Samstag den 18 November
1899
Nr 272 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
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Kapstadt, 16. Oktober.
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Eine Bestimmung, die die Verwendung exor-sser Boten weiter einschränken wollte, wurde nach dem Anträge der Kommission gestrichen, nachdlm Abg. Dasbach (Zent».) vergebens eine andere Formulierung versucht hatte. Es bntbt alfo in dieser Begehung bei den bisherigen Bestimmungen. Dagegen haben die Sozialdemokraten wiederum einen kleinen sozialdemokratischen E folg zu verzeichnen, insofern, als gegen die Stimmen der Rechten ihr Antrag angenommen wurde, die Beförderung von unverschlossenen politischen Zeitungen innerhalb der Gememdegrcnzen eines Ort8, insbesondere auch, werm sie durch die Post dorthin befördert wurden, jedermann zu gestatten. Dagegen fand ihr weiterer Antrag, mit Bezug hierauf die einzelstaatlichen Sonntagsgesetze außer Kraft zu setzen, nur bei den Freisinnigen Unterstützung und wurde daher abgelehnt. Den unmittelbaren Anlaß zu dem Anträge hatte ein Etnzelfall in Mecklenburg gegeben, über den viel hin und her geredet wurde, der aber die weitere Oeffentlichkrit nicht besonders interessiert. Es handelt sich dabei um ein von Dr. Herzfeld (Soz.) als parteiisch bezeichnetes Vorgehen der Reichspostoerwaltung gegen das in Rostock erscheinende sozialdemokratische Organ. Der Staatssekretär stellte jede Parteinahme entschieden in Abrede und stellte die Sache lediglich als eine Rechtsfrage dar, die übrigens inzwischen in erster Instanz zu ungunsten der Postoerwallung entschieden worden ist. Abg. Singer, der Herrn v. Podbtelski eben gelobt hatte, ging ihm in dieser Angelegenheit scharf zu Leibe, in der er fich in der „Pose eine« Biedermannes" hinstelle. Der Präsident glaubte aus dieser Phrase einen Zweifel daran herauszuhören, daß der Staatssekretär wirklich ein Biedermann sei, und rief den R-dner zur Ordnung. Schnell ries dieser „$)enn nehme ich die Pose zurück!" und erntete große Heiterkeit ob dieser Schlagfertigkeit. - Morgen Fortsetzung der Debatte.
lrmg: k. Haoan, "schchs-Vorsteher.
war umsonst ... Die Knickeret im Finanzministerium trägt auch die Schuld daran, daß nicht zur rechten Zeit zugerittene und ans Feuer gewöhnte Maultiere nach Südasiika gesandt worden sind. Schon im Juni wurden zwar Offiziere noch allen Weltteilen geschickt, um Maultiere einzukaufen; aber erst als die Mobilmachung des ersten Armeekorps beschlossen wurde, erhielten sie drahtlich die Erlaubnis, die Käufe ad- zuschließen. Aus Natal einlaufende Briefe von Offizieren sind voll Klagen über die Unzuverlässigkeit und Unbändig- keit der Maultiere, die nicht nur zur Beförderung des Wagenparks und Trains, sondern auch zum Ziehen der Kanonen verwendet werden. Jetzt, wo der Krieg im Gange ist, merkt man von Sparsamkeit nichts."
Der eventuelle Siegcspreis der Buren.
Schon häufig ist die Frage aufgeworfen worden, welche Kriegsentschädigung die Buren, im Falle sie Sieger bleiben, von den Engländern verlangen würden. Die „Deutsche Wochenzeitung" in den Niederlanden glaubt diese Frage dahin beantworten zu können, daß Transvaal, abgesehen von den üblichen Millionen Pfund Sterling, als erste Forderung die Einverleibung von Swaziland und Tongo- land in die Südafrikanische Republik stellen wird, wodurch die Republik die Gemeinschaft mit der See erlangen würde.
