Kreisamt Gießen.

Großh.

v. Bechtold.

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mit Brtngerlohn.

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Schutstraße Ar. 7.

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burger Kaiserrede anders aufzufasien, als eine, übrigens ehrenwerte Kritik in öffentlichen Blättern insgemein gelhan hat. Die Anredeedle Herren der Kirche" hatte einen ironischen Beigeschmack. Natürlich redete der Kaiser nicht, wie wir sonst in der öffentlichen Debatte thun, so im Stil diplomatischer Höflichkeit. In undiplomatisches Deutsch übersetzt, war sein Gedanke wohl dieser: Ihr hohen Herren von der römischen Kirche, nehmt Euch in acht und laßt von den Wühlereien gegen Kaiser und Reich. Bedenket, daß nicht die Kirche Christi, nicht das Reich Gottes, wohl aber Euer Reich, Eure Kirche dem überall gegen sie an- I brandenden Zeitgeist gegenüber in Deutschland lediglich auf dem Halt und Schutz ruht, den die Staats- und Reichs- qewalt Euch durch außerordentliche Ehrungen und Begünstigungen gewährt!" (So verstanden, war die kaiserliche Rede von tiefer Wahrheit.) ,

Wie aus Brüssel gemeldet wird, haben sich sett gestern die Arbeiten der Gesandtschaft derart gehäuft, daß die Abreise des vr.Leyds nachBerlin verschoben werden mußte. ______

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Uolbskunde.______________

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Deutsches Reich.

Berlin, 18. Oktober. Der Kaiser fuhr heute morgen 71/, Uhr vom Neuen Palais nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche in Potsdam und legte am Sarge Kaiser Friedrichs einen Kranz nieder. Um 8 Uhr trat der Kaiser mit Gefolge von der Station Wildpark aus die Reise nach Hamburg an, woselbst die Ankunft heute nachmittag 1 Uhr erfolgte. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister fuhr der Kaiser nach der Wohnung des preußischen Ge« sandten. An dem Frühstück, welches gleich nach dem Em- treffen in der Gesandtschaft stattfand, nahm auch der General- Oberst Graf Waldersee teil. Sodann besichtigte der Kaiser den Kreuzer Falke und wohnte dem Stapellauf des Linien­schiffes B. bei und kehrte zum Gesandten Grafen Wolff Metternich zurück. Abends 7 Uhr beabsichtigte der Kaiser an einem Diner am Rathause teilzunehmen und um 10 Uhr die Rückreise nach Berlin anzutreten.

Berlin, 19. Oktober. Ueber die Ansprache des Kaisers in Straßburg andie edlen Herren der Kirche" ist schon manches gute Wort gesagt worden. Aber kems ist treffender, als was Professor Beyschlag (Halle) in feinen Deutsch-evang. Blättern" soeben zum besten giebt. Er glaubt, die Anredeedle Herren der Kirche" ironisch ver­stehen zu müffen. Nach längerer Ausführung schreibt der kundige Ausleger:Das alles bestimmt mich, die Straß-

Bekanntmachung,

betr.: Maul- und Klauenseuche.

Wegen der immer noch starken Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in unserem Kreise und den benachbarten Kreisen und insbesondere wegen der in Gießen selbst in einem Gehöft herrschenden Seuche muß der auf den 24. u. 28. d. Mt6. itt Gieße« festgesetzte Viehmarkt verboten werden.

Gießen, den 17. Oktober 1899.

Kskitrs and PrornnMes.

Gießen, den 19. Oktober 1899.

** Geschichtskalerrver. (Nachdruck verboten.) Vor 72 Jahre», am 20. Oktober 1827, wurde die türkisch ägyptische F^tte tm Hase» von Navartn von den Engländern, Franzosen. und Russen an» fltnvff n. Schüss-, die v elle.cht zufällig von türkische, Seite auf bas englische Admiralsschiff fi len, gaben das Signal zum Kampfe. Nach vier Stunden war die Flotte der Osmanen vernichtet.

