Gehörstörung litten bei den Knaben 2,5 Prozent, bei den Mädchen 2,2 Prozent. Im Herbst wurden 12, im Frühjahr 16 Prozent der Mädchen, bezw. 0,7, bezw. 2,1 Prozent der Knaben blutarm befunden, 28 Kinder waren skrophulös und tuberkulös, 7 Kinder hcrzleidend. — Wegen eigener Krankheit von mehr als einer Woche Dauer versäumten im Sommer 25, im Winter 91 Knaben, und im Sommer 59, im Winter 284 Mädchen die Schule. Äm Schluß seiner interessanten und bereits in öffentlicher Stadtverordneten-Sitzung höchst lobend anerkannten Ausführungen betont Herr Dr. Tjaden, daß er bei den Herren Oberlehrern, den Lehrerinnen und dem größten Teil der Lehrer viel Verständnis für das Zusammenarbeiten von Lehrer und Arzt gefunden. Eins werde in Zukunft noch mehr wie bisher möglich gemeinsame Aufgabe sein müssen: das Elternhaus zur Mitarbeit heranzuziehen. Gelingt dies, und gelingt es weiter, die Volksschule zu einer Anstalt zu machen, in welcher nicht blos in Pflege des Geistes und der Sitten, sondern auch in der Pflege des Körpers manche oft unvermeidliche Schädlichkeit aus dem Elternhause ausgeglichen werde, so dürfe man sich versichert halten, auf dem besten Wege zu sein, das Ideal einer gesunden Ausbildung der Heranwachsenden zu erreichen.
A Von der Polizei, 17. August. Schon seit Jahren trägt das Militär, und namentlich die ältere Mannschaft, wie Reserve und Landwehr neben dem Waffenrock die Blouse. Jeder Soldat empfindet und preist sie als ein bequemes Kleidungsstück. Der Dienst leidet nicht unter Einführung der Blouse. Auch die Bahn- und Postbeamten besitzen leichtere Uniforms- bezw. Sommerröcke. Nur die Polizei und besonders hiervon die Gensdarm e^ie versieht selbst bei großer Hitze im dichtanliegenden, zugeknöpften Waffenrocke und dem schweren, weithin im Sonnenlichte blinkenden und dadurch in der Ferne sichtbaren Helme ihre Dienstgänge. Es läßt sich wohl annehmen, daß man auch bei diesen Beamten an zuständiger Stelle die Bekleidungsfrage in Betracht zieht, zumal ja die Dienstfreudigkeit und der Diensteifer eher vermehrt als vermindert wird, ohne daß dem militärischen Verhältnis ein Abbruch geschieht.
+ Grimberg, 16. August. Unser neues Post- gebäude, welches in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs errichtet wird, ist nun im Rohbau soweit fertiggestellt. Der stattliche, sehr geschmackvoll ausgestattete Bau dürfte nach seiner Vollendung eine Hauptziede unseres Städtchens bilden. Derselbe soll voraussichtlich schon am 1. Januar bezogen werden. Auch am neuen Amtsgcrichtsgebäude ist man bereits mit dem Aufschlagen des Dachgebälks beschäftigt. — Heute besuchte die in der Provinzialtagsitzung vom 8. Juli L Js. gewählte Siechenhaus-Kommission, bestehend aus den Herren Medizinalrat Dr. Haberkorn zu Gießen, Landtagsabgeordneter Bauer zu Ober-Ofleiden, Landtagsabgeordneter Weidner zu Herchenhain, Mühlenbesitzer Falk zu Friedberg und Beigeordneter Braun zu Nidda, unsere Stadt zwecks Besichtigung des Bauplatzes, den der Stadtvorstand zum Bau der Anstalt zu stellen bereit ist, falls sich der Provinzialtag bei der Wahl des Ortes für Grünberg entscheiden sollte.
x Atzenhain, 16. August. In den in unserer Gegend befindlichen Eisenstein- und Bauxidgruben herrschte bislang ständig Mangel an Arbeitern. Um demselben abzu- helfen, hat man vor einiger Zeit eine Anzahl Italiener kommen lassen, die sich als recht tüchtige Arbeiter bewähren.
4- Bad Salzhausen, 16. August. In der ersten Hälfte dieses Monats wurden bereits 1000 Bäder abgegeben; im Juli betrug die Zahl der verabreichten Bäder 2500. Das zur schnelleren Wasserbeförderung kürzlich aufgestellte Dampf-Pumpwerk bewährt sich vorzüglich. — Kommenden Freitag nachmittag findet das zweite Konzert für diese Woche im Kursaale statt.
-i- Salzhausen, 16. August. Das Interesse für unser kleines, heilkräftiges Bad steigt mit dem wachsenden Besuche, und mit diesem wächst die Bauthätigkeit. Dieser Tage sind wieder Bauplätze verkauft worden, an die der Fiskus die Bedingung knüpfte, daß die Plätze bis zum Jahre 1901 verbaut sein müßten. In letzter Zeit fanden öfters Unterhaltungen und Konzerte statt.
