Ausgabe 
20.6.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1809

Dienstag den 20. Jun!

Zweites Blatt

18H,

ift

vierteljährlich

2 Mark 20 Pf«.

Ulle Anzeigrn-BermittlungSstrllen bei In- und LuslasbeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg»«

«ebtMn, >Expedition und Druckerei:

»lstrahe Kr. 7.

Hetzen, M

[7. Zllni 1899.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hlet«.

Fernsprecher Nr. 51.

Anv wm "'n Anzeigen zu der nachmittags für beit 3te<nbeial<| erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

mit Bringerloh«.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf^ vierteljährlich.

mit IdWbk des «Heult.

Dt«t>Ki<ner »««rtWÄiKitter »erben Anzeiger »bchentttch viermal bitchkgl.

eit*

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische UslKsKunde.

Ipl

a Lankow

X 6to.

tu-

ric.

Mt

-.IS*

Siechen- und Waisenhäusern begründet, sodaß die Mädchen i alles erlernen, was eine praktische Hausfrau kennen müsse. Der Zug der ländlichen Bevölkerung in die Stad e werde immer größer. Wenn man nach der Ursache dieses Vor­ganges frage, dann könne man nicht leugnen, daß die Stadt so manches biete, was das Land nicht bieten könne. Eine Hauptursache der Entvölkerung sei, daß auf dem Lande zu wenig sittliche und edle Vergnügungen stattstnden. Das einzige Vergnügen der ländlichen Bevölkerung se/ die Tanz­musik, die noch vielfach wegen vorgekommener Ausschreitungen I verboten, bisweilen nur einmal im Jahre gestattet werde. In der Zeit des Eisenbahnverkehrs und der allgemeinen Dienstpflicht lernen aber die Landleute die Annehmlichkeiten der Großstadt kennen, und es sei nur ganz natürlich, wenn die Landbewohner sich aus dem im allgemeinen öden Land­leben in die Großstadt sehnen. Es empfehle sich daher, | i anständige, sittliche Vergnügungen auf dem Lande zu schaffen.

Es müssen im Anschluß an historische Lokalereignisse oder patriotische Festtage allgemeine Volksbelustigungen stattsinden, es müssen interessante und belehrende Vorträge gehalten, ja selbst die Landbevölkerung zu Theateraustuhrungen an- aereat werden. Es seien dies alles Dmge, auf die sich die ganze Bevölkerung Wochen und Monate vorher freuen I würde. Dadurch würde das Landleben wieder angenehm und der überhandnehmende Wirtshausbesuch eingeschränkt werden. Bloße polizeiliche Verbote betreffs Erlaubnis zur Tanzmusik können nicht dazu beitragen, der Entvölkerung auf dem Lande Einhalt zu thun. - Pfarrer Traub (Weiler zum Stein) empfahl, da fast tn fedem Dorfe em Krieger, verein bestehe, daß diese die Veranstaltung von Festen m

I die Hand nehmen. Q'

und 1000 Gehilfen. t _

Berlin 17. Juni. Wie derLokal-Anzeiger aus Paris meldet, hat der zweite Sohn des preußischen Finanz Ministers Hans v. Miquel einen Attachs-Posten bei der dortigen deutschen Botschaft angetret^. _ ,

Berlin, 17. Juni. Die gesamte ^nahme an Wechsel­stempelsteuer im Reiche war tm Mai cr. 944851 Mk., die Einnahme im Rechnungsjahre 1899 (ab 1. April) 1 778122,30 Mk., ein Mehr von 121 663,30 Mk. 18981

M.P.C. Der Stand der evangelischen Mission in Deutsch-Ostafrika am Schluffe des Jahres 1898 war folgender: Die 1887 gegründete Station Dar es Salaarn war unbesetzt und wurde vom Missionar Liebau "leninistisch verwaltet. In Kisserawa (1892) waren P HoIft unb ^qu sowie V Liebau. In Maneromango (1895) P. Worms und Frau und P. Peters. In Tanga (1890) P Ostwald und Frau. In Hohenfriedberg P. Wohlrab und Frau und P Johannsen und Frau sowie die Diakonen Meier und Rünnocke; in Bethel (1893) P. Koehl und P. Ruccms und ^rau- in Wuga (1895) P. Lange Heinrich und Frau und , P. Gleiß. Mithin befanden sich auf den sieben StaNmien 11 Missionäre, davon 7 verheiratet und 2 Diakonen. Ein­geborene Gehilfen wurden 13 gezählt, Getaufte tm Laufe

Deutsches Wich.

