Ausgabe 
20.5.1899 Erstes Blatt
 
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Samstag dm 20. Mm

ßr. 117

Erstes Blatt.

1899

Kehener Anzeiger

Hmeral-Anzeiger

Anrts- und Anzeigeblutt für den Atveis Gietzen.

Amtlicher Teil.

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v. Bechtold.

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eru imb nicht davon sprechen, allen diesen ergebenen Dienern,

H«0*e »in «»zeigen zu der nachmittags für de» to| erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

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AtzugrpreiL vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfß. Bit Bringerloha.

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Bei Postbezug * Mark 50 Pfg. -ierleljährlich.

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Di« Siebener 3i.eHit*mtUr trtta dem Anzeiger MhvMich viermal beigelegt.

RdHotUen, Expedition und Druckerei: Fch»tßr«he Ar. 7.

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Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger chirtze».

Fernsprecher Nr. 51.

Gießen, den 16. Mai 1899. rStlreßend: den Eingabestempel.

AS Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Indem wir Sie darauf Hinweisen, daß die Vorschrift *ti A rt. 78 Abs. 1 der Allgemeinen Bauordnung, wonach bie i« Baupolizeisachen nötig werdenden Eingaben und - Ärfiigzungen frei von Stempel und Gebühren" sind, sich eulf bi« Gesuche um Befreiung von Bauvorschriften, im t sinne des Art. 72 der Allgemeinen Bauordnung nicht »i'tjirhl. beauftragen wir Sie, in künftigen Fällen darauf z Achlie«, daß solche Gesuche nicht hierher vorgelegt werden, liwot der gesetzliche Eingabestempel (1 Mk. 10 Pfg.) ver- iwnbel ist.

Die Rückkehr Marchands.

Der französische Ministerrat hat ein glänzendes Em- p siugs Programm für den besiegten Sieger von Faschoda fcGrst«llt. Auch die politischen Parteien wollen sich des PMläiren Afrikaners versichern: die Nationalisten insbe- fcjonbtre schicken sich an, den kommenden Mann auf den SMb zu heben. Zu der systematischen Hetze, die sie gegen bi tu vrrhaßten Minister Delcaffe seit den letzten Wochen irGniert haben, dient ihnen Marchand als geeignetstes MAt.. Schon ist ein Titel gemünzt, der nach ihrer An- siD diesen so sehr erhöht, als er jenen erniedrigt: Monsieur DMssö de Faschoda! Gegen den Dreyfusard Delcassö wliinl heute der Bewahrer der Ehre Frankreichs, der reine HW von Faschoda ausgespielt. Der Ex-Bonlangist Thisband ifti Imu Heimkehrenden bereits entgegengeeilt und hat ihn im iloimen Frankreichs für die Patrioten mit Beschlag bvkllyl. Die Patriotenliga hat eine Marchand-Münze prägen laich«, Herr Millevoye von derPatrie" hat eine Samm- lAll^ füir einen Ehrensäbel veranstaltet. Auf dem Wege von AiWmen nach Marseille wird Herr Thiebaud denKomman-

biw Ichlrreigend für den Schutz des Vaterlandes arbeiten, amfM mit Aufrufen des Neu-Cäsarismus hierher zu kommen." Ich» nationalistischen Lager versteht man diesen Hinweis wrrstl Das hindert die patriotische, monarchistische und amtchMische Kammergruppe nicht, ihre Delegierten nach Trillion zum Empfang Marchands zu entsenden. Dieser ist

Bekanntmachung, b tirtffrnb: Den Umbau der Kreisstraße Gießen-Hausen oberhalb des Forstgartens.

Wegen Umbaues der Kreisftratze Gießeu-Hauseu wniid tvie zwischen dem Forftgarten und dem Forsthaus B^Mgzarten gelegene Strecke derselben von Mittwoch, trittst 584. Mai I. I. ab für den Verkehr gesperrt.

