iit. 43
Viertes Blatt»
Sonntag den 19. Februar
1S99
Gießener Anzeiger
bngelegt.
General-Unzeiger
oolm
Anrts- und Alrzeigeblntt für den Ureis Gieszen
Zch»tstratze Ar. 7.
leben des Präsidenten Fan re
wurde hier nach
Mitternacht bekannt.
Man glaubte im Anfang nicht an
Dir haben schon mehrfach Veranlassung genommen,
Delttsches Reich
»KrO
Aezugspreis oierti-ljätirlid)
Ärnrctme von Anzeigen zu der nachmittags für den felljttbtn Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
monatlich 75 Pfg mit Bringerlohn.
Bei Postbezug
2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Hft-jälint lägNch mrt Ausnahme des Montags.
fg-
Die Dire!^
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Uotkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger chietze«.
Fernsprecher Nr. 51.
Fokales und Drovinrielles.
Grünberg, 16. Februar. Die Beteiligung an der heute hier stattgehabten Ergänzuugswahl zum Stadtvorstand war gering. Noch nicht 50 Prozent der Berechtigten machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Gewählt mit 90 Stimmen wurde Herr Cigarrenfabrikant C. Ranft; der Gegenkandidat, Herr Gerbermeister Hermann Kreuder I., erhielt 69 Stimmen.
X. Darmstadt, 17. Februar. Bon einem der bedeutendsten Porträtisten und Genremalers der Gegenwart, Fried. Aug. v. Kaulbach (geb. 1850 in Hannover) ist soeben in der Kunsthalle eine hochinteressante Sammlung von Gemälden ausgestellt, unter denen die Porträts seiner Frau, von Fräulein L. und andere den Vorrang vor den italienischen Landschaften verdienen. Kaulbachs Porträts mit ihrer tieferen seelischen Auffassung und feinster Farbenstimmung sind für den Kenner so charakteristisch wie die Lenbach'schen.
Von der Bergstraße, 15. Februar. Die herrliche „Frühlingswitterung" schafft reges Leben in der Natur. In den Gärten stehen manche Sträucher in frischem Grün, und die bekannten ersten Frühlingsblumen stehen in Blüte. Auch das Märzveilchen wurde schon im Freien gepflückt und in Sträußchen vorgezeigt. Die Blütenknospen der Aprikosenbäume uud Mandeln sind in geschützten Lagen dem Aufblühen nahe, auch die Kirsch- und Birnblütenknospen sind weit vorgerückt. In den Wäldern und Hecken erfreuen uns viele Frühlingssänger, ganz besonders die Amseln, mit ihrem Gesang — und das alles Mitte Februar!
A Mainz, 17. Februar. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichtes verurteilte heute den Stationsassistenten Julius Löbach wegen Fahrlässigkeit zu drei Wochen Gefängnis. Durch Unterlassen einer telegraphischen Meldung hat Löbach das am 21. Oktober v. I. zwischen hier und Mombach vorgekommene Eisenbahnunglück, welches einen sehr be- deutenden Materialschaden zur Folce hatte, verschuldet. — Vor den hiesigen Gerichten ist eben eine Strafuntersuchung gegen mehrere Schüler einer hiesigen höheren Lehranstalt anhängig, die gemeinschaftlich allerlei Ladeudiebstähle ausgeführt haben sollen. Es handelt sich bei diesen Entwendungen der jungen Taugenichtse, die teilweise den ersten Familien hier, angehören, hauptsächlich um Genußmittel, und führte eine Flasche Kognak, welche die Buben stahlen
der Verfassung hinaus zu streben suche. Einen solchen Mann werde man finden.
Berlin, 17. Februar. Bei Eröffnung der heutigen Reichstags-Sitzung ergriff Reichskanzler Fürst Hohenlohe das Wort, um dem Hause die Mitteilung von dem Ableben des Präsidenten der französischen Republik zu machen. Der Reichskanzler fuhr dann fort: Ich bin gewiß, daß die Vertretung des Deutschen Reiches sich eins mit Seiner Majestät dem Kaiser und den verbündeten Negierungen weiß, in dem Ausdrucke warmer und herzlicher Sympathien für die französische Nation, welche den Heimgang eines Mannes beklagt, der als Staatsoberhaupt unentwegt die großen Interessen des Friedens, der Eintracht und der Wohlfahrt gefördert hat. (Beifall.) Eingedenk des gemeinsamen Bandes, welches die Völker umschließt, geben auch wir unserer Trauer Ausdruck über den Verlust, den das französische Volk erlitten hat. Sämtliche anwesende Mitglieder hatten sich bei den Worten des Reichskanzlers von ihren Sitzen erhoben.
