Ausgabe 
19.12.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 298 Erstes Blatt.

Dienstagden 19. December

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Gießener Anzeiger

Heneral -Anzeiger

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Aezugsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

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Alle Anzeigen-Berm -tNungSstellen de« Ja. und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege«.

Erscheint täglich mit Ausnahme de« Montag».

Die Gießener Isamilleußlätter werden dem Anzeiger -wöchentlich viermal beigelegt.

Amts- und Zlnzeigeblcttt für den Tireis Gietzeir.

Redaktion, Lxpedition und Druderei:

Zchtttstr.be Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Aandwirt, Matter für hessische Volkskunde.

Adrefie für Depeschen-. Anzeiger Kießett.

Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

In Sie in he im ist in zwei Gehöften die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 16. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Wie oben.

In Annerod ist die Maul- und Klauenseuche erloschen unb Aufhebung der Sperrmaßregeln angeordnet worden.

Gießen, den 16. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

________________v. Bechtold.__________________

Bekanntmachung.

Betr.: Wie oben.

In der Gemarkung Rabertshausen II ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Aufhebung der Sperre ist angeordnet.

Gießen, den 16. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung,

Betr.: Erweiterung des Bahnhofs zu Gießen; hier: Ent­eignungsverfahren.

Die auf Samstag, 23. Dezember l. I., in obiger Sache anberaumte Tagfahrt ist auf Antrag der königl. Eisenbahn­direktion Frankfurt a. M auf

Samstag, 80. Dezember l. I, vormittags 9 Uhr, verlegt werden, wozu die Beteiligten unter Wiederholung der in der Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen vom 20. September 1899 (Kreisblatt Nr. 222) angedrohten Rechtsnachteile geladen werden.

Gießen, den 17. Dezember 1899.

Der Vorsitzende der Lokalkommission: Frhr. Schenck.

* Vom Kriegsschauplatz.

Nach den letzten schweren Schlägen des Kriegsgewitters, das England frevelnd heraufbeschworen hat, ist eine Pause ringetreten, aber es ist nur die Ruhe vor einem neuen Sturm. Noch ist die Luft mit Elektrizität geladen, und noch schwärzeres Gewölk ballt sich zusammen, in dem es schon zu wetterleuchten beginnt. Am düstersten ist die

Stimmung in der Kapkolonie, wo das Holländertum sich zu allgemeiner Erhebung gegen Albions verhaßte Suprematie anschickt. Man berichtet:

* London, 15. Dezember.Daily News" melden aus Kapstadt vom 12. Dezember: Die englischen Mißerfolge haben die niederdrückendste Wirkung. Die Loyalen, deren Zahl keineswegs zunimmt, find von düsteren Ahnungen erfüllt. Die Mißstimmung der Holländer nimmt rasch zu. Ein großer Teil würde leicht zu überreden sein, fich den Buren anzuschließen. Beunruhigend wird von der Ostgrenze berichtet: Am Donners­tagnacht überschritt eine starke Abteilung Holländer die Amatola- Berge. Geheime Versammlungen finden im Bezirk von Victoria East statt. Die loyalen Farmen in den Bezirken von Sutter- heim und Reirod (?) werden von den Behörden bewaffnet.

England könnte nichts Schlimmeres widerfahren, als ein Aufstand der Afrikander am Kap, der schwerer wiegen würde als der Fall von Ladysmith, Kimberley und Mafeking zusammen, denn er würde alle Operationen der Engländer lähmen und ihre Kräfte nutzlos zersplittern.

Wir lassen die weiteren Meldungen folgen:

London, 16. Dezember. Anläßlich der Niederlage des General Buller wird die Absendung der 7. Division nach Kräften beschleunigt, um die Verluste der Artillerie zu ersetzen. In den leitenden Kreisen ist die Stimmung über die Lage in Südafrika eine sehr niedergeschlagene, da es sich um Sein oder Nichtsein der englischen Weltmacht handele. Trotz aller Versicher­ungen glaubt man nicht, daß England den Aufstand der Afrikander werde beschwichtigen können; denn die Hilfs­

quellen der Briten seien denen Chinas im Kriege mit Japan nicht unähnlich. Ein strammes Heer mit der nötigen Dis- ziplin müsse schon vor und nicht nach der Kriegserklärung zur Stelle sein. Mit allem Golde der Welt sei man nicht im stände, ein zivilisiertes Heer zu besiegen. Die politischen Folgen in England seien vor der Hand noch unermeßlich, doch dürfte bereits die nächste Zeit Ueberraschungen bringen. Die unerwartete Niederlage des Generals Buller ver­ursacht in England ein Gefühl der Verzweiflung. Die Nachricht von der Schlacht am Tugelafluffe wurde vom Kriegsministerium erst nach 1 Uhr nachts, also kurz vor Schluß der Redaktionen, herausgegeben, sodaß nur wenige Minuten für Kommentare zu der Niederlage Bullers übrig blieben. Das Kriegsamt ersuchte die Zeitungen vertraulich, beruhigend zu schreiben.