8'ießen, den 17. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießen, den 17. Mai 1899. ^treffend: Die Vertilgung der Maikäfer.

W Großherzogliche Kreisamt Gießen

au Nie Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

-»ezugnehmend auf unser Ausschreiben vom 11. April .K., Nr. 88 des Anzeigers, erinnern wir Sie an Vor- : ii<ch»e der erforderlichen Maßregeln und Berichterstattung, s joftrn ein Maikäferflug in Ihren Gemarkungen stattfindet, v. Bechtold.

Deutsches Keich.

Berlin, 18. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat heute den Gesetzentwurf betreffend den Bau von Arbeiter­wohnungen und in Verbindung damit die Denkschrift über die Ausführung der früheren Gesetze betreffend den Bau von Arbeiterwohnungen beraten. Die Vorlage würde in zweiter und dritter Lesung genehmigt und die Denkschrift durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt. Ferner wurde genehmigt in erster und zweiter Lesung der preußisch- württembergische Staatsvertrag betreffend die Flößerei auf dem Neckar. Schließlich wurden noch Petitionen erledigt. Nächste Sitzung den 6. Juni. Tagesordnung: Richter- Pensions-Vorlage und Initiativanträge.

Berlin, 18. Mai. Nachdem der Kommandeur des 15. Armee-Korps in Straßburg, General v. Falckenstein, plötzlich verstorben ist, wird als dessen Nachfolger der gegen­wärtige Kommandeur des Garde-Corps, General von Bock und Pol ach, genannt, der als Generalstabschef dem 15. Armee-Korps längere Zeit angehörte.

Berlin, 18. Mai. Der wirkliche Geheimrat vr. D am - bach, Professor der Rechte an der Berliner Universität und Mitglied des Herrenhauses, ist in der vergangenen Nacht gestorben. Professor Dambach war auch Vortragender Rat im Reichs-Postamt.

Zur Ablehnung der Kanalvorlage schreibt dieNordd. Allg. Ztg.": Auch 6ci eingehendster Würdigung der von den Gegnern der Vorlage vorgetragenen Einwen­dungen und bei sorgfältigster Prüfung der von ihnen geltend gemachten Bedenken muß die Staatsregierung an diesem Standpunkte festhalten, und sie gibt sich der Erwartung hin, daß eine weitere Erörterung der wirtschaftlichen, ver­kehrspolitischen und militärischen Seite der Kanalfrage im Plenum des Abgeordnetenhauses zu einem anderen, erfreu­licheren Ergebnis führen wird, als es die Kommissions­verhandlungen gezeitigt haben, zumal die technische und finanzielle Seite der Angelegenheit auch in der Kommission keinen besonderen Schwierigkeiten begegnet ist. Die Staats­regierung glaubt sich dieser Erwartung um so eher hingeben zu dürfen, als sie bei aller Wahrung ihrer prinzipiellen Stellung zu der Kompensationsfrage ihre Bereitwilligkeit erklärt hat, in eine Prüfung darüber einzutreten, auf welchem Wege einer etwaigen durch Verschiebung der wirt-

gebung zu überlaffen, habe der Staatssekretär geltend ge­macht, es handele sich um eine Reichssache. Ja, dann dürfe man doch auch nicht den Landeszentralbehörden das Recht geben, die bezirksweise Einrichtung von Rentenstellen anzu­ordnen.

Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkt, schon 1889 sei man sich völlig klar gewesen, daß unter Umständen eine Dezentralisation werde erfolgen müssen. Die Kosten­ziffer des Abg. Richter sei eine ganz willkürlich gegriffene. In den Rentenstellen liege ein wichtiger Serik, für die ganze sozialistische Gesetzgebung.

Abg. Rösicke (wildlib.) tritt für die Rentenstellenein.

Abg. Möller (nl.) befürwortet den Antrag^Hilbeck, Absatz 2 ganz zu streichen.

