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19.9.1899 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 19. September

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erfunden sind. Die Tendenz derartiger Erfindungen ist übrigens offenkundig.

M.P.C. Die Absicht des Dr. Lieber, des ehr­geizigsten der dermaligen Zentrumsführer, eine Reise nach O stafi en und vielleicht auch nach den Karolinen anzutreten, erklärt sich aus der Mißstimmung, die sich des Genannten bemächtigt hat, seitdem es ihm nicht gelingen sollte, in der Kanalfrage im preußischen Landtag mit seiner Diplomatie zu erreichen, was er in der Militär- und den Marinefragen im Reichstag wiederholt fertig brachte. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Natürlich haben es die Konkurrenten des Herrn Dr. Lieber um den Preis der besten Führung des Zentrums sich nicht versagt, dem glorreich besiegten möglichst wenig schmeichelhaftes zu zu hören zu geben. Vor allem hat Herr vr. Lieber schwer an der Konkurrenz des Herrn Dr. Bachem zu tragen. Man darf sich versichert halten, daß dieser in der nächsten parla­mentarischen Kampagne danach streben wird, Herrn Dr. Lieber auszustechen. Derartige Rivalitätsverhältnisse kehren in allen Parteien wieder. In der nationalliberalen Partei kämpften lange Jahre Bennigsen und Lasker um die Priorität. Bennigsen ging nie auf Reisen, wie Herr Lieber und Herr Lasker, er zog sich aber zeitweise ganz aus dem Parlament zurück.,

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* Heber Dreyfus' Gesundheitszustand spricht sich der be­kannte Chirurg Dr. Pozzi aus, der Dreyfus zwar nicht untersucht, aber bei den Verhandlungen in Rennes in seiner nächsten Nähe gesessen und ihn scharf beobachtet hat. Dreyfus hat", erklärt er,ganz das Aussehen eines Offi­ziers, der lange in den Kolonieen war und das Sumpffieber durchgemacht hat. Andererseits hat er bekanntlich viel an Dysenterie gelitten. Er ist physisch zu Grunde gerichtet, mager, abgezehrt, hat atrophische Muskeln und besonders diejenigen des linken Arms machen diesen Eindruck, der an der Schulter mit Bindfaden befestigt scheint und wie der Arm einer Drehpuppe herunterhängt. Gelegentlich verschie­dener Unterhaltungen mit Demange erfuhr ich überdies, daß Dreyfus, obgleich er ganz in Flanell gekleidet ist, sich nur schwer erwärmen kann, daß er sich nur mit Milch er­nährt und selbst diese schlecht verdaut. Dreyfus ist ein toter Mann, un homme fini. Er ist erst 39 Jahre alt und sieht wie ein Sechziger aus. Er wird niemals wieder ganz gesund. Wenn er die Freiheit wiedererlangt, wird er leben aber wie eine Treibhauspflanze in Wolle gepackt, niemals seine volle Lebenskraft wiederfinden!"

* Weitere Experimente mit der drahtlosen Telegraphie Marconis wurden Montag in Dover unter der persönlichen Leitung Marconis veranstaltet. Die Höhe des Vole§ tn Dover betrug 50 Meter über dem Meere. Die Metall­drähte, die bisher als Stützen des Poles verwendet wurden, hatten sich als unpraktisch erwiesen. Sie wurden durch

Wie derPost" aus Paris gemeldet wird, hat sich von den deutschen Ausstellern auf dem Reichs-Kom­missariat in der Avenue des Champs Elysäe bis jetzt noch keiner gemeldet, welcher seine Anmeldung zur Aus­stellung zurückgezogen hätte, im Gegenteil, der Reichs-Kommissar, welcher jetzt wieder in Paris ist, war genötigt, im Annex Ausstellungsgebiete des Bois de Vin­cennes von der Ausstellungs-Verwaltung eine noch größere Fläche zu verlangen, als Deutschland ursprünglich zu­gesagt war.

Danzig, 17. September. Ober - Präsidialrat von Pusch, erster Dezernent beim Oberpräsidium und ständiger Vertreter von Goßlers, tritt am 1. Januar 1900 in den Ruhestand. Als sein Nachfolger wird u. a. ge­nannt der lippesche Staatsminister v. Miefitscheck.

Kiel, 17. September. Das Ein treffen des Zaren­paares zum Besuche der Prinzessin Heinrich wird nun­mehr für Dienstag den 19. d. M. angekündigt.

Munster i. Wests., 16. September. Zu Ehren des zum Kultusminister ernannten bisherigen Oberpräsiden­ten Studt fand hier heute abend ein Fackelzug statt, an welchem etwa 5000 Personen mit mehreren Musikkorps teilnahmen. Der Erste Bürgermeister Jungeblodt brachte ein Hoch auf den Gefeierten aus. Letzterer nahm in seiner Erwiderung von Provinz und Stadt, in welcher er eine zweite Heimat gefunden, Abschied. Er habe seines Amtes gewaltet mit dem Vorsatz, Recht und Gerechtigkeit zu wahren. In diesen Bahnen werde er auch in seinem neuen Amt sortfahren. An den Fackelzug schlossen sich vier Versamm­lungen an, welche Minister Studt besuchte.

