Ausgabe 
19.11.1899 Erstes Blatt
 
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Meßmer Anzeiger

Henerat-Anzeiger

Amts- und Zlnzeigeblatt für den Nreis Giefzen

Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.

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Alle Anzeigen-VermittlungSstellen dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen

Erscheint täglich 'jnir Ausnahme deS MontagS.

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Annachme von Anzeigen zu dec nachmittags für den folgende» Tag erscheinenden Nummer btS vorm. 10 Uhr.

Amtlicher Heil.

den

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schukstraße Ar. 7.

fCWEin^Antrag^Schmidt-Warburg (Ztr.) deckt sich mit dem An­träge Rickert, will aber zugleich dem Entschädigungsberechtigten dte L^ht offen lassen, entweder zur Feststellung des SchadeE den ordentltchen Rechtsweg zu betreten, oder dte außergewohnttche Feststellung in der Weise der Kommissionsvorschläge mit der Marcourschen Modifikation zu D.rlanyn.^^ Entschädigung der Angestellten, liegt nur ein An­trag Haußmann, Müller-Sagan dahingehend vor, daß die von der Postverwaltung übernommenen Angestellten nur dann ohne Ent­schädigung bleiben sollen, wenn ihr Einkommen aus der neuen Beamten­stelle nicht hinter ihrem bisherigen Diensteinkommen zurückbleibt.

Die Debatte wird auch gleich auf Artikel 5 ausgedehnt, betr. das Verfahren behufs Feststellung der Entschädigung.

Hierzu liegt ein Antrag Rickert (frs. Vp.) vor, bei Differenzen

ordentlichen Rechtsweg offen zu lassen, statt der von der Kommission beschlossenen, schiedsgerichtlichen Entscheidung.

Adrrste für Depeschen-. Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

Wir sind jetzt in eine recht bewegte Zeit eingetreten, und über Mangel an Stoff kann die politische Presse wahrlich nicht klagen. Im Gegenteil, es hält oft schwer, aus allen eingehenden Meldungen die richtige Auswahl zu treffen, um den Leser nicht durch Nebensächliches zu ermüden. 29et uns in Deutschland geht vorläusig noch alles recht friedlich zu, und das Interesse für das Schicksal der Burenrepubliken ist immer noch reger als dasjenige für unsere inner politi­schen Angelegenheiten. Aber nur gemach, in der nächsten Woche wird dies anders werden, wenn die Vor­lage zum Schutze Arbeitswilliger tm Reichstage zur Beratung kommt, dann werden die Geister aufeinander platzen, und ein heftiger Kampf wird beginnen. Dieser wirft natürlich seine Schatten voraus und beschäftigt unsere Presse in ebenso hohem Maße wie die in Aussicht stehenden Flotten­verstärkungen, über deren Wie und Wann an offiziöser Stelle noch Stillschweigen beobachtet wird. Daß auch die Kaiserreise nach England noch fortgesetzt den Gegenstand politischer Erörterungen bildet, trotzdem ja die Neffe einen

O^UsMagenVMeßener^ßamilienblätter, Der hessische Landwirt, Matter sür hessische Volkskunde.

Mit Rücksicht auf die Abänderungen, welche die Ge- sindeordnung vom 28. April 1877 durch die Bestimmungen u - .

des Bürgerlichen Gesetzbuchs erlitten hat, hat Großherzog- I ^urAaug privaten Charakter tragen soll, ist erklärlich. In liches Ministerium des Innern sich veranlaßt gesehen, emen 1 - - - oinr,

Neudruck der Gesindedienstbücher unter teilweiser Abänderung des Formulars vornehmen zu lassen. .

Der Vorrat des Staatsverlags an den seither im Ge­brauch befindlichen Dienstbüchern ist zu Ende gegangen. Es werden die neuen Formulare von dem Staatsverlag auch schon vor dem 1. Januar 1900 verausgabt werden und können die neuen Bücher auch schon vor dem 1. Januar 1900 tu Benutzung genommen werden. Wir beauftragen Sie, bei Verausgabung der neuen Exemplare vor dem 1. Ja« uuar 1900 den Empfänger ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß die dem Formular vorgedruckten gesetzlichen Bestimmungen erst mit dem 1. Januar 1900 in Geltung treten.

v. Bechtold.

dieser Beziehung hat die letzte Woche übrigens manche Klar­heit geschaffen und die Gewißheit gebracht, daß der Kaiser bei seiner Anwesenheit in England allen politischen Kund­gebungen aus dem Wege gehen will. Denn die deutsche Regierung muß sich im internationalen Konzert ihre Un­befangenheit bewahren, damit sie jederzeit im stände ist, ihre Interessen zu vertreten, ohne sich die Hände gebunden zu haben. Die allgemeine Lage ist heute nicht allzu zuversicht­lich, und wer weiß, welche Folgen der Krieg in Südafrika haben wird, ob nicht Komplikationen entstehen, an die Herr Chamberlain N'cht gedacht hat, als er den Kr,eg herauf-

Bereits im ersten Akt verspürten wir die feste Hand einer sehr klugen und gewandten Charakterzeichnerin, die mit eigenen Augen schaut und unbeeinflußt durch berühmte Muster eine durchaus eigenpersönliche Nora-Gestalt zu schaffen vermag. Fesselnd ist es zu sehen, wie das Drama bei ihr fast ganz zu einem Kampf ums Recht wird; sie will uns nicht rühren und weich stimmen, sie ist nicht das kindlich holdselige Geschöpfchen, das aus lauter Unwiffen- heit und Verworrenheit der Gefühle und Weltkenntnisse ge­handelt hat, und wie ein armes Täubchen in Todesangst hin und her flattert. Deutlich bringt sie uns vielmehr das Jbsen'sche Schauspiel als das große Drama der zeitge­nössischen Frauenbewegung zum Bewußtsein, sie zeigt uns das Weib, das noch dem Instinktiven näher steht und dasNaturrecht gegen das geschriebene Recht tn's Feld führt. Ihre Nora wird in jedem Augenblick wieder ihre Unterschrift fälschen, im ehrlichen Bewußtsein, damit nur eine gute, vernünftige That zu begehen. Geradezu ergreifend wirkte ihr Spiel in der Schlußscene:

Nora: Ich habe andere, ebenso heilige Pflichten.

Heimer: Das hast Du nicht .... Welche denn? Nora: Dte Pflichten gegen mich selbst.

Helmer: Vor allem bist Du Gattin und Mutter. Nora: Das glaub' ich nicht mehr.... .

So wie sich das Publikum gestern htttgab, haben w« es noch nicht gesehen. Der Beifall, den es Frl. Triesch spendete, steigerte sich nach jedem Aktschluß, und endete nach dem letzten Akte in stürmischen Zurufen. Sogar der be« rühmte, von vielen Kritikern bespöttelte Appell an da«

Politische Wochenschau.

Gießen, 18. November 1899.

Nr. 43 des Reichs-GesttzblattS, ausgegeben am 14. d. M., enthält:

(Nr. 2623.) Bekanntmachung, betr. dte Entwertung und Vernichtung der Marken bei der Invalidenversicherung. Vom 9. November 1899.

Gießen, den 18. November 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche zu Langsdorf.

An LanaSdorf ist die Maul- und Klauen« seuche erloschen und Aufhebung der Sperrmatz- regelu verfügt worden.

Gießen, den 16. November 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießen, den 17. November 1899.

Betr.: Den Neudruck der Gesinde-Dienstbücher.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au Großh. Polizeiamt Gieheu und die Grosih. Bürgermeistereien ^er^ Landgemeinden des

Gefunden: 1 Zylinderuhr, 1 Achatbüchse, 1 Paar und 1 einzelner Handschuh, 3 Taschentücher, 1 woll. Um­hangtuch, 1 Peitsche, 1 Weißbinderseil und 1 Hundehalsband.

Gießen, den 18. November 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Theaterverein.

Mora oder ein Puppenheiw, Schauspiel von Henrik Ibsen.) Gastspiel von Irene Triesch.

Von mir scheiden, mag Alles, was mein, Irdischem Schicksal zum Raube, Du nur lasse mich nicht allein, Heimlicher Märchenglaube l

Soll ich mit mutigem Herzen vertraun, Daß mir, was möglich gelinge, Muß ich aanz im. Geheimen baun Auf unmögliche Dinge.

Vielleicht bereuen die Engländer schon schwer ihre herausfordernde Haltung gegen Transvaal, denn auch die letzte Woche hat ihnen noch keinen Erfolg gebracht, vielmehr wird die Lage der britischen Truppen als sehr bedrohlich, angesehen. Schon die Thalsache, daß die englische Presse sich ein ganz ungewohntes Schweigen auferlegt und keine Sieqesnachrichten mehr zu bringen vermag, wird als sehr böses Anzeichen betrachtet. Ob der Tod des Burengenerals Joubert sich bestätigt, darüber herrscht noch keine Gewiß­heit, er wäre ein großer Verlust für die Buren, die an­gesichts ihrer Tapferkeit und Ritterlichkeit fortgesetzt dte Sympathien auf sich vereinigen.

Nicht ohne Bedeutung waren die letzten Tage für Frankreich, wo im Parlament ein Ansturm gegen das Kabinett Waldeck-Rouffea« unb insbesondere gegen den .... ,

Krieasminister Galifet versucht wurde. Die Regierung trug I Aschen dem Entschädigungsberechtigten und der Postbehürde ienem den aber in der Kammer einen beachtenswerten Sieg davon, ' ----- """

der gute Aussichten für die Zukunft gestattet.

dargestellt gesehen, u. a. von Agnes Sorma in Berlin und von Marie Ramlo in München, und jede hat uns in ihren künstlerischen Eigenarten gepackt Irene Trtesch hat uns mit ihrerNora" erschüttert. Das ganze Haus stand unter dem Eindruck dieser packenden, einfachen, beredten und ohne Wissen und Willen doch rührenden Darstellung. Nirgends ein Zuviel, nirgends eine Absicht, allenthalben das feinste Sichanschmiegen an die Gedanken der Dichtung, kein Ton lauter als nötig, keine Farbe bunter als richtig, von Anfang bis zu Ende eine bezwingende Wärme ausströmend! ^bsen hat bei der Zeichnung seinerNora" mit der Radiernadel gearbeitet und Irene Triesch fand durchweg die letzten Schärfen der Formen und Töne und die tausendIntimi­täten", die bei Ibsen von so hoher Bedeutung sind. In dieser jungen Künstlerin besitzt die Frankfurter Buhne ohne Zweifel eine der hervorragendsten Kräfte und sollte es sich wie uns von privater Seite mitgeteilt wird bewahr­heiten, daß unsere gestrige Vertreterin derNora" der Frankfurter Bühne den Rücken kehrt und einem Ruf an das Königliche Schauspielhaus in München Folge leistet, so bedeutet das für die Frankfurter Bühne einen schweren ^^Man sagt oft:Kein Mensch ist unersetzlich." Das ist in gewissen Grenzen richtig, eine künstlerische Kraft aber in seiner Eigenart ist oft sehr schwer zu ersetzen, ^m vorliegenden Falle würde eine baldige Ausfüllung der ent­standenen Lücke auf große, vielleicht unüberwindliche Schwierig­keiten stoßen.

Alfred von Berger. (An das Wunderbarel")

-r. Gießen, 17. November. Uebcr Ibsen selbst, über Wert seiner Werke und im vorliegenden Falle über seineNora" mag man geteilter Meinung sein wie der Geschmack überhaupt, so ist auch der litterarische verschieden heute haben wir mit dem Für und Wider nichts zu schaffen: auch den Stoff des Schauspiels haben wir für diejenigen unserer Leser, welchen derselbe fern lag, er­läutert: über die gastierende Künstlerin und ihre künstlerische Vergangenheit haben wir uns bereits ausführlich verbreitet, und ergänzende Daten folgen am Schluß dieser Zeilen gegenwärtig stehen wir nur der Vorstellung unserer heimischen Bühne und im Speziellen der Darstellung von Fräulein Triesch gegenüber. Wir haben bereits kurz erwähnt, daß diese letzte Vorstellung des Theatervereins unbeschadet der großen Vorzüge der bislang hier aufgetretenen Künstler die weitaus beste war. Wir haben dieNora" oft

Auch in Italien sind die Volksvertreter wieder zu­sammengetreten. Die Regierung hat, wie schon feit langen Jahren, neuerdings große Versprechungen gemacht, die sie aber leider wieder nicht erfüllen wird. Und doch sind auf der Appenninenhalbinsel die kulturellen Aufgaben so sehr im Rückstände und kaum noch länger aufzuschieben! Die ewigen leeren Versprechungen dürften sich einmal bitter rachen.

Aus Oesterreich kommen wieder Krisengerüchte, die Stellung des Ministerpräsidenten Clary soll erschüttert sein. Große Schwierigkeiten macht die Lösung der Quotenfrage, die noch immer auf demselben Flecke steht, wie vor mehreren Jahren. Dem berüchtigten § 14 will man ernstlich zu Leibe gehen, aber die Regierung kann seiner nicht entbehren bet den heillosen parlamentarischen Zuständen.

Deutscher Reichstag.

103. Sitzung vom 17. November. 1 Uhr.

Tagesordnung: Fortsetzung der »weiten Lesung der Post­vorlage, und zwar bei Artikels welcher dw Entschädrgungen festsetzt, die a) den Privatpostanstalten selbst, b) ihren Angestellten ge­währt werden sollen. , , ~

Als litt, a hat die Kommission beantragt: Der den Anstalten zu ersetzende Schaden umfaßt auch den entgangenen Gewinn. Die_Fest- etzung des Gewinnes richtet sich nach § 252 des Bürgerlichen Gesetz­buches. Doch darf die Entschädigung für den entgangenen Gewinn m keinem Falle das Achtfache des jährlichen Reingewinnes übersttlgen, den die Anstalt im Durchschnitt der vor dem 1. April 1898 liegenden drer j letzten Geschäftsjahre erzielt hat. Das beste Geschäftsjahr nach Errich­tung der Anstalt soll außer Betracht bleiben.

Zu dieser litt, a liegen verschiedene Anträge vor.

Ein Antrag Marcour (Ztr.) will die Entschädigung auf das Zehnfache (statt des Achtfachen) des Reingewinnes begrenzen und außer­dem auch ein Mindestmaß der Entschädigung festsetzen, und zwar das Fünffache des Reingewinnes. P

Ein Antrag Oertel-Sachsen (kons.) will ebenfalls das Ent­schädigungsmaximum auf das Zehnfahe erhöhen und der Berechnung des Reingewinnes die 3 Jahre vor April 1899 (statt 1898) zu gründe legen.

Ein Antrrag Hausmann-Balingen, Müller-Sagan wrll wiederum zwar ebenfalls den Durchschnittsreingewinn der drei Jahre I vor April 1899 zu gründe legen, aber die Worte wegfallen lassen, wo- I nach die Entschädigung nur höchstens das Acht- resp. Zehnfache jeneä I Durchschnittsreingewinnes betragen soll.

| Ein Antrag Rickert (frs. Vp.) will es lediglich bei der Bor-