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Sonntag den 20. August
weites Blatt
Amts- und Anzeigeblatt für den Atreis Gieren.
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Oratisbeüagrn: Gießener Familienblätter, Der hessische Kmdwirt, Dlätter für hessische Uslkskunde.
Adresse für Depeschen: Aurelger Fernsprecher dir. 51.
Das „belagerte Haus in Paris.
Bekanntlich hat sich der Antisemitenführer Gusrm mit
und schon kündigte sich das gewaltige, unvergleichliche | Naturschauspiel an, dessen wir in Kürze teilhaftig werden
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und wird hier regelrecht belagert. Wir führen unsern Lesern das „belagerte" Haus, und in einem besonderen Bilde den
Ne»»g-prei» vierteljährlich
2 Mark 20 Pstz monatlich 75 Pfz mit Brmgerloh».
vei Postbezup R Mark 50 P^.
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IV.,
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einen der Sile zu
Gießener Anzeiger
General-N^eiger
VolMsche Wochenschau.
Selbst arge Pessimisten haben wohl kaum erwartet, daß das Resultat der Abstimmung im preußischen Abgeordnetenhause über die grundlegenden Paragraphen der Kanalvorlage so negativ ausfallen würde. Wir haben hier freilich erst vor einigen Tagen die Anschauung vertreten, daß das Schicksal der Vorlage fortgesetzt recht ungewiß sei, und daß auch die Dortmunder Rede des Kaisers daran nichts geändert habe. Es ist eine alte Erfahrung, daß sich politische Gegensätze viel leichter ausgleichen lassen als solche aus wirtschaftlicher Basis beruhende, und man hat eben bet der Kanalvorlage die Industrie als begünstigt, die Landwirtschaft aber als geschädigt hingestellt. Auch jetzt wieder hat sich das Zentrum als rettender Engel gezeigt und dem Gesetzentwürfe eine dritte Lesung ermöglicht. Em Prognostl- kon zu stellen für den Ausfall derselben, ist nicht angebracht, da in letzter Stunde noch gewaltige Anstrengungen gemacht werden, um doch noch etwas brauchbares aus der Vorlage zuwege zu bringen. Es wäre sehr zu, bedauern, wenn das große, reiflich durchdachte Werk auch nur um eine Session verzögert würde. Ehe wir die Frage erörtern, ob für den Fall der desinitiven Ablehnung des Regierungsentwurfs eine Auflösung des Abgeordnetenhauses erfolgt, wollen wir lieber die Ereignisse abwarten. Jedenfalls hat die Regierung, wie wir hören, bereits am Freitag alle Eventualitäten erwogen und sich über ihre Stellungnahme schlüssig gemacht.
Daß unter den obwaltenden Umständen die Krisen- qerüchte nicht verstummen, ist erklärlich, und nach wie vor beschäftigt man sich mit der Person des Herrn v. Miquel. Aus einem Passus seiner am Donnerstag gehaltenen Rede will man den Schluß ziehen, daß der Minister sich mit Rücktrittsgedanken trage. Er sagte nämlich, er werde seine Finanzpolitik verfolgen, wenn er noch Minister bleibe. Welchen Sinn aber Herr v. Miquel diesen Worten beigelegt
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Jmatra! Welche unvergeßlichen Eindrücke und Erinnerungen knüpfen sich an dieses Wort! Der erste Anblick des berühmten Jmatra-Wasserfalles brachte mir zwar eine gewisse Enttäuschung; entsprach doch das Bild, das ich mir von ihm gemacht, schon deshalb nicht der Wirklichkeit, weil er mir in der Vorstellung stets als Wasserfall, ähnlich dem Niagara, erschienen war, und sich nun als Stromschnelle auswies. Dann aber, als ich die ungeheueren Naturkräfte durch eigene Anschauung kennen lernte, die hier walteten und mich in ihren Bannkreis zogen, schlug die Enttäuschung in Staunen, in Bewunderung um.
Man spricht gewöhnlich von mehreren Jmatra-Fallen. Das ist richtig, aber auch unrichtig. Der Wuoksen, der, aus dem Saima-See kommend und in den Ladoga-See sich ergießend, etwa 80 Meter unterhalb des Niveaus seines Ausflusses mündet, bildet allerdings in der Nähe von Jmatra mehrere Fälle oder Stromschnellen, für den Besucher kommt aber doch nur als einzig dastehendes Schauspiel der eigentliche große Jmatra-Fall in Betracht. Etwa 5»/, Kilometer vom Austritte des Wuoksen aus dem Saima-See verengt sich das Flußbett; die Felsenufer treten zunächst auf eine Entfernung von etwa 200 Meter zusammen und verengen sich bann plötzlich zu einem Zwischenräume von kaum 45 Meter, so daß es aussieht, als hätten hier die Wasser des Flusses, überreich vom Saima-See gespeist, die Felswand durchbrechen müssen. Gleichzeitig senkt sich das Flußbett in diesem Engpässe plötzlich in einer Lange von 300 Metern um etwa 20 Meter und dann nochmals um weitere 20 Meter in einer fast ebenso langen Strecke. In diesen Engpaß nun jagen die Wasser kochend, brodelnd, schäumend und tosend hinein, stürzen übereinander, bäumen sich wild empor, rasen, als wollten sie die tannenbewachsenen Uferfelsen zersprengen, und verlieren ihre Wildheit erst, nachdem sie unten im breiten Flußbette angelangt sind, und nun pfeilschnell auseinander- und roeiterftromen. Von der Größe und Gewalt dieser Wassermassen in der Stromschnelle von Jmatra kann man sich erst ein rechtes Bild machen wenn man bedenkt, daß hier durch eine Felsenschlucht von nur 300 Meter Länge und 45 Meter Breite — die Tiefe hat noch jemand ermeflen - stündlich 67 764 600 Kubiksnß Wasser gejagt werden ! Dagegen sind die Wassermasien des
Nach etwa zweistündiger Fahrt auf dem Saima-Kanale aufwärts erreichten wir den Rättijärwi, einen großen See, dessen Ufer schon einen wilderen Anblick bieten. Heber diesen See fuhr dann der Dampfer zum gegenüber liegenden Waldesufer, wo die Ausschiffung stattfand. Hier erwarteten große, leicht bedeckte, zweispännige Diligencen, ähnlich den deutschen Kremsern, die Reisenden. Wie stiegen ein, mm/ bestens zehn Personen in ein Gefährt, unb fort ging es auf einer schmalen, granitenen, ungemein glatten Chaussee in den Wald hinein. Die Vegetation war spärlich, Tannen, Fichten und Birken bildeten den Wald, nur vereinzelt waren andere Bäume sichtbar. Die Fahrt, die eine gute halbe Stunde währte und zum Teil bergan ging, führte an Gehöften finnischer Bauern vorüber, kleinen, einstöckigen, dunkelrot gestrichenen Blockhäusern, vor denen die flachs- haarigen, barfüßigen Kinder der Bewohner die Jmatra- Besucher erwarteten, um ihnen in höchst aufdringlicher Weise Blumen, Waldbeeren, gewaltige rohe Spazierstöcke aus geschältem Wachholderholz und primitive Spielsachen, finnische Handarbeit aus Tannenhölzchen, zum Kauf anzubieten, und so lange neben den Wagen einherzulaufen, bis sie ihre Ware an den Mann gebracht hatten.
