Ausgabe 
18.11.1899 Erstes Blatt
 
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Samstag bett 18. November

Erstes Blatt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Arris Gietzen.

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Vom Kriegsschauplatz.

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Noch ist kein amtliches Telegramm vom Anegsschau- hldfo veröffentlicht worden, welches die Kapitulation Hon Ladysmith bestätigt, aber in London tritt das Ge-

General Joubert gefalle«?

London, 16. November.Reuter Bureau" meldet: Am Donnerstag machten die Buren einen heftigen Angriff auf Ladysmith. Es geht das Gerücht, hiebei sei General Joubert gefallen. H e

Loudon, 16. November.Reuter Bureau" meldet aus Durban vom Sonntag, den 12. November, nachmittags, daß dort das Gerücht von dem Tode des Generals Joubert um- laufe. Nach einer weiteren Depesche aus Durban vom Abend desselben Tages besagt ein Telegramm derTimes of Natal" aus Lonreneo Marques, daß General Joubert am Donnerstag, den 9. November, in der Schlacht gefallen sei.

* * *

Loudon, 16. November. DieTimes" erfährt aus Buluway o vom 7. November folgendes: Oberst Nikolson hat die Mitteilung erhalten, daß die Buren den Obersten Baden-Powell hart bedrängen. Die Stadt wird fortwährend beschossen. Die Buren sollen beabsichtigen, die Stadt im Sturme zu nehmen.

Loudon, 16. November.Daily News" berichten au« Kapstadt, Jameson sei auf dem Schiffe Kinfauns Castle nach London ab gereift.

Paris, 16. November.Echo de Paris" versichert trotz aller amtlichen Dementi auf Grund der Behauptung einer hervorragenden politischen Persönlichkeit, welche die KriegS- rüftungen der englischen Regierung aus allernächster Nähe mit angesehen, daß eine große Anzahl Dum-Dum-Ge- schosse nach Südafrika eingeschisst worden ist.

Ein neuer Tudaufeldzug?

Das eben erst verschwundene Gewölk eines neuen Sudan­feldzuges zieht abermals am Gesichtskreis Englands empor. Wenige Tage erst sind es her, daß der Sirdar Lord Kitchener, der sich nach Chartum begeben hatte, um einen letzten ent­scheidenden Streich gegen den Khalifa Abdullah zu führen, nach Kairo zurückkehrte, weil er einen neuen Feldzug für überflüssig hielt; war ihm doch von seinen Spähern berichtet worden, Abdullahi, der nur über 2500 bis 5000 Bewaffnete gebiete, sei nach Westen, weit hinein nach Kordofan ent­wichen, von ihm drohe für absehbare Zeit keine Gefahr. Aber nun mit einem Male kommt aus Kairo die Meldung, daß der Khalifa in der Nähe von Duem am Weißen Nil, 130 Meilen südlich von Chartum, stehe, eine Meldung, die heute folgende Ergänzung erfährt:

London, 16. November.Daily News" melden au8 Kairo von gestern: Von Omdurman ausgesandte Spione bestätigen, daß der Khalif auf die Stadt vorrükkt. Mehrere britische Offiziere gehen im Laufe dieser Woche vo« Kairo zur Front ab. Ferner ist beschloßen worden, eine Ab­teilung Seasorth-Hochländer nach Chartum zu senden.

Diese überraschende Nachricht hat den Sirdar, der erst am Freitag nach Chartum zu reisen beabsichtigte, bewogen, sich sofort dahin auf den Weg zu machen. Die Derwische scheinen ziemlich rasch vorzurücken, denn eine in der heutigen Times" veröffentlichte Drahtmeldung aus Kairo von gestern giebt den letzten Standplatz der Derwische noch 20 Meilen südlich von Duem, bei der Insel Abbah, an. Danach könnte der Khalifa in wenigen Tagen vor Khartum erscheinen. Ein Feldzug im Sudan muß den Engländern in diesem Augen­blick höchst ungelegen kommen, zumal da eine einzige verlorene Schlacht die ganzen Erfolge der letzten Feldzüge in'Frage stellen würde. Aller­dings ermöglicht die eben fertiggestellte Eisenbahnlinie Kairo- Chartum die schleunige Versammlung aller verfügbaren egyptischen und britischen Streitkräfte am Zusammenfluß des Blauen mit dem Weißen Nil, sodaß eine Wiederholung der Tragödie von Chartum vom 26. Januar 1885 wohl nicht zu befürchten ist. *) Vgl. neueste Meldungen.

Meßmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Deutscher Reichstag.