DieNordd. Avg. Ztg." schreibt: Pariser Blätter colportieren angebliche Aeußerungen, welche der Kaiser dem Kronprinzen von Griechenland gegenüber ge- than haben soll und in welchem derselbe Griechenland für die Gestaltung und Verwendung seines Heeres und seiner Flotte im Hinblick auf einen künftigen Krieg mit der Türker bestimmte Rat­schläge erteilt. Wir sind in der Lage, mitzuteilen, daß diese Sr. Majestät in den Mund gelegten Aeußerungen

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Nr. 220 Zweites Blatt

vierkeljährlich 2 Mart 20 Psg monatlich 75 Psg mit vringerlaß».

Bet Postbezug R Mart 50 derteljäßrlich

Ausland.

Wien, 17. September. In den Blättern wird eine Kundgebung der Verbände der Industriellen von Prag und Umgebung veröffentlicht, in welcher die Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Böhmens energisch aufgefordert werden, endlich dahin zu wirken, daß zwischen beiden Nationalitäten in Böhmen eine Verständigung zu stände komme.

Wien, 17. September. DieArbeiterzeitung" publiziert den am 24. d. Mts. in Brünn erfolgenden Zusammen­tritt des sozialdemokratischen Parteitages.

Eger, 17. September. An einer gestern abend hier stattgefundenen großen sozialdemokratischen De­monstration beteiligten sich auch Veteranen. Die Kund­gebung war wiederum gegen die Deutschnationalen gerichtet. Vor der Redaktion derEgerer Nachrichten" und dem Klubhause der Deutschnationalen wurden Pfuirufe aus­gestoßen und Katzenmusik gemacht.

Budapest, 17. September. Der Handelsminister hat einen Gesetzentwurf über Einschränkung resp. Er­schwerung der Kartelle ausarbeiten und sämtlichen Handelskammern zur Begutachtung überreichen lassen.

Bern, 17. Sept. Ein Artikel in derN. Zürich. Ztg." tadelt den Schweizer Bundesrath, weil er bei der Leichen­feier des französischen Gesandten Montholon In­fanterie, Kavallerie und Artillerie ausbot, während er dem hier verstorbenen Gesandten des Deutschen Reiches Dr. Busch keinerlei militärische Ehren erwiesen habe.

ist, beruht die erwähnte Meldung entschieden auf einem Irrtum, da zurzeit Major Freiherr v. Süßkind als Militär-Attache der deutschen Botschaft in Paris akkreditiert ist, mithin eine Wiederbesetzung garnicht in Frage kommen kann. Der Posten eines italienischen Militär-Attaches ist freilich zurzeit unbesetzt.

Die Bestreb ungen, einen Boykott der Pariser Weltausstellung herbeizuführen, können als auf gegeben betrachtet werden. Nach einem Tele­gramm aus Paris gaben von den gegenwärtig dort weilenden fremdländischen Ausstellungskommissaren einige dem General­direktor Picard bereits vollkommen beruhigende Versiche­rungen. Die Beschickung der Ausstellung dürfte in dem von Anfang an bestimmten Umfang gesichert bleiben.

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Hanfstricke ersetzt. Telegraphische Botschaften wurden u. a. zwischen Dover und Boulogne gewechselt. Es war zum ersten Mal möglich, mit dem Marconischen System eine direkte telegraphische Verbindung über den englischen Kancu herzustellen. Marconi verließ Dienstag England, um sich nach Amerika zu begeben. Nach Andeutungen, die gemacht wurden, glaubt man, daß die Reise Marconis über den Atlandischen Ozean auch den Zweck hat, die Möglichkeit einer telegraphischen Verbindung zwischen Amerika und Eng­land auf Grund des Marconischen Systems näher ms Auge zu fassen.^ Z^unftsbahnhöfen entwirft K. Rudolfi im L. T." etwa folgendes Bild: Den zukünftigen Central­personenbahnhof stelle man sich inmitten der Stadt als ein riesenhaftes, turmartiges Gebäude aus solidem Mauerwerk, Eisen und Glas vor, von einer Höhe, welche etwa das Doppelte eines dreistöckigen Wohnhauses, also ungefähr 40 Meter, beträgt. Das Erdgeschoß enthält die für einen großen Bahnhof nötigen Läden, Auskunftsstellen, Automaten, Telephonzellen usw. Breite, sich selbst bewegende Treppen führen in die Tiefe und in das erste und zweite Stockwerk. Begiebt man sich nach unten, so gelangt man auf die Bahn- steige der elektrischen, alle 2 bis 3 Minuten absahrenden Untergrundbahn für den Verkehr innerhalb der Stadt. Steigt man in das erste Stockwerk, so kommt man zu den radiär vom Mittelpunkte des Gebäudes nach außen ver­laufenden Bahnsteigen der dem Schnellverkehr in der Stadt

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Feuilleton.