Als wir noch mitten im Walde waren, ertönte plötzlich ein fernes Brausen, das bald näher zu kommen, bald zu verschwinden schien, dann aber immer stärker wiederkehrte. Als wir erstaunt aufhorchten, und einander fragten, was dieses Brausen wohl zu bedeuten habe, wandte sich der finnische Bauer, der die Pferde lenkte, leutselig um und rief nur das eine Wort: „Jmatra!" Wir waren min- bestens noch sechs Kilometer von unserem Zielpunkte entfernt, | Niagara das reine Kinoer,piei.
Feuilleton.
Das „Land der tausend Seen". Reise-Erinnerungen von Erwin Sauer.
(Nachdruck verboten.)
III.
Jmatra.
fiunländischen Walde. — Der JmatraWafserfall. — Ein Hotel im Norden. — Erster Eindruck der Stromschnelle. — Dämonische Gewalten. — Der Jmatra im Winter. — Die Reise eines Baumstammes durch die Stromschnelle. — Ein Bär itt Jmatra. — Kunstschöpfungen der rasenden Waffer.
Die Umgebung des Jmalra-Falles.
letzte ^ebenen, 6108
Die Kultur hat sich natürlich dieses imposanten Naturspieles bemächtigt, nicht um es der Industrie nutzbar zu machen, denn der Menschengeist hat noch nichts ersinnen können, um diese elementare Gewalt in seine Dienste zu bannen, wohl aber, um die Schaulust der Menschen auszubeuten. Als wir anlangten, hielt unsere Diligence vor einem stattlichen zweistöckigen Hotel im Schweizerstile. ftackte Kellner, deren. Begrüßungsworte im Tosen des noch immer unsichtbaren Wasserfalles erstarken, empfingen uns und führten uns in unsere Zimmer. Ich entledigte mich meines Reisegepäckes und eilte dann, brennend vor Ungeduld, hinaus, um den Fall in Augenschein zu nehmen.
Es war etwa 5 Uhr nachmittags. Die Sonne stand noch hell am Himmel und beleuchtete das interessante Bild, das sich mir bot. Durch hübsche Anlagen gelangte ich ans User und blieb bestürzt zwischen den Tannenbäumen, die es einrahmen, vor dem primitiven Holzgitter stehen, als ich den weißschäumenden Hexenkessel Plötzlich wenige Schritte vor mir sah und sein betäubendes Getöse mir tu die Ohren qellte. Die ganze Luft schien feucht, mieten einem feinen Sprühregen erfüllt; hoch empor in weißen Schaumsaulen schnellten die Wasser in die Luft hinein und stürzten wieder herab, von neuen Säulen abgelöst, in Windeseile, rascher als das Auge ihrem Entstehen und Stürzen zu folgen vermochte. Daneben wieder schienen die Wassermassen sich m unabsehbaren Tiefen zu verlieren, in denen sie kegelförmig nach unten zugespitzte Kessel bildeten, deren Wände kreisten, daß es den Augen schwindelte. Längs dem Ufer führten die Stufen einer primitiven Holztreppe hinab bis zum Ende des Falles, wo ein offenes Tempelchen mit einem runden Dache und einfachen Sitzbänken zum Niederlasfen einlud. Etwa in der Mitte der Stromschnelle war von dem einen Ufer zum anderen in beträchtlicher Höhe em festes Drahtseil gespannt, an dem ein großer Korb mit Mei Stühlen für je zwei Insassen hing — für Neugierige, bu den Mut hätten, 5 sich über den Fall ziehen und seine Sprühregen über sich ausschütten zu lassen. ,
Ich ging an dieser Vorrichtung vorüber und nahm unten im Tempelchen Platz; vor mir dehnte sich, allmählich ansteigend, der ganze Wasserfall aus, em Bild, das sch mir unauslöschlich eingeprägt hat. Das Gefühl, das m^ch ergriff und beherrschte, war dasjenige tieffter Nieder geschlagenheit und Ohnmacht; wie klein kam ich mir mit meiner winzigen Kraft gegenüber den Naturgewalten vor die ihr gewaltiges Spiel der Vernichtung
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