Ausgabe 
19.1.1899 Erstes Blatt
 
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-ehnung des Handels und der Zivilisation. Erft vor einer Woche telegraphierte fte ihrem Vertreter in Jlo-Jlo, er solle keinesfalls Maßregeln zur Benützung der Spanier treffen, sondern die gesamte Angelegenheit den Amerikanern über- laffen."

§ Aus dem Ohmthale, 17. Januar. Seit einem Jahr­zehnt hat die Ohm nicht einen solch hohen Wasser st an d er­reicht, als in den gestrigen Abendstunden. Meterhoch war das Wasser gestiegen und setzte die Wiesen unten im Thal unter Waffer, so daß diese einem See glichen. Brausend stürzten die Wasser von den Bergen, überall schmutziggelbes Waffer mit sich führend, so daß der ganze Wasserstrom sich lehmgelb färbte. Im Felde hat das Wasser manche Acker­

geschwemmt. Die aber im Wiesenthal gelegenen Gärten wurden gänzlich von dem Hochwaffer überschwemmt und

**P Stadttheater. Gerhart Hauptmann, dessenVer­sunkene Glocke" im vorigen Winter als Hauptzugstück mehr­fach wiederholt werden mußte, gelangte gestern Abend mit dem einzigen Lustspiel, das er bis jetzt geschrieben hat, zu Worte.Der Biberpelz" wird von dem Dichter selbst als Diebskomödie bezeichnet; genau genommen ist das Stück eine Satire, die moderne Verhältnisse karikiert und nicht ohne politische Anspielungen ist. Nur ein Ausschnitt, ge- wiffermaßen eine Probe wird geliefert, und der Zuschauer, der an die unausbleibliche Belohnung des Guten und Be­strafung des Bösen im Drama schon von der Schule her , .......ö___ ,______ v

gewöhnt ist, ist äußerst verdutzt darüber, daß der Dichter | erde mit fortgeriffen, manchen^Rain durchbrochen und^ fort- nicht den geringsten Versuch macht, einen Abschluß zu bieten. Die am schärfsten gegeißelte Persönlichkeit, den Amts-

Ausland.

Wien, 17. Januar. Das Abgeordnetenhaus begann die heutige Sitzung in vollster Ruhe. Die deutsche Bolkspartei, die deutsche Fortschrittspartei und die Schönerianer j begannen aber sofort nach Verlesung der Einläufe mit der Obstruktion, indem sie die Aufnahme mehrerer Petitionen | ins Protokoll verlangten und hierüber namentliche Abstimmung forderten, welche, da sie genügend unterstützt war, auch durchgeführt wurde. Unter den Einläufen befanden sich Zuschriften der Regierung, in welchen die in letzter Zeit auf Grund des § 14 erlassenen Verfügungen dem Abgeord- «etenhause vorgelegt, wodurch die Vorlage über das Aus­gleichs-Provisorium zurückgezogen wird. Ferner beftnden sich darunter mehrere Minister-Anklagen.

Wien, 16. Januar. Die planmäßige Herausforderung des Deutschtums in Böhmen läßt sich an immer neuen Beispielen belegen. Ueber eine neue Gewaltmaßregel der Regierung schreibt man derT. R." von dort: Soeben hat der Magistrat von Reichenberg eine Zuschrift der Statt­halterei erhalten, in welcher dem Magistrat mitgeteilt wird, 1 daß der im Jahre 1892 (!) gefaßte Beschluß des Reichen- 1 berger Stadtverordnetenkollegiums, durch welchen die deutsche Sprache als alleinige Geschästssprache festgelegt wurde, von der Statthalterei sistiert (!) worden sei. Reichenberg ist eine rein deutsche Stadt, die nur einen geringen Anteil tschechischer ' Einwohner, welche dazu fast durchweg keine Steuerzahler stnd, zählt. Daß man es mit solchen bei den Haaren her­beigezogenen Gewaltmaßregeln geradezu darauf abgesehen hat, die deutsche Bevölkerung herauszufordern, ist beinahe selbstverständlich. Was hätte die Sistierung eines vor fast sieben Jahren gefaßten Beschlusses sonst für einen Zweck?! Daß unter solchen Verhältnissen auch die am 19. ds. vor dem Reichsgericht in Wien stattfindende Verhandlung betr. die Gründung eines Städtebundes für Deutschböhmen zu Ungunsten der Deutschböhmen ausfallen wird, ist kaum mehr zweifelhaft.