* Im Hinblick auf die demnächstige Herreise des Zaren ist es von Interesse, zu vernehmen, wie ein Kenner der russischen und orientalischen Verhältnisse Bresnitzo Sy- dacoff in seiner kürzlich in vierter Auflage erschienenen SchriftZar Nikolaus II. und sein Hof" den augen­blicklichen Herrscher Rußlands schildert: Eine kleine, schmäch­tige Gestalt, ein bleiches Angesicht, das ein kurzer, wohlge­pflegter Bart umrahmt, ein hoher Ernst auf der glatten Stirne das ist der Zar. Mit leichtem Kopfnicken, kurzen Gebärden und wenigen Worten nimmt er die ihm darge­brachten Huldigungen entgegen. Wie sein Inneres aus- fieht? Wer hätte das überhaupt je bei einem Monarchen ergründen können, nun aber gar bei dem jungen Herrscher Rußlands, der vielleicht der verschlossenste Monarch ist, der jemals auf einem Thron gesessen. Das eine aber ist gewiß, man hat den Zaren noch nie lachen und fröhlich gesehen. Ein kurzes Lächeln, das mit dem düsteren Blick der melan­cholischen Augen seltsam kontrastiert und rasch verstummt, Las.ist alles. Er spricht nie viel und während er redet, hält er zumeist den Blick zu Boden geheftet. Hebt er die klugen mit einem kurzen Aufschlag zu dem, mit wem er -spricht, empor, so trifft diesen ein müder, kranker Blick, er vergißt das traurige Augenpaar lange nicht, wenn es ihm einmal vergönnt war in dasselbe zu schauen.

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Siebener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Deutsches Reich.

Berlin, 16. September. Der Kaiser nahm heute vormittag im Jagdschloß Hubertusstock den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, v. Lucanus, und des Ministers des Innern, Freiherrn v. Rheinbaben, entgegen.

Der Kaiser in Hubertus stock. Trotz des regnerischen Wetters, welches ungünstig auf die Hirschbrunst wirkt, hatte der Kaiser am Samstag einen recht günstigen Jagdtag. Es kamen ihm im Pechsteiner Revier, sechs starke Hirsche, 16-, 14- und 12-Ender zum Schuß, die sämtlich zur Strecke gebracht wurden. Später begab sich der hohe Jagdherr, trotzdem sich das Wetter weiter ver­schlechterte, in die prächtigen Waldungen der Grimnitz auf die Pürsche. Im ganzen wurden bis jetzt 13 Hirsche und zwei Schaufler zur Strecke gebracht. Die Kaiserin wird, wenn das Wetter ungünstig bleibt, ihren Aufenthalt in Hubertusstock nicht verlängern, sondern nach der Abreise des Kaisers nach dem Neuen Palais zurückkehren.

Das Befinden des Finanzministers Dr. v. Miquel hat sich soweit gebessert, daß er be­reits gestern Vorträge seiner Räte entgegennehmen konnte. Der Minister gedenkt am Montag wieder die laufenden Arbeiten aufzunehmen. Wie lebhaften Anteil der Kaiser an dem Verlaufe der Krankheit nimmt, geht u. a. daraus her­vor, daß er sich durch Herrn Lucanus vor einigen Tagen persönlich nach seinem Befinden erkundigen ließ. Aus dem Umstande, daß der behandelnde Arzt am Samstag noch den Professor Fürbringer zur Konsultation zugezogen hat, werden zurzeit allerlei ungünstige Schlüsse gezogen. Diese sind, wie dieStaatsb.-Ztg." mitteilen kann, unzutreffend.

DieNordd. Allg. Ztg." schließt sich der Ansicht derKöln. Ztg." an, daß ein politischer Beamter nicht inmitten einer Bewegung verharren dürfe, deren offizielles Organ einen Ton gegen die Regie­rung anschlage, wie dies dieKorrespondenz des Bundes der Landwirte" gethan habe.

Wie diePost" erfährt, ist die Annahme, als ob die Aufforderung des Polizeipräsidenten an den Vorstand des Bundes der Landwirte, innerhalb acht Tagen korrigierte Mitgliederlisten einzusenden, auf eine Maß­regelung der Staatsregierung gegen denBund zurückzuführen sei, unbegründet. Die Auffor­derung sei schon vor mehreren Wochen ergangen, und zwar rein geschäftsmäßig, wie dies auf Grund des Vereins- gesetz es allen Vereinen gegenüber geschieht, um die zeit­weise Berichtigung der Mitglieder - Verzeichnisse herbei-

Gratisdeilsge«: Gießener Familiendlätter, Der hessische Landwirt, Mtter für hessische Volkskunde.

zuführen.

Zu der Pariser Meldung derPolit. Korresp.", daß die Wiederbesetzung der Posten der Militär-Attachos bei den Botschaften Deutschlands und Italiens in Paris erst nach Ablauf einiger Zeit erfolgen könne, schreibt die Post": Soweit hier von einer Wiederbesetzung des Post ens des deutschen Militär-AttachöS die Rede |

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»treffe für Depeschen: JUqeiger Fernsprecher Nr. 51.

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