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19.11.1899 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 19. November

Zweites Blatt

Rr. 273

Sicherungsmaßregeln würden die berittene Infanterie davor

KBe Anzrigtn-Berunn'un-Sfttürn lei Ja« nne Äu<U*-r< acferrtr^ Anrelgcn für den Gtetzrner Bnje.gtt

Utiehiew,Petition und Druckerei: Ar. 7.

Bedenkliche Erscheinungen im Heere.

I Es wird immer schwieriger, unseren kontinentalen Kritikern 1 nicht zu glauben, wenn sie uns erzählen, daß aus dem Schlachtselde viele englischen Offiziere alle Regeln der

In^elgen zu der na*«ittagi für lew ^«eblmSH erscheinenden Nummer dii eor*. 16 Uhr.

Grstisbntaqen: Gießener FamilienblStter, Der hessische Landwirt, KlStier für hessische Uslkskunde.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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traut werden. . . ~ r , ,

* Gemälde-Ausstellung. Wie im Inseratenteil ersichtlich, findet kommende Woche ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt. Wir können schon jetzt unsere Kunst­freunde darauf aufmerksam machen, daß es dem hiesigen Vorstand des Kunstvereins gelungen ist, und die hohen Kosten, welche darauf ruhen, nicht gescheut hat, den größten Teil von der Ausstellung derFreien Vereinigung hessischer Künstler" auch für die hiesige Ausstellung zu gewinnen. Qur Ausstellung gelangen nicht allein Gemälde, sondern auch hervorragende Werke der plastischen Kunst.

*» Rezitator Beck vom Stadttheater in Köln, welcher hierorts noch durch seine Vorträge und lebenden Bilder vom Verbandsschießen in bester Erinnerung stehen diu ste, wird am 22. November, abends 8^ Uhr, im Hotel Einhorn im Auftrag des Kaufmännischen Vereins und des Gewerbevereins eine Rosegger-Rezitation ver­anstalten. Wir lesen über diese Art seiner Kunst m einem Kasseler Blatte: Aeußerst unterhaltende und erheiternde Stunden bereitete den Zuhörern der seitens des Zweigverems Kassel vom Allgemeinen Deutschen Sprachverein veranstal­tete Rosegger-Abend, für den als Rezitator Otto Beck vom Stadttheater in Köln gewonnen war. Der Ruf, der dem Redner voranging, wurde durch die Meisterschaft seines Vortrags vollauf bestätigt. Herr Beck begann mit einer kurzen Lebensbeschreibung des Dichters, den Redner selbst persönlich gut kennt. Von Gedichten aus Rosegger's Jugcnd- werkCither und Hackbrett" wurden:Darf ich's Diernd'l lieben?",Mein Morgengebet",Jubelfest" u. a. deklamiert. Des Lebens Prosa und eines sinnigen Dichters poetische Gabe und Formvollendung wußte der Vortragende so recht anziehend und charakteristisch in der ErzählungDem alten Anderl (Andreas) sein Tabaksgeld wiederzugeben" ; wahre Lachsalven erwirkten die beiden von Rosegger eigens für Vorlesungen geschriebenen Humoresken in syrischer Mund­artJs's was, kost's nix is's nix, kost s 2 fl. 25 kr. undWo is die Katz?" Herr Beck versteht es meisterhaft, Personen und Situationen durch Tonfall, Zuthaten zu den Gesprächsformen zu charakterisieren, und wenn nicht alles trügt, wird er sich ebenso zu einem auserwählten Vertreter von Rosegger's Geisteserzeugnissen auswachsen, als Junker­mann als der berufene Interpret der Gestalten Fritz Reuter's gilt. Eine zum Schluß zum Besten gegebene Humoreske von Rauchenegger in MünchenWeihnachtsabend der Familie Nudelmeier" nötigte zu einem Vergleich zwischen dem bayrischen und dem steyrischen Dialektdichter mit dem Er­gebnis, daß Rosegger's Humor schlagender, f$allMtcr, seine Werke pointenreicher sind, als die des Münchener Genossen, der jedoch hinsichtlich Naturwüchsigkeit, Kraft und Anschaulichkeit seiner Schilderungen hinter Rosegger Nicht zurücksteht. Vergl. auch Inserat in heutiger Nummer.