Prag, 17. Januar. Die Untersuchung in Sachen des Rencontres zwischen einem deutschen und einem tschechischen Studenten, bei welchem ersterer den letzteren durch einen Revolverschuß schwer verwundete, ergab, daß der deutsche Student in der Notwehr von dem Revolver Gebrauch gemacht hatte.

Paris, 17. Januar. Ein neuer Zwischenfall steht in der Dreyfussache bevor. Der famose Esterhazy soll nach Paris kommen und vor dem Kassationshos aussagen. Die Vernehmung dieses Hauptzeugen stieß sich, wie man aus Paris schreibt, bis jetzt an das Hindernis, daß Esterhazy freies Geleit in Frankreich verlangte. Er besorgte, im Auf­trage des Untersuchungsrichters Bertulus, dem die Sichtung der Angelegenheit Christian Esterhazys gegen seinen Vetter, den Major, obliegt, verhaftet zu werden. Jetzt heißt es, daß der Präsident der Kriminalkammer des Kassationshofes, Loew, dem Justizminister in einem Schreiben die Notwendig­keit der Zeugenaussage Esterhazys nahegelegt hat, und daß der Minister dieses dem Generalprokurator des Appell- gerichts zur Weitergabe an Bertulus übermittelte. Letzterer antwortete, daß Esterhazy ohne die geringste Besorgnis für seine Freiheit nach Paris kommen könne. Daraufhin hat Esterhazys Advokat, Cabanis, erklärt, daß er seinen Klienten hiervon benachrichtigen werde.

Males und Provinzielles.

Gießen, den 18. Januar 1899.

In den Ruhestand wurde versetzt am 12. Januar der Kanzleiinspektor am Landgericht der Provinz Oberhessen, Friedrich Backhaus, auf sein Nachsuchen, unter Aner­kennung seiner langjährigen treuen Dienste.

* Konzert-Verein. Wittich- Konzert am 23. Jan., abends 6Va Uhr, im Klubsaale. Zu einem der vornehmsten Konzerte dieser Saison dürfte sich das am Montag statt- sindende gestalten, welches im Hinblick auf die Mitwirkung der geschätzten und beliebten Künstlerin schon lange als Wittich-Konzert bezeichnet wird. Frau Marie Wittich hat aber auch ein volles Recht darauf, ein Unter­nehmen, an dem sie teilnimmt, ihren Namen tragen zu sehen, auch wenn sie zu Partnern eine so vornehme Künstler­schaft, wie das Homburger Orchester hat;''ihr Name, ihre Mitwirkung trägt jedesmal einen vollen Erfolg in sich. Ebenso hervorragend wie die Mitwirkenden ist nun aber auch das Programm zusammengestellt; unser nie rastender Universitäts-Musikdirektor Trautmann hat mit Feldherrn- blick seine Künstler erkannt, und Werke gewählt, die bisher «ns nicht gewährt werden konnten. So dürfte denn der kommende Montag ein ereignißreicher Tag in dem Musik­leben Gießens sein, um den uns manche größere Stadt beneiden kann. -r.

bad) zu richten. M m t

In Amerika verstorbene Hessen. In New-Iort Frau Mumie O'Donnel, geb. Schmidt, 33 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. In Schofield, Wisc., Wil- Helm Helmich, 51 Jahre alt, aus Laubach. - Union Hill, N.J., Sebastian Hamel, 70 Jahre alt, aus Heppenheim a. d. B. In Cincinnati, O., L. Hassinaer, 68 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. In New-Bork Carl Baab, 39 Jahre alt, aus Alzey. In Chillicothe, O., Frau Katharina Gries­heimer, 49 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. In Cedar Rapids, Ja., Adam Hartmann aus Heffen- Darmstadt. In Shiloh Valley, Jll., Joh. Philipp Perschbacher, 75 Jahre alt, aus Schaafheim. In Johnstown, Pa., John Raab, 62 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt.