— Handelshochschule in Leipzig. Die vom königlichen Ministerium des Innern zu Dresden erlassene Prüfungsordnung für die neue Anstalt ist soeben veröffentlicht worden. Die stattliche Diplomprüfung für studierende Kaufleute ist etwas völlig Neues und dürfte von besonderem Interesse sein. Die wesentlichen Bestimmungen der Prüfungsordnung sind folgende: „Am Schluffe jedes Semesters werden von Ostern 1900 an unter dem Vorsitz eines königlichen Kommissars Prüfungen vor einer königlichen Prüfungskommission abgehalten. Die Prüfungen sind zweierlei Art: 1. für Kaufleute zur Erlangung eines Diploms, 2. für Handelslchramtskandidaten zum Nachweise der Lehrbefähigung an Handelsschulen. Beide Prüfungen sind öffentlich. Vorgeschriebene Prüsungsgegenstände sind für beide Prüfungen : Höheres kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, deutsche Handelskorrespondenz und Kontorarbeiten, Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft, Grundzüge der Handelsgeschichte und Wirtschaftsgeographie, Handels-.und Wechselrecht. Prüfungsgegenstände nach Wahl sind die andern an der Handelshochschule gelehrten Fächer, z B. Handelskorrespondenz in fremden Sprachen, Technologie u. s. w. Die Prüfung besteht aus schriftlichen Arbeiten unter Klausur und einer mündlichen Prüfung Bei der Lehramtsprüfung kommt noch eine größere häusliche Arbeit und eine Probelektion an der öffentlichen Handelslehranstalt mit sich anschließender mündlicher Prüfung über didaktische und pädagogische Stoffe hinzu. Außerdem haben die Lehramtskandidaten nach der Art ihrer Vorbildung noch kleinere Prüfungen als Nachweis ihrer allgemeinen Bildung zu bestehen und müssen sich an den kaufmännischen Hebungen der Handelshochschule beteiligt haben. Die Prüfungsordnung kann gegen Einsendung einer 20 Pfennigmarke von der Kanzlei der Handelshochschule, Leipzig, Löhrstraße 3/5, bezogen werden. Anfragen richte man an den Studiendirektor Professor Raydt, daselbst.
— Samoa. Schon vor dem Ausbruch der Unruhen und Zwistigkeiten auf Samoa war, wie erinnerlich, der Vorsitzende des Gemeinderates in Apia, Dr. Raffel, abberufen und an seine Stelle der bisherige Bezirksrichter in Ostafrika, Dr. Solf, berufen worden. Wie die „Magdeb. Ztg." erfährt, hat sich der letztere durch das Studium der Akten u. s. w. auf seine neue Stellung vorbereitet und wird sich jetzt nach Samoa begeben.
die Nichtigkeit der Nachricht. Später zirkulierte dann das Gerücht, Präsident Faure hätte sich das Leben genommen.
Bern, 17. Februar. In seiner Antwort auf die Einladung zur Teilnahme an der Abrüstungs-Konferenz lenkt der schweizerische Bundesrat, wie der „Bund" meldet, die Aufmerksamkeit der russischen Regierung auf die Notwendigkeit einer Revision der Bestimmungen der Genfer Konvention und nicht allein einer Ausdehnung derselben auf den Seekrieg. Der Bundesrat weist darauf hin, daß gewisse Bestimmungen der Konvention nicht mehr der gegenwärtigen Anschauungsweise entsprächen, und daß man in die Konvention auch Bestimmungen hinsichtlich der Kriegsgebränche aufnehmen müsse. Als die Absicht Rußlands, eine Konferenz einzubcrufen, .bekannt geworden sei, habe der Bundesrat in der Thal nicht nur einen Entwurf für die Anwendung der Konvention auf den Seekrieg, sondern auch ein Programm und eine Vorlage betreffend die Revision der Konvention, ausgearbeitet.
