Sonntag den 20. August
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
Alle AnzrigeN'BrrmittlungSsteSen bei In- und Au»lanb«L nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Zchntllraße Zlr. 7.
De Bruder säumt sich aach net lang; De Lärm zur Kardeschlägern drang, Säi kam an's Fenster unn debei Krisch se nach Hilf unn Bollezei.
Die Mädcher sinn nach haam geflicht'; — Versteert unn blaß deß Aagesicht, So käme se de Dhier erei Gespenstergleich beim Lampeschei.
Unn mäuschestill ging's dann in's Bett;
Im Draam umschwebt ehr Lagerstätt En Besemstiel, der uff se kloppt!
So morde se im Draam gefoppt.
Wäi se dann Morgens frieh erwacht, Da warsch geschehe iwwer Nacht Daß zu ehrm allergreeßte Schreck En Besemstiel lag uff de Deck.
Etz hatte se de Schnuppe los!
Ehr Bruder warsch! Das beese Oos! — Zwar warn se sehr uff'n erbost, Doch gawe se sich gleich de Trost:
No, unser Häg, däi Hammer drinn Unn däi zwölf Batze, däi sinn hinn;
Waß nutzts noch, wammer sich beschwert: Die Wahrheit Hammer doch geheert!
Carl Geißler.
Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den felgrabe« tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
halten, ebenso wie ihre Damen meinen, daß die Pariser Stoffe unerreichbar seien. Der Schneider allerdings hat in diesem Falle kein Interesse daran, seine Kunden über ihren Irrtum aufzuklären, denn sein Verdienst ist so unverhältnismäßig höher. Noch weniger wird er ihnen sagen, daß seine englischen, der neuesten Mode entsprechenden Tuche vielfach aus Deutschland nach England kamen und deutsche Ware sind, unter englischer Marke, ebenso wie die duftigsten und glänzendsten Pariser Gewebe hier in unfern Rheinlanden entstanden.
Bekannt ist ja die Geschichte von jener Fabrikantenfrau, welche die Stoffe zu ihren Roben aus Paris bezog, während sie diese direkt aus dem Lager der Fabrik ihres Mannes hätte erhalten können, der sie dorthin ausführte. Man sieht, wie stark der Einfluß des Vorurteils gegen deutsche Stoffe ist. Den Nutzen davon hat also das Ausland und der deutsche Zwischenhandel, den Schaden aber tragen unsere Produzenten und Konsumenten. Dabei nimmt der deutsche Tuchfabrikant erfolgreich im Auslande, und nicht am wenigsten in England selbst und in seinen Kolonien, den Wettbewerb mit dem englischen auf; ja, es giebt Spezialitäten in dieser Industrie, worin der englische Fabrikant weit zurückbleibt. In einer Beziehung übertreffen sogar, abgesehen von größerer Billigkeit bei gleicher Güte des Gewebes, durchschnittlich die deutschen Fabrikate allen ausländischen Wettbewerb, nämlich in der Echtheit der Farben; ein Blick auf die Ueberlegenheit der deutschen Farbenfabriken wird das jedem erklärlich machen. Der deutsche Käufer sollte sich endlich entschließen, die Erzeugnisse der deutschen Tuchindustrie nach ihrem Werte zu würdigen; er dient damit nicht bloß dem eigenen Vorteil, sondern auch der deutschen Arbeit. Köln. Ztg.
Unn in de Kardeschlägern Haus
Postiert err sich, — es war e Graus! — Im dunkle Hausehrn unn paßt uff Bis jemand kimmt de Trepp eruff.
Lang dauerts net, da klerrt die Dhier
Unn forchtsam bischbelnd tritt efier Deß Mädchepaar unn faßt e Herz; — Doch hiehle se sich an de Scherz.
Madamm Lenormand redd en zu Unn freegt se, wo se drickt de Schuh, Unn hott druff weisheitsvoll verkindt: „Ehr alle Baad' bahl Männer findt'!
Beglickt unn selig legt jed' Maid Sechs Batze hi, unn voller Freud Verlaffe se die Seherin, Unn däi streicht froh ehr Batze iun.
Doch forchtbar wackelig unn schepp War in dem ahle Haus die Drepp, Drum hawe se hibsch sacht gedhaa Unn käme glicklich unne aa.
Erleichdert adheme se uff! .
Da awer ging dersch — nix wär druff! — Uff ehre Buckel, welch' Gefiehl!