*» TaS Herbstwetter macht große Fortschritte. Die Tage werden nicht nur mit Macht kürzer, sondern, abgesehen von wenigen Stunden über Mittag, auch schon empfindlich kalt. Allenthalben hat man schon Nachtfröste beobachtet, und der Reif, den man bei Sonnenaufgang über die Felder aus- qebreitet liegen sieht, kann keinen Zweifel mehr darüber bestehen lassen, daß der Winter mit schnellen Schritte» näher kommt. Trotzdem darf man nun nicht gleich dar warme Zimmer für den einzigen angenehmen und gesunden Aufenthalt ansehen, was bezüglich der Kinder von so viele» Eltern gern geschieht. Ist die Sonne hoch genug empor­gestiegen, sodaß man ihrer Wärme froh wird, dann sollen auch die kleineren Kinder, die durch den Schulbesuch noch nicht an der freien Ausnutzung des Tages gehindert sind, ins Freie geschickt werden. Muß die Kleidung entsprechend der Jahreszeit auch schon etwas wärmer ausgewählt werden, so geht es ohne dicke Wintermäntel und schwere Halstücher

Kehwer Anzeiger

Heneras-Anzeiger

Ausland.

Wien, 18. Oktober. Die Eröffnung des Reichs­rates verlief programmgemäß. Die Wahl des Präsidenten Dr. Fuchs wurde ohne besonderen Zwischenfall vorge­nommen. Nur die Schönerer-Gruppe protestierte gegen die­selbe. Graf Clary hielt namens der neuen Negierung seine Programmrede, in welcher er das neue Ministerium als ein vollkommen neutrales bezeichnete, welches sich die Auf­gabe gestellt habe, die parlamentarischen Zustände wieder herbeizuführen. Die Rede Clarys wurde von den Jung­tschechen fortwährend lärmend unterbrochen, dagegen an vielen Stellen von der Linken beifällig begrüßt. Unter den von der Regierung eingebrachten Vorlagen befinden sich auch die Aufhebung des Zeitungs- und Kalender-Stempels. Nachdem die Abgeordneten Dr. Bück und Dr. Nappaport eine längere Interpellation wegen der Polnaer Mord- affaire und der wegen dieses Prozesses von den Antisemiten eingeleiteten Judenhetze eingebracht und verlesen hatten, wurde die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. Die Parteien der Linken einigten sich dahin, einen gemeinsamen Antrag auf Aufhebung des § 14 der Verfassung einzubringen. , ,,

Rom, 18. Oktober. Mehrere Mächte beschlossen, Militärbevollmächtigte in das englische Haupt­quartier in Südafrika zu entsenden. Die englische Re­gierung hat dazu ihre Einwilligung gegeben.

Paris, 18. Oktober. Die Untersuchungskommission 1» der Komplottaffaire wird ihre Arbeiten morgen oder spätestens übermorgen beendet haben.

London, 18. Oktober.Daily Chronicle" melden aus Wien, daß die Trauung der Erzherzogin Stephanie mit dem Grafen Elemer Lonyay in London am 22. November stattfindet. Dagegen verweigerte Kaiser Franz Joseph die Bewilligung zu einer Vermählung des i Thronfolgers mit der Gräfin Sophie Chotek.

Bekanntmachung,

betr.: Erweiterung des Bahnhofs Gießen; hier: Ent­eignungsverfahren.

Zur Fortsetzung der am 18. Oktober l. Js. unter­brochenen Verhandlungen, insbesondere auch zur Verpflichtung und Jnstruierung der Sachverständigen, Einsichtnahme an Ort und Stelle, Vernehmung der Beteiligten u. s. w. gemäß Art. 34 und 35 des Enteignungsgesetzes vom 26. Juli 1884 ist Tagfahrt auf

Gamstag, 28. Oktober l. Js., vormittags 9 Uhr im Regierungsgebäude dahier, Brandplatz Nr. 9, anberaumt worden.

Die Beteiligten werden hierzu unter Wiederholung der in der Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen vom 20. September 1899 (Kreisblatt Nr. 222) angedrohten Nechtsnachteile geladen.

Gießen, den 18. Oktober 1899.

Der Vorsitzende der Lokalkommission.

Frhr. Schenck._________________

Bekanntmachung,

betr.: Maul- und Klauenseuche zu Hungen.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche zu Hungen völlig erloschen ist und die angeordnete Desinfektion ftattgefunden hat, wird die Sperre der verseuchten Gehöfte und der Ge­markung wieder aufgehoben.

Gießen, den 19. Oktober 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gieße».

v. Bechtolds____________________

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Erscheint 1ägki<6 mu AuSnadmk drS Montag».

Gießener AamllieavtLlter »erbt* btm Anzeiger wüchmNich viermal beigelegt.

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Aouahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den felynfcen Tag rrfcheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

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Amtlicher Kett.

Gießen, den 17. Oktober 1899. Betr.: Müllerei Berufsgenossenschaft.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au das Großh. Polizeiamt Gieße« und die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemetudeu desKreiseS.