Dieses Projekt sollte schon im Jahre 1890 durchgeführt werden, als General Joubert, nur begleitet von seiner sehr energischen Gemahlin und seinem Sekretär Hendriks, England und den Kontinent bereiste. Schreiber dieses vernahm damals aus dem Munde von Personen in der nächsten Umgebung des Generals Einzelheiten über den Plan der Republik, die Kosibai zum Handels- und Kriegshafen der Republik umzugestalten. Ferner trug sich, diesen Gewährsleuten zufolge, die Transvaal Regierung mit dem Plane, eine direkte Dampferlinie zwischen den Niederländischen Häfen und der Kosibai herzustellen. Diese Linie sollte nur Schiffe mit geringem Tiefgang in die Fahrt bringen, da die Küste in der Umgebung der Kosibai sehr flach und diese selbst sehr seicht ist; zudem hätten die Schiffe so konstruiert werden müssen, daß sie im Kriegsfälle als Kreuzer verwendbar waren, um längs der Küsten, wohin ihnen die schweren englischen Panzerkolosse nicht zu folgen vermögen, Jagd auf englische Kauffarteischiffe zu machen. Als Bemannung wollte man h o l l ä n d i s ch e Matrosen einstellen.
sidenten Krüger und Stein von einem englischen Soldaten in eine Ecke gedrängt und suchen vergeblich über die hohe Mauer zu klettern. Jetzt sind alle diese Bilder verschwunden.
Die mögliche Dauer des Krieges wurde natürlich auch erörtert und man schwankte zwischen vierzehn Tagen und drei Monaten; „jedenfalls sollte zu Neujahr alles zu Ende sein.
Die erschienenen Karten vom Kriegsschauplatz enthalten nur die beiden Burenrepubliken und schneiden haarscharf an der Grenze ab; ein englisches Gebiet ist nach ihnen gar nicht vorhanden. Jetzt, nach acht Tagen, sind diese Karten bereits veraltet!
Und nun die veränderte Stimmung unter den Engländern: Am ersten Tage nach der Kriegserklärung war man sehr enttäuscht und ungehalten, noch keine Nachricht über einen großen Sieg der Engländer zu haben; aber am zweiten und dritten Tage war man schon recht kleinlaut, und jetzt herrscht allgemeine Niedergeschlagenheit. Nun zerreißt auch das ganze Lügengewebe, mit dem die Nhodesclique das Publikum systematisch betrogen hat; nun stellt es sich heraus, daß die Stellung Englands inSüdafrika nicht entfernt so mächtig ist, als beständig vorgegaukelt wurde, daß nur zwölftausend Soldaten hier sind, und nicht dreißig- bis fünfzigtausend, wie es immer möglichst emphatisch hieß. Da tröstet man sich mit dem Gedanken, die Situation werde sich ganz ändern, wenn nur erst alle Truppen hergeschafft sein würden. Ja, wenn! Und wo alle Truppen hernehmen? England hat jetzt wieder den Beweis geliefert, daß es selbst für die größte und mächtigste Seemacht nicht möglich ist, große Truppenmassen in kurzer Zeit über See zu schaffen; denn trotz größter Anstrengungen landeten bis jetzt hier wöchentlich nicht mehr als fünfhundert bis siebenhundert Mann. Mit diesen einzelnen Bruchstücken werden die Buren bald fertig werden.
Die derbe Lektion, welche sich die Engländer vor 123 Jahren in Nordamerika holten, haben sie gänzlich vergessen, und wenn die diesmalige nicht ganz so derb ausfallen sollte, ja wenn ihnen von Südafrika überhaupt noch etwas verbleiben sollte, so können sie von Glück sagen. Die bösen Erfahrungen, welche England hier und vielleicht noch in Indien machen wird, sind die wohlverdiente Strafe für alles, was sie hier und anderswo gesündigt haben.
Ueber die „Unzulänglichkeit der britischen Artillerie"
wird der „Vossischen Zeitung" sehr sachkundig aus London geschrieben:
„Es hat sich herausgestellt, daß die Burenartillerie in Bezug auf Tragweite der Geschütze und Kaliber bedeutend überlegen ist. Das ist ein Fehler, den das englische Kriegsamt nicht imstande ist, sofort wieder gut zu machen. Die Knickerei der früheren Jahre rächt sich. Als die Artillerie mit neuen Feldgeschützen versehen wurde, machten mehrere Offiziere das Kriegsamt darauf aufmerksam, daß mächtigere Geschütze angejchafft werden sollten. Aber es
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* Dom Kriegsschauplatz.