London, 17. Februar. Der große Gedanke der Altersversicherung scheint in England noch doch in irgend einer Form zum Siege gelangen zu sollen. Ein Provinzialblatt weiß nämlich folgendes: „Cbarnberlain hat im Ministerium mit der Altersversicherungs-Vorlage triumphiert. Er sagt, für solche Maßregel müsse er im Interesse seiner politischen Laufbahn eintreten. Das Ergebnis ist, daß eine Altersversicherungsbill die große Vorlage der nächsten Tagung des Parlaments bilden wird. Der Schatzkanzler ist dadurch gewonnen worden, daß man ihn dazu zwang. Chamberlain will, daß die Kosten der Altersversicherung von den Gemeinden getragen werden."
London, 17. Februar. Hier wurde die Meldung von dem plötzlichen Ableben des Präsidenten der französischen Republik mit großer Erregung entgegengenommen. Die Minister haben sich vereinigt und beraten über die Haltung, welche das englische Parlament einzunehmen gedenkt. Es sollen alle Zeremonien in Anwendung gebracht werden, wie sie beim Tode Carnots veranstaltet wurden.
Krisengerüchte.
feie wir ganz richtig vermutet haben, durchschwirren nesjfuft wieder allerhand Gerüchte von bevorstehenden Ver-
Ausland.
Wien, 17. Februar. Was die Person des jetzt durch den Tschechen Habietinek als Präsident des Ersten Gerichtshofes ersetzten Herrn v. Stremayr betrifft, so war er der Vater der ersten Sprachenverordnungen, zu denen er sich, obwohl Deutscher, von Taaffee mißbrauchen ließ. Er ist kein Charakter, und nicht einmal von hervorragender Begabung, gleichwohl sah er unablässig nach der bekannten Wurst, die man ihm vorhielt, und erschnappte auch wiederholt die saftigsten Würste. Es ist ein Zeichen für die in Wien nicht bloß in den Schichten des Krämertums verbreitete politische Charakterlosigkeit, daß der „Wissenschaftliche Klub", eine früher ziemlich angesehene deutsche Körperschaft, jetzt im Begriff steht, den Herrn v. Stremayr zu seinem Präsidenten zu wählen.
Budapest, 17. Februar. Ministerpräsident Baron Banffy erklärte heute in der Konferenz der liberalen Partei, daß er morgen schriftlich seine Demission einreichen werde.
Brüssel, 17. Februar. Die Meldung von dem Ab-
ekommi—
W| Ti« Gikßcner
1 Sftalk A"»'li-nvtätter uUUdQto roerbtn dem Anzeiger * wldhmllich viermal
. Fr.
lt TeMr'. E. 'M 'uf dtn Unfug hinzuweisen, der mit der sogenannten offi- MHbin ani'mM'öl’tfai ?reffc getrieben wird, und gar viel Beispiele ließen df, und abeode «Hi$ ' '^sichren, in denen die Prophezeiungen dieser Presse ZB ermäaigte iiidjih eintrafen, trotzdem sie bei ihrer Verkündigung als ____.lautu ns Gold angesehen wurden. Man thäte gut, alle
' T* ^reitMifse, die sich in der Politik abspielen, ganz objektiv f!e:lta(^tcn und mit Schlüssen nicht zu voreilig zu sein. 1 ^0^1 bie letzteren noch so gewagt und noch so unwahr-
scheimlich sein, ein gut Teil Beunruhigung bleibt stets zurück, < f M 'nb hervorzurufen, muß ein Vaterlandsfreund unter »Wänden vermeiden.
Ms wollen wir uns zur Richtschnur nehmen im Jn- eresl« mlerer Leser und in unserem eigenen; wir glauben, « „a EchlvM ^ai ' te*r in allen Fällen gut dabei fahren werden.
