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Nr. L88 Zweites Blatt Dienstag den 19. December 1898
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*Die Mafia.
Gießen, 18. Dezember 1899.
Wenn wir in vergilbten Kalendern vom Schinderhannes lesen und von seinen Thaten oder in blutrünstigen Schilderungen zurückgeführt werden in jene anmutigen Zeiten, da man „den Lindenschmidt reiten sah auf einem hohen Rosse", bis ihm, wie cs in „Des Knaben Wunderhorn" gar rührsam erzählt wird, „zu Baden in der werten Stadt mußte das Haupt abspringen", so wird Einem gar herrlich zu Muthe, daß unter dem wärmenden Strahl der Kultur unseres Jahrhunderts nicht mehr so schreckliches gedeihen kann. Wenn man dann freilich einmal die Memoiren des Pariser Polizeichefs Goron liest oder sich in die statistischen Berichte vertieft, die in nüchternen Zahlen von der steten Zunahme der Gewalt- und Rohheitsverbrechen erzählen, so wird das Triumphgefühl gewaltig gedämpft. Und wenn man jetzt den Mailänder Prozeß gegen die Mörder des Patriziers Notarbartolo aus Palermo verfolgt, wenn man an seinem Geiste die Bilder vorüberziehen läßt, die von Brand und Mord, von Betrug und Fälschung, ebenso wie von der Korruption der höchsten staatlichen Behörden erzählen, so wird die Genugthuung durch einen starken Zweifel daran verdrängt, ob in der That das heutige Europa das Recht besitzt, der Vergangenheit mit pharisäischem Hochmut zu gedenken. Jener Mailänder Prozeß leuchtet keineswegs hinein in die Zustände eines jener Länder am Balkan, die, durch Jahrhunderte seufzend unter der kulturfeindlichen Herrschaft der Türken, für ihre gehemmte Entwickelung reiche Entschuldigung finden. Wenn Albanesen und Montenegriner sich gegenseitig die Köpfe abschneiden, oder wenn in den verschwiegenen Thälern des makedonischen Berglandes die Blutrache wütet, so tragen die Kulturnebel Halbasiens daran die Schuld. Aber nach Neapels blühendem Golf, nach Tassos grünem Sorrent und hinab zu des Aetna schneeigem Gipfel ziehen alljährlich tausende und abertausende, sich an dem nie sterbenden Frühling der Fluren zu freuen, in den Erinnerungen ungeheurer Größe zu leben. Tempel und Steine erzählen die Geschichte uralter Kultur. Aber in dem Lande, auf dessen Fluren der Frühling niemals stirbt, hat Kampf und Zwietracht gewütet seit Berengars Tagen, und die siegreiche Macht, die sich im Papsttum verkörperte, besaß nicht die Kraft, das Land aus dem politischen Elend zur vollen Entwickelung seiner Kraft zu führen. Der Wahlspruch des Cesare Balbo „l’Italia farä. da se“ — ..Italien wird aus eigener Kraft erstehen" — fand in der Geschichte keine Rechtfertigung, französische und deutsche Waffen haben dem Lande die Unabhängigkeit erkämpft. Und noch heute bestehen Reste aus alten Zeiten, lebendige Zeugen, daß es der stolzen und sympatischen Nation an jener rücksichtslosen und starken Energie gebricht, die einst in dem Römer- tum webte, und wenn auch der Norden des Landes Kraft gewinnt aus der Berührung mit den benachbarten Nationen, so bildet der Typus des Südens doch immer noch der Lazzarone von Neapel und der Mafiose von Palermo.
Und wie eine schauerliche Mär aus den verschollenen Tagen des Mittelalters mutet uns an, was der Gerichtstag von Mailand enthüllt und was in erreaten Verhandlungen der Kammer Bestätigung findet.
In seinem Koupee im Eisenbahnwaggon, in einem Zuge mit durchgehenden Wagen, wird vor Jahr und Tag Notarbartolo, ein vornehmer und angesehener Beamter aus Palermo, ermordet. Zwei Diener weilen im Nebenkoupee, Zugführer und Schaffner kontrollieren den Zug, in den Gängen halten sich Reisende auf. Der Ermordete war ein kräftiger Mann, der sich, als die Mörder sich auf ihn warfen, entschlossen zur Wehre setzte, er kämpfte ja um sein Leben. Aber niemand vernimmt den Lärm, niemand bemerkt eS, wie der Leichnam durch das Fenster gezwängt und auf die Strecke geworfen wird. Niemand bemerkt es, denn niemand wagt es zu bemerken. Zehn, zwanzig Zeugen sind vorhanden, die Kinder auf der Straße weisen mit den Fingern auf die Mörder und von Ohr zu Ohr flüstert man sich den Namen des Anstifters zu. Auch die Gerichte untersuchen den Fall, sie entwickeln eine fieberhafte Thätigkeit, sie verhaften Schuldige und Unschuldige, aber Schuldige und Unschuldige werden entlassen, man findet keine Beweise. Und man findet auch keine Beweise für zehn oder zwanzig andere Mordthaten, die in Palermo begangen wurden, und wenn ein eifriger Untersuchungsrichter erdrückendes Material sammelt und zu entschlossenem Vorgehen sich anschickt, dann verschwindet das Material und die obersten Gerichtshöfe unterdrücken schweigend die Untersuchung. Ein aktiver Minister, General Mirri, hat vor den Mailänder Richtern erklärt, daß selbst der Chef des Kassationshofes unter jenem unheimlichen Einfluß stand, der die Nolle des Regisseurs in all diesen Dingen übernahm, daß selbst frühere Justizminister sich diesem Einfluß nicht zu entziehen vermochten und darum haben Mailänder Geschworene, Männer, die fernab stehen von dem Herde jener Verbrechen, jetzt das Urteil zu fällen, und an einer Stätte, die nur schwer zu erreichen ist für die Messer und das Gift der Mafiosi, legen die Vorgeladenen ihr Zeugnis ab.