Darmstadt, 17. Juni. Die Rekonvalescenz Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs schreitet in erfreu­licher Weise fort; das Allgemeinbefinden ist fortdauernd em I recht befriedigendes. m ,

Berlin 17. Juni. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Komturkreuzes 1. Klasse des Großh. Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem General­major z. D. v. Herget in Bonn zu erteilen.

Berlin, 17. Juni. Der Kaiser hat vor ferner Abreise von Berlin eine große Zahl von Veränderungen in den höheren Kommandostellen der Armee vollzogen Es sind u. a. ein General-Leutnant und neun General-Majore in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit Pension zur Disposition gestellt. Ferner sind drei Obersten und zwei Regiments-Kommandeure in Jnaktivität versetzt worden.

Berlin, 17. Juni. Die konservative Fraktion des Reichstages hat heute den Gesetzentwurf zum Schutze Ides gewerblichen Arbeitsverhältnisses beraten, sich mit demselben einverstanden erklärt und beschlossen, Kommissionsberatung zu beantragen.

Berlin, 17. Juni. Der Generalstreik der Maurer, welcher gestern abend proklamiert wurde, ist heute vormittag zur Thalsache geworden. Der Andrang der Maurer zum Streik-Bureau ist em äußerst starker. Die vorläufigen Feststellungen ergeben, daß heute vormittag etwa I 7700 Personen im Ausstande waren, und zwar 6 t 00 Maurer

Schüler 360. Predigtplätze gab es 19.

- Wegen der Zuchthausvorlagc kam es am Donnerstag in einer Versammlung des Berliner -°a»g°U 4-" Arbeiteryereins zu lebhasten Auseinandersetzungen W«

Cbristlichsozialen und Nationalsozralen. Stocker sprach die Erwartung^ aus, daß der Gesetzentwurf nicht angeno^ würde und daß die Sozialdemokratie durch den Entwurf wieder viel stärker werde, da ihr eine Menge Leute aus Opposition dagegen in die Arme gelaufen seien. Man dürfe nicht immer Arbeiterwegung mit Sozialdemokratie m einen ^opf werfen sonst gäbe man ja der Sozialdemokratie tn aller Form das Reckst, sich als die ausschließliche Vertretung der Arbeiterschaft aufzuspielen. Stocker schlug eine Re olutio vor, die eine Ergänzung der Gesetzgebung zum Schutz de aewerblichen Verhältnisses als erwünscht Hmstellte, aber em i besonderes Gesetz hierfür verwirft. Diese Resolution würbe nach Mitternacht angenommen, nachdem sich erne sehr stürmische Debatte über eine von nationalliberaler Seite emgebrachte Resolution entsponnen hatte, den Reichstag zu ersuchen, den Entwurf ohne Umschweife einfach zu begraben.

- DieTägliche Rundschau" schreibt unterm 17. d M s I Die nettem ein gelaufene Samoapost brachte uns außer dem gestern veröffentlichten Stintmungsbild emes ge­legentlichen Mitarbeiters auch zwei hochinteressante-Berichte unseres ständigen Vertreters in Apia, Herrn von Wolffer - dorff, deren einen wir heute auf Seite I mitteilen und der besonderen Beachtung unserer Leser empfehlen, wahrend wir den zweiten, eine Unterredung mit dem vielgenannten Kapttan Hufnagel, am Montag bringen werden. Ueberemstimmend mit dem gestern mitgeteilten Berichte weist auch Herr v. Wolffersdorf die von den deutschen Freisinnsblattern so sehr ausqebeutete Nachricht, der Kommandant S. M. Falke", ^Kapitän Schönfelder, habe unfern Bericht aus Samoa übertrieben genannt, mit Entschiedenheit zuruck. Er schreibt: In der letzten Ausgabe unseres Lokalblattes ist folgendes Telegramm veröffentlicht:Berlin, 27. April. Herr Schönfelder berichtet, daß die Beziehungen zwischen den Offizieren der drei Nationalitäten Britisch, Amerikanisch und Deutsch in Samoa durchaus höfliche und freund­schaftliche seien, aber er tadelt die Deutschen, durch Ver­breitung falscher Gerüchte feindselige Stimmung hervvrzu- rufen." Es ist selbstverständlich, bajj durch eine solche un- erklärliche Behaupiung die schon sehr schlechte Stimmung der hiesigen Deutschen nicht verbessert wurde. Aus osort einqezoqene Erkundigungen hat Korvettenkapitän Schonselder versichert, daß er niemals eine dem ähnliche Behauptung berichtet habe und daß dieselbe nur auf gehässiger engli-her Erfindund beruhen könne. Eine dem entsprechende Mitteilung ist dem hiesigenSamoa Weeklh H-ralir' nut dem Ersuchen um Veröffentlichung zugestellt worden, ob dieselbe Ausnahme gefunden hat, kann erst morgen nach dem Erscheinen des Blattes festgestellt werden.