Da danzt des Brudersch Besemstiel!
Herrsch! waß Krisch! Schnell wäi de Wind, Warn unser Mädercher geschwind Drauß vor de Dhier unn aus de Gaß Wo jäh geendigt hott ehr Spaß.
»treffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
der Zwetschenbäume sei man besonders besorgt. Daß dem jedoch nicht so ist, das zeigt die Kultur dieser Obstart. Sie dürfte vielfach eine viel bessere sein. Dann würden auch bessere Erträge nicht ausbleiben. Vom Kernobste sind die Birnen besser als die Aepfel geraten, obwohl auch letztere nicht fehlen. Einer guten oder besser gesagt sehr guten Getreideernte, wie wir sie doch in diesem Jahre zweifellos wieder haben, setzt eine darauf folgende gute oder auch nur mittelgute Obsternte die Krone auf.
§§ Aus der Vogelwelt, 17. August. Wenn der Wind durch die Stoppeln geht, dann rüsten unsere Zugvögel zum Rückstrich. Den Reigen eröffnen bekanntlich immer die Turmschwalben. Sie üben ihre Jungen im Fliegen zur großen Reise schon, wenn der Roggen zu bleichen beginnt. Später folgen ihnen unsere Lieblinge, die Haus- und Rauchschwalben. Daß auch in ihnen schon das bald kommende Scheiden dämmert, das zeigen ihre langen Reihen auf den Telegraphen- und Telephondrähten. Wie leicht den dünnen Draht das junge, flügge gewordene Schwälbchen übersieht, das zeigen die nicht selten gefundenen toten Schwälbchen, die sich an dem Drahte den Kopf einstoßen. Die Schwalben haben gut genistet; sie find weniger, wie sonst, von den frechen Spatzen behelligt worden. Daß diese seltener bemerkt werden, liegt wohl an dem Spatzenkriege, den man in manchen Gemeinden geführt hat. Angesichts unserer bald scheidenden Schwalbenscharen erweckt der Gedanke an ihren Massenmord in Italien wirklich Erbitterung. Im Felde ist der Vogelgesang fast verstummt, nur noch der Ruf der Wachtel ist hörbar. Die Rebhühner sind groß und feist geworden. Bald knallt die Jagdflinte hinter den aufschwirrcnden Ketten. Wenn nur der Hühnerschrot nicht krumm aus dem Rohre kommt.
*f Hessische und holsteinische Butter. Von der Frankfurter Landwirtschaftlichen Ausstellung her datiert eine Fehde zwischen den hessischen und den holsteinischen Molkereien, die sich den ersten Rang streitig machen. Neuerdings erklärt der Hessische Landwirtschaftsrat: „Die Thatsache, daß die hessischen Molkereien den schleswig- holsteinischen auf der Ausstellung der Deutschen Landwirt- schafts-Gesellschaft im Juni in Franksurt mit ihrer Butter überlegen waren, wird von der Landwirtschaftskammer für Schleswig-Holstein abzuschwächen oder in Abrede zu stellen versucht. Die genannte Landwirtschaftskammer behauptet, die Angaben über die Ueberlegenheit der hessischen Molkereien an Preisen seien unrichtig, da im ossiziellen Bericht wörtlich steht: „Ordnet man die Ausstellungsbezirke nach der Zahl der in der Butter-Abteilung errungenen Preise, so steht Schleswig-Holstein mit 62 Preisen, das sind 34,4
Made in Germany.
Man hat im Ausland längst die Bezeichnung „made in Germany“ als eine Empfehlung für die damit ausgezeichnete Ware kennen gelernt; nur in Deutschland selbst findet man noch immer die leidige Neigung, ausländische und besonders englische Fabrikate sür solider und besser zu halten. Allerdings kämpft unsere Industrie hier mit Gegnern, die nächst der Dummheit die stärksten dieser Welt sind, nämlich mit alten Vorurteilen und neuen Moden. Und das bedauerliche ist, daß grade unsere großen, den Zwischenhandel vermittelnden Geschäfte wie in anderen Zweigen der nationalen Produktion, so auch hier vielfach der Vorliebe für das Fremde Vorschub leisten.
