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19.5.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 116 Zweites Blatt Freitag den 19. Mai

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Fernsprecher Nr. 51.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Mai. Der Kaiser, welcher mit der laus er in zum Pfingstfeste hier im Neuen Palais eintreffen >irü>, wird am 30. und 31. Mai die beiden großen Früh- jahrS-Paraden abhalten und Anfang Juni eine Besichtigung ber Garde-Kavallerie-Regimenter abhalten.

Berlin, 17. Mai. Der Kaiser machte Mittwoch früh rin« Spaziergang nach Bieberich und nahm später Vorträge «liegen. Mittags trafen die Kaiserin Friedrich und die Prmzessin Viktoria von Schaumburg-Lippe in Wiesbaden (in «und nahmen dann mit dem Kaiserpaar an einem Früh- ffld teil, welches vom Offizierkorps des Hessischen Füsilier- RrgimrentS von Gersdorf, dessen Chef die Kaiserin Friedrich ist, gegeben wurde.

Berlin, 17. Mai. Der Kaiser arbeitete, wie aus vinsbaden gemeldet wird, gestern nach dem Vortrage le« «Chefs deS Marine-Kabinetts, Frhrn. v. Senden-Bibran, loch längere Zeit mit dem Vertreter des Auswärtigen Imkes, Gesandten Grafen Wolff-Metternich. Heute vor- liitlrrg nahm der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civil- Mnetts v. Lukanus und hierauf denjenigen des Grafen Nolßf-Metternich entgegen.

Berlin, 17. Mai. In der Reichstags-Kommission sür die Post-Novelle wurde heute die zweite Lesung ter Kernsprechgebühren-Ordnung zumeist nach den Beschlüssen ter ersten Lesung erledigt. Der Bericht soll sofort nach tm Aerien verlesen werden und an das Plenum gelangen. Ilstiann soll das Telegraphen-Wegegesetz in der Kommission i«t Beratung gelangen, für welches aber in parlamen- tmsthen Kreisen wenig Neigung vorhanden ist, sodaß es Miielhaft erscheint, ob auch diese Vorlage noch zur Ver- «Wedung gelangt.

Berlin, 17. Mai. In der Reichstags-Kommission jur Beratung der Novelle zur Gewerbe-Ord- mmg wurde heute die Beratung fortgesetzt und § 139c, -ter wie Ruhezeit der Arbeiter betrifft, im ganzen nach den NMüssen der ersten Lesung bestätigt.

Berlin, 17. Mai. Staatssekretär v. Bülow und der mssis.che Botschafter Graf v. d. Osten-Sacken haben^sich Gl!« früh nach Wiesbaden begeben.

Berlin, 17. Mai. Gestern abend kenterte auf der 66»rtie in der Nähe des Templiner Sees an einer Land- iingf ein Ruderboot, in welchem fünf Postassistenten saßen. Am derselben ertranken.

Ein neuer deutscher Kardinal soll, wie aus I München geschrieben wird, in der Person des jetzigen Erz« « bischofs voll München-Freising, vr. von Stein, entstehen. Dr. von Stein, vorher Bischof von Würzburg, ein Sohn des Frankenlandes, ist aus sehr bescheidenen ländlichen Ver­hältnissen zu seinen hohen kirchlichen Würden emporgestiegen und hat sich während seiner bischöflichen und erzbischöflichen Wirksamkeit vor allem die Gunst des jetzt abberufenen Münchener Nuntius Lorenzelli erworben. Er gilt als sehr gemäßigter Mann.

Ausland.

Wieu,17.Mai. DieKlubs der deutschen Oppo­sitions-Parteien des Abgeordnetenhauses wurden für übermorgen behufs Entgegennahme der nationalpolitischen Forderungen der Deutschen eiugeladen.

Wien, 17. Mai. Um die österreichisch-ungarische Ausgleichssache, über die man zwischen beiden Regie­rungen wieder einmal verhandelt hat, steht es anscheinend wieder sehr schlecht. Die österreichische Regierung will von ihrem geänderten Standpunkte bezüglich des Bankvertrages nicht abstehen, und das ungarische Kabinett kann sich darüber nicht täuschen, daß selbst ein Personenwechsel im öster­reichischen Kabinett die Lage nicht ändern würde, denn jeder Nachfolger Thuns müßte sich dessen Standpunkt zu eigen machen, und zwar schon mit Rücksicht auf die österreichischen Interessen. Die ungarische Regierung hinwiederum könnte mit keinem Ausgleich vor das ungarische Parlament treten, der Ungarn weniger böte als Banffys Ausgleichsvorlage. Der entschiedene Mißerfolg des Kabinetts Thun in der Ausgleichsfrage scheint nun die Pläne des Grafen bezüglich der Sprachenfrage vorerst über den Haufen geworfen zu haben. Es verlautet, daß die Besprechungen der öster­reichischen Regierung mit dem Vollzugsausschüsse der Rechten des Reichstages auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben worden wären. So dürfte allerdings der empfindliche Miß­erfolg im Ausgleiche die Regierung des Grafen Thun ohne eigenes Verdienst vor einem ebenso empfindlichen Mißerfolg in der Sprachenfrage bewahrt haben.