Vor dreiundzwanzig Jahren hat Nicotera den letzten energischen Versuch gemacht, die „Giovani d’onore“, die „jungen Ehemänner" der Mafia auszurotten. Der Versuch ist mißlungen. Jener unheimliche Bund, der unter der Herrschaft der Bourbonen zur Allmacht gelangte, den noch Ferdinand der Erste benutzte, um die Revolution zu bekämpfen, besteht noch heute in aller Macht, und noch heute scheut sich vor ihm das Volk vom höchsten bis zum niedersten mehr, als vor allen Gewalten des Staates. Es ist der wildeste Terrorismus, den dieser Bund ausübt. Wer immer es wagt, gegen einen der Mafiosi eine Schuldforderung geltend zu machen oder vor Gericht irgend ein Recht zu fordern, der verfällt dem Dolche der „Malandrini" jener in Verbrechen erprobten Gesellen, die auf einen Wink ihrer Oberen hin und in der Gewißheit, von diesen Oberen geschützt zu werden, den Gezeichneten niederstoßen. Notar - bartola aber hatte es gewagt, einen Zipfel von dem
Schleier zu heben, der über der korrumpierenden Thätigkeit der Mafia ruhte, er hat in klaren und überzeugendem Schriftstücken an die Regierung zu Rom berichtet, welch ungeheuerliche Unterschleife in den provinzialen und städtischen Banken vorgenommen würden, er hat auch auf den Leiter der Mafia als den Urheber zahlloser Verbrechen gewiesen; als aber der Deputierte Rossi in ber Kammer ein energisches Einschreiten forderte, da erniderte- Rudini gelassen, zu solchen Maßregeln sei die Zeit nicht geeignet, und in seinem Eisenbahnwagen wurde Notarbartolo von den Dolchen der Mörder zerfleischt. Der Urheber aber des Mordes, Raffaele Palizzolo, wurde Deputierter seiner Vaterstadt, und vor kaum zwei Jahren machte ihn Graf Rudini zum Großoffizier des Ordens der „Corona d’Italia.“
Jetzt endlich, nach langem Harren und Bangen, ist man zur That übergegangen. Die Regierung hat von der Kammer die Genehmigung zur Verhaftung ihres Mitgliedes Palizzolo erhalten, und der mächtigste Mann Siziliens, vor dem eben noch das ganze Land erzitterte, befindet sich hinter eisernen Gittern. Es ist bezeichnend genug, daß man während der mehrstündigen, durch die Erledigung von Formularien gebotenen Beratung der Volksvertretung jede telegraphische Verbindung mit Sizilien abschnitt, um dem im Kreise seiner Genossen sich in voller Sicherheit Wähnenden nicht die Möglichkeit zu Gegenmaßregeln zu gewähren. Und bezeichnend ist es auch, daß der Brigant Fontana, der die Mordbefehle- seines Chefs gehorsam ausführte, erst nach langem Suchen entdeckt werden konnte auf den Besitzungen eines der reichsten Grundbesitzer aus fürstlichem Geschlecht, lieber die beiden Gefährten schrieb kürzlich ein angesehenes, römisches Blatt: „Den Abgeordneten Palizzolo, der heute um Haupteslänge über die anderen Schelme hervorragt und gegen den keine Beschuldigung erhoben wird, die nicht glaubhaft erscheint, umgiebt eine ganze wilde Rotte von Schalksknechten. Zu ihr gehört der Wicht Fontana, gehören Polizeibeamte, Richter, politische Persönlichkeiten, die ihm mehr oder weniger Dienste geleistet oder Dienste empfangen haben zum Zwecke von Ungerechtigkeiten und verbrecherischen Umtrieben jeglicher Art. Es muß alles ans Licht kommen, alle Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, daß nichts im Dunklen bleibe."