E. Echzell, 16. August. Nächsten Sonntag den 20. d. Mts. findet dahier die Einweihung des neuen Kriegerdenkmals statt, das lediglich aus freiwilligen Beiträgen der hiesigen Einwohner zustande kam. Von Interesse ist, daß alle Krieger ans dem Feldzuge 1870/71 wieder nach Hause kamen bis auf einen, der aber auch nicht vor dem Feinde fiel, sondern einer Krankheit erlag. Da eine beträchtliche Anzahl von Leuten den Feldzug mitmachten, dürfte es als eine seltene Erscheinung zu betrachten sein, daß alle wieder wohlbehalten nach Hause kamen. — Zu der Einweihungsfeier sind keine Einladungen ergangen, man nimmt aber doch an, daß auswärtige Gäste erscheinen, weil unser Marktflecken durch die Bahnverbindung jetzt leicht und billig erreichbar ist. — Dieser Tage wurde ein Mann aus dem benachbarten B. von einem Insekt in den Arm gestochen, der sogleich heftig anschwoll. Der Mann eilte zum Arzte und dieser machte unverzüglich verschiedene Schnitte in den fast bis an die Schulter verschwollenen Arm, aus dem tief dunkles Blut hervordrang, worauf weitere Mittel zur Anwendung kamen. Auf diese Weise konnte der Gestochene gerettet werden, ohne schnelles Eingreifen des Arztes wäre der Verletzte wahrscheinlich verloren gewesen. Der Fall zeigt, daß man solche Insektenstiche nicht leichtfertig behandeln soll.
Darmstadt, 16. August. Vor der pharmazeutischen Prüfungs-Kommission der Großh. Technischen Hochschule haben im Sommersemester 1899 folgende Kandidaten die pharmazeutische Staatsprüfung bestanden und daraufhin seitens Großh. Ministeriums des Innern die Approbation erhalten: Karl Conradi aus Alzey und Wilhelm Hinkel aus Darmstadt.
Groß-Umstadt, 16. August. Die bekannte „Findigkeit der Post" ist gegenwärtig dahier vor eine gar nicht so leichte Aufgabe gestellt. Die Bestellung einer Postkarte, welche dieser Tage im Ausstellungs-Briefkasten gefunden wurde und welche die Adresse „An das schönste Mädchen in Groß-Umstadt" trägt, dürfte dem bestellenden Personal einige Schwierigkeiten bereiten, zumal in unserer Stadt die jungen Schönen so zahlreich sind, daß die „Schönste" schwer herauszufinden sein dürfte; sind doch auch in dieser Beziehung die „Geschmäcker" sehr verschieden.
P.C. Groß-Umstadt, 17. August. Der Gesang-Verein „Liedertafel" von Aschaffenburg besuchte heute die hiesige Ausstellung und bereitete der sehr großen Konzert- Versammlung in der Festhalle durch den Vortrag einiger Lieder einen unerwarteten erhebenden Genuß. — Durch das hiesige Postamt erfahren wir, daß am letzten Sonntag nicht weniger als 2 24 7 Ansichtspostkarten von hier ab- gegangen sind.
Aus der Zett Mr die Zett.
Vor 116 Jahren, am 18. August 1783, wurde in Stuttgart AndreasBauer geboren, der mit König die Buchdruckschnellpresse erfand. Nach Königs eigenen Worten würde es diesem kaum gelungen sein, seine Erfindung zu vollenden, hätte er nicht Bauers kenntnisreichen Rat und dessen geschickte Hand zur Seite gehabt. Bauer starb am 27. Februar 1860 in Oberzell bei Würzburg.____________
Vermischtes.
Berlin, 15. August. In der Nähe von Freienwalde in der sogen, märkischen Schweiz ist gestern eine Automobile (ein Benzinmotor, System Deimler) an einer abschüssigen Stelle umgestürzt und dann in Brand geraten. Von vier Personen, die außer dem Führer des Wagens darin saßen, ist eine Frau Dr. Henrici durch einen Bruch der Wirbelsäule getötet worden. Die anderen haben Brüche und Verstauchungen erlitten, der Wagenführer einen Nervenchoc. Eine Explosion des Benzins hat nicht stattgefunden.
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold'
Berlin, 17. August. Die Kaiserin wird veränderten Bestimmungen zufolge bereits morgen mit den Prinzen in das Neue Palais bei Potsdam übersiedeln.
Brüssel, 17. August. Dem „Soir" zufolge ist Oberst
Panizzardi entschlossen, seine Demission einzureichen, wenn man ihm verbieien sollte, die Aufschlüsse über die Dreyfus-Affairc zu schaffen. Panizzardi soll hierzu die Zustimmung mehrerer Minister haben. Die Entscheidung der italienischen Regierung dürfte nach voraussichtlicher lieber« einkunft mit Deutschland erfolgen.
Antwerpen, 17 August. Ein hiesiges Blatt versichert, von einem russischen Militär-Attache erfahren zu haben, daß man in französischen Militärkreisen sich bemühe, Dreyfus mit einer Stimme Mehrheit zu verurteilen. Die auf diese Weise hervorgerufenen Zweifel könnte man alsdann benutzen, um Dreyfus freizulassen. Dieser wäre alsdann für immer moralisch vernichtet und das Ansehen des Generalstabes wäre gerettet.