II.
Die Berichterstattung der Presse war bisher leider ziemlich ausschließlich auf die englischen Kabeltelegramme angewiesen. Nun beginnen auch Briefe über die ersten Ereignisse nach Ausbruch des Krieges einzutreffen und bringen eine, wenn auch späte, doch überaus erwünschte und notwenige Ergänzung der bisherigen Schilderungen. Ein Freund der „Münch. N. N." stellt dem Blatte nachstehenden Brief feines Sohnes
VnMMttU rierreljahrllch
9 Mark 20 Vf* monatlich 76 Pf- mit Bringerloh».
Bei Postbezug L Mark 50 Vf*, vierteljährlich.
P. A. Vor acht Tagen ist die Entscheidung gefallen. Alles atmete auf, als endlich der Krieg ausbrach und somit der unerträglichen Ungewißheit ein Ende gemacht wurde. Aber schon die Kriegserklärung brachte den Engländern die erste Enttäuschung, denn es galt doch als selbstverständlich, daß die Buren zu warten hätten, bis es jenen gefällig wäre, anzugreifen. Und ebenso selbstverständlich war es doch, daß die Buren sich ganz auf die Devensive beschränken und bald aus ihren Grenzen vertrieben sein würden. Und nun haben die Buren das Ultimatum gestellt und sind sofort zum Angriff vorgegangen, ja so dreist gewesen, den Kriegsschauplatz in Feindesland zu verlegen! Das war vor einer Woche, und nun folgt Schlag auf Schlag, ein Erfolg reiht sich an den andern. Der Norden von Natal, Betschuana- land und der Distrikt Kimberley sind in ihren Händen, Kimberley (Stadt) eingeschlossen, das „Goldland" Rhodesia abgeschnitten und vielleicht Buluwaho, weil ohne militärischen Schutz, den Matabeles auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Die englichen Soldatenzüge werden vernichtet und die Munition erbeutet, wobei es recht merkwürdig ist, daß die Munitionswagen stets sorgfältig vor den Schüssen der Buren verschont bleiben. Letztere scheinen in der That gut unterrichtet zu sein! Die Todfeinde der Engländer, die Zulus, machen sich schon bereit, den Buren zu Hilfe zu kommen, die Basutos dagegen, die Todfeinde der Buren, auf welche die Engländer so fest bauten, wagen sich nicht hervor, weil sie recht gut wissen, was es heißt, mit den Buren anzubinden. Ueberdies haben letztere es verstanden, die beiden Söhne des mächtigsten Basuto-Häuptlings in ihre Gewalt zu bekommen, und sie halten dieselben in Bloemfontein als Geiseln sorgsam hinter Schloß und Riegel. Der „dumme" Bur kann doch gelegentlich ein ganz ge- scheidter Kerl sein!
Und nun die Engländer! — Noch vor einer Woche wurde in den hiesigen Zeitungen ganz ernsthaft die Frage erörtert, wo man „Ohm" Krüger am besten internieren könne, ob in St. Helena, in England, ober auf Robben-Island (Insel bei der Kapstadt), ober anderswo. Ferner bemühte sich ein jedes der hiesigen Blätter, möglichst geistreiche Witzblätter über Transvaal zu bringen, z. B. Krüger in zwerghaster Gestalt von einem riesigen englischen Soldaten übers Knie gezogen und durchgebläut. Auf einem anderen Bilde tilgt ein englischer Artillerist mit einem Kanonenwischer die beiden Republiken auf einer Wandkarte von Südafrika aus. Auf einem dritten werden die Prä-
KeMsches Keich.
Berlin, 16. November. Der Kaiser hörte heute morgen von 9 Uhr an den Vortrag des Kriegsministers v. Goßler und des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke. Um 1 Uhr wurden diejenigen Offiziere, welche den Prinzen Albrecht von Preußen nach Spanien begleitet hatten und gestern abend von dort zurückgekehrt sind, empfangen. Darnach nahm der Kaiser die Meldung des zur deutschen Botschaft in Rom kommandierten Flügel-Adjutanten, Major von Chelius vor seiner Abreise auf seinen Posten entgegen. Dieser sowie die genannten Offiziere der spanischen Abordnung wurden zur Frühstückstafel geladen.