101. Sitzung vom 15. November. 1 Uhr.

Am Bundesratstische: Staatssekretär v. Podbielski. Tages­ordnung: Zweite Lesung der Po st Vorlage; zunächst des Artikel 1, welcher unter Ziffer 1 das Briefgewicht erhöht, ferner unter Ziffer 2 den Reichskanzler ermächtigt, die Ortstaxe auf den Nachbarortsverkehr auszudchnen und 3 die Zeitungsgebühr anbeiroeit te9e(.tr

3u Punkt 3, Zeitungsgebühr (nach den Kommissionsbeschlüsten a. drei Pfennige pro Monat, b. 15 Pfennige jährlich bei wöchentlich einmaligem oder bei noch seltenerem Erscheinen, und ebensoviel für jede weitere Ausgabe in der Woche, endlich c. 10 Pfg. .jährlich für L'be« Kilogramm eines Freigewichts von je 1 Kilogramm lahrlich für soviel Ausgaben, wie der Gebühr zu b. unterliegen) liegen zahlreiche An­träge vor. _ , ..

Abg. Marcour (Centr.) empfiehlt einen Antrag, wonach die Zeitungsgebühr zu bemeffen sei: a. nur 2 Pfg. für jeden Monat der Bezuaszeit, b. für jedes wöchenliche Erscheinen jährlich 12 Pfg m der ersten Zone und 18 Pfg. in der zweiten Zone; e. für jedes Kilo Jahres­gewicht 8 Pfg. in der ersten, 12 Pfg. in der zweiten Zone. Die etfte Sone soll 75 Kilometer Umfang vom Erscheinungsorte umfasten. Auch solle Freigewicht, genau wie die Kommission dies beantrage, gewährt werdem^atssekretär 0. Podbielski hält die Beschlüße der Kommisfion für durchaus geeignet, die kleine Prest'e erstarken zu lassen: Der An­trag Marcour würde zu große finaiizielle Einbußen mit fich bringen.

Abg. Horn-Goslar (nl.) beantragt folgende Zeitungsgebuhr. a. 12Vs Proz. vom Abonnementspreise; b. je 12 Pfg. jährlich für jeoe Ausgabe in der Woche; c. nur 5 Pfg. jährlich pro Kilo ^ahresgewrcht.

Direktor im Reichspostamt Kraetke bittet, auch diesen Vorschlag abzule^ien. ^°z.) widerspricht ebenfalls entschieden dem Fort- weil durch dieselben das Interesse der kleineren und mittleren Presse gewahrt sei.

das Leder nnreecon- ,bllt*hid macht es

ßlb M braun kenntlichen Handlungen. Deutschland: (Rheinpfalz), mkjLederhandlung. ranko. 7558

bestraft.

Gießen, den 27. Oktober 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

§ 15a.

Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben oder Gast- oder Schankwirtfchaft betreiben, sind verpflichtet, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vor­namen an der Außenseite ober am Eingang des Ladens oder der Wirtschaft in deutlich lesbarer Schrift anzubringen.

Kaufleute, die eine Handelsfirma führen, haben zugleich die Firma in der bezeichneten Weise an dem Laden oder der Wirtschaft anzubringen; ist aus der Firma der Familien­name des Geschäftsinhabers mit dem ausgeschriebenen Vor­namen zu ersehen, so genügt die Anbringung der Firma.

Auf offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien finden ^se Vor­schriften mit der Maßgabe Anwendung, daß für die Namen der persönlich hastenden Gesellschafter gilt, was in Betreff ber Namen der Gewerbetreibenden bestimmt ist.

Sind mehr als zwei Beteiligte vorhanden, deren Namen hiernach in der Aufschrift anzugeben wären, so genügt es, wenn die Namen von zweien mit einem das Vorhandensein weiterer Beteiligter andeutenden Zusatz aufgenommen werden. Die Polizeibehörde kann im einzelnen Falle die Angabe der Namen aller Beteiligten anorbnen.

Nr. 272

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< rw » rüchk vom Falle ber Stabt mit großer Bestimmtheit auf,

fllttlltnltE vtHL was um so erklärlicher ist, als unsere Meldung vom 13. No-

| oember, nach der die Buren von Donnerstag, den 9. No-

7 vember ab, Ladysmith mit großer Energie berannt haben

Bekanntmachung. und die Stadt brenne, mittlerweile durch die Nachricht des

Wnhpttihßr I vor-Reuter'schen Bureaus", daß Burenabteilungen bis 1500 Dooverstag ben 23. November > 3 jn unmittcI6arc N-ihe der Stabt eorgebrungen

1Q9« 11Uhr. stndet 'n d-m Reg>erungSg-bäube ba bje toeiteren Berichte, baß Über Labysm.th

51" ='nc bff-ntUch- 6 6 R ' -in weithin lenchtenber Feuerschein sichtbar sei, in ber Haupt-

Gießen mit folgender Tagesordnung statt. Bestätigung gefunden hat*). Bis südlich von Colenso,

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verständigen m 1899. befördern. Das ist bei dem gewaltigen Troß einer solchen

Gießen, den 16. November 1899. Truppenmasse für die dortige Bahnverwaltung eine Riesen-

Der Vorsitzende des Kreistags. aufgabe und es dürfte schwerlich ohne Stockungen abgehen.