Aber wird in der That alles ans Licht kommen? Die Zeugen wagen nicht zu sprechen und die Beweisstücke werden auch jetzt verschwinden, wie zuvor. Palizzolo ist verhaftet und Fontana gefangen. Aber der Fürst Mirto, der den einen verbarg, und jene unzähligen anderen, die dem anderen halfen, sind noch auf freien Füßen. Und ihre Macht reicht weit, und ihr Vorgehen wird rücksichtslos und gewissenlos sein, schon weil die Not sie zwingt, weil ihren eigenen Verbrechen die Enthüllung droht.
hatte er durchzumachen mit den Schwarzen, die ihm das Vieh raubten, wenn die Zucht eben gelungen war. Doch stets nur in Notwehr, niemals als Angreifer, sind sie gegen dieselben vorgegangen. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Buren die Schwarzen, die sie sich als Sklaven unter» zuordnen verstanden, möglicherweise hin und wieder schlecht behandelt haben, aber im Großen und Ganzen kann von Mißhandlung geleugnet werden, daß die Buren die Schwarzen, die sie sich als Sklaven gekauft, die sie auch heute noch nicht als ebenbürtige Rasse anerkennen. Der Bure kann seine Sklaven liebreich behandeln, er hält sie jedoch stets nur für ein Geschöpf, eine Kreatur, die weit unter ihm steht.
Unter holländischem Schutz befanden sich die als Kolonisten in Südafrika ansässigen Buren bis zum Jahre 1796. Dann eroberte England Capstadt und gründete eine englische Kolonie, die es dann wieder verlor, um 1806 die englische Capkolonie, von der aus sich England im Laufe dieses Jahrhunderts immer weiter ausbreitete, zu gründen. Einige Episoden der ganzen Entwickelung mögen hier von Interesse sein. . .
Vom Jahre 1806 bis 1833 herrschte ein fortwährender Kampf der Engländer mit den Burenelementen, da die Engländer stets für die Schwarzen eintraten. Die Engländer gaben diesen volles Stimm- und Bürgerrecht, ja, heute sogar noch befinden sich Schwarze im Parlament der Eapkolome.
FeuMetiM.
Die kukimelle Aedenlung der Auren.
Herr Staatsrat Professor Dr. v. Dettingen, der bekanntlich erst kürzlich längere Zeit wieder in Transvaal sich aufgehallen hat und die dortigen Verhältnisse vorzüglich kennt, hielt am Dienstagabend in der „Elektrotechnischen Gesellschaft in Leipzig" einen interessanten Vortrag über die kulturelle Bedeutung der Buren, dem wir folgendes cnt- nC^m£)ic Kriegsfackel lodert hell, und allseitig lebhaftes Interesse wird dem Volke entgegengebracht, das mehr als 200 Jahre die Schollen emsig bebaut im steten Kampf mit feindlichen Riesenmächten. Ein solches Volk hat — so fuhr Redner fort — das Recht, Kulturtxäger genannt zu werden und daher ist das Thema meines Vortrages die kulturelle Bedeutung der Buren. . „ _
Dort unten das Volk niederdeutschen Stammes, es hatte s. Z. eine schwere Arbeit als Pionier zu verrichten. Es hat einen heftigen Kampf durchzumachen mit der Natur, der es alle Kräfte abringen mußte. Eine elende, ode Wüste war das Land, schreckliche Dürre oder eme Flat von Regen oder große Heuschreckenschwärme sind die Plagen des Landes. Hiermit hat der Bure jedoch nicht nur allein zu kämpfen, sondern hauptsächlich mit den Mitmenschen. Viele Kämpfe
1833 fällt die Aufhebung der Sklaverei. Die sämtlichen Sklaven wurden auf nur drei Millionen Pfund Sterling geschätzt, das Parlament beschloß, den Besitzern derselben ein Dritteil der Summe zu geben, in Wahrheit erhielten diese jedoch ganz bedeutend weniger. Die Enttäuschung der Buren war außerordentlich groß, die Folge hiervon war der Anfang der ersten großen Pionierzüge, die in den Jahren 1835 bis 1838 nach Norden und Osten zu unternommen wurden. Dem Befehl, zurückzukehren, da englische Unter- thanen kein Recht hätten, eigene Staaten zu gründen, leisteten 10,000 Buren nicht Folge. Mancherlei Angriffe mußten diese aushalten, drei Republiken wurden von Pretonus begründet, die 1852 unter dem Namen Transvaal vereinigt wurden und neben dem Oranje-Freistaat bestanden.
Eine neue Periode fällt in die Jahre 1852 bis 18/7, die des Ringens um selbständige Existenz und eine Verfassung. Fortwährende Kämpfe mit den Schwarzen sind hier die Regel. Die Finanzen waren jammervoll. Aus Transvaal drangen Klagen nach dem englischen Natal an dessen Gouverneur, ob er nicht andere Zustände schaffen könnte. Dieser berichtete nach London und erhielt den Auftrag, die Zustände in Transvaal zu untersuchen und die Möglichkeit einer Annektion ins Auge zu fassen, die jedoch nur dann geschehen sollte, wenn eine gewisse Zahl Bürger sich dafür erklären würde. Die Annektion erfolgte dann — Transvaal war englisch. Sofort floß das englische Geld,