Es ist vielfach unmöglich, in Deutschland ein neues Tuch- und Seidenmuster einzuführen; es muß erst seine Sanktion in London oder Paris erhalten haben. Solange unsere größeren Geschäfte hier sich nicht ein eigenes Urteil zutrauen und sich für den deutschen Markt danach zunächst fragen, was wohl deutscher Eigenart am besten zusagen würde, so lange wird es bei uns Mode sein — keine zu haben, sondern in lächerlicher Nachäffung hinter London und Paris hinterherzuhinken. ,
Wie fast alle Zweige der deutschen Industrie, so ist auch die Tuchfabrikation seit längerer Zeit ausreichend beschäftigt gewesen; gewiß ein Zeichen ihrer Leistungsfähigkeit, wenn man z. B. an die Zollerhöhungen denkt, mit denen vor einigen Jahren die Vereinigten Staaten von Nordamerika gegen die bedeutende Einfuhr deutscher Wollenware vorgingen. Die Einbuße, welche unsere Tuchindustrre in der That nach dieser Seite hin erlitten hat, wurde ausgeglichen durch die Erschließung neuer Märkte und ferner durch den erhöhten Absatz im Jnlande selbst. Aber es ist gerade der zahlungsfähigere Teil des deutschen Publikums, der noch immer von einer Ueberschätzung der fremden und Unterschätzung der einheimischen Industrie-Erzeugnisse geleitet wird. Bei Eisen- und Stahlwaren ist dieses Vorurteil ja glücklicherweise bereits überwunden; von der Messerklinge an bis zum größten Panzerschiff giebt die Gewißheit ihres deutschen Ursprungs heute jedem die Ueberzeugung von ihrer Güte. Aber auch die deutsche Tuchindustrie setzt ihre Ehre darein, den ausländischen Wettbewerb zu schlagen; und sie ist ebenso berechtigt wie jede andere zu der Annahme, daß das deutsche Publikum sie im Interesse der heimischen Volkswirtschaft in diesem Streben unterstütze. Unsere sogenannte „gute" Gesellschaft aber ist zu diesem Gesichtspunkt, den sie sonst wohl zu würdigen weiß, hier noch nicht vorgeschritten. Doch immer läßt sie sich von dem „feinen" Schneider in dem Glauben von der Ueberlegenheit englischer Stoffe er-
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mtter für hessische Volkskunde.________________
Lokales nnd Provinzielles.
§ Aus dem Ohmthale, 17. August. Im vorjährigen Herbste fehlten bei uns im oberen Ohmthale die Zwetschen gänzlich. Die Grenzlinie der damaligen Zwetschenernte schnitt quer durch die Gemarkung Reiskirchen. Unterhalb dieser Linie brachen an den Zwetschenbäumen die Aeste von dem überaus reichen Früchtebehang. In diesem Jahre hat sich das Blatt gewendet. Die Gegenden ohne vorjährige Zwetschenernte haben nur in diesem Herbste eine reiche Zwetschenernte zu erwarten. Wohl unterscheidet das Auge die Früchte wegen ihrer grünen Farbe noch nicht genau, aber das Senken der Aeste verrät die Schwere der Früchte. Nächst dem Apfel spielt die Zwetsche im Haushalte eine wichtige Rolle. Man sollte deshalb meinen, gerade für das Pflanzen
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Nr. 195 Drittes Blatt
Feuilleton.
Se wenn net all.
Unn in de Sandgaß stann e Haus, Da gings eninn unn gings eraus;
So bahl die Nacht erab sich senkt' Word mancher Schritt dorthi gelenkt.
Do wohnt e Fraa, däi trieb die Kunst Des Kardeschlagens net umsonst. Gestoppte voll warsch jederzeit Doch immer nor von Frauensleut.
Zwaa Schwestern spierte aach de Drang Ze wiffe, ob's noch dauert lang Bis daß de Himmel se erheert Unn en en brave Mann bescheert.
Säi machtes haamlich Mittags aus Am Awend hi ze geh' in's Haus Der Kardeschlegern unn dann dort Ze Heern uff ehr brofedisch Wort.
So leis se sich aach ausgedauscht
So worde se doch schee belauscht, En Bruder von de Meddcher stann In aller Neh unn heerts mit ann.
Er dhat, als hätt' er nix geheert Unn ging dann Awends wohlbewehrt Mit eme kräfd'ge Besemstiel
Zur Sandgaß hi — daß war sei Ziel.
Grschetmt UgCl<6 mit Ausnahme des Montag».
Die Gießener
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Wehener Anzeiger
General-Anzeiger
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Ediich.
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