*# Stadttheater. Für die lieben Klemen wird am Sonntag, nachmittags 4Uhr, wieder eine Kindervor­stellung gegeben, und es gelangt diesmal das Märchen .Königin Tausendschön und Prinzessin Häßlich" zur Aufführung. Ohne Zweifel wird diese Vorstellung wieder reichlichen Zuspruch von Seiten der Kinder finden, und seien dieselben hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß Billets im Vorverkauf bei Herrn Ernst Challier zu haben sind. Die Mannstädt-Weller'sche Operetten­posseDie wilde Katze" mit der reizenden Musik von Gustav Steffens wird Sonntagabend zur Darstellung gelangen und dürfte ihre Zugkraft auch hier wieder be­währen. Auf vielfachen Wunsch findet im Laufe der kommenden Woche eine Wiederholung von3m ro^lBen Rößl" statt. Auch steht für die nächsten Tage die Novität Das Opferlamm" auf dem Spielplan, worauf wir schon heute ganz besonders aufmerksam machen wollen.

: » Reine Assessoren bei der Poft! Bekanntlich geht d.°

; Postverwaltung mit der Absicht um, die Verhältnisse ; ihres Personals zu reformieren, und neue B " : dingungen für die Annahme von Anwärtern für den Post-

Völkerschaften? Haben die vielen leichten Siege uns ver­leitet, ein zu großes Vertrauen in unsere jungen Offiziere zu setzen ?" Allerdings, diese beiden Fragen kann ich unbedingt bejahen, aber doch muß ich dagegen protestieren, daß die englischen Offiziere auf dem Manöverfelde Taktik lernten. Ich habe die Manöver gesehen, und daraus semer- zeit meine Kritik mit aufgebaut, und ich wiederhole es, daß eben die Manöver die englischen Offiziere nichts lehren können, da sie sich genau so abspielen, wie die Buren­schlachten. Man benimmt sich so, wie wenn der Gegner aus Farbigen bestünde, die nichts von der Taktik verstehen und nicht schießen können, und deshalb leisten die Offiziere nachher im Felde so wenig in taktischer Beziehung, \o viel in Bezug auf persönliche Tapferkeit. (Fft. Ztg.)

Von einem alten Offizier. London, 14. November 1899.

Die Anzeichen dafür, daß in dem englischen Heere auf dem Kriegsschauplätze etwas nicht stimmt, häufen sich m einer solchen Weise, daß sie nicht länger zu übersehen sind, umso­weniger, als sie die Erklärung für frühere und wahrschein­lich auch für kommende Ereignisse enthalten. Man erinnert sich,daß zwei englische Bataillone bei Nicholsons Neck in Burengefangenschaft gerieten, ohne daß die geringe Verlustliste 25 Tote und etwa 80 Verwundete ~ eine genügende Erklärung dafür zu geben vermocht hatte. Man versicherte von englischer Seite, daß die Truppen sich erst nach Verschießen der letzten Patrone in das Unvermeid­liche gefügt hätten, und diese Erklärung konnte freilich die einzig maßgebende sein, denn man kann von keinem Truppen­teil erwarten, daß er den heutigen Feuerwaffen gegenüber seine letzte Hoffnung auf die blanke Waffe setzen sollte. Nun kommt aber eine Nachricht, die diese Entschuldigung mit

lange öde Winterabende angenehm ausgefüllt, denn r ist ein guter Unterhalter, der sich auf alles versteht. Er muß alles wissen und kann vortrefflicherzählen. Aus ihm nimmt das Kind seine ersten Geschichten und der Großvater und die Großmutter liest ihn noch ebenso gern. Darum sei er auch dieses Jahr gegrüßt, der neue* Kalender!

* Von der Universität.* Der Lektor für französische und englische Sprache Prof. Pichler, ist auf Ansuchen seiner Stellung mit Wirkung vom 1. April 1900 enthoben worden. Voraussichtlich werden künftighin zwei Lektoren mit dem praktischen Unterricht in den beiden Sprachen be-

Lokales «nd Uromnnelles.