_________________v- Bechtold.__Aber selbst wenn alles glatt geht, kann wirklicher Entsatz kaum vor Mitte nächster Woche auf die Vorposten ^uumuiliuujuiiy* der Einschließungstruppen von Ladysmith stoßen, und dies

In Ettingshausen ist in einem Gehöfte Die Maul- bann ^, wenn die Buren die Bahnlinie zwei Kilo- unb Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet I ltieter von Colenso noch nicht, wie verlautet, zerstört worden. I haben. Sie halten bestimmt das gut befestigte Colenso und

Gießen, den 16. November 1899. I werben ben Englänbern auf alle Fälle ben liebergang über

Großherzogliches Kreisamt Gießen. ben Tugela voraussichtlich mit Erfolg streitig machen.

v. Bechtolb. Zu biefem Zweck bürsten sie auch bie beiben Brücken (bet

--Bahnlinie unb ber Straße) bort zerstören, um ihren Rücken Beranntmalyung. gegen bie englischen Entsatztruppen zu schützen. Mittler-

Die nachstehenb abgedruckte Bekanntmachung bringen weile wird es an der Nordgrenze der Südafrikanischen wir m Kenntnis der Beteiligten, indem wir dieselben zu- Republik wieder lebendig. Man berichtet: gleich' aussordern, das h-n-ch Er^derttche rech.z».,^ zu veranlassen, und auf die aus der Nichtbesolgung der gesetz- m Mochudte vor, woselbst er ben Brückenüber-

lichen Vorschriften entspringenden Folgen Hinweisen. ganfl veschüdigt sand. Kundschafter der Basuto-Potizei be-

hpn 14 November 1899. richten, eine Abteilung Buren hätte geraubt und geplün-

I. V.: Roth. Beute zu verschaffen. Aus Fort Tuli berichtet das

-------- ^Rruter'sche Bureau" unter demselben Datum, Kapitün Glycu habe gemeldet, daß ein autzergewötUich lebhaftes Btrauuimamuuu« Treiben im Lager der Buren herrsche. Der Telephondraht

1 cYnniI(ir 1900 tritt ber nachstehenb ab- sei am 2. ds. Mts. abgeschnitten worden. Ein RekognoS. Mit bem 1. Januar i wv iriu oer uu li-ruuastrupp habe in großer Entfernung heftiges Schteven

gebrückte § 15a der Gewerbeordnung in Kraft. Derselbe I i)dct unl> Lager des Oberst Spreckley zurückge-

findet Anwendung sowohl auf bereits bestehende, als auch welches um Mittag von dem vorrückenden Feinde

ans nack biefem Zeitpunkt errichtete Geschäfte. heftig beschaffen wurde; alle Pferde und Faultiere seien

aUf Ww -mpsthL ben ©ewerbetreibenben und Kuusleui-u, Ä

bie vorschriftsmäßigen Aufschriften für bie bestehenden Ge I andere Abteilung Engländer sei von den Buren um- fchäfte bis zum 1. Januar anbringen zu lassen. zingelt worden, sei jedoch nach erbittertem Kampfe nach

Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu Tuli znrückgekehrt; ein Offizier und fünf Mann würden 150 Mk., im Unvermögensfall mit Haft bis zu 4 Wochen | vermiß Maulesel und Pferde

wieder den dummen Streich gemacht, davon zu laufen. Sie sind überall ohne große Auswahl zusammengekauft worden, befinden sich noch in halb wildem Zustand, ge­schweige daß sie für den Krieg dressiert wären. In irgend einem entscheidenden Augenblick kann den Engländern daher unberechenbares Unheil aus der Eselsrage erwachsen. Was ihnen bei Tuli passiert ist, läßt sich aus der obigen Mit­teilung nicht klar ersehen, aber es scheint sich die Kata­strophe von Ladysmith (die Gefangennahme von 2000 Mann) im Kleinen wiederholt zu haben. Daß die Buren bei Mochudie, nördlich von Mafeking die Eisenbahnbrückebe­schädigt" (lies: zerstört) haben, läßt darauf schließen, daß sie den Engländern den Weg nach der Nordgrenze Trans­vaals abzuschneiden beabsichtigen, um einen etwa von dort geplanten Vorstoß auf Prätoria zu verhindern. Auch macht die Unterbrechung des Bahnverkehrs das Heranzrehen von Succurs aus Matabeleland und Rhodesia nach Mafeking unmöglich. Dort und vor Kimberley scheint noch alles beim Alten zu stehen.