Zum Absatz 1 werden zunächst die Anträge v. Lo ebell, ferner Albrecht abgelehnt; Absatz 1 wird unverändert in der Kommissionsfassung angenommen.

Beim Absatz 2 wird der Antrag Gerstenberger in der Fassung des Hilbek'schen Eventualantrages angenommen. Der Antrag Richter wird abgelehnt.

Beim Absatz 3 ist noch über einen Antrag v. Loebell abzustimmen, wonach die Rentenstellenin der Regel nur für Bezirke mit besonders dichter oder vorwiegend industrieller Bevölkerung errichtet werden sollen." Die Abstimmung bleibt zweifelhaft; die Zählung ergiebt 92 für, 82 gegen den Antrag. Das Haus ist also beschlußunfähig.

Abg. v. Fr ege (kons.) erklärt: In vollkommener Uebereinstimmung mit der auf Anfrage des Abg. Singer von dem Präsidenten gegebenen Erwiderung bezüglich Re­medur von Uebergriffen der Berichterstattertribüne, wonach ihm allein die Disziplinargewalt hier zusteht, habe ich, da mir das sehr wohl bekannt war, trotz mehrfacher Anreg­ungen eines hochangesehenen liberalen Mitgliedes dieses Hauses keine Besprechung dieser Anregungen in dem Vor­stande veranlaßt. Meine Erklärung in dieser Angelegenheit halte ich aufrecht, falls auch noch so tendenziös Mißbrauch damit getrieben werden sollte.

Nächste Sitzung: Dienstag, 6. Juni. Tagesordnung: Nachtragsetat und Fortsetzung der heutigen Beratung.

Schluß 3 Uhr.

Deutscher Reichstag.

85. Sitzung vom 18. Mai. 11 Uhr.

Das Haus ist außerordentlich schwach besetzt.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erbittet sich Abg. Singer (Soz.) das Wort zur Geschäftsordnung. Er ver­weist auf den Brief des Vizepräsidenten v. Frege an die Breslauer Morgenzeitung" und fragt an, ob es wahr sei, daß im Präsidium des Hauses von liberaler Seite angeregt worden sei, diePreßtribüne" zu räumen.

Präsident Gras Ballestrem erwidert, daß ihm von diesen Vorgängen nichts bekannt sei. Was den Beschluß des Vorstandes über eine eventuelle Räumung der Jour­nalistentribüne betreffe, so sei davon, so lange er das Präsidium führe, niemals die Rede gewesen. Uebrigens bemerke er, daß ein solcher Beschluß nicht zur Kompetenz des Vorstandes gehöre; träte die Notwendigkeit einer solchen Maßregel ein, so würde es lediglich Sache des Präsidiums sein, darüber zu entscheiden. (Beifall.)

Die Beratung des Jnvalidenversicherungs- ge setz es wird fortgesetzt bei dem den Abschnitt örtliche Rentenstellen einleitenden § 51 und den dazu gestellten Anträgen v. Löbell, Gerstenberger, Richter, Alb­recht und Hilbek.

Abg. Hilbek (nl.) begründet seinen Antrag, den Abs. 2 zu streichen, wonach die Landeszentralbehörde ermächtigt sein soll, nach Anhörung der Vorstände und Ausschüsse der Versicherunganstalten die Errichtung von Rentenstellen an­zuordnen.

Abg. Stadthagen (Soz.) tritt für den Antrag Alb­recht ein, die Errichtung der Rentenstellen obligatorisch zu machen.

Abg. v. Kard orf f (Rp.) hält die Bestimmungen über die Einrichtung der Rentenstellen für sehr bedenklich. Den Antrag Richter müffe er für den besten halten; wenn man nicht die Rentenstellen ganz streichen wolle, so empfehle sich, ihre Errichtung der Landesgesetzgebung zu überlaffen, wie es eben der Antrag Richter wolle.

Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkt, so, wie das Gesetz jetzt laute, könnten die Rentenstellen eingerichtet werden; d. h. sie würden da eingerichtet werden, wo wegen der Ueberbürdung der unteren Verwaltungsbehörde, wegen Dichtigkeit der Bevölkerung rc., diese Behörde die Arbeit nicht mehr leisten könne. Gegen den Eventualantrag Richter betr. der Landesgesetzgebung spreche, daß die ganze Sache doch Reichssache sei und deshalb nicht der partikularen Gesetzgebung überlassen werden solle.

Abg. Hitze (Centr.) erkärt, seine Partei stehe auf dem Boden der Kompromißvorschläge der Kommission und werde daher nur die Anträge Gerstenberger, Schmidt und v. Loe­bell annehmen.

Abg. Molkenbuhr (Soz.) bemerkt, seine Freunde seien bereit, noch bis tief in den Sommer hinein zu fitzen, um dies Gesetz zustande bringen zu helfen. Sie würden aber auch bis zum letzten Atemzuge für Verbefferungen desselben kämpsen. Die Rentenstellen seien seiner Partei jedenfalls sympathisch, gerade deshalb wollten sie sie aber obligatorisch machen. Auch beständen feine Freunde auf für die Versicherten günstigeren Bestimmungen über das Wahl­recht bezüglich der Rentenstellen-Verwaltung.

Abg. Richter (frs. Vp.) erwidert dem Abg. Hitze auf eine diesbezügliche Bemerkung, die Vertagung der 2. Be­ratung habe er selbst nur erstrebt im Interesse größerer Gründlichkeit. Die Rentenstellen würden lediglich zur größeren Bequemlichkeit der unteren Verwaltungsbehörden dienen, und überdies würden sie auch vermehrte Gelegenheit zu politischem Mißbrauch, zum Hereintragen politischer Mo­mente in die Versicherung geben. Es handele sich wohl nur um eine Versorgung pensionierter Offiziere, die gewisser­maßen die Bezirkskommandeure für die Versicherungsanstalten fein sollten. Und nun die Kosten! Der Jahresetat einer Rentenstelle werde sicher sehr leicht 10 000 Mk. erreichen. Gegen seinen Antrag, eventuell die Sache der Landesgesetz-

jedoch auf Regierungswinke entschlossen, sofort durch ener­gische Erklärungen die an ihn gerichteten, verdächtigen Auf­forderungen abzulehnen. In seiner Depesche aus Djibouti erwähnt Marchand ausdrücklich, daß er und alle Mitglieder der Expedition während ihrer langjährigen Abwesenheit die Disziplin nicht verlernt hätten.

Auch diesen Wink werden die unternehmungslustigen Patrioten verstehen und sich bald zu der Anschauung be­kehren, daß der Held von Faschoda keine Neigung verspürt, in den Spuren Boulangers zu wandeln. (M. N. N.)

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beim für bie Sache ber Patrioten bearbeiten. Im MMsrium ist man nicht blinb gegenüber diesen Machen- sckHtilv. Sie gelten nicht allein demPeiniger Marchands, j- M. deiM.'Engländer" Delcaffs. Herr Dupuy kennt seine qifa.tieiW' «MtlpMlistischen Gegner. Er hat vor vier Tagen bei der Ä. M ßgp BSmdiWNg Floquets die Worte zitiert, die jener einst Bou- bet 10' lalM mtgegenhielt, als dieser der Kammer sein patriotisches ^O- PilHmmm auseinandersetzte:Ich suche vergeblich, woher MrfE«rihiMdaiS Recht kommt, das er mit einfältiger Kühnheit in j 5 9$'44 Aid Hach nimmt, allein in Frankreich den Patriotismus

AS Pfg. -s. psli vmmMen und ihn lehren zu wollen den Vertretern der

. e M. 00 D' Nik.iN ihren Generälen und Offizieren, diesen Soldaten,

, 23 i bi« lbenisoviel Blut für das Vaterland vergossen haben wie

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