Vorsteher Wehrhahn, gab in seiner zweiten und leider letzten Gastrolle Herr Büller. Wenn er nicht so geräuschvolle Wirkung erzielte, wie alsRegistrator" am vorhergehenden Abend, so war es dagegen ein um so höherer Genuß, den gewiegten Darsteller diesen Stück für Stück seinen Nimbus einbüßenden Charakter meisterhaft entwickeln zu sehen. Die wie aus einem Guß geschaffene Leistung bestätigte das günstige Urteil des ersten Abends vollauf und erweckte den lebhaften I Wunsch bei allen, Herrn Büllers Kunst noch öfters hier I bewundern zu dürfen. Von den hiesigen Künstlern ver- I dient Frau Direktor Helm in erster Linie mit Auszeichnung genannt zu werden. Ihrer Waschfrau Wolff fehlte nicht einer der vielen Züge, mit denen der Dichter diese verschmitzte 1 Person ausgeftattet hat. Völlig befriedigte auchihr Mann", wie er schlankweg genannt wird (Herr Walter), ebenso die nach der Mutter artende Tochter (Frl. Isenburg), I der anrüchige Motes (Herr Merker), der Hehler Wulkow (Herr Werner), der eingefleischte Bureaumensch (Herr | Liebscher) und der stumpfsinnige Amtsdiener (Herr Helm). I Herr Wilhelmi dürfte den Rentner Krüger um einen Grad I feiner geben. Herr D i e tz s ch erschien uns als Dr. Fleischer fast zu zahm. Auch die beiden Damen Pauli und Schuh- I mann, die nur im ersten Akt auftraten, sind zu loben. Die Einstudierung war in allen Teilen so sorgfältig, daß der Zuschauer nicht den Eindruck hatte, sich einer Premiöre gegenüber zu beftnden.

Stadttheater.A Basso Porto (Am unteren Hafen"), welches bei der ersten Aufführung hier einen durch­schlagenden Erfolg erzielte, wird am Donnerstag dem 19. ds. Mts. wiederholt. Freitag den 20. ds. soll als zehnte VolksvorstellungDer Pfarrer von Kirch­feld" von Anzengruber gegeben werden.

Störenfried. Ein Student wurde heute Nacht von einer Schutzmannspatrouille notiert, weil er in der Bahnhof- und Marktstraße mit seinem Stocke an mehreren | Rollläden herunterstrich. Nachdem er notiert, begab er sich | nach dem Seltersweg, nahm hier seinen Stock mit beiden i Händen und strich an mehreren Läden herunter, wodurch die Rollläden beschädigt, und die Bewohner, in ihrer Ruhe gestört, an den Fenstern erschienen. Um dem Unfug ein Ende zu machen, wurde der Ruhestörer verhaftet.

** Der 17. Kongreß für innere Medizin findet vom 11. bis 14. April 1899 zu Karlsbad statt. Das Präsidium übernimmt Herr Quincke (Kiel). Folgende Themata sollen zur Verhandlung kommen: Am ersten Sitzungstage, Diens­tag, dem 11. April:Die Jnsufficienz des Herzmuskels". Referenten: Herr L. v. Schrötter (Wien) und Herr Martins (Rostock). Am dritten Sitzungstage, Donnerstag, dem 13. April:Leukaemie und Leukocytose". Referenten: Herr Löwit (Innsbruck) und Herr Minkowski (Straßburg). Fol­gende Vorträge sind bereits angemeldet: Herr Moritz Schmidt (Frankfurt):Frühdiagnose und Behandlung der Aorten- Aneurysmen". Herr Max Breitung (Coburg):Ueber phono- graphische Stimmprüfung, ihre Technik, methodische Anwen­dung und diagnostische Bewertung". (Mit Demonstration.) Herr van Niesten (Wiesbaden):Ueber den jetzigen Stand der Syphilis-Aetiologie". Herr P. Jacob (Berlin):Experi­mentelle Beiträge zur Therapie des Tetanus". Herr F Blumenthal (Berlin):Zur Wirkung des Tetanusgiftes". Herr Jaques Mayer (Karlsbad):Beitrag zur Pathologie , der Gallensteinkrankheit". Herr Theodor Schott (Bad- i Nauheim):Ueber die Behandlung chronischer Herzmuskel­erkrankungen im jugendlichen Alter". Herr Groedel (Bad- Nauheim):Bemerkungen zur Digitalis-Behandlung bei chronischen Kreislaufstörungen". Außerdem haben noch Vor­träge in Aussicht gestellt die Herren: Nothnagel (Wien), v. Noorden (Frankfurt a. M.), v. Leube (Würzburg), Edgar Gans (Karlsbad), Naunyn (Straßburg i. Els.), Leichtenstern (Köln), Ebstein (Göttingen), Czerny (Breslau), Escherich (Graz), Stokvis (Amsterdam), Pribram (Prag), E. Kraus (Prag), Walko (Prag), R. v. Jaksch (Prag). Teilnehmer für einen einzelnen Kongreß kann jeder Arzt werden. Die Teilnehmerkarte kostet 15 Mark ----- 9 Gulden. Die Teil­nehmer können sich an Vorträgen, Demonstrationen und Diskussionen beteiligen und erhalten ein im Buchhandel ca. 11 Mark kostendes Exemplar der Verhandlungen gratis. Mit dem Kongresse ist eine Ausstellung von neueren ärztlichen Apparaten, Instrumenten, Präparaten u. s. w., so weit sie für die innere Medizin Interesse haben, verbunden, An- I Meldungen für dieselbe sind an Herrn L. v. Mattonl (Karls-

