1899
Sonntat btti 18. Juni
Erstes Blatt.
1
glätter für" hessische Volkskunde.
Nation, Lxpedition und Druckerei:
Schnlgraßc Ar. 7.
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Gießen, den 17. Juni 1899.
Großherzogliches^ Polizeiamt Gießen.
Gießen, den 15. Juni 1899. K-ttr.: Die Vertilgung der Herbstzeitlose.
ÜLs Grotzherzogliche Kreisamt Gießen n die Grotzh. «ürs-rmeistereieu des Kreises.
■ Diejenigen von Ihnen, welche unserer Anflage vom ^Lmril l I. — Gießener Anzeiger Nr. 82 — noch nicht Mpmchen haben, werden an deren Erledigung mit Frist M orcht Tagen erinnert.
v. Bechtold.
ea“,
’s lllld Milli' loniert.
weit unbjwr "schein.
Deutscher Reichstag.
94. Sitzung vom 16. Juni. 1 Uhr.
Das Haus ist sehr schwach besetzt. Am BundeSrats- tiscke- von Bülow, Gras Posadowsky.
Tages-Ordnung: Erste (und eventuell zweite) Beratung kpa sandelsvrovisoriums mit England.
In der Generaldebatte beklagt Abg. Graf Kanitz (kons.) die Schwierigkeiten, welche durch das stets wachsende Bestreben^ der englischen Kolonien nach wirtschaftlicher und politischer Selbständigkeit dem deutschen Handel erwachsen Enaland sei beim besten Willen nicht mehr in der Lage, einen Einfluß auf die Zollpolitik seiner Kolonien auszuüben. Deutschland müsse daher seine Handelspolitik ebenfalls dahm pinriebten daß es die englischen Kolonien als selbständig behandele und mit ihnen selbständige Verträge schließe-Die von der Regierung erbetene Vollmacht „bis auf weiteres würde vielleicht nicht bedenklich sein, wenn man nicht die । Ersahrungeu kenne, welche mit einer gleichartigen, im vorigen Jahre erteilten Vollmacht in Belgien gemacht wurden Er empfehle Annahme der Vorlage mit der Aenderung, daß die Worte „bis auf weiteres" ersetzt werden durch Einschaltung eines bestimmten Termins, und zwar des 1. Juli 1900
Abg. Deinhardt (nl.) hält es für erforderlich, daß dem Bundesräte die erbetene Ermächtigung nicht erteilt I werde „bis auf weiteres", sondern nur auf eine kurz Ue*
Bekanntmachung,
hie Erhebung von Umlagen der Stadt Gießen für 1899/1900 betreffend.
Mit Genehmigung Großherzoglichen Mmsteriums des I >Mril sollen für 1899/1900 von der Stadt Gießen hiötenk Umlagen erhoben werden :
i, auf das gesamte Kommunalffteuerkapital der Ortsem- aiohner und Forensen . . 537 883 Mk. üb Psg-, b. cüuf das Steuerkapital der
uvang. Gemeindeangehorlgen 43 000 „ "
t auf das Steuerkapital der __
statbol. Gemeindeangehorlgen 4uou „ " I
Der Beitrag auf 1 Mark Normalsteuerkapital be-
** ^stir den Ausschlag a. auf SO,6
b. „ 3,43 o „
" " " C. 3,163
«s wird dies mit "dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis t ±Lt hie Erbebuna der Umlagen m sechs Zielen, daß die Eryevung die Monate April,
! '^i^August, Oktober und Dezember 1899 und Februar '^An'allg-m-in°r -v°ng°li,ch-r Kirch-nst-u-r werden von t d» Angehörigen der evangelischen Kirche auß-rdem pro iimi> Steuerkapital 1,7 Pfg. erhoben.
' Die Publikation vorstehender Bekanntmachung ist am Ib,d M im Großh Regierungsblatt erfolgt, von welchem «ilt Qn die Frist zum Vorbringen von Reklamationen i S welche gkg-n dst Erhebung der Umlagen überhaupt । Wtzüet sind.
Gießen, den 16. Juni 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.__
9 Staatssekretär Posadowsky erwidert, komme nur darauf an, welche Kreise man höre. Die Ansichten seien eben ganz verschieden. Die Darstellung des Vorredners über b9a§ Verhältnis Englands zu seinen Kolonien sei eme vollständig irrige. Kanada habe seine eigene Zollwirtschaft und gewähre nur dem Mutterlande einen um 25 Prozent niednqeren Zoll. Solle Deutschland vielleicht seinen Verkehr mit England aufhören lassen, weil eme englische Kolonie Begünstigungen verweigere, nach der Deutschland nur für 17 Millionen Waren schicke und von der nur für 4 Millionen nack Deutschland komme? Das würde wohl kaum Beifall beim deutschen Volke finden. Redner fuhrt weiter aus es werde zunächst wieder gegenüber Kanada von dem aüwnvmen Taris Gebrauch gemacht werden Sollten andere enaliscke Kolonien dem Beispiel Kanadas folgen, so werde Deutschland auch gegen sie von der Vollmacht Ge rauch machen und den autonomen Tarif anwenden. Gr (Redner) hoste bestimmt, daß der in Ausarbeitung b-sindl.ch- erste I Entwurf des neuen autonomen Tarifs, ohne Zollsatz-, im nächsten Herbst dem wirtschaftllchen Ausschuß vorgelegt werden könne. Weiter berührt Redner die Frage der indischen Zuckerzölle und bemerkt, ob in bet 6tt)e6un9 von Ausgleichszöllen gegenüber einem Lande Ausfuhrprämien -in- Verletzung der Meistbegünstigung liegt, das se. zun, mindesten streitig. Werde Indien weiter die Me.st- begünstigung gewährt, so solle jedenfalls damit diese Frage nicht -sta-legl werden. Di- deutsch- R-gi-rung werde Eng- I land die Meistbegünstigung nur so lange einräumen, als durch die englische Zollpolitik, durch Zuschläge auf nns-r- Provenienz, Deutschland kein Schaden geschehe. Ob die Vollmacht nur auf ein Jahr gegeben werde oder „vis auf weiteres", fei für die R-ichsregi-rung unerheblich. Letztere werde jedenfalls nur so lange von d-ii Lollmacht Gebrauch machen, als sie überzeugt sei, daß Deutschland I nicht durch die Differenzierung in irgend emem Teil der I englischen Handelsgebiete wirklich wesentlich geschädigt wer •
Abg Paasche (nl.) vermißt eine Auskunft da- I rüber, weshalb ein Vertrag mit England noch mcht
mE|iCH6g3et>L Kardorss (Rp.) stimmt dem durchaus zu
Abq. R o e s i ck e - Kaiserslautern (Bd. d. Landw.) platdiert dafür, daß England mit seinen Kolonien als emhett iches Wirtschaftsgebiet behandelt werde. Es gehe doch mcht an, daß eine englische Kolonie Deutschland die Meistbegünstigung versage. Geschehe dies, dann müsse auch Deutschland England mit seinen gesamten Kolonien die Meistbegünstigung verweigern. Am allerwenigsten dürfte der Negierung eine zeitlich unbegrenzte Vollmacht gegeben werden. Der Ursprung der Waren müsse ganz genau kontrolliert werden. In weiten Kreisen des Volkes verstehe man eö nicht, welche Zumutungen Deutschland sich vom Auslande qeftillen laffe. Man sei geradezu entrüstet darüber, mit wie wenig Nachdruck Deutschland ausländischen Forderungen
den einzigen Ausweg bilden, die Staatsmaschine nicht ganz still stehen zu laffen. __1 __
sehr zweifelhaft.
Die Transvaalfrage, welche in der letzten Zeit die politische Welt lebhaft beschäftigte, ist nur wenig vorwärts geschritten und droht zu versumpfen. Freilich wird England niemals seine Anstrengungen aufgeben, seinen alten Einfluß in der Burenrepublik wiederzugewinnen.
Zwischen der österreichischen und der ungarif«en Regierung hat eine Verständigung stattgefunden, die aber nur die Wirkung hat, daß Graf Thun auf ^^m Posten bleiben und fortwursteln kann. Auf die innerpolitischen Zustände Oesterreichs bleibt diese Verständigung "des ohne jeden Eindruck; dort wird der Paragraph 14 nach wie vor
m erfahrungsgemäß beim Quartalwechsel eiutretende Störungen im Bezug zu vermeiden, ersuchen hm unsere verehr!. Abonnenten, schon josP iäe Erneuerung ihres Abonnements bÄdcn betressendenPostanstalten,Zweig-
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Verlas des Gießener Anzeigers.