Pensionierung älterer Richter, der Deutschen Juristenzeitung veröffentlicht: der Berliner Lan - aerichtsrat Dr. Aschrott einen eingehenden Aufsatz über I die Pensionirung älterer Richter. Er hält die untere Alters- arenze von 65 Jahren für zu hoch gegriffen und be ur- wortet daß man len Richtern, die 60 Jahre und darüber alt sind, wenigstens gestatten solle, mit der gewöhnlichen Pension in den Ruhestand zu treten, ohne daß sie den Nach­weis der Dienstunfähigkeit zu erbringen brauchen. Der Verfasser schließt seine Betrachtungen wie folgt: Durch erne derartige Bestimmung würden die Mißstande wenigstens ge­mildert, welche mit der Festsetzung einer scharfen Grenze für die in den Gesetzen vorgeschlagene Vergünstigung ver- Kunden sind. Es würden dann zu unterscheiden fern: a. Richter bis zu 60 Jahren; man verlangt von ihnen die Einarbeitung in die neuen Verhältnisse, falls sie nicht den Nachweis der Dieustunsähigkeit erbringen, b. Richter von 60 bis 65 Jahren; sie können sich ohne diesen Nachweis mit ihren gewöhnlichen Pension zur Ruhe setzen, c. Richter über 65 Jahre; sie erhalten bei ihrer Versetzung in den Ruhestand drei Jahre ihr volles Gehalt weiter und dann ihre gewöhnliche Pension. Die Ausgaben, welche durch eine derartige Erweiterung der Entwürfe entstehen wurden, sind wahrlich keine unerschwinglichen. Der preußische Ent­wurf berechnet die Ausgabe auf 3y2 Millionen Mark; der bayerische auf 63,000 Mk.. also im ganzen für die drei Jahre höchstens 189,000 Mk.; der badische Enwurf erklärte die Mehrbelastung des Pensionsfonds durch die Ruhegehälter kurzweg, ohne irgend eine Summe anzugeben, für eine un­erhebliche, obwohl, was hier hervorgehoben werden mag, d badische Entwurf die Bestimmungen auf die Mitglieder

Oeßen. Silben^ Ung. »old-Reck Portugiesen

LWohlfahrtspflege auf dem Lande. i J mit Nr,Anschluß an die Versammlung der Konferenz der , ^Mentrar* für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen in Stutt- j ar t sind »auch eine Spezialkonferenz für Wohlfahrtspflege '*"liauf det:.-Lande statt. I

Dnb Geschäftsführer des Ausschusses für Wohlfahrts I

am »ahnhoi iflege : «j dem Lande, Redakteur desLand", Heinrich nich mit nn? Sohnm:y Steglitz bei Berlin), wies auf die immer großer , ^'werdei^ Entvölkerung des platten Landes hm. rmmer fl Stork 'her. , Scharen wenden sich die ländlichen Arbeiter den Sloten und Jnduttriebezirken zu. Der Mangel Ahti-bitskräften auf dem Lande sei erne arge Kalamität BOnn l hai H stich darum, der gesamten Landbevölkerung die und K ohlffwbM'flege zu Teil werden zu lassen. Unter Wol)i= sei keineswegs eine Armenpflege zu verstehen.

1 0 J s 'iSbhiüihrtspfleqe bedeute, der Landbevölkerung zu I DLL.. Ifen.i Üt sie imstande sei, sich felbft helfen zu können.

?nte, Lampions. 1 se ii: llfollderlich, überall auf dem Lande Versicherung^ I küch garantien. ssen I zkgon Feuer- und Hagelschäden, Mißernten, fruh^ I en Win gratis tigc:!!iLäv u. s. w. zu begründen. Ferner empfeyle jicy I

B^lgrüiidung von Raiffeisen'schen Darlehenskassen zur I .Aekänmpsuim des Wuchers auf dem Lande. Im wetteren I ] fei es* nobvenbig, Abendschulen, Gemeindeabende, Volks- Biblil.'olhekein, Handfertigkeitsschulen re. ins Leben zu rufen, I mit e >:M Worte: es sei notwendig, bei der ländlichen Ve- I nlfci » i Dieber bie Liebe zur Heimat zu wecken.