ihrer Bauerde beraubt. Die Mühlereien, denen früher se lange das Wasser gemangelt, mußten ihre Wasserräder schützen durch Abweisung und Hemmung des Hochwassers. In den Brunnen ist das Grundwaster meterhoch gefttcgen. Hat das Hochwasser so manchen Schaden verursacht, so ist doch sein Nutzen durch die großartige Bewässerung der Wiesen ersichtlich. Die ursächliche Bedingung zu einer guten Heuernte ist gegeben.

Nieder Ohmen, 17. Januar. Am vorgestrigen Sonn- taa wurde hier in der Ohm in der Nähe derKingfaaser Mühle die Leiche eines hiesigen Mannes entdeckt und ge­landet Ob der Ertrunkene das Opfer emes Unfalles ge­worden, oder den Tod gesucht, bleibt dahin gestellt. Letzteres wäre man allerdings versucht, anzunehmen, da derselbe vor einem Jahrzehnt des Vatermordes angeklagt wurde und darüber Strase verbüßen mußte. Dagegen spricht aber, daß der Gelandete Furcht vor dem Tode während seines Leb^is bekundete. Es ist somit nicht ausgeschlossen, daß der Er­trunkene in Folge der dunklen Nacht vom Wege abgeriet und in die hochgeschwollene Ohm fiel. Dafür spricht ai^ ein Fläschchen Branntwein, bas, noch gefüllt, bei der Leiche voraefunden wurde und das sich der Verstorbene kurz vorher gekauft. Bei solch dunklen, stürmischen Nachten mit Hoch­waffer ist es überhaupt gefährlich an manchen Wegstellen unseres Ortes; man sollte darum für eine entsprechende Beleuchtung solcher gesährlicher Wege Sorge tragen. Die geringen Kosten rechtfertigen jedenfalls keineswegs ihre

Nichtanlage.