Politische Wochenschau. ,
Gegen den Schluß der Parlamentssaison hat-sich em I . sehr reges politisches Leben entwickelt, das gegen die Wmd. I Me bxt im Laufe des Winters fast durchweg ge^errfc^t I hatte, scharf kontrastiert. Erklärlich ist dies ja insofern,als I diejenige Vorlage, die die Parteien in S^nz besonder^ Walluna zu bringen geeignet war, nämlich das G s tz z I
Schutz?Arb-itSw'illig-r, -rft vor kurzem dem R->ch«Iage zu- aeaanaen ist. Nach den neuesten parteioffizivsen Kund- I acbunqen dürfte die Erwartung, welche sich noch in den I Utzten Tagen geltend machte, daß der Gesetzentwurf schlleßUsh I doch nod)9im Reichstage wohlwollender Aufnahme teilhaftig werden würde, nicht in Erfüllung gehen; denn sowohl das I Centrum, wie auch die Nationalliberalen sollen beabsichtigen, I eine Kommissionsberatung der Vorlage abzule^ien. I I übrigen beginnen die Erörterungen über ^esen Gegenstand . ;n her Presse bereits seltener zu werden; es läßt sich ja I
auch Thatsächliches kaum noch vorbringen, da unoen das Thema schon vor dem Einbringen des Gesetzes vollständig erschöpft hatten. — Auch über die große preußische I Kanalvorlage ist schon viel gesagt worden aber nach der neuesten Wendung der Dinge, nach der Rückverweisung I der Vorlage in die Kommission, sind den Ero^rungen wieder Thor und Thür geöffnet, und mit neuem Jntereff I sieht man der Weiterentwickelung entgegen. Es wäre ge^- I wagt, schon heute den Verlauf vorherigen zu wollen, aber | aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Vorlage zur Annahme gelangen,^ nachdem die Regierung bindende Erklärungen betreffs der d?n geschädigteri Landesteilen zu gewahrenden Kompensationen abgegeben haben wird. Schweren Herzens wird Herr von Miquel in den Säckel greisen muffen, um alle diesbezüglichen Forderungen zu befriedigen.
Einen breiten Raum in den Politischen Erörterungen nimmt neuerdings die coburgische ThronfKefrage em. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß das Recht unter feinen Umständen gebeugt werden darf, daß jedem deutschen Lande aber die unbedingte Gewißheit über die nächste Thron- folge gegeben sein muß. Ein Zustand, wie der gegenwärtige in Coburg, daß der nächste Agnat mcht weiß, ob er die Thronfolge demnächst antreten soll ober mcht, ist eine« deutschen Landes unwürdig. Jeder außerdeutsche Prinz, der nun einmal nach dem Familienrechte dazu berufen ist, sollte । es sich als eine hohe Ehre anrechnen, souveräner deutscher I
Fürst zu sein, welche gar nicht ausgewogen werden kann durch andere noch so hohe Militär- oder Civilstellungen die ihm etwa in einem noch so großen Reiche m Aussicht stehen. Man darf nicht vergessen, daß jeder deutsche Fürst em Glied bildet, des mächtigen deutschen Reiches!
Daß man uns vielfach im Auslande nicht wohl will, geht aus den Mitteilungen hervor, die über den Verlauf der Friedenskonferenz aus dem Haag emgehen. Man hat es da freilich nur mit tendenziösen Berichten zu thun, die oft der Wahrheit direkt widersprechen, aber es zeigt sich darin das Bestreben, Deutschland in einen Gegen atz zu I bringen zu den anderen Staaten. Der von ehrlichstem I Geiste getragene Antrag der deutschen Delegierten, eme offi- I -iöse Berichterstattung über den Verlauf der Verhandlungen I emzuführen, hat noch immer keine Zustimmung gefunden.
Während in Frankr eich der mit der Kabinettsbildung beauftragte Raymond Poincars eifrig mit den politischen Persönlichkeiten konferiert, hat der Tag von «uteuil bereits zum Teil feine Sühne gefunden. Baron Christlam, welcher den Streich gegen den Präsidenten geführt hatte, ist zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden; ^e Verhandlungen aeaen die übrigen Rädelsführer waren bei Schluß dieses Berichts noch nicht beendet. Die ftanzöfischen Chauvinisten I können sich übrigens freuen, sie haben wieder einen Spion entdeckt. Diesmal ist es sogar ein General, den man ab- I gefaßt hat, ein italienischer noch dazu, aber ob es zu einer
Verurteilung desselben kommen wird, erscheint denn doch
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Alte Anzeigkn-VermittlungSstellen drS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den «ießener Anzeiger enlgeg«.
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Gießener Anzeiger
rlints- und Anzeis-blatt für den Nreis Gi-iz-n
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