Ausgabe 
18.4.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1800

Dienstag den 18. April

l

A,nts- und Anzeiseblatt für den ICrcU Gieren

f>nl, tnitiij!

vWWrvfV

imidt

w

geteilt:

ii

uralten @ir

Rtug nnU:

»tbaPtion, Lrpedition uxb Drucker«:

Zch.ksir.tze Mr. 7.

gemacht noch gebilligt.

Berlin, 15. April. Di e Reich s tags v erh andlung über Samoa. Ein Berliner Blatt läßt sich aus London folgendes telegraphieren:Der heute hier vorliegende aus­führliche Bericht über Bülows Erklärung hat den anfänglich etwas alarmierenden Eindruck erheblich abgeschwächt. Na«

doch gleich den Störchen des größten Schutzes seitens der Menschheit gewiß. Mußten doch noch im vorigen Jahr­hundert die fernschauenden Turmwächter das erste Sichtbar­werden der Schwalbe ihren zuständigen Gemeindebehörden gehorsamst vermelden, damit diese das frohe Ereignis un­gesäumt zur öffentlichen Kenntnis bringen konnten. Es ist auch nicht lange her, daß sich auf westfälischen Dörfern an dem Tage, wo erfahrungsgemäß die schwarzbunte Lenzbotin eintraf, die gesamte Hausgenoffenschaft, der Familienvater an der Spitze, bis an das Thor des Gehöftes begab, um sie feierlich zu begrüßen und der langvermißten Freundin zuvorkommend die Scheune zu öffnen.

Wurden ihr nicht die gebührenden Ehren erwiesen ober waren die wirtschaftlichen Verhältnisse schlechter geworden und chr die Vorräte zu kärglich bemessen, dann schimpfte" sie, wie das gemütvolle Landvolk wähnte. Das bekannteste Liedchen, in welchem sie ihr Ungehaltensein zum Ausdruck bringt, wird uns in GrimmsAltdeutschen Wäldern" mit-

Wenn ich wegzieh, warn ich wegzieh, Sind Kisten und Kasten voll.

Wenn ich wiedertomm, wenn ich wiederkomm, Ist alle» verzehrt."

trächtigen werden." r , ,

Aus Samoa hat derHamb. Korresp." erfahren,, daß infolge des Einspruchs des dortigen deutschen Konsuls der deutsche Geschäftsführer der Plantage m Vmlele bei Apia, die der Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Sudsee gehört, aus seiner Haft auf dem englischenTauranga" entlassen und an Bord des deutschen KreuzersFalke" ge­bracht worden ist. Die Freilassung läßt vermuten, daß dem deutschen Geschäftsführer eine Schuld bei dem Ueber- fall auf die amerikanisch - englische Landungstruppe nicht nachgewiesen werden konnte. Jedenfalls ist mit seiner Frei­gabe einer Verschärfung der Lage vorgebeugt. In Was­hington wird nicht mehr daran gezweifelt, daß die drei Mitglieder der Samoa-Kommission am 25. April ab­reisen werden. England hat die Einstimmigkeit der Kom­missionsbeschlüsse für alle Maßregeln zur Herbeiführung einer provisorischen Ordnung der Dinge angenommen. Die Kommissare werden jedoch unabhängig von einander ihre eigenen Ansichten ihren betreffenden Regierungen mitteile« und diese werden dann über die endgiltige Regelung der Verhältnisse auf Samoa unterhandeln. Die Kommissare sind nicht befugt, den früheren Vertrag abzuändern, doch werden die von ihnen einstimmig gemachten Vorschläge wahr­scheinlich schließlich angenommen werden.

Rtombaj), rlicher.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Klätter für hessische Volkskunde.

Es sind eine ansehnliche Reihe ähnlich lautender Derschen in einzelnen deutschen Gauen zu finden, doch dürften wohl jene Reime, welche Rückert nach Jugenderinnerungen seinem wunderschönen GedichteAus der Jugendzeit" als Schwalben- gesang zu Grunde gelegt hat, am verbreitetsten sein, nämlich:

Adresse für Depeschen: Anzeiger chiehex.

Fernsprecher Nr. 51.

*<

ril, natoir.-

»I

90 Kwcites Blatt

Aezugrprelfl vierlrljährlich 2 Mart 20 Psg. man all ick 75 Psg. mit Brmgerlohn.

Bei Postbezug 2 Mart 50 Psg. vierteljährlich

8ha^

Ml stieteuppi

M

n y*

Vision.

von 3t " nvalerc.i

le fcii allen hu., wiegeni!^ krotzi d

mentlich herrscht in der Presse über die Proteste der Partei­führer gegen Lehrs Rede lebhafter Jubel, da sie allgemein dahin ausgelegt werden, daß die Einigkeit der deutschen Parteien gegen die anglo-amerikanische Samoa-Politik nicht weiter zu fürchten ist, und die deutsche Regierung sich jetzt nachgiebiger zeigen werde. DieTimes" erklären, es sei

Volkes weniger Abneigung haben sollte gegen einen Krieg um ein Handelsmonopol in Samoa als die Mehrheit der Engländer und der Amerikaner. DerStandard" schreibt:Wir unsrerseits stimmen den hauptsächlichen Vor­schlägen des Herrn v. Bülow zu, und wenn sich Verschieden­heiten in der Interpretation ergeben sollten, so hoffen wir, daß dieselben eine ehrenvolle Verständigung nicht beein-

richtig!) Also Achtung der anderen auf Grund dieser Akte sustehendeu Rechte, aber auch volle und unbedingte Aufrecht­erhaltung unserer eigenen deutschen Rechte. (Sehr richtig.) Im Interesse der Ruhe auf Samoa wie im Interesse ruhiger Beziehungen zwischen den beteiligten Regierungen würden wir es an und für sich nützlich finden, wenn die dies nicht vorher gewußt habe, da er

1.1,11««.., ' S!" S ~* .S ab.iu.1 <-»>, «-«,

brmgt, in der Budget-Kommission gesagt, wir waren geneigi, r wie ich mich ausdrückte, in eine reinliche Scheidung zu willigen. Da sich aber die Nachteile des gegenwärtigen Zustandes der Dinge für die beiden anderen beteiligten Mächte ebenso fühlbar machen, wie für uns, so haben wir keine Veranlaffung und Empfinden, auch kein Bedürfnis, | in dieser Richtung aus eigener Initiative mit besonderen Vorschlägen hervorzutreten. Solange aber die Samoaakte zu Recht besteht, muß dieselbe von allen Beteiligten loyal beobachtet werden, dem Buchstaben nach und dem Geiste nach. Wortlaut und Tendenz der Samoaakte fordern, daß auf Samoa nur solche endgiltige Entscheidungen getroffen werden, welche auf einstimmigen Beschlüssen der drei beteiligten Regierungen beruhen. Wir haben deshalb von vornherein in London und in Washington keinen Zweifel darüber ge­lassen, daß wir solche Veränderungen in Samoa, zu denen wir unsere Zustimmung nicht gegeben hätten, als rechtsun­verbindlich betrachten müßten. Wir konnten nicht zugeben, daß entgegen dem zweifellosen Text der Samoaakte, im Widerspruch mit dem Vertragsrechte ohne uns oder gar gegen uns über Samoa entschieden werde. Dieses von uns aufgestellte und vertretene Prinzip der notwendigen Ein­stimmigkeit ist zuerst von Amerika und schließlich auch von England angenommen worden. Ein anderer leitender Ge­sichtspunkt für uns war, uns nicht in die Streitigkeiten der eingeborenen Häuptlinge einzumischen. Den verschiedenen Thronkandidaten stehen wir an und für sich ohne parti pris gegenüber. Da aber bie provisorische Regierung bes Häupt­lings Mataafa von ben drei Konsuln anerkam.t worben war, so mußte sie unserem Konsul als ber legale etatus quo so lange erscheinen, bis burch einstimmigen Beschluß der drei Mächte eine neue Regierung eingesetzt war. Schon weil wir uns den internen Vorgängen auf Samoa gegenüber neutral verhalten, haben wir das Eingreifen englischer und amerikanischer Schiffe in diese Streitigkeiten weder mit-

Als ich Abschied nahm, AlS ich Abschied nahm, Waren Kisten und Kasten schwer; Als ich wieberkam, Als ich wiederkam, War alles leer."

Bereits auf der altjonischen Insel Rhodos herrschte die eigenartige Sitte, daß die Kinder zu Anfang des Frühling« eine Schwalbe herumtrugen und allerhand Eßwaren ein­sammelten : ein ererbter Brauch, welchen einst der Weise Kleobul bei einer ausgebrochenen Hungersnot eingeführt haben soll. Das von den heischenden Kindern gesungene Schwalbenliedchen" ist bei Athenäus verzeichnet und hat folgenden Wortlaut:

Die Schwalb' ist wieder-, Ist wtedergekommen; Sie bringet den Frühling Und liebliche Lage. Weiß ist fi« etx Bauche, Schwarz ist sie am Rücken. Wie? Giebst du nicht eine Feige Uns axs dem reichen HauS? Eine Schale mit Wein?

Ein Körbchen mit Käs und Mehl? Eiersemmelchen auch?

Liebet bk Schwalbe!

Diese altväterliche Sitte des Umsingens bei Ankunft ber Schwalbe herrscht heute noch in Griechenlaub. Wenn bie schwarz weiß gefieberte Verkünbigerin aus ihrem abeffynischeu ober lybischen Winterquartier übers Mittellänbische Meer h er üb erge flogen kommt, ba stimmt die frohe Jugendschar Griechenlands ähnliche Liedchen an, wie heutzutage unsere

jtn nm kW-

Anstand.

Wien, 15. April. Zum Ueberwuchern des t s ch e ch i s ch e n Beamtentums in Böhmen teilt dieEg. Zeitung" folgendes mit: Die Bevölkerung der Stadt Lobositz besteht aus 3721 Deutschen und 501 Tschechen, jene des Gerichts­bezirks Lobositz aus 14401 Deutschen und 4805 Tschechen. Die Bezirksstadt ist also zu 87 v. H. und der Gerichtsbezirk zu 75 v. H. deutsch. Und ein derart überwiegend deutscher

IftdHnt-nch itfi !i '-nahmt btfl Ebntagfl.

| l« Gießener A^IttexVtiUler tueeii bem Anzeiger WZflchnl ch viermal brigelegt.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. April. Der Kaiser hörte heute vormittag htrs Erträge des Chefs des Generalstabes, Grafen v.- lieffen, und des Chefs des Militär-Kabinetts, (VNetdte v. Hahnke. Um 1 Uhr nahm ber Kaiser bas FMHpi.ck beim Oberstallmeister Grafen v. Webel em und b.j Wc.te nachher die fertiggestellten Teile deS neuen Marstall-

s.

Birlin, 15. April. Die 9. Kommission des RikichStags zur Vorberatung bes Jnvalibitäts- Vk eis iah erungsgesetzes erledigte heute die §§ 7 a unb 8 ! LStt-S>rufsgenoffenschaften beziehungsweise freiwillige Ver- fi iityruiug).

JBrrlin, 15. April. Für bie Errichtung hybr o-thera- i siiti! cher Institute an ben Universitäten ist nm nächsten preußischen Haushaltsplan eine Forberung zu eiriattr n.

Berlin, 15. April. Aus Bozen wirb gemelbet, daß Ctf-iaf Lo«, ber Präsibent beS rheinischen BauernbunbeS, o^fitrn bort gestorben ist.