Wir benachrichtigen Sie, daß für den Bezirk des Kreises Gießen Herr Mühlenbesitzer Hch. C. Zimmer in Grünberg als Vertrauensmann und Herr Mühlenbesitzer Daniel Christ in Lollar als dessen Stellvertreter für die Zeit vom 1. Oktober d. Js. bis dahin 1901 gewählt worden sind, und daß der Geschäftsführer der rubr. Be­rufsgenossenschaft Herr Val. Feldmann in Frankfurt a. M., Moselstraße 29 als Beauftragter gemäß des § 82 des Unfalloersicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 für den Bezirk der Sektion XL bestellt worden ist.

v. Bechtolds

Bekanntmachung.

Nachdem das Erlöschen der Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Babenhausen und Klein-Eichen (Kreis Schotten) festgestellt worden ist, ist die s. Zt. ange­ordnete Ge mar kungS sperre wieder aufgehoben worden.

Für einzelne Viehbestände, bei welchen eine genügende Desinfektion noch nicht durchgeführt ist, wurde Stallsperre angeordnet.

Gießen, den 14. Oktober 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________v. Bechtold.____________________

Bekanntmachung.

Der Vortrag in Oberhörgeru über Molkereiwesen und Gründung einer Molkerei am Sonntag dem 22. Oktober muß wegen eingetretener Verhinderung des Herrn Direktor Dr. v. Peter auf Gouutag d-u L2. November v.J.

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verschoben werden. Die Herren Bürgermeister von Ober- I Hörgern und Umgebung werden um Bekanntmachung im I Orte ersucht.

Gießen, den 19. Oktober 1899.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins.

I. V.: Boeckmann. ____ ______ I

Vom Kriegsschauplatz.

London, 18. Oktober. Der deutsche Reichspostdampfer Kaiser" hat die für Transvaal bestimmten 4000 Kisten I Munition in Port Said ausgeladen, um die I Beschlagnahme derselben durch britische Schiffe im Roten Meere zu vermeiden. Auf demKaiser" sollen sich auch deutsche Offiziere befinden, welche nach Transvaal gehen.

London, 18. Oktober. Die Buren lagen in der Nacht von Montag zu Dientag in der Nähe van Glencae. Die Kalanne des Generals Jaubert steht in der Nähe van Dannhauser und bewegt sich langsam nach dem Süden. Die Buren sind durch die Besetzung van New-Castle in den Besitz beträchtlicher Vorräte gelangt.

London, 18. Oktober. Hier verlautet, daß der Prä- I sident Krüger eine Circularnote an die Mächte richten werde, in welcher er seine Haltung rechtfertigen wird.

London, 18. Oktober. DieTimes" melden, die vom Parlament verlangte Summe für die Ereignisse in Südafrika werde ungefähr 10 Millionen Pfund betragen. Dieselben werden nicht als Kreditvotum gefordert, sondern als Supplement zum Armee Etat.

Loudon, 18 Oktober.Daily Mail" berichtet, daß die englischen KreuzerPhilomene" undTartar" beauftragt sind, alle Dampfer, welche sich auf den südafrikanischen Gewässern befinden, nach Kriegs-Kontrebande zu durchsuchen. Dasselbe Blatt erfährt, daß der eingeborene Häupt­ling Bunia seine Streitkräfte zusammenzieht, angeblich um die Buren anzugreifen.

London, 18. Oktober. Der Kriegsminifter ver- I öffentlichte heute morgen folgende Note: Seit der Note, I welche der Presse am Dienstag mitgeteilt wurde, hat sich I in Südafrika kein ernster Zwischenfall er- I eignet. (??) Alle diesbezüglichen Meldungen der Blätter I sind daher mit Vorsicht aufzunehmen.

London, 18. Oktober. Amtlich wird die Meldung, daß I die Buren bei Mafeking eine Niederlage er» I litten, dementiert. Vor Mafeking befinden sich 9000 Buren. I Die englischen Vorposten sind zurückgedrängt worden. Mafe- I fing ist vollständig isoliert. Für morgen wird das Resultat I des Angriffes auf Mafeking, welcher gestern begonnen hat, I erwartet.

Kapstadt, 18. Oktober. Aus Harrysrnith eingetroffene Flüchtlinge erklären, daß der Vanreenenpaß groß- I artig befestigt sei. Die gesamten Truppen des Oranje» I freistaats an der Grenze werden auf 11000 Mann ver- I anschlagt Diese befinden sich mit 12 Kanonen bei Dann- I Hauser. _____________________________