-Mei empfehle sich, ben Sparsinn ber lanblichen ölkeMM dourch Begründung von Sparkassen und durch . dien hnn uon Sparkassenbüchern an Konfirmandenkmder w.ickn und zu fördern. In ber Eifel habe man ber Ent- ff enuing uuf dem Lande durch Verschaffung von lohnender 'irbci:-^elesen§eit im Winter Halt geboten. Aehr zu em- VtelileÄ u'bic Pflege des ländlichen Genossenschaftswesens. ^Auch t'l-r Güterschlächterei auf dem Lande müsse mit aller I jJZachitt intneqengeroirtt roerben. .

w, Ane Hauptaufgabe sei aber, ber länblichen Bevölkerung

Hans links ute tmb «gesunbe Wohnungen zu schaffen, unb womöglich Ha ,u(hx 0(itiä()tung eines eigenen Heims d,-selbe wieder seß-

lestens empfol haft >U nmchen. Allerbings gehöre bazu auch eme tncht^e »eile Bedi! bau^jnu, bie bem Manne unb ben Krnbern das Heim echt haut mache, und bie es verstehe, mit geringen Mitteln

-1.1 eine Oimckhafte Kost zu bereiten. Dre bestehenben Haus- riCÄll mltiwWschulen, in benen bie Bauenttochter kochen u. s- w.

lerne mlSn nur ben Wohlhabenheit ^gangl^ Empfehlen würdMfich baher bie Einführung von Wanberkochkursen.

ützz slli aber auch rottoenbig, ber Landbevölkerung m vhyMn Beziehung zu helfen. Die Gesundheitspflege auf dem Ab« lasse sehr viel zu wünschen übrig. Der Land- hevölMrung fehle im allgemeinen vollständig die Kenntnis uon ikl« Notwendigkeit frischer Luft. Es sei eine bekannte I RedeMüii: die Luft auf dem Lande sei gesund, das sei aber < nr ber Fall, wenn bie Lanbleute bie Fenster offnen. »fMib sRentenl-^ Die :Ml in ben Wohnungen ber Lanbbewohner spotte mt Ö6L anqeRn jeber Beschreibung. Wenn auf bem Lande erne - , 8i^ schwEil K rankheit ansbreche, dann fehle es gewöhnlich am I

anvM'aiten, an jeder Krankenpflege, dem notwendigen r m *ra um, den notwendigsten Arzneigerätschaften; bringend aotmmtig. sei, in jedem Dorfe erne Krankenpflegeschwester

9 . anzWWcn und ein Gemeindehaus zu in .

S'i ArzrWqlMschaften untergebracht werden. Dieses Gememde- hauSö Nffe mit einem schönen Garten verbunden werden, in b X3E ferie Kinder sich tummeln können, deren Eltern tags- übcrxt sis der Arbeit seien. In diesem Gememdehause muffe I "... auchi ht Krankenpflegeschwester walten, es müssen m öem=

''iclbelmllkrterhaltungs- und Gemeindeabende gehalten werben, LJ-ÖamiiÄiDWtber ein frisches, fröhliches ^eben in bie Dörfer Das Gemeinbehaus sei auch erforderlich, bamtt bie tt.minbemitgliebet nicht bei jeber Besprechung bas WirMuS aufsuchen müssen. In Wiesenthal m ber Rhon ' Lniatra^ '* babictiM mit ber Errichtung eines solchen Gemembehauses ScbaS> ' bereife fie schönsten Erfolge erzielt. Wenn alle biese Vor- schlcpi^ böcherzigt werden, bann werbe btc Entvölkerung aus fMM bem-i biiise sehr balb nachlassen.

DH der Besprechung bieser Vorschläge warnte Ober- m-dAM-al Dr. Haus-r (Karlsruhe) vor der Beschaffung V , ,l,on - Iimeigerätschaften, da diesem der Hand unkundiger .-tH «W* Leu--, iwßcn Schaden anrichten können. In Baden habe ilt mar,- at der Landkrankenpflege, die darin bchehe, daß man

LanM-d-chcn. junge Frauen und kinderlose Witwen ,n der i Kra-ml-pislege unterweis-, sehr gute Ersahrungen gemacht, (S««!'11 * jo M t,«s Vorgehen allgemeine Nachahmung verdiene.

,,r Rmsterialdirektor Wirklicher G-h-nn-r Ob-rreg,-rungs- ^.W^r-l-Idkrhi-l (Berlin) führt- aus: In der Effel habe ifflliS marm limdliche Haushaltungsschulen in Verbindung mit

Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefze»