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18.5.1899 Drittes Blatt
 
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Ut. 115

Donnerstag den 18. Mai

Drittes Blatt

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Meßmer Anzeiger

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H« C. Werner

auch eine selbständige Operationsbasis bei einem Angriff auf unsere Küsten und muß daher dem Kanal eine große Bedeutung für die Landesverteidigung zuerkennen.

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Fernsprecher Nr. 51.

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storbenen großen Chirurgen verflossen. Aus diesem Aulaffe wurde derMünchener Medizinischen Wochenschrift- eine zufällig entdeckte Handschrift des 19 jährigen Primaner- Theodor Billroth übermittelt. Es ist das aus GreifS- walde vom 1. Juli 1848 datierte Gesuch Billroths um Zulassung zum Abiturienten-Examen an die Prüfungs- Kommission in Greifswalde, woselbst Billroth seinen Studie« oblag. In dem diesem Gesuche beigelegten Curriculum vitae schrieb Billroth unter anderem:Schon von frühester Jugend an hatte ich eine fast ausschließliche Neigung zur Musik, welche sich durch regelmäßigen Unterricht von Jahr zu Jahr steigerte und mir nur zu oft in meiner wissenschaftliche« Ausbildung hemmend entgegentrat. So benützte ich leider die zwei Jahre in Tertia nicht in dem Maße, wie ich sie hätte benützen können und sollen, obgleich uns gerade ia dieser Klasse die ausgezeichnetste Gelegenheit zur festen Ein­prägung der lateinischen und griechischen Formlehre gegeben wurde. Nach Sekunda versetzt, wurde es mir daher schwer, mit den übrigen Schülern fortzukommen. Ich nahm des­halb Privatstunden beim Herrn Dr. Scheele und suchte unter dessen tüchtiger Leitung die Lücken in meinem Wissen mög­lichst auszufüllen. Meine höchste Bewunderung und mein größtes Jntereffe erregte jetzt Homers Odyssee in mir. Durch sie gewann ich eine Vorliebe für die griechische Sprache und wendete mich erst in Prima der lateinischen wieder zu, als ich die Germania des Tacitus kennen lernte, die mich mehr anzog als die ganze römische Geschichte des Livius. Da ich die mir dargebotene Gelegenheit, mich im Spreche« und Schreiben der französischen Sprache zu üben, nicht un­genützt vorübergehen ließ, so glaube ich es nicht bereuen z« dürfen, auch auf die Fertigkeit manche Stunde verwendet zu haben. Natürlicherweise mußte in der letzten Zeit die Beschäftigung mit der Musik immer mehr in den Hinter­grund treten; doch werde ich die Zeit, welche ich auf sie wie auf das Zeichnen, welche Kunst ich ebenfalls mit großer Liebe getrieben habe, verwendete, gewiß nicht bereuen, wen«, gleich ich eingestehen muß, daß ich durch eine regelmäßige Zeiteinteilung von Anfang an alles zweckmäßiger mit einander hätte verbinden können. Um so größeren Dank bin ich dem Lehrer schuldig, welcher nie nachgelassen hat, in den letzte« Jahren in mannigfacher Beziehung mir seinen Rat zu er­teilen, dessen Befolgung auf mein ganzes Leben von dauern­dem Einfluß sein wird. Meine schon früh gefaßte Neigung zum Studium der Medizin ist so erstarkt, daß ich dasselbe zu ergreifen fest entschlossen bin."

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Schisssnachrichten

Norddeutscher Lloyd, in Gieß« vertret« durch die Agenten

LooS und I. M. Schulhof.

* Bremen, 15. Mai. (Per transatlantischen Telegraph«! Der Doppelschrauben-Postdampfer Barbarossa, Capitön A. Richter, vom NorddMschm Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in New-Aork angekommm.

Vermischtes.

Eine Reminiszenz an Theodor Billroth. Am 26. April waren 70 Jahre seit der Geburt des im Jahre 1894 ver-

Deutsches Keich.

Darmstadt, 15. Mai. Aus Windsor Castle, 15. Mai, wird derDarmst. Ztg." telegraphisch gemeldet: Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Groß­herzogin reisen heute mit Ihrer Majestät der Königin auf drei Tage nach London und nehmen im Buckingham Palace Wohnung.

Berlin, 16. Mai. Bei einer Benzin-Explosion verunglückten gestern drei Personen. Ein Mädchen erlitt den sofortigen Tod. Eine alte Frau trug so schwere Ver­letzungen davon, daß sie im Krankenhause verstarb. Ein Mann trug starke Brandwunden davon. Das Unglück ist noch nicht aufgeklärt.

M.P.C In Berlin weilt zurzeit der englische O b e r- turnwart, um mit Erlaubnis des Kultusministers die Einrichtung des Turnunterrichts in den Berliner höheren, mittleren und Bürgerschulen zu studieren, und auf Grund seiner persönlichen Wahrnehmungen den englischen Turn- Unterricht zu reformieren.

MPC. Im Reichsjustizamt finden in diesen Tagen weitere Sachverftändigen-Vernehmungen zum Zweck der Revision des Urheberrechts statt. Es sind au denselben insbesondere auch Tonkünstler beteiligt.

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Ausland.

Paris, 16. Mai. Aus guter Quelle verlautet, daß derFigaro* in der nächsten Zeit die Photographien zahl- reicher Dokumente veröffentlichen wird. Wie das Blatt versichert, hat es die Erlaubnis des Besitzers dieser Doku­mente, des Obersten v. Schwartzkoppen, dazu erhalten. Diese Dokumente seien von großer Wichtigkeit und bilden eine Waffe gegen den französischen Generalstab, den sie als solchen blosstellen. Schwartzkoppen soll mit Einwilligung Kaiser Wilhelms gehandelt haben.

MP.C. lieber das vielberufene Unter­wasserboot, in dem manche Franzosen jetzt das beste Seekriegsmittel erblicken, spricht sich ein ehemaliger franzö­sischer Seeoffizier in derRevue de Paris" vom Dezember 1898 nichts weniger als hoffnungsvoll aus: Wenn diese Maschine, sagt er, erst den höchsten Grad der Vollkommen­heit erreicht haben wird, wird man vielleicht einsehen, daß sie nur für die gefährlich ist, die sie handhaben müffen, und daß sie nicht alles erfüllt, was man von einer Kriegs- waffe fordern muß. Vor allem wird man sie nie mit Sicherheit an den Feind heranbringen kvWtH Dann wird diese Vogelscheuche sich in der RumpelkamMr alter Utopien und Legenden mit jener famosen Mikrobe des Meeres.zu- sammenfinden, mit jenem kleinen Torpedoboot von 40 Tonnen, das man über den Atlantischen Ozean hinweg auf Aben­teuer ausschicken wollte, um die Kreuzer und Postdampfer des perfiden Albions zu versenken.

Loudon, 16. Mai. Der Admiralitätsrat hat in den letzten Tagen bemerkenswerte Versuche mit einem neuen elektrischen Geschütz gemacht, welches von einem jungen Ingenieur namens Neumann erfunden ist. Die Regierung hat dem Erfinder 75,000 Pfund angeboten. Derselbe for- dert jedoch 100,000. Beim Abfeuern des Geschützes wird weder Rauch bemerkt, noch ein Knall vernommen.

Loudon, 16. Mai.Daily Mail" meldet aus Rom: Der Papst hat angeordnet, daß am 80. Geburtstage der Königin Viktoria in allen Kirchen von Rom ein feierlicher Gottesdienst abgehalten werde.

Madrid, 16. Mai. Die Bewegung zu gunften der im Gefängnis von Montjuich unschuldig schmachtenden an­geblichen Anarchisten nimmt eine immer größere Ausdehnung an. Die spanische Regierung hat auf Veranlassung der Königin-Regentin eine neue Untersuchung der Sache an» geordnet.

Madrid, 16. Mai. Aus Manila wird gemeldet, die Insurgenten hielten gestern in der Nähe von Luig auf dem Rio Grande ein amerikanikanisches Fahrzeug an, wobei ein amerikanischer Unteroffizier getötet und zwei Soldaten ver­wundet wurden.

Ser Rhein-Elbe-Kanal und die Landes­verteidigung.

OieBerl. Korresp." veröffentlicht einen intereffanten Srtilel über die Interessen der Heeresverwaltung am Rhein- älbe Sanal. Die Heeresleitung müsse im Kriege auf die * Stundung der Wasserstraßen den größten Wert legen. Daß r ics «uch in der That geschehe, wurde in der Kanal- Mliüsionssitzung vom 9. d. M. durch den Kriegsminister ' *. Gojßler und den Chef der Eisenbahnabteilung des großen ' Äncriülstabes Oberst Budde in eingehenden Ausführungen arge fegt. Aus diesen ergiebt sich, daß seit dem Kriege 11810/11 umfassende Vorbereitungen getroffen sind, durch liwrlche die Binnenschiffahrt im Kriege militärisch organisiert ' . id jtir die Kriegsführung nutzbar gemacht werden soll. 7Vie Wane hierfür liegen ebenso bereit, wie die Dispositionen Liltr die militärische Ausnutzung der Eisenbahnen. Gerade Kriegserfahrungen 1870/71 auf deutscher und fran- Seite haben Anlaß zu solchen Vorbereitungen ge- Li tben. Hätten wir 1870 über eine militärische Organisation Binnenschiffahrt verfügt und die Schwierigkeiten vor- himgeschen, die den Eisenbahnen während des Krieges er- M'üchsein würden, so hätten wir den Rhein, die Mosel sowie v« R^ein-Marne-Kanal und andere Wasserwege in Frank­reich wahrend des größten Teiles des Krieges in umfang» reicher Weise ausnutzen können. Dies wäre namentlich für b::t Magerung von Paris von größter Bedeutung gewesen, ir Äe Eisenbahnen können nur solange Gutes leisten, als der

2Mel' regelmäßig erfolgen kann, d. h. im Kriegsfall bis j M bi endeten Aufmarsch des Heeres. Die später an die I Bahnen zu stellenden wechselnden Anforderungen mindern d:«Leistungsfähigkeit bis tief in das Land hinein herab. TstshM muß die Kriegsführung alle Verkehrswege auszu- nutyn suchen. Versagen die Eisenbahnen vorübergehend oiegtn Zerstörungen, Unfällen, Betriebsstockungen, Kohlen-, PssiMnl- oder Materialmangel rc., so muß sich die Heeres- Idiilung auf Land- und Wasserstraßen stützen, die übrigens fo rtlaufenb die Schienenwege entlasten und ergänzen fo-jöin, ssoweit ihre Eigenart es zuläßt. Unser Bahnnetz hat siytz Mr seit dem Kriege 1870/71 sehr entwickelt, und der Baubetrieb hat große Fortschritte gemacht; aber auch die A Linderungen, die in einem künftigen Kriege an das Bahn- nttg (jerantreten werden, sind ins riesige gestiegen, worüber ini k Kanalkommission vertrauliche Mitteilungen gemacht roßen.. Solche Massenheere mit Millionen von Streitern, wtiit sic in einem künftigen Kriege sich gegenüberstehen ttxM. sind noch nie in kurzer Frist versammelt und mit afM Erforderlichen versorgt worden. Diese Ausgabe zu iötyci, Meibt der künftigen Kriegsführung Vorbehalten, und biitijinigie Heeresleitung, der die Lösung gelingt, hat einen gMchil Schritt zum glücklichen Ausgang des ganzen Krieges geMn. Deshalb müssen die rückwärtigen Verbindungen deA:HeereSmassen gleichzeitig auf alle Verkehrswege gegißt werden. Der Rhein, die Weichsel, die Warthe umib düe Oder bilden die natürlichen Operationsbahnen füiiir He Versorgung der Heere; wird zwischen diesen eine WAchrverbindung hergestellt, so kann, während die Bahn buimj Truppenbeförderung belegt ist, der Massentransport bm @üter und der Kriegsmaterialien zur jeweiligen Ope» raMMasis auf dem Wasserwege erfolgen, ebenso der Rück- trenmiport der Kranken, Verwundeten und Gefangenen. Zu- deiWvecden viele landwirtschaftliche und industrielle Werke tworton Stillstand bewahrt, wenn die Eisenbahnen durch dem Liiegsverkehr belegt sind.

Vie Franzosen legen den Wasserstraßen im Kriege eine so ii ßtonragenbe Bedeutung bei, daß sie nach dem Kriege 18'.Gi ll einen großartigen Ausbau ihrer Wasserwege nach strünüzischen Gesichtspunkten, vorzugsweise auf Anregung des«; i^igen Kriegsministers Krantz und des durch seine En4^ie bei der Nationalverteidigung 1870/71 bekannten srüHlMi Kriegsministers Freycinet, durchgeführt haben.

Ver damalige Chef des Generalstabes der Armee, FeWmftchall Graf v. Moltke, wurde im Jahre 1883 zu einuci Gutachten über den Dortmund-Ems-Kanal und den RhhüiElbe-Kanal aufgefordert und sprach wörtlich aus: J§»^niteresfe der Landesverteidigung ist es wünschenswert, bafi teitöc Projekte sich verwirklichen." Er erklärte aber denß jltzt zur Beratung stehenden Kanal für erheblich wich- tigeKtr, M den bereits ausgeführten Dortmund-Ems-Kanal.

Vie: Heeresverwaltung sieht nach diesen Ausführungen in Hb aus wirtschaftlichen Gründen projektierten Rhein- 6Ib'^amaI eine neue, vom Eisenbahnbetriebe unabhängige leistrnMahige Verbindung zwischen den Operationsbasen ruft h westlichen und dem östlichen Kriegsschauplätze oder

Meratur, Wissenschaft» Kunss

Die soeben erschienene Lieferung 27 deS kulturgeschichtlich« Werkes: ,DaS neunzehnte Jahrhundert in Bildnissen^ her- auSgegeben von Karl Werkmetfter, Verlag der Photographlschen An­stalt, Berlin, enthält eine Reihe von höchst interessanten Gelehrtrn- PorträtS; so den Philologen Lachmann, d« Naltonal-Oekonom« Roscher, die Optiker Fraunhofer und Karl Aug. Steinheil (nach Münchener Originalen in der Akademie der Wistenschaften) und die Chemiker Satnt-Htlaire, Gay-Lussac, Vauqueltn und Cbevreul, dies« großen und unsterblich« Akademiker, welcher wohl der AlterSpräfidrnt dieser ganzen eigenartigen Sammlung von Köpf« ist, und dm unB eine Textillustration auch in seinem patriarchalischen Alter (er ist 103 Jahre alt geworden) vorgeführt. Cheoreul hat bekanntlich auch für das tägliche Leben viel« Annehmlichkeit« gesund«, so z. B. die Stearinkerze und daS Glycerin. Die 28. Lieferung führt uns tn die Tage der stolzen Klaus Groth-Feiern mit einem gemütvollen BUd. niste des Quickborndichters, welchen Bockelmann wel6 Verteiler* mit der Cigarre in der Hand gemalt hat. Die Bedmtung des nun schon Achtzigjährig« für die Renaistance des Plattdeutsch«, für Dmtsch- tum und Dichtung überhaupt, schUdert Max CorniceliuS. Wie so oft, ist auch hier neben ihn Theodor Storm gestellt, der tief inner­liche Lyriker, den Paul Warnke als echt« Friesen, als Sohn der holsteinisch« meerumrauschten Heimat schildert. Von Leut« der Lttteratur ist der Weise von Weinsberg Justtnus Kerner, destm Wanderlied ^Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein* fast zum VolkSliede geworden ist, von H. A. Lier und der thatkräftige Heinrich Laube als Vertreter desjung« Deutschlands-, als Dra­matiker und Theaterleiter von Julius Hart gewürdigt. Schließlich erwähnen wir nock zwei mit der Lttteratur eng verknüpfte große Namen: Johann Friedrich Cotta und F. A. Blockhaus (behandelt von Georg Stamper, Bildnisse auS Familtmbefitz), dann Karl Rott- mann, den großen Meister der komponierten Landschaft, (Selbst­bildnis, Biographie von Karl Neumann) und Ludwig Spohr, dm zu Unrecht halb vergess«« Vertreter mufikalischer Romantik.

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