Bukarest, 17. Mai. Der frühere Minister, Kammer- Vizepräsident und Senator Vizanti ist unter Mitnahme der ihm anvertrauten Kasse des National-Theaters in Jassy und Hinterlassung betrügerischer Schulden durchgebrannt.

Teplitz, 17. Mai. Bei Felssprengungen in der

Nähe von Borislau löste sich vorzeitig ein Felsblock los und begrub mehrere Arbeiter unter sich, von denen einer getötet und einige verwundet wurden.

UermWtrs.

* Aus dem Miefengebirge, im Mai schreibt man der Darmft. Ztg.": Wenig bekannt ist die Thatsache, daß jenes Lied Ernst Moritz ArndtSWas ist des Deutschen Vaterland" in der Kapelle auf der Schneekoppe im Riesen- gebirge von dem späteren preußischen Generalmusikdirektor Gustav Reichardt komponiert worden ist. Es war am 3. August 1825, als Reichardt mit einigen sangesfrohen Freunden von Schmiedeberg aus über die Grenzbauden auf die Schneekoppe stieg. Die wunderbare Natur und die Erinnerung, daß es gerade der Geburtstag des Landes. Herrn, Königs Friedrich Wilhelm III. war, regte jene kleine Schar mächtig an. Aber ein Schatten verdunkelte doch den sonnigen Tag: das war der Gedanke an die Zerrissenheit des deutschen Vaterlandes, und im Gespräch kam man während der Wanderung auch auf das Arndt'sche Lied. Kaum in der Kapelle oben angelangt, schrieb Reichardt da­selbst jene später so viel gesungene Melodie zu dem Siebe Was ist des Deutschen Vaterland" nieder, und gleich darauf erscholl es von der höchsten Erhebung nördlich der Donau zum erstenmale in die deutschen Lande! Zum Ge­dächtnis dessen, und zugleich an den 100jährigen Geburtstag Reichardts (13. November 1897) läßt die Ortsgruppe Berlin des Riesengebirgs-Vereins an der Kapelle auf der Schneekoppe eine Gedenktafel aus schwarzem Granit mit darauf bezüglicher Inschrift anbringen. Ueber der Inschrift schwebt die deutsche Kaiserkrone, um symbolisch darzustellen, wie die in jenem Liede ausgesprochene Sehnsucht nach einem geeinten Vaterlande ihre Erfüllung gefunden hat. Die Einweihung der Tafel soll am Samstag vor Pfingsten, am 20. Mai in der Mittagsstunde erfolgen.

* 22. Deutscher Fleischer-Verbaudstag. Der Deutsche Fleischer-Verband gehört anerkanntermaßen zu den größten Jnnungsvereinigungen Deutschlands. Derselbe um­faßt zurzeit 1010 Innungen mit 28045 Mitglieder. Ein­geteilt in 22 Bezirksvereine und eine Anzahl von Innungen, welche vermöge des Zusammenwirkens verschiedener Umstände eine Ausnahmestellung einnehmen. Die Verbandsthätigkeit auf den vielen Gebieten des gewerblichen Lebens und auf dem so weit verzweigten Felde des Jnnungslebens und

Die Bedeutung

der

Buchführung und der Kalkulation

für das

$o#h®trli uni) Kleingewerbe.

(Nechdruck verboten.)

III. Die gewerbliche Kalkulation.

Zum Posten der Abnutzungswerte, den A b sch reib - ri ig en (Amortisation), bei welchen nur selten das rechte e5&6 getroffen wird, sei kurz bemerkt, daß es feststehende ^B;<ntsätze hierfür nicht giebt. Zwar hat sich in der ergeben, daß man im Durchschnitt gewisse Prozente b kMnschaffungswertes als jährlichen Abnutzungswert rechnet, c tUfli diese Prozentsätze sind eben nur der Durchschnitt, und i Passen sie nicht auf jedes Geschäft. Die Abnutzung ,Wet! sich ganz nach der Inanspruchnahme der Gegenstände, > »oiüid Jahre sie benutzt werden können. Zweck der Ab- s Wbungen ist der, ein Kapital zu sammeln, mit welchem f rihbüe abgenutzten und unbrauchbar gewordenen Gegen- fltihbe wieder neue angeschafft werden können. Je längere »Denn Gegenstand benutzt werden kann, umso geringer nrnj die Abschreibung sein. Wenn die jährlichen Ab- fi Wib'llngen, zu 4 Prozent, 4 von Hundert, auf Zins und ZDsksizins gelegt, den Betrag wieder ergeben sollen, den evvi Vngenstand neu gekostet hat, so sind beispielsweise von blki Berte des Gegenstandes jährlich abzuschreiben, wenn Cut bmilltzt werden kann:

8 Jahre 10

14 5

27 2

40 1

60 .. i/4

z-itststehende Prozentsätze für die Abschreibung giebt es a'iH Nicht. Wenn angenommen werden darf, daß eine LWiine nicht länger als 12l/t Jahre gebrauchsfähig sein

wird, so muß man eben jährlich 8 Prozent ihres Wertes abschreiben, damit der Anschaffungswert spätestens am Tage der Außerdienststellung getilgt sei. Wenn diese Maschine aber früher, als ursprünglich angenommen war, vielleicht im sechsten Jahre, unbrauchbar wird, so ist dies ein Verlust, und muß der noch nicht abgeschriebene Wert derselben wie ein Geschäftsverlust behandelt werden.

Die allgemeinen Unkosten werden nicht bei jeder ein­zelnen Kalkulation von neuem ermittelt, sondern das nach sorgfältiger Aufstellung gewonnene Ergebnis ist für längere Zeit maßgebend. Wo nicht namhafte Aenderungen im Ge­schäftsbetriebe eintreten, wird wohl die jährlich einmal vor­genommene Unkostenberechnung genügen. Sobald aber durch Anschaffung neuer Maschinen oder durch Wechsel im tech­nischen Betriebe die Aufwendungen sich verschieben, was zu- meist in der Art geschieht, daß die allgemeinen Unkosten sich steigern, die Ausgaben für produktive Löhne dagegen sich verringern, so muß sofort eine neue Aufstellung vorge­nommen werden.

Die Gesamtsumme der allgemeinen Unkosten muß nun anteilig den Ausgaben für produktive Löhne hinzugezählt werden, um unter weiterer Hinzufügung des Materialwertes die Selbstkosten bestimmen zu können. Hat man also die allgemeinen Unkosten auf einen bestimmten Zeitraum (am bequemsten auf ein Jahr) ermittelt, so muß ferner festgestellt werden, wieviel während desselben Zeitraumes für produktive Löhne verausgabt worden ist. Hat sich z. B. ergeben, daß sich die produktiven Löhne eines Jahres auf 6000 Mk. und die allgemeinen Unkosten auf 1200 Mk. belaufen, so ver­halten sich diese zu jenen wie 1 zu 5, oder sie betragen 20 Prozent von ihnen. So hat der Meister neben jeder Mark, die er für Arbeitslohn ausgiebt, noch 20 Pfg. all­gemeine Unkosten; des Meisters Selbstkosten setzen sich also zusammen aus dem Materialwerte, dem Arbeitslöhne und 20 Prozent des letzteren für allgemeine Unkosten.

Der Schwerpunkt der ganzen Kalkulation liegt in der Ermittelung der allgemeinen Un­

kosten. Einige Beispiele mögen dies erläutern. Ein Buch­binder, der mit zwei Gesellen und einem Lehrling arbeitet, will seine Betriebskosten berechnen:

1. An Miete für Werkstatt und Lagerraum be­zahlt er............ 600.

2. Unterhaltung der Geschäftsräume .... 15.

3. Zinsen des Betriebskapitals:

a) Wert der vorrätigen Rohstoffe 275 Mk.

b) Wert der fertigen Waren . . 1860

c) Einrichtung d. Geschäftsräume 3400 d) Kapital zur Deckung der lfd.

Mk. 5835.5 o/e ---- 291.75

4. Steuern............ 200.__

5. Versicherungen:

a) Feuer.......25. Mk.

b) Kranken ......32. 57.

6. Feuerung und Beleuchtung . . ' ~ ' 137.

7. Selbstlohn des Meisters für Versäumnisse . 75.

8. Verluste............20.__

9. Entwertung der Ware......' 25.

10. Rabatt und Unvorhergesehenes.....32.

11. Abschreibungen der Abnutzungswerte:

a) Handwerkszeug und Maschinen

2800 Mk. 5% = 140.- Mk.

b) Ladeneinrichtung

480 Mk. 40/o = 19.20 Mk.

c) Werkstatteinrichtung

120 Mk. 5% = 6.-Mk.---165.20

Mk. 1617.95

Wenn nun die Geschäftsbücher ergeben, daß der Buch­binder im Laufe des Jahres für Waren, Rohstoffe, Zuthaten und Arbeitslohn 11000 Mk. bezahlt hat, so betragen die Geschäftsunkosten ca. 14 °/0 dieser Summe. Seine Selbst­kosten vermehren sich also bei jedem Artikel um 14 %. Zur Berechnung der Preise für gelieferte Arbeiten ist es in diesem

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