(xx)
Wttonu von §
L*1 bit Am-z-E-
' ven‘ Rtboftion, Expedition und Druckerei:
a # i ii<run$en in den leitenden Stellen der preußischen und * '-'n Ncichs-Regierung. Die Grundlage für diese Meldungen
b’ Sri >allen wir bereits gekennzeichnet, und da neue Momente, ’ B“nnerun9' vollst (ine Veränderung in den Ministerien rechtfertigen »ellste LiefttnvjlüiÄn, nicht hinzugetreten sind, so dürfen wir wohl bei ~--4tnfjertr Ansicht beharren, daß es sich bei allen diesen Krisen-
Im* um Kombinationen handelt. Vielfach ist ja £>er
lu"VnlrFu®'ti’ t’er Vater des Gedankens, und viele Leute fühlen "g ■UlVbud nicht wohl, wenn nicht die Demission irgend eines Mimsters in der Schwebe hängt.
rcfoclfic Die verwirrt die Ansichten vieler sind, geht daraus )N“SluS hernvr, daß man aus dem an und für sich wenig bedeutsamen Meinungsunterschied zwischen dem Landwirtschafts- mimsift Frhr. v. Hammerstein einerseits und dem Kultus- ... ► mimtfer Dr. Bosse sowie dem Staatssekretär von Bülow
0 A ondremscits gleich einen hinter den Kulissen geführten er- laftsvereinB. bitt 1 rttn Kampf der Minister untereinander konstruiert und I, Herr Hane fvw fog.:: r bcm Reichskanzler Fürsten Hohenlohe trotz aller De- id andere ,ncr jn der Versenkung verschwinden läßt. Ja, es ist Teratito-MiiMtoT. crn neuer Reichskanzler gefunden in der Person des p „ Bol-s^chCrS in Petersburg, Fürsten Radolin, der durch hor ' ' denn KiuRen Herbert Bismarck ersetzt werden soll. Letzterer ’ V. W -st vor einigen Tagen vom Kaiser empfangen und an.« de),'für geblüj sehr gnädig aufgenommen worden, also wird er auch 'm. , . 4M toieijiet im den Staatsdienst eintreten! Da nun gar die j S k ^rismugeruchte von einem als halboffiziös geltenden P^^UZiflnfener Blatte bestätigt werden, so finden dieselben um Fr. tw o LMijter Glauben.
Zaruistadt, 17. Februar. Wie der „Darrnst. Ztg." ^-n WMtelegramm ans Gotha meldet, werden die Aller- ■ 7 .-„.g l:'och«ftkil Herrschaften am 18. d. M. von dorten ab- ifcifl °nd hierher zurückkehren.
fjosevstaug ' . 8r!m, 17. Februar. Kaiserbesuch in England,
enbe ®rinneruny r hji i^hofnachrichten meistens gut unterrichtete „Westminster övofl .«^^M^eibt: „Es ist fast^gewiß, daß Se. Majestät der
•n e 11 We Kaiser in diesem Sommer Cowes besuchen wird, gut geht, wird Kaiser Wilhelm am 29. Juli, ^^S^--*****^1,11 lÄ,|into9 vor dem Beginn der Regatta, auf der könig- , fff chkw Zacht „Hohenzollern" im Solent eintreffen. Der M * * *« yjM ierbsichtigt eine Woche auf feinem Schiffe dort zu einen tüW ’etjelii Die Königin wird einige Festmähler zu Ehren ihres .nrebig im Durbar-Zimmer des Schlosses Osborne geben.
17. Februar. Das Abgeordnetenhaus ^utc verschiedene Kapitel des Etats des Ministe- I nmd Innern und vertagte sich sodann auf morgen,
itang , der Beratung und Antrag Langerhans.
.17- Februar. Die sämtlichen Berliner Abend- oS<.^atle!r leiprechen eingehend das Ableben des Prä- eT W,er’ 1 bcljh Faure. Die „Neuesten Nachrichten" sagen, aui'l! Ho fein staatsmännisches Genie, aber ein treuer ib cfiiviss mHafter Beamter des ihm anvertrauten Postens. le "1^" nicint, dem thatkrästigen Faure allein verdanke A v^MlrTich, wenn ihm die langen Jahre des Dreyfus- if ■ l ir ani ■l’n^)urc^ ernste Erschütterungen erspart geblieben sind. I P ■'Jj'ona^eitung" bezeichnet das Hinscheiden Faures jetzt, V ' o L u«yfus-Sache eine hochbedeutsame Entwickelung an- hol>k habe, als ein bedeutendes Ereignis für die fran«
Die „Kreuz-Zeitung" sagt, von ent- ilkl! ■ * 6l ®^^9^it sei die Wahl des neuen Präsidenten 11U V1C9L komme unter den jetzigen Umständen nur darauf n, e'inikn Mann zu finden, der nicht über die Schranken