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Feuilleton.
Stimmungsbild aus dem Hteichstage.
(Nachdruck verboten.)
ob. Berlin, 16. November 1899.
Die Beratung des Postgesetzes geht sehr langsam vorwärts. Der Reichstag hat, scheint es, keine große Eile, um zu den aufregenden Debatten über die Zuchthausvorlage zu kommen, die sich unmittelbar an die Erledigung der Post- und Fernsprech-Vorlagen anschließen sollen. Leute machten die Reichsboten sogar zu verhältnismäßig früher Stunde Feierabend, nachdem sie nur den zweiten und dritten Artikel des Postgesetzes absolviert hatten.
Düse beiden Artikel hoben für unsere Großstädte em recht bedeutendes, unmittelbares Interesse. Denn sie sind es, die den teilweise aut florierenden und auch tüchtige Leistungen aufwersenden Prwatposten das Lebenslicht ausblasen sollen. Das Postregal für verschlossene Brrese, das bisher sich auf Sendungen, deren Aufgeber und Empfänger mner- halb desselben Gemeindebezirks wohnen, mcht bezogen hatte, soll nun auch auf diese ausgedehnt werden; und da hiermit den Privatposten der Lebeusfaden sowieso abgeschnitten wird, ging die Kommission soweit, in ihrem Anträge Anstalten zur gewerbsmäßigen Einsammlung, Beförderung und Verteilung von unverschlossenen Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben, die mit der Aufschrift bestimmter Empfänger versehen sind, vom 1. April 1900 ab, gänzlich zu verbieten, während die Regierungsvorlage den Betrieb solcher Anstalten von der Erlaubms der höchsten Behörde abhängig machen wollte. .
Gegen die Erweiterung des Postregals richtete sich ein prinzipieller Widerstand nur von den freisinnigen Bänken her. Allerdings fehlte chm
der richtige Elan, da an dem Schicksal der Privatposten doch nichts mehr zu ändern war, und so gestalteten sich die Reden der Herren Dr. Müller- Sagan (frei). Vp.) und Dr. Pachnicke (freis. Vgg.) weniger zu scharfen Kampskundgebungen, als zu elegischen Nachrufen und Leichenreden, in denen die vorzüglichen Leistungender Privatposten hervorgehoben wurden, denen es in erster Linie gedankt werden müsse, wenn die Reichspostmaschine nicht eingerostet sei.
Nur einmal ve, suchte Dr. Müller, durch einen flammenden Appell nach links, wenigstens auch die Sozialdemokraten mit in die Opposition hineinzuieißen, sie an ihre Abstimmung beim Bankgefetz erinnernd. Vergebens! Die Sozialdemokraten waren heute vollständig Regierungspartei, und Abg. Singer hielt sogar eine Lobrede auf den Staatssekretär v. PodblelSkt, der immerhin versucht habe, mit dem alten Schlendrian auf einigen Gebieten zu brechm, und dem er durch die Ausdehnung des Postregals Gelegenheit geben wolle, noch bessere Verhältnisse zu schaffen, namentlich in Bezug aus die materielle Lage der Unteröeamten, die ja übrigens auch jetzt schon bei der Reichspost beträchtlich besser gewesen sei als bei den Prioat- posten.
Nur ein thiner Teil des ZmtrumS unter Führung des Abg. Rintelen kam dem freisinnigen Standpunkte durch einen eigenen, aber ganz unpraktischen Antrag etwas entgegen. Der überwiegende Teil des Zentrums, und ebenso Dr. Bertel im Namen der Rechten, stellten sich ganz aus den Boden der Regalerweiterung, und so wurde diese denn auch mit großer Mehrheit beschlossen. Im Lause der Debatte hatte der Staatssekretär noch die erfreuliche Versicherung abgegeben, daß die zu erwartenden Ueberschüsse zu Dnkehrserleichte- rungen benutzt werden sollen, eine Aeußerung, auf den ihn Abg. Singer (Soz.) sofort festnagelte.
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