V. Vom westlichen Vogelsberge, 17. Januar. Der Wetterprophet Falb hat für die erste Hälfte des Monats Januar ziemlich das richtige getroffen, es hat gestürmt unv qereqnet, und die beiden kritischen Tage waren ungemütlich. In der zweiten Januarhälfte soll es kalt werden, aber ma» merkt noch nichts davon. Statt dessen regt sich die Vegetation sowohl in den Gärten, als auch auf den Feldern, und das ist sehr nachteilig. Die Goldlackstöcke im Hausgärtchen des Einsenders haben Knöpfe gebildet, und wenn die Witterung so weiter geht, kommen auch die Blüten hervor. Ent­schieden nachteilig aber ist die Thatsache, daß auch die Winterfrüchte: Roggen und Weizen bereits gewachsen sind. Wächst die Frucht im Januar, so wird im Sommer das Brot teuer, eine Bauernregel, die sich leicht erklären läßt, nämlich: wenn die Frucht im Winter wächst, wird sie weich und leidet alsdann durch Frühjahrsfröste. Die oberste Forstverwaltung in Darmstadt hat eine Verfügung erlassen, die jeden Natur- und Waldfreund freuen muß. In Zukunft sollen schöne, alte Waldbäume, besonders wenn sie auch noch an hübschen Plätzen, aus Bergen, Hügeln und Aus­sichtspunkten stehen, nicht mehr weggehauen, sondern möglichst geschont werden. Seither suchte man dem Walde abzu- gewinnen, was nur möglich war; das ist für die Staats­kasse wohl auch am vorteilhaftesten. Doch das Vorteilhafte und Nützliche kann auch mit dem Schönen verbunden werden, und das Schöne, das sich in überreicher Fülle in unseren deutschen Forsten findet, wird nun etwas stärker hcrvor- gehoben. Schöne Bäume, schöne Aussichtspunkts schöne Wege und Fußpfade wirken ästhetisch auf die WaMresucher bis zum einfachsten Bauernknaben herab, während einige hundert, oder einige tausend Mark mehr oder weniger im Staatssäckel spurlos an jedem Menschenkinde vorüberziehen. Schließlich soll noch erwähnt werden, daß die gewaltige« Stürme am 2., 13. und 14. b. Mts. zwar nicht spurlos, im ganzen aber doch ohne großen Schaden anzurichten, vorüber gingen. Dem Wassermangel, der sich an manchen Orten zeigte, ist abgeholfen. Die Bäche und Flüsse fange« an, über ihre Ufer zu steigen.

Seligenstadt, 16. Januar. Das wegen des historischen Trinklöffels weithin bekannte Gasthauszum Riesen" ging durch Kauf in den Besitz des Gastwirts und Metzgers Kaspar Friedmann III. um den Preis von 42,000 Mark über. Die Geschästsübergabe erfolgt am 1. August d. I.

Mainz, 17. Januar. Wohl infolge der heftigen Regengüsse der letzten Tage ist heute Vormittag der neu- i aufgeworfene Eisenbahndamm gerutscht, der von der Ingelheimer-Aue durch den hiesigen Floßhafen den Anschluß an die Gleise der Staatsbahn vermittelt. Während der Rutschung befand sich auf dem Damm ein Materialzug, eine Maschine mit fünf Wagen, der in den Floßhafen fiel. Von dem Zugpersonal, das sich durch Abspringen rettete, ist bis auf den Heizer niemand erheblich beschädigt. Letzterer ist innerlich an der Brust verletzt und hat außerdem noch eine schmerzhafte Kopfwunde davon getragen, die von aus der Lokomotive gefallenen, glühenden Kohlen herrührt. Lokomotive und Wagen sind fast ganz unter Wasser und ragen nur an einzelnen Stellen hervor. Der gerutschte Damm ist auf Kosten der Stadt hergestellt worden, die Anlage wurde aber von Beamten der Staatsbahnverwaltung I vor kurzem abgenommen Der Rhein ist noch fortwährend I im Steigen begriffen, sodaß die Ueberschwemmungs- I gefahr stündlich zunimmt, zumal fast ununterbrochen I Niederschläge stattfinden. Hier ist das Wasser während I der letzten 24 Stunden noch x/2 Meter gestiegen und wächst noch fortgesetzt, jedoch nur langsam. Vom Oberrhein wird gemeldet, daß in Kehl Stillstand eingetreten, wogegen in Maxau und Mannheim der Rhein noch steigt. Von I Wimpfen wird Fallen des Neckars Angezeigt, wogegen die I Nachrichten vom Main das Gegenteil melden. Im Main­kanal sind seit heute Morgen die Wehren niedergelegt.

Mainz, 16. Januar. Gestern fand zum Benefiz des Pensionsfonds der städtischen Kapelle eine Aufführung der Hugenotten statt, zu der man sich vier Gäste gesichert I hatte. Drei davon konnten wir als alte Bekannte begrüßen, während wir in der vierten, in Frau Kammersängerin Brehm-Fritsch vom Hoftheater in Karlsruhe, die die Mar- I garete von Valois sang, eine ausgezeichnete Koloratur- I sangerin kennen lernten. Fräulein Hedwig Materna, unsere frühere Primadonna, hatte die Valentine über- I nommen und führte sie, wie nicht anders zu erwarten, ge-