Paris, 17. August. Waldeck-Rousseau erklärte einem Interviewer, ® uerin werde gehorchen oder die Armee werde ihn zum Gehorsam zwingen. — Die Unterhandlungen mit Guerin sind gescheitert. Die Regierung erklärte. Gusrin befinde sich in offener Revolte und werde auch dementsprechend behandelt werden. — Es befinden sich im Hause Gusrins noch neun Schriftsetzer, welche gegen ihren Willen eingeschlossen sind.
Paris, 17. August. Gestern abend begab sich eine Kompagnie republikanischer Garde vor die Wohnung Guerins. Ihre Offiziere trugen Revolver in den Gürteln und waren begleitet von 7 Trommlern. Letztere werden wahrscheinlich heute, sobald die Regierung den Befehl giebt, das Haus stürmen und durch Trommelwirbel das Zeichen zum Angriff geben.
Rennes, 17. August. Die an Labori vorgenommene Untersuchung mit Röntgenstrahlen ergab, daß die Lunge nicht verletzt worden ist. Die in die Muskel eingedrungene Kugel ist etwas abgeplattet, hat aber keinen Rückenwirbel verletzt. Die Frage der Operation wird heute entschieden. Labori möchte sie am liebsten bis nach dem Prozeß aufgeschoben wissen. Mornard trifft heute zur Unterstützung von Demange hier ein. Er wird eventuell die Stelle Laboris einnehmen, wenn eine Operation für unvermeidlich erklärt wird.
Rennes, 17. August. Die Polizei verfolgt eifrig die Spur des Attentäters. Gestern wurde das Kloster der Brüder der christlichen Doktrin in Cesson nicht weit von Rennes unter Leitung des Spezial - Kommissars Hennion durchsucht. Man glaubte, daß sich der Attentäter dort versteckt halte. Der Maire von Cesson wollte sich der Haussuchung widersetzen. Dieselbe scheint resultatlos verlaufen zu sein.
London, 17. August. Die Abberufung Buttlers gilt in politischen Kreisen als ein Zeichen dafür, daß die englische Regierung entschlossen ist, falls Präsident Krüger nicht bedingungslos nachgebe, gegen Transvaal schonungslos vorzugehen.
Wöchentliche Übersicht der Todesfälle in Gießen
32. Woche. Vom 6. August b<3 12. August 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkettsziffer: 10,61, nach Abzug der Ortsfremden 6,36o/e6.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
L. Lebensjahr: 2.—lö.Jahrt
2 (1)
1 -r- —
1 — —
_________________i (i) -__L___
Summa: 5 (2) 3 (1) 2 (1) —
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke komme»._______
Temperatur der Lahn «ud Luft
nach Rcaumur gemessen am 17. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag«:
Wasser 17'/?, Luft 18'/?.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Die Dengste zum Schlachten aus dem Oroßh. Hess. Landesgeftüt zu Darmstadt und dem Königl. Preußischen Landesgestüt zu Dillenburg wurden an den Pferdemetzger Kessler verkauft.
Lebensschwäche 2 (lj
UnterletbSentzündung 1
Unbekannte Krankh. 1
Verbrennung 1 (1)
Grmnmetgras- Versteigerung.
Das diesjährige Grummetgrad von den Domanialwiesen wird Montag den 21. August versteigert und jtoar:
1) Vormittags VeS Uhr im Schloßhof zu Grünberg von 17,20 ha Wiesen der Gemarkung Grünberg.
2) Vormittags Veli Uhr bei Herrn Gastwirt Heinr. Sch epp V. in Saasen von sämtlichen in eigener Verwaltung befindlichen Domanialwiesen der Gemarkungen Göbelnrod, Harbach, Lindenstruth, Oueck- born und Saasen.
Die betreffenden Wiesenwärter sind beauftragt, auf Verlangen die Graslose Vorher vorzuzeigen.
Grünberg, den 16. August 1899. Großh. Oberförsterei Grünberg.
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* (Wene Stellen
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Arbeiter
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Ehristian Faber, Ziegeleibesitzer, Leihgestern.
Kindergarten.
Der Wiederbeginn meines Kindergartens findet Montag, den 2L. August im Nebeuhaufe des Herrn von Münch ow, Seltersweg 52, statt. Neue Zöglinge nehme ich jederzeit auf.
6052 Hochachtungsvoll
C. Rothe Witwe.
Es glänzt der Edelstein im Goldgeschmeide, In mancher Krone blinkt der Perle Glanz. Die holde Braut erglänzt im weißen Kleide, Feurig erglänzt der Augen Paar beim Tanz. Es glänzt im naffen Element die Nixe, In stiller Nacht erglänzt das Sternenzelt. Doch glänzender als „Gentners Wichse", Giebt's nichts mehr auf der großen, weiten Welt.
Jtt roten Losen mit Schutzmarke Kaminfeger in den meisten Geschäften zu haben. 346
Fabrikant: Karl Gentner in Göppingen.