Aus Washington berichtet man, daß ein Tele­gramm Macrums, des amerikanischen Konsuls in Prätoria, feststellt, die Transvaal Negierung wolle ihm die Erlaubnis erteile«, auf telegraphischem Wege Mitteilungen über das Befinden und die Behandlung der englischen Ge­fangen zu machen, falls England um diese Vergünstigung ersuchen sollte.

Loudou, 17. Dezember. Das Kriegsamt teilt nun­mehr mit, daß die gesamten Verluste bei Magerfontein sich auf 1076 Mann, darunter 113 Offiziere, belaufen. Die Blätter fordern die Abberufung der Generäle Gatacre und Methuen. Die Verluste bei Colenso sind noch immer nicht bekannt. Man spricht davon, dieselben beliefen sich ebenfalls annähernd auf 1000 Mann.

Es heißt, der gestern stattgehabte Ministerrat habe beschlossen, den Krieg bis aufs äußerste fortzu­setzen, die 8. Division zu mobilisieren und ein zweites Geschwader für alle eventuellen Vorkommnisse zusammen­zustellen.

Aus Ost-Australien werden neue Ver­stärkungen erbeten und erwartet.

Das BlattJnvestory Review" schreibt:Wir haben einen Krieg begonnen; nun find wir gezwungen, ihn fortzusetzen, bis wir die verdiente Strafe erlitten haben, wenn nicht die verblendete Nation eine andere Negierung fordert, um uns aus dieser Sackgaffe herauszureißen.

Zn militärischen Kreisen versichert mau, daß General Buller demnächst durch Lord Roberts ersetzt werden wird.

Die Regierung hat dem englischen Konsul in Florida Anweisung gegeben, sofort weitere zehntausend Maulesel (!) anzukaufen und diese unverzüglich nach Süd­afrika abzusenden.

Bei dem gestrigen Gefecht am Tugelafluffe sind nicht, wie das Kriegsamt nunmehr zugiebt, zwei Geschütze, sondern deren zehn in die Hände der Buren gefallen.

Hier tritt mit großer Bestimmtheit das Gerücht auf, daß Chamberlain endgiltig demissionieren und die Königin die Demission annehmen werde.

Infolge der gestrigen schlechten Nach­richten vo m Kriegsschauplätze fiel an der Börse die englische konsolidierte Rente um 1 Prozent. Dies ist seit 1884, als ein englisch-russischer Krieg unver­meidlich schien, nicht mehr vorgekommen. Die Goldminen­werte Südafrikas sind um 1 bis 6 Pfund Sterling gefallen, sodaß bedeutende Bankkrachs bevorstehen.

Zu der Katastrophe des Generals Buller am Tugelafluffe hat sich schon wieder ein Mißerfolg der Engländer gesellt. Lord Methuen hat, nach einer Depesche aus Modderriver, am Freitag früh ein Geschützfeuer er­öffnet, welches die Buren erst erwiderten, als die Engländer sich zurückzogen. Man bemerkte abends, daß die Buren weitere Verschanzungen aufwarfen. ES scheint, als ob sie beabsichtigten, eine Art Gibraltar zu errichten, welches die Bahnlinie beherrscht.

Aus Laurcnco Marques wird gemeldet, daß 4500 Kapholländer beiBurkly East und Burghersdorf zu den Buren übergegangen sind.

DieTimes" veröffentlichen in ihrer zweiten Aus­gabe Telegramme aus Kapstadt vom 15. Dezember, 4 Uhr nachmittags. Eine gut unterrichtete Persönlichkeit, welche der Fortschaffung der Verwundeten nach der Schlacht bei Magerfontein beiwohnte, berichtet, daß in vielen Fällen die verwundeten Soldaten, welche seit 24 Stunden ohne Nahrung und Wasser waren, nur ihre Lippen an der Wasserflasche netzen wollten und sich weigerten, mehr zu trinken, weil sie wußten, daß Wasser auf dem Felde so rar war.

Warschau, 17. Dezember. Hiesigen Blättern zufolge sind 8 Reserveoffiziere der hier garnisonierenden Jnfanterieregimenter nach Transvaal abgereist, um in den Reihen der Buren zu kämpfen. Im hiesigen Offizier­korps herrscht für die Buren lebhafte Sympathie.

