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19.2.1899 Erstes Blatt
 
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Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 18. Februar. Die Sozialisten haben xchern in einer Versammlung für den zweiten Berliner «eichstags-Wahlkreis wieder den bisherigen Kandidaten flichard Fischer aufgestellt.

Berlin, 18. Februar. DieVoss. Ztg," berichtet aus Rom: Die Beratungs-Kammer des Konsulargerichtes in ßllexandria, die 14 italienische Anarchisten wegen ungesetz­licher Bereinigung, geheimer Schrifterzeugnisse und Ver­breitung anarchistischer Schriften vor das Schwurgericht in Hncona verwies, lehnte die Eröffnung des Verfahrens wegen mrs Attentatsversuchs gegen ein fremdes Staatsoberhaupt mangels genügender Indizienbeweise ab.

Berlin, 18. Februar. Der französische Botschafter, Marquis de Noailles, begab sich gestern nachmittag, rls er von der teilnahmsvollen Kundgebung Kenntnis ge- tommen hatte, welche der Reichskanzler im Reichstag dem »erstorbenen Präsidenten Faure bereitet hatte, alsbald zum Mrsten Hohenlohe, um diesem zunächst seinen persönlichen Dank abzustatten. MÜWWq

San Remo, 18. Februar. Bei dem hier weilenden Herzog von Orleans traf der Herzog von Chartres lin. Es fand ein großer Empfang von Bauern und anderen Deputationen statt. Beim Diner und bei der Abfahrt der Deputationen auf dem Bahnhofe wurden die Rufe laut: ..Hoch der König, hoch die Königin!" Wegen dieser ' Demonstrationen veranlaßte die italienische Regierung die tbreijt des Herzogs von Orleans, welche nachts 2 Uhr «chlgle.

Paris, 18. Februar. Im Senat verlas gestern Loubet «iLensclls das Schreiben Dupuys über den Tod Faures. Gilbet hielt sodann eine kurze Ansprache, in welcher er Itai Andenken Faures feierte, und die von den Senats- ?Mgliedern mit döm Rufe: Es lebe die Republik, aufge- nommen wurde. Sodann vertagte sich der Senat auf *Dienstag, In den Wandelgängen herrschte große Auf- rtjung. Als einzige in Betracht kommende Kandidaten frMrberi Loubet und Mölme bezeichnet.

Paris, 18. Februar. Das Resultat der gestern nach- wittng stattgefundenen Beratungen der einzelnen Partei- grnpptn ist folgendes: Die Gruppe der republikanischen hinten, welche 331 Mitglieder zählt, erklärte, demjenigen

Kandidaten chre Stimme geben zu wollen, der die Majorität der beiden Kammern auf sich vereinen werde, doch müßte dies ein Mann sein, der mit der Dreyfus-Affaire noch nicht in Berührung gekommen fei. Bei den Radikalen erklärte Bourgeois, Brisson werde nicht kandidieren. Die demokra­tische Linke hat einstimmig beschlossen, Loubet zu wählen. Diese Gruppe beschloß eine Delegation von mehreren Mit­gliedern zu Loubet zu senden, um ihm die Kandidatur an­zubieten. Die Royalisten, 58 an der Zahl, erklärten Meline als ihren Kandidaten. Die Rechte stimmt ebenfalls für Meline, ebenso die Antesemiten und Nationalisten, welche 25 Mann stark sind.

Paris, 18. Februar. Infolge der Einigung der demo­kratischen, radikalen und sozialistischen Kammergruppe und einer großen Mehrheit des Senats ist Loubets Kan­didatur gesichert und ein ErfolgMölinesausgeschloffen, der übrigens zurückgetreten ist, während Loubet sich bereit erklärte, die Kandidatur anzunehmen. Als ihm die Abord­nung der vier Kammergruppen ihre Beschlüsse mitteilten, erbat er sich eine kurze Bedenkzeit, willigte dann aber ein, sich als Bewerber aufstellen zu lassen. Er dankte tiefgerührt für das ihm erwiesene Vertrauen. Die nationalistische Gruppe sucht angesichts der hartnäckigen Weigerung Melines, die Kandidatur Dupuy anzutragen. Sie erklärte, die Wahl Loubets würde als die der Dreyfusianer angesehen werden, und das Ansehen der Kammer schwächen. Dupuy erklärte jedoch, die Kandidatur Loubets energisch unterstützen zu wollen. Die Wahl Loubets erscheint somit gesichert. Sollte es aber zum zweiten Wahlgange kommen, so könnte vielleicht die Kandidatur Freycinets in Erwägung treten. In letzter Stunde spricht man von der Eventualität der Kandidatur des General-Kommissars Picard.