Gießen, den 18. November.

** «iekLiibtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 129 Jahren, am 19. November 1770, wurde auf der See zwischen Island und Kopenhagen der berühmte dänische Bildhauer Bertel Thorwaldsen geboren, der wie kein anderer Künstler mit Ehren und Auszeich­nungen überschüttet wu, de. Er gilt als ^ub"0^tc^;hbS^0^,et^ Besonders bekannt sind:Di- Jahreszeiten",Nacht und Morgen , .Grazien" undAlexandirzug". Thoiwaldsen starb schmerzlos im Theater zu Kopenhagen am 24. März 1844.

* Der neue Kalender ist wieder da und giebt uns über das zu erwartende Jahr allen möglichen Aufschluß als Chronik, als Gelehrter und sogar als Prophet. Unter allen Büchern ist er der älteste Hausfreund. Er war früher das Einzige, was zu lesen sich der wenig lesende Landmann selbst die Mühe nahm, denn der Kalender war sem bester Berater. Der Kalender ist der Ahnherr aller Schriften fürs Haus und hat lange Zeit diese Kategorie allem vertreten. Die moderne Zeit hat manches Alte abgeschafft, aber der Kalender hat sein altes Recht behalten, wenn auch jetzt die Zeitungen ihm dasselbe streitig machen Ohne Kalender kann keine Familie sein, er giebt Aufschluß m den nötigsten Dingen, die man kennen muß, wenn man nicht ohne Kenntnis der Zeit in den Tag hineinleben will. Er hat schon manchem

einem Schlage hinfällig macht.

Pater Matthews, der Kaplan des irischen Bataillons, der in Gefangenschaft geriet, ist aus dieser entlassen worden und berichtet, daß die Truppe, wenn auch hart bedrängt und durch Verlust der Geschütze sehr geschwächt, sich zu halten vermocht hätte, wenn nichtSubordinates, gegen den Willen des Kommandierenden, die weiße Flagge gehißt Bütten Pater Matthews braucht den AusdruckUnter­gebene" und läßt es damit unklar, ob Offiziere oder Mann­schaften in dieser Weise entscheidend in den Kampf em- griffen. Ich möchte fast glauben, daß er sich deutlich genug ausgesprochen haben würde, wenn die Schuld auf Selten i hoffen' haben sollten/ Die" elementarsten

der Mannschaften liegenSicher^ngsmaßregeln würden die berittene Infanterie davor gerade bei diesem Kampf erstaunlich geringe BeriUjie yai i » bte offenbar gestellte Falle zu gehen,

von dem Verdachte der Feigheit zu remigen. Die Zukunft | bewaytt yaven, tn jw '^2^ Kritikern

wird natürlich erst darüber die wahre Aufklärung bringen, wenn man nicht für gut halten sollte, die Sache ganz und gar zu vertuschen. Das aber läßt sich nicht mehr verheim- i x^v'e^e^ die sie'für" ihr? Examina gelernt "und auf lichen, daß sich zwei Bataillone ergaben die ound daß sie den Krieg verschossen hatten, daß sie sich ergaben, ohne großeBei j I Wissenschaft, sondern als eine Art höheren

erlitten zu haben und daß sie sich endUcher^ g gen mch als en Wissens chafi, Mut alles, der

den Willen des Kommandierenden. Welchen Kontrast bietet m>ensckenverstand nichts gilt. Ernten wir jetzt

dieses Verhalten einer Söldnertruppe zu dem Verhalten d I 9 s etxüAtc zu vieler günstigen Kriege gegen farbige numerisch so bedeutend schwächeren Burenmiliz m ^hIferf(6QYten* Haben die vielen leichten Siege uns ver- Kampfe bei Elandslaagte! . c .