Berlin, 15. April. Das Abgeorbnetenhaus seütze Scheute die erste Lesung der Kanal-Vorlage fort. WAstl r Freiherr v. Hammerstein erörterte ausführlich die Eklstibungsgeschichte der Vorlage und empfahl dieselbe zur Emhme. Minister Thielen suchte in längeren Ausführ- .unijai nachzuweisen, baß nach ben Beobachtungen auf a nittren Kanälen zu schließen sei, baß ber Mittellanb-Kanal ft 4 giti rentieren werde. Die Beratung wird am Montag ftftMsatzt.

Barlin, 15. April. Reichstagsrebe bes Staatssekretärs toi . loro gelegentlich der Interpellation über bie Samoa-

Ich bin gern bereit, meine Herren, mich über eine AiWlecMheit auszusprechen, welche die öffentliche Meinung niuöt-cht lebhaft beschäftigt unb für die Regierung fett ftStyu ein Gegenstand ernster Aufmerksamkeit ist. Auf der n iriereri Seite werden Sie es verstehen und ich denke, a mH ber Herr Antragsteller wird es verstehen, (Sehr gut! LÄÄ.) wenn ich in meiner amtlichen und verantwort- li .atiii Stellung nicht Dinge sagen werde, welche eine fried- li .oct Beilegung der entstandenen Schwierigkeiten in Frage filmen könnten. (Sehr wahr!) Heber die Vorgeschichte der ji wjitcn Wirren auf Samoa habe ich mich in der Budget- fllinniulfion ausgesprochen, und ich habe namentlich darauf h liiqen'iesen, wie es feit dem Inkrafttreten der Samoaakte d ach feiten weder an Unruhen noch an Reibungen zwischen d e Vertretern der drei beteiligten Regierungen gefehlt hat. 1 £<? amfer Verhalten gegenüber diesen Verwicklungen an- gjch, so kann ich dasselbe zusammenfaffen in den einfachen

E Festhalten an der durch die Samoaakte gegebenen WSllage, so lange diese Akte nicht durch übereinstimmenden VS'Guiß der unterzeichnenden Mächte modifiziert ist. (Sehr

Feuilleton.

Die Schwalbe.

Von F. Kunze.

(Nachdruck verboten.)

Wohin, schelmischer, nichtsnutzer, Allerliebster, kleiner Stutzer, Schwälbchen, du mit weißer Weste, Schwarzem Frack und roter Binde, Wohin? Sprich, zu welchem Feste Fliegst du denn so geschwinde.?

Siner unserer beliebtesten Vögel ist die Schwalbe, die s, hm frühesten Altertum neben dem klappernden Storch, rcmÜm sie Gunst und Haus des Menschen teilt, als un- turili<tye Verkündigen» des holden Lenzes galt. Als ein iliürfren weiten Erdenrund verbreiteter Zugvogel muß sie siStz-hll ihr Scheiden als auch ihr Wiederkommen an be- st ÜMtic Zeiten des Jahre« knüpfen. Obwohl das dem alten Stoiiwtr schon bekannte Sprichwort behauptet:Eine @5^ailbe macht keinen Sommer!" so begrüßen wir doch hioohkrsireut das alljährliche Erscheinen der trautenSeglerin b aüflifte", wenn auch nicht immer zu derselben Zeit, weil c Sicht überall heißen tarnt wie in Tyrol:

Mariä Geburt (7. September)

Ziehen die Schwalben surt;

Mariä Verkündigung (25. März) Kommen fie wiederum.^

Denn auch diese lieblichen Sommergäste als Rauch- s tkOen das Innere und als Hausschwalben das Aeußere u ate Häuser durch ihre Nester verunreinigen, so sind sie

limerMe ft hes Söhnchv

ML

rrto*1

LÜmchme von «nzeigex zu der xachmiNagfl für den fochptrx Lag erscheinenden Nummer bifl vorm. 10 Uhr.

Meßener Anzeiger

/VW 114» /V | -** A Z* ZlY* Alle Anzeigen.BermittlungSstellex des In- und Auslandefl

TT |T I j| Z IM V l, nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enkgegex.