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Würzburg vom 14. Juli 1896, wonach die Berufung der Herren v. Thüngen abzuweisen und denselben die sehr bedeutenden Prozeßkosten aufzubürden sind.
Echte bewundernswerte Bauernbeharrlichkeit hat die Gemeinde nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten zum Ziel geführt. Die Enkel dürfen jetzt ernten, was die Väter gesät haben. Das Objekt des Streites, in dessen Besitz die Gemeinde im Jahre 1862 wieder eingewiesen wurde, war aber auch des langen Ringens wert. Es handelte sich um Waldungen in der Ausdehnung von 2923 Hektar, welche jährlich einen Brutto-Ertrag von 70—100 000 Mk. in die Gemeindekasse liefern. Es sind prächtige Eichen und Buchen« Wälder auf der Rhön« und Spessartseite des ©inutl)Qlc$ gelegen, vortrefflich bewirtschaftet und im stände gehalten. Denn die Verwaltung führt glücklicherweise nicht ein von der Gemeinde bestellter Forstbeamter, sondern ein königlicher Forstmeister, der den Wald Namens der Regierung nach denselben Grundsätzen wie Staatswaldungen bewirtschaftet, sodaß also auch für alle Zukunft einem AuSrauben des Waldes, wie es bei Bauernwäldern öfter geschieht, vorgebeugt ist.
Die 37 Jahre, während deren Burgsinn bereits die vorläufige Nutznießung des Waldes hatte, haben dem Orte, der 1600 Einwohner zählt, ein ganz anderes Gepräge gegeben. Wohl ist nicht immer weise und sparsam mit dem vielen Gelde gewirtschaftet worden, doch wurde schon viel Gutes geschaffen. An öffentlichen Gebäuden allein wurden aufgeführt: Rathaus, Forsthaus, Armenhaus, drei neue Schulhäuser, ein katholisches und ein protestantisches Pfarrhaus. Eine Wasserleitung versorgt den Ort reichlich mit gutem Trinkwaffer, die Straßen sind im Stande gehalten. Der Reichtum der Gemeinde wirkt natürlich auch sehr fördernd auf den Wohlstand der einzelnen Bürger und Bauern zurück.
In Burgsinn weiß man nichts von Gemeinde- «mlagen und ebensowenig von Schulgeld; sogar die Lernmittel bis zum Schieferstift herab werden den Schulen unentgeltlich geliefert. Die Inhaber der Gemeinde Aemter, Bürgermeister, Kassierer u. s. w., auch die Lehrer sind gut bezahlt. 136 „Nachbarn" haben noch besondere Rechte: Jeder derselben erhält jährlich 20 Ster Holz zum Brennen, zudem Bauholz, soviel er bedars. Wer nicht will, braucht sich kein Brennholz zu kaufen, der Wald liefert Dürrholz »ehr als genug. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß die alten Hütten allmählich fallen und neue schönere Häuser an deren Stelle treten, die dem Orte schon äußerlich das Gepräge des Wohlstandes geben.
Die letzte Woche war noch eine Woche banger Sorge für die Gemeinde. Bei der Verhandlung vor dem obersten Landesgericht hatte der Vertreter der Herren v. Thüngen deren Sache in sehr geschickter Weise geführt und an den Urteilen der beiden Borinstanzen herbe Kritik geübt, sodaß man die Zurückverweisung der Sache und den Fortgang des Prozesses nicht für unmöglich hielt. Um so größer ist die Freude, daß nun doch die Entscheidung zu gunsten der Gemeinde ausgefallen ist, und daß sie sich des schwerer- ktmpsten Besitzes nun für alle Zukunst sicher weiß.
Die Herren v. Thüngen können den Verlust des Pro- zeffes tragen, ohne sich graue Haare wachsen zu lassen, da deren Wohlstand durch liegenden Besitz an Wald und Feld, durch flottgehende Brauereien und große Kapitalien gut fundiert ist. Haben sie doch allein durch den Verkauf des Reußenberges an Militärärar über 1 Million bar erhalten! Der Vertreter der Gemeinde wird von derselben glänzend honoriert; er erhält neben den Prozeßkosten für die glückliche Durchführung des Streites ein besonderes Honorar von 25 Tausend Mark. Wünschenswert wäre nur, daß die Gemeinde den Entschädigungsprozeß wider die Herren von Thüngen wegen widerrechtlicher Nutznießung des Waldes von 1699 bis 1848 nicht wieder aufnähme, damit endlich voller Friede einzöge.
Vermischtes.
• Berlin, 17. Oktober. Das große Raubtierhaus des zoologischen Gartens ist in der Frühe des heutigen morgens von einem gefährlichen Brande heimgesucht worden. Ein Jaguar ist erstickt. Ein Löwe und eine Löwin haben durch Rauch und Flammen stark gelitten. Die Ursache des Brandes scheint in einer Ueberheizung der Röhren zu liegen, durch welche das Haus erwärmt wird.
* Berlin, 17. Oktober. Ein folgenschwerer Stubenbrand, bei welchem zwei Kinder erstickten und du drittes infolge Rauchvergiftung schwer erkrankt ist, ereignete sich heute vormittag in der Hagelsbergerstraße. Es handelt sich um die Kinder einer Arbeiterfamilie, die während der Abwesenheit ihrer Eltern in der verschlossenen Wohnung znrückgelassen worden waren.
» Berlin, 16. Oktober. Ueber einen neuen Schwindel berichtet das „Berk. Tagebl.": Böse angeführt wurden am Freitag vormittag Weinhändlcr, Restaurateure und andere Leute, die für wenig Geld einen guten Wein zn kaufen gedachten. Der Gerichtsvollzieher Kautsch hatte «ngezeigt, daß er am Freitag vormittag um 11 Uhr Weiß- unb Rotweine, Malaga, Sherry und Kognak zwangsweise öffentlich versteigern werde. Im ganzen kamen 433 Flaschen unter den Hammer. Es waren die feinsten Marken, alle Flaschen gut verkorkt und schön gekapselt noch in der Originalstrohverpackung in Kisten. Außer den Weinhändlern und Restaurateuren boten auch die Stammhändler der Versteigerungshallen, und ein Teil des Weins wurde an Ort und Stelle sofort weiter verkauft. Jeder glaubte, ein gutes Geschäft gemacht zu haben und begab sich zufrieden auf den Heimweg. Als man aber zu Hause an die Probe ging, da gab es eine arge Enttäuschung. Die schönen Etiketts mit dem stolzen Namen und die Originalpackung waren nur trügerischer Schein. Der feurige Weißwein war klares, der medizinische Rotwein gesärbtes Wasser, desgleichen
der Portwein, Malaga und Sherry, der Kognak gar denaturierter Spiritus mit gefärbtem Wasser. Ob dieser Ent« dcckung gab es nun gestern (Samstag) in dem Auktions- okal eine bedeutende Aufregung. Die Geprellten kamen, um zu erfahren, wer sie hineingelegt hatte; da aber der Gerichtsvollzieher nicht zu treffen war, so konnte noch nicht estgestellt werden, wer die Schwindelversteigerung veranlaßt ;at. Die Geschädigten nahmen die Hilfe der Kriminal- ivlizei in Anspruch. Ohne Zweifel hat man es hier mit einem neuen, ebenso sinnreichen wie einträglichen Gaunerkniff zu thun. Beteiligt sind dabei zwei Personen. Nachdem diese ihre „Weine" zurechtgemacht und schön verpackt haben, erhebt der eine Gauner eine erdichtete, von dem Anderen aber anerkannte Forderung und macht sie bei Gericht geltend. Die Geschichte ist bald geregelt und kostet nicht viel, da der Beklagte nicht streitet. Mit dem vollstreckbaren Erkenntnis geht der Kläger zum Gerichtsvollzieher und nun kommt das Weinlager des Verurteilten unter den Hammer. Die seinen Marken bringen immerhin Geld, vorgestern gegen 600 Mark, und da das Wasser gar nichts und Farbe und Flaschen auch nicht viel kosten, so bleibt für die beiden Gauner nach Abzug der Gerichts- und Bersteigerungskosten immer noch ein schönes Stück Geld übrig.
* Münster i. W., 16. Oktober. Das Droste-Vische- ring'sche Stammschloß in Darsels ist gestern fast vollständig niedergebrannt; nur die Kapelle blieb unversehrt; ein Teil der Bibliothek und des Mobiliars konnte gerettet werden. — Weiter wird gemeldet, daß bei den Löschungsarbeiten zwei Feuerwehrmänner verunglückten, von denen einer tot blieb.
• Kiel, 17. Oktober. Das eiserne Barkschiff „Denner44 ist im Kattegat untergegangen. Der Kapitän und der zweite Offizier ertranken; die übrige Besatzung wurde gerettet.
* Leipzig, 17. Oktober. Gustav Heuer, Mitinhaber und Leiter der Buntpapierfabrik Heuer u. Kompagnie, wurde wegen Wechselreiterei in Höhe von über 400000 M. und wegen Unregelmäßigkeiten verhaftet.
Universitäts-Nachrichten!.
— Marburg. An der hiesigen Universität wurde für das nächste Amtsjahr Profeffor der Medizin Hans Meyer zum Rektor gewählt.
— Marburg. Der Profestor Paul Kretschmer von der hiesigen Universität wurde zum Prof ffor der vergleichenden Sprachwissenschaften an der Wiener Universität ernannt.
— Heidelberg. Von hier wird mitgeteilt, daß der außerordentliche Professor Dr. Kleinschmidt sich nur vorübergehend archivalischer Studien halber nach Marburg begibt, jedoch Heidelberger Professor bleibt und hierher zurückkehren wirb.___________________________________________
Kunst und Wissenschaft.
Karlsruhe, 17. Oktober. Der Kaiser spendete für den Fonds gut Erbauung eines Scheffel-Denkmals in Säcktngen 1000 Mark. __________________________
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Kraukfurter Börse vom 17. Oktober.
Wechsel auf Rew-Vuk zu 4.20—21.
Prämien auf Kredit per ult. Oft. 1.40%, do. per ult. Nov. 2 85%, Diskonto Kommandit per ult. Okt. 1 20%, do. per ult. Nov. 2.350/q Lombarden p-r ult. Okt. 0 40%. Deutsche Bank per ult. Dez. 3 60, 3proz. Mexikaner per ult Nov. 0 40*%
Notierungen: Kr.dttaktten 225 70-50, Diskonto Kom- mandu 189.70-60 80-70, Staattzbahn 138.50, Gotthard 141.90, Lombarden 31.50, Ungar. Goldrente 96 85, Italiener 91.40, 6p-oz. Mexikaner —, 3proz. Mexikaner 25 90. O-sterr. Coupons 84%, Amerck. Coupons 4 188 4- Privat Diskont 5%% G.
I1/4 bis 2% Uhr: Kredit 22550, Diskonto Kommandit 189.70—90, Stamvbahn 138.50, Lombarden 31.30.
Kartoffeln.
Magdeburg. Eßkartoffeln 4 50 bis 5.00 Mk. für 100 Kilo. — Stettin. Kartoffeln 3.20 bis 4.00 Mk. für 100 Kilo. — Nordhausen. Kartoffeln 4.50 bis 5 00 Mk. für 100 Kilo. — Konstanz. Kartoffeln 1.00 Mk. für 20 Liter. — Freiburg. Kartoffeln 0.80 Mk. für 2u Liter. Offenburg. Kartoffeln 0.80 Mk. für 20 Liter. — Karlsruhe 0.80 Mk. für 20 Liter.
Heu und Stroh.
Berlin. Richtstroh, höchster Preis 4.00 Mk., niedrigster Preis 3.50 Mk., Hku höchster Preis 6.90 Mk., niedrigster Preis 4.00 für 100 Kilo — Köln. Heu 5.80 bis 7.80 Mk, Krummstroh 2.00 Mk., Ma- schinenstroh 2.60 Mk., Richtstroh 3 10 Mk. für 100 Kilo. — Nordhaufen. Heu 5.00 bis 6 00 Mk., Richtstroh 2 50 bis 300 Mk für 100 Kilo. — Halle. Sämtliche Preise gelten für 100 Kilo, und zwar bei Partien frei Bahn hier. Roggenlangsvoh (Handdrusch) 2.50 bis 3.20 Mk., Maschinenstroh (Roggenstroh) 2.00 bis 2.50 Mk., Weizenstroh 1.70 bis 2 Mk., Wiesenheu, hiesiges oder Thüringer, beste Sorten 6.50 bis 7.50 Mk. — Nürnberg. Heu 6.00 bis 7.60 Mk., Stroh 3.60 bis 4.00 Mk. für 100 Kilo. — Würzburg. Heu 5.00 bis 5 60, Stroh 3 20 bis 3.80Mk- für 100 Kilo. — Karlsruhe. Heu6.60Mk., Ltroh 0 00 Mk. für 100 Kilo. — Offenburg. Heu 4.60 Mk., Stroh 3.40 Mk. für 100 Kilo. — Freiburg. Heu 5.00 Mk., Stroh 0 Mk. für 100 Kilo. — Konsta nz. Heu 7.00 Mk., Stroh 4,00 Mk. für 100 Kilo. ______________
Zahlungseinstellungen.
Konkurseröffnungen: Restaurateur Äug. Zink, Bayreuth; Zimmermeister Peter Badewitz, Bayreuth; Tischler Hans Stellmann, Berlin; Schnittwarenhändler Dav Spingarn, Beuthen (0.-8); Ehefrau des Backers Aug. Buwitt, Braunschweig; Transportversicherungsmepektor Osk Wilh. Roh Claus, Charlottenburg; Kaufmann Reinh. Albrecht, Elbing- Kaufmann Ernst Neufang, Elbing; Uhrmacher Ernst Rifth- dorf Frankfurt a M.; Fabrradhändlor Rob. Henning (Gebrüder Thomas) Grünberg; Damenputzwarenhändlerin Rosa Cam. Borensky, Johanngeorgenstadt; Weinhändler Aug. Korczytowski und Phil. Göt- ting Königsberg; Kaufmann Gust. Kobe, Schwientochlowitz (Konigs- hütt’e); Gutsbesitzer Reinh Paul Fleming, Bernsdorf (Lichtenstein); Gastwirt Wilh. Abisch, Lindow; Kaufmann Rich. Voss, Malchin (Mecklenb); Nachlass des Malers Joh. Bapt. Framperger, München; Spezereihändler Jul Beulet, Münster i Els ; Kaufmann W. Fricke, Rostock; Kaufmann Otto Wöllner, Waren; Bäcker Mich. Jos Stark, Würzburg- Tischler G. Leidig, Berlin; Kaufmann Mart. Fakian, Berlin; Schuhmacher Fritz Röpke, Berlin; Wirt Lüder Hin. Schnaars, Vahr (Bremen); Uhrmacher Herrn. Rob. Köthe, Burgstadt; Kaufmann Bernh. Richter, Dessau; Möbelhändler Gottfr. Schnurbusch, Dortmund; Kaufmann Franz Ewert, Elbing; Uhrmacher Emil Hoffmann, Krojanke (Flatow); Tuchfabrikant Gust. Ziegler, Forst; Kaufmann Joh. Scheffkes, Uekendorf (Gelsenkirchen); Kaufmann Walter Bergmann (Wagner & Co.), Gera; Handehfrau Maria Gottwald, Glogau; Kaufmann Emil Lindgens, Jüchen (Grevenbroich); Mühlenpächter fl. Schebaum, Versmold (Halle i. W.); Cigarrenhändler
Arthur Krenz, Königsberg; Gastwirt Heinr. Escher, Lüdenscheid; Lederhändler H. Wilkens, Mainz; Nachlass des Kaufmanns Phil. Wilhelm Ferd. Pfeiffer (II Wilkens), Mainz; Kaufmann Friedrich Wilh. Heymanns, Rat (Ratingen); Schankwirt Peter Jöhi k, Rendsburg; Cigarrenfabrikant Adolf Goldstein, Schönlanke; Materialwaren- bändler Herrn. Jost, Wilkau (Zwickau).
Wetterbericht. Ueber dem Westen und Südwesten Europas besteht zwar noch niederer Druck fort, doch scheint das Haupt-Centrum desselben dem Golfstrome folgend nordostwärts zu wandern. Auch im Innern Rußlands hat sich relativ niederer Barometerstand erhalten. Diese beiden Depressionsgebiete sind durch eine Zone hohen Druckes getrennt, welche sich von Skandinavien gegen den Südosten des Erdteils erstreckt. In Süddeutschland herrscht zumeist heiteres, aber rauhes Wetter. Stellenweise treten Morgennebel auf. Die Hochstationen verzeichnen Temperatur-Umkehr. Voraussichtliche Witterung: Von lokalen Morgennebeln abgesehen, meist heiteres, aber ziemlich rauheS Wetter.
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold'.
Berlin, 18. Oktober. Die Ankunft des Kaisers zur Blankenburger Hofjagd erfolgt am 26. d. Mts. nachmittags 5l/2 Uhr in Blankenburg.
Wien, 18. Oktober. Die von englischen Blättern verbreitete Meldung von der angeblich bevorstehenden morganatischen Vermählung des Erzherzogs Franz Ferdinand ist vollständig unbegründet.
Prag. 18. Oktober. Hier kam eS gestern abend zu großen gefährlichen Massen-Ansammlungen. Nur durch rasches Einschreiten der Polizei und eines starken Militär-Aufgebots gelang es, die Masse im Zaume zu halten, sodaß gewaltthätige Ausschreitungen nicht vorkamen. Auf dem Wenzelsplatze mußte die Polizei mit blanker Waffe einhauen, um die Menge zu zerstreuen.
Leus, 18. Oktober. 400 Grubenarbeiter der Mazin-Gruben sind wegen Lohnforderungen aus ständig. Eine Schlichtung des Konfliktes steht in Aussicht.
Rom, 18. Oktober. Furchtbare Regengüsse richten in Rom und Mittelitalien große Verwüstungen an. Die Bahnlinie Pisa Rom ist wegen Ueberschwemmung unterbrochen. Die Außen-Stadtteile Roms standen mehrere Stunden lang fast einen halben Meter unter Wasser, da die Kanalisation versagte. Drei Häuser sind durch Wasserschaden bereits eingestürzt. Der Tiber wächst gefahrdrohend. In Montemesola schlug der Blitz in eine Kirche, wodurch 2 Personen getötet und 40 verwundet wurden.
Paris, 18. Oktober. In Montbeliard sind 2000 Arbeiter und 600 Arbeiter-Frauen aus ständig. Die Ausständigen fordern die Entfernung eines Meisters und Lohnerhöhung.
Paris, 18. Oktober. Der „Patrie" zufolge hat sich Dreyfus über die Fortsetzung der Rehabilitierungs-Kampagne mißbilligend ausgesprochen. Dreyfus wünscht vielmehr vergessen zu werden und hegt darum und mit Rücksicht auf seine Gesundheit die Absicht, sein Vaterland zu verlassen und in Egypten Aufenthalt zu nehmen.
Paris, 18. Oktober. Die „Presse" behauptet, die Regierung werde gleich nach Wiederzusammentritt der Kammer Gesetzentwürfe über das Vereinsgesetz, die UnterrichtSfrci- heit, die Abschaffung der Kriegsgerichte u. s. w. einbringen.
Vom Kriegsschauplatz.
London, 18. Oktober. Aus Südafrika wird gemeldet, die Briten hätten einen Ausfall auf Mafe- king gemacht und die Buren angegriffen. Es sei wütend gekämpft worden. 300 Buren sollen gefangen und zehn Engländer gefallen sein. Ebenso fand ein Gefecht nördlich von Mafeking statt, wo die Engländer mit einem Panzerzuge kamen, um die von den Buren zerstörten Eisenbahnschienen wieder herzustellen unter der Deckung eines Feuers von Maximgeschützen. Die Buren konnten demZuge mit ihrem Gewehrfeuer nichts anhaben, zwangen denselben jedoch einmal zur Rückkehr. Bald darauf erschien der Panzerzug wieder. Kommandant Cronje sandte eine Depesche um Artillerie, die auch bald anlangte. Die Buren behaupten ihre Stellung. Zuverlässige Meldungen sind nicht zu erhalten. Telegrammen aus Dundee zufolge sollen die Buren jetzt ihre Pferde ausruhen laffen, um' dann eine Umzingelungs,Bewegung vor dem letzten Angriff auszuführen. Die Artillerie der Buren befindet sich in New Castle. Eine starke Abteilung derselben zerstörte bei Jngagane die Bahn, um das Herandringen von Panzerzügen zu verhindern. In Ladysmith wurden zwei Buren-Spione verhaftet und der Militärbehörde übergeben.
London, 18. Oktober. Ein Telegramm aus Kapstadt berichtet, daß die Buren sofort nach der Einnahme der Station Modder-River sich mit den übrigen Stationen tele- graphisch in Verbindung setzten. Sie erkundigten sich bei den englischen Stationen, ob viel englische Truppen die Eisenbahnwege besetzt hielten. Ihre Taktik wurde aber entdeckt und englischerseits wurde jede Auskunft verweigert.
London, 18. Oktober. Es liegen bis jetzt keine wichtigen Meldungen über das Treffen bei Mafeking vor. Verschiedene Blätter geben zwar Spezialausgaben aus, worin behauptet wird, die Buren hätten eine Niederlage erlitten und 300 Verwundete und Tote zu verzeichnen. Da diese Meldung offiziell aber nicht bestätigt wird, hält man sie für falsch. In militärischen Kreisen stimmt man darin überein, daß die Lage des Obersten Baden Povell mit seiner kleinen Besatzung in Mafeking eine sehr kritische ist.
Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg.» an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg.