Paris, 18. Februar. Das Band eines großen Blumen­gewindes, an welchem die Visitenkarten des Kaisers und der Kaiserin von Rußland angeheftet sind, trägt die Inschrift: Unserem Verbündeten und Freunde. Die Pariser deutsche Kolonie richtete an die Witwe Faures ein Beileidsschreiben und sandte einen Kranz.

Paris, 18. Februar. Ein gestern von derGazette de France" publiciertes Manifest des Herzogs von Orleans, aus den bekannten Phrasen derLibre Parole" zusammengestellt, machte absolut keinen Eindruck. Auf dem Pariser Nordbahnhofe wurden 5000 Celluloid-Broschen mit der Inschrift:Hoch der Herzog von Orleans" beschlag­nahmt. Dupuy will gegen die Monarchisten einen schärferen Ton anschlagen.

Paris, 18. Februar. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beabsichtigt Maneau unter keiner Bedingung sein Amt als Generalanwalt niederzulegen und sich unter keinen Umständen bewegen zu lassen, einem dahingehenden Druck von feiten der Regierung nachzugeben. Sie würde gern den Generalanwalt absetzen, aber eine solche Maßnahme muß genügend motiviert werden, und an dem dazu erforder­lichen Stoff fehlt es vollständig.

Paris, 18. Februar. Die Patriotenliga hat gestern abend Kundebungen veranstaltet. Mehrere Gruppen durch­

zogen die Boulevards und versammelten sich vor dem republikanischen Klub, wo sie Rufe gegen die Kandidatur Loubets ausstießen und diejenige Melines akklamierten. Loubet wird jetzt bereits als Kandidat der Dreyfus-Freunde und Meline als solcher der Militär-Partei bezeichnet. Freycinet erklärte, er werde feine Kandidatur für die ver­einigten Republikaner nur bann ausstellen, wenn ein zweiter Wahlgang nötig werde.

Paris, 18. Februar. Die verschiedenen progressistischeu Gruppen des Senats und der Kammer versammelten sich heute morgen 9 Uhr, um die Frage bezüglich der Kandi­datur endgültig zu regeln. DemGanlois" zufolge wird die Kandidatur Melines durch Hauotaux unterstützt. Dieser wird ebenfalls noch Schritte thun, um Dupuy und D e ch a n e l zu bestimmen, ihre Kandidatur aufzustellen und zwar mit der Absicht, den Sieg Loubets zu ver­hindern. Die Patriotenliga endlich wird auch ihren Kandi­daten in der Person des Obersten Montaigne anfstellen. Derselbe hat sich als außerparlamentarischer Kandidat be­zeichnet.

Paris, 18. Februar. In Versailles werden für heute Kundgebungen erwartet. Man spricht schon von einer großen Bewegung, welche im nationalistischen Lager herrsche, wobei Döroulöde die Hauptrolle spiele. Die Meinungen gehen überhaupt heute morgen dahin, daß der heutige Tag nicht ohne sehr bedenkliche Kundgebungen verlaufen wird. Viele Republikaner hegen ernste Besorgnisse über den Ver­lauf der Präsidentenwahl.

Paris, 18. Februar. Meline hat gestern abend definitiv seine Kandidatur aufgestellt, nachdem ihm mitgeteilt worden war, daß seitens der Kammer Loubet nicht ein­stimmig angenommen sei. Um 11 Uhr abends wurde in Paris bekannt, daß Loubet und Meline ihre Kandidaturen ausgestellt hätten. Eine Gruppe von sieben Mitgliedern der progressistischen Republikaner begab sich gestern abend in den Senat und erklärte dort, Meline habe die Kandidatur angenommen.

Paris, 18. Februar. Die Antisemiten und Nationa­listen sollen beschlossen haben, einen Skandal im Kongreß­saale heraufzubeschwören, und zu verlangen, daß jeder Kandidat allem bisherigen Gebrauch entgegen seine Meinung in der Dreyfus Angelegenheit vorher bekannt geben müsse.

Brussel, 18. Februar. DerSoir" bespricht den Tod des Präsidenten Faure und sagt, von der heutigen Präsidentenwahl hänge vielleicht Krieg oder Revolution ab. Jndependance" sagt, Präsident Faure sei für die innere Politik Frankreichs verhängnisvoll gewesen. Drei Namen seien mit dem seinen verknüpft, nämlich Panama, Arton und Dreyfus. In der auswärtigen Politik fei er glücklicher gewesen. Mit Ausnahme von Faschoda habe er Frankreich um Madagaskar und einen Teil Chinas bereichert. Er hinterlasse die Präsidentschaft in schlechtem Zustande. Sein Nachfolger werde einen schwierigen Stand haben.

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