Ich komme immer mehr zu der bereits früher in eng­lischen Manövern gewonnenen Ueberzeugung, daß die ein­zigen britischen Truppen, die durch und durch vori militärischem Geist beseelt sind, die Schotten sind, und daß die Kolonne bei Nicholsons' Nek sich nicht ergeben haben würde, wenn eines der dort anwesenden Bataillone ein schottisches gewesen wäre. Erinnern wir und, um das zu verstehen, doch nur der Thatsache, daß zwei englische Bataillone bei dem Sturm auf die Höhen von Dargai im Afridifeldzuge versagten und daß ein schottisches Bataillon nachher diese Stellung des Feindes mit kaum nennenswerten Verlusten nahm, und wir werden wiederum zu diesem Schluffe gebracht. Wenn Oberst Schiel als Gefangener der Engländer feinet Achtung vor der Tapferkeit der Schotten in dem Kampf bei Elands­laagte Ausdruck gibt, zugleich aber seine Verachtung für das Verhalten der englischen Ulanen tn diesem Kampfe nicht verbehlt, so bestätigt dies wiederum meine Ansicht. Nun muß ich allerdings gestehen, daß ich trotz des von Matthews gebrauchten Ausdrucks .nur

widerwillig an eine feige Handlung englischer Offiziere glaube. Diese Herren setzen sich tn einer Weise dem feind­lichen Feuer aus, daß man schlechterdings kaum glauben kann, daß sie bei irgend einer Gelegenheit es an Mut schien lassen sollten. Sollte dies aber wirklich unerklärlicher Weise der Fall gewesen fein, fo wollen wir nicht vergessen, daß auch preußische Offiziere nach der Schlacht bei ^ena in plötzlicher Mutlosigkeit eine Feighett an ben Taa legten, die eher alles andere, als preußisch zu nennen ist, und wir wollen nicht übersehen, daß auf oberen Stellen des augenblicklichen Kriegstheaters mieber in ganz hervorragender Weise Mut zeigen. Darüber liegen zwei weitere Nachrichten vor, die eben durch den großen Offiziersverlust den Verdacht der Mutlosigkeit auf die Truppen ablenken müssen.

So hören wir von einem Ausfallgefecht vor Kimber­ley, bei dem ein und eine halbe Kompagnie berittener In­fanterie eine Umgehung des Feindes zu machen hatten. Die Truppe kam, um die Worte der offiziellen Nachricht zu ge-

enaliscken l brauchen,in ein unerwartetes heftiges Feuer feindlicher I schützen" und zog sich, nachdem der Kommandeur sowie 1 ein Offizier gefallen, zwei weitere Offiziere und zwei Mann verwundet waren, zurück. Vier Offiziere und zwei Mann! Wo blieben dann die anderthalb Kompagnien ? Betrachten wir endlich die heute eingehende offizielle Mit­teilung von dem Burenangriff auf Mafeking, so ver­nehmen wir mit wachsendem Staunen, daß dieser abgeschlagene Angriff den Engländern zwei Hauptleute, zweiUnter- offiziere und einen Mann an Toten, drei Unteroffizire und zwei Mann an Verwundeten kostete. Demnach kann man sich kaum mehr dem Eindruck verschließen, daß in den englischen Reihen nur noch Offiziere und Unteroffiztere den nötigen Mut besitzen, dem Feuer des Feindes Stand zu halten. Dann aber sieht es, darüber kann fein Zweifel herrschen, um die englische Armee höchst traurig aus, und wir können täglich merkwürdige Nachrichten erwarten, wenn nicht ein besserer Mut in den nun anlangenden, noch kampfes- frischen Truppen steckt. ,

Zum Beweise dafür, daß meine Kritik des englischen Offizierkorps, die ich vor Beginn des Krieges in der Frankfurter Zeitung" gab, mit der Zett auch in der englischen Presse als richtig anerkannt wird, möchte ich schließlich eine Auslassung des konservativenStandard über den letzterwähnten Ausfall aus Kim­berley mitteilen. Dieses Blatt sagt nämlich: »Daß Offiziere und Mannschaften bei Rekognoszierungen fallen, ist unvermeidlich. Es ist manchmal nötig, viele Leute zu I verlieren, nur um nothwendige Informationen zu erhalten. I Wie kann aber die berittene Infanterie in uner­wartetes Feuer geraten, wenn sie den Feind zu umgehen versucht? Es war doch nicht zu erwarten, daß die Buren, I als geschickte Soldaten, keine Maßnahmen zur Sicherung

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«Ireffe für Drprschm: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.