Bruffel, 17. Dezember. In der Tugelaschlacht kämpften 12000 Buren gegen 20000 Engländer. Die letzteren ließen auf dem Schlachtfelde 1000 Tote und Verwundete, darunter 40 Offiziere, zurück. Der Rückzug artete in eine wilde Flucht aus. Die Buren erbeuteten außer 11 Kanonen mehrere hundert Gewehre, welche die Flüchtenden wegwarfen. Die hiesige Transvaalgesandt­schaft betrachtet den Sieg der Buren als einen absolut entscheidenden.

Dr. med. Otto Hohls,

Sanitätsoffizier im Heere der Südafrikanischen Republik, ist, wie wir bereits meldeten, in den Kämpfen vor Lady­smith gefallen. Hohl hat damit seinen Tod in seinem Geburtslande gefunden, denn seine Wiege stand in Natal, wo seine Ellern, Deutsche, sich damals aufhielten. Seine Erziehung genoß er in Deutschland. Den medizinischen Studien lag er in Marburg, Straßburg und Erlangen ob und war in jener Zeit in der Burschenschaft, der er auf allen drei Universitäten in Marburg als Alemanne, in Straßburg als Germane und schließlich in Erlangen als Franke angehört, eine ebenso bekannte wie beliebte Per­sönlichkeit. Er schlug eine vorzügliche Klinge. Er starb den Heldentod für Ehre, Freiheit uud Vaterland!

Wien, 17. Dezember. In hiesigen diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß infolge der Katastrophe der Engländer am Tugelaflusse nunmehr die Zeit ge­kommen sei, daß eine befreundete, beiden Teilen wohlge­sinnte Macht dazu schreite, zwischen den Buren und den Engländern zu vermitteln. Die Diplomatie Eu'vpas, die kaum die Schlußprotokolle der Haager Friedenskonferenz unterschrieben hat, dürfte ein weiteres nutzloses Menschen­schlachten, bei dem schließlich nur die wilden Schwarzen Afrikas den Nutzen einheimsten, nicht mehr zugeben. So schwer es England auch ankomme, dürfe es eine Vermitt­lung nicht zurückweisen, da sich sonst folgenschwere Ver­wicklungen für England herausbilden dürften.

Paris, 17. Dezember. Dr. Leyds befand sich gestern hier, wo er Unterredungen mit einer Reihe französischer politischer Persönlichkeiten hatte. Er dinierte mit einem früheren Minister. Dr. Leyds erklärte, überzeugt zu sein, daß die Buren Sieger bleiben, obgleich sie nicht über mehr als 45,000 Mann verfügen und auch keine Hoffnung auf weitere Unterstützung haben.

*

Telegramme desGießener Anzeiger".

London, 18. Dezember. Das Kriegsamt veröffentlicht die Ernennung desGeneralsRoberts zumOber- befehlshaber der Streitkräfte in Südafrika. General Kitchener wurde zum Generalstabschef er­nannt. Das Kriegsamt erklärt diese Ernennungen damit, daß Buller seine ganze Thatkraft in Natal aufwenden Müsse, und keine Zeit übrig behalte, sich mit den Truppen inSüd- afrika zu befassen. Die Morgenblätter billigen diese Maß­regel.Morning Post" hofft, General Roberts werde es gelingen, die Buren ebenso wie die Indier und Sudanesen zu besiegen. Die bisherigen Nieder­lagen seien durch mangelhafte Kundschafter­dienste veranlaßt.Daily Mail" drückt sich ähnlich aus. (Diese Selbsttäuschung nach all den Nieder- lagen!)

Der Sohn des neuen Oberbefehlshabers der südafrikanischen Armee ist vor Colenso durch eine Kugel in den Unterleib getötet worden.

Vor demKriegsamte sammelten sich gestern Tausende von Menschen an, welche die Totenlisten durchsahen, um festzustellen, ob sich keiner der ihrigen darunter befinde.

Als der Königin von dem Unglück am Tugela- flusse Bericht erstattet wurde, verfiel fie in Wein­krämpfe. Es dauerte lange, bis fie ihre Umgebung zu be­ruhigen vermochte. Sie erteilte sofort ihrem Staatssekretär den Auftrag, im Kriegsamte nähere Erkundigungen einzuziehe«. Die erste Nachricht erhielt fie durch den Höchstkommandierenden, Lord Wolseley.

Die Handelswelt beginnt allmählich über die allgemeine Krisis zu klagen, welche nur allein der Krieg veranlaßt hat. Die Geschäfte gehen sehr schlecht, und von allen Seiten laufen Berichte ein über das Elends welches in den ärmeren Volksschichten herrscht. Die