Kolonialamt vom Kriegsamt Mittel verlangt, das Schatzamt sie aber verweigert hat, so wird selbst Salisburys Abneigung, den Kollegen zu opfern, nicht den Minister schirmen können, der zwischen England und der Herstellung seines gefährdeten Nebergewichts in Südafrika steht". — Sehr vernehmbar klingt auch aus der Rede des Herzogs die Besorgnis heraus, das Heer könne das Vertrauen zu seinen Führern verlieren. Man macht sich also auf das Schlimmste, auf Meuterei unter den Soldtruppen und Milizen, denen, die schon im Felde stehen, und denen, die noch einberufen werden, gefaßt.
Mehr Truppen nach Afrika!
ist ja nicht blos das Verlangen sämtlicher Londoner Blätter, sondern auch die Parole des KriegSamteS.
Man meldet aus
Loudon, 15. Dezember. Das KriegSamt macht bekannt, daß die 6. Division mobil gemacht und vier Bataillone bis Sonntag eingeschifft werden. „Daily Tele« graph" berichtet, es sei ein neuer Belagerungspark in Vorbereitung.
Außerdem sollen noch mindestens weitere 30,000 Mann mobilisiert werden, und zwar soll eine siebente Division gleich mobilisiert werden, während eine achte Division in Reserve gehalten werden soll. Man will, um die Truppen frei zu bekommen, gewisse auswärtige Stationen mit Miliz garnisonieren, und die Miliz in England durch Volunteers ersetzen. Vielleicht wird man die Miliz- Reserve ebenfalls zu den Regimentern einberufen, und auch an Heranziehung weiterer Kontingente aus den Kolonien wird gedacht.
Außer seiner Landarmee besitzt England noch in den Royal Marines, den Seesoldaten, eine zwar auf den Schiffen und in Küstenplätzen verteilte, aber im ganzen 18000 Mann starke Truppe, die bis jetzt noch nicht auf dem Kriegsschauplatz verwendet worden ist, außer in geringer Zahl als Begleitung bei den Abteilungen von Kriegsschiffsmannschaften der Kreuzer in Südafrika. In früheren Auslands-Kriegen, bei denen es weniger darauf ankam, daß die Flotte in vollster Leistungskraft blieb, sind die Royal Marines fast stets in geschloffenen Abteilungen an Land verwendet, sobald die Kriegsschiffe Mannschaften landeten. Bis jetzt hat man von der Bildung einer Division von Royal Marines durch Abnahme dieser Mannschaften von den großen Geschwadern und Schiffen Abstand genommen, weil die Kampfbereitschaft der Schlachtflotte nicht durch die Ver- ringerung ihrer Besatzungen leiden sollte, indem die eng- I Usche Regierung in der Bereitschaft der Flotte die beste Bürgschaft gegen jede Einmischung anderer Mächte sieht. |
Jetzt wird aber doch erwogen, ob 4—5000 Mann der Royal Marines nicht ohne Nachteil für die Flotte in Südafrika verwendet werden könnten.
Warum Lord Methue« auszog.
Kimberley!! Alles aussteigen! hieß es vor nunmehr acht Jahren, als Schreiber dieses mit magerem Geldbeutel, aber desto größeren Hoffnungen das südafrikanische 1001 Nacht betrat. Damals war Kimberley noch End- station, aber längst über seine Flegeljahre hinaus, und der J. D. B. (gesprochen Ei Di Bi), d. h. Jllicit Diamond Buying, hatte weniger praktisches, als nur noch historisches Jntereffe. War Kimberley doch bereits aus dem Spitz- bubennest ex officio eine wohlgesittete Stadt geworden, deren Einwohner einen lebhaften Zwangsbegriff von Mein und Dein, Recht und Unrecht hatten. Doch nicht um intereffante und typische Episoden zu erzählen, ergreife ich als Doktorand und vielstudierter Kandidat die Feder, sondern am meinem lieben Marburger Durchschnittsphilister einen statistischen Begriff über MethuenS Begierde und Ziel zu geben, und so zu zeigen, daß des Briten hochtönende Phrasen von „Humanität", „Entwickelung der Zivilisation" und „Weltverbesserung" lediglich nach Pfund, Schilling und Pence oder richtiger in diesem Falle nach Karat gemessen wird.
Statistik, welch sinnverwirrender Begriff! Von ihm sagte Lord Palmerston, oder war'S Beaconsfield, im englischen Unterhause einst: „Es giebt die Notlüge, die gemeine Lüge und noch die Statistik." — Aber dieser Teil der Nationalökonomie ist denn doch der sprechendste und der am stärksten an den sechsten Sinn des Briten appellierende im heurigen Kriege Erklären wir uns also das psychologische Rätsel des Draufgehens MethuenS! Also Zahlen! 187O wurden in der Nähe der heutigen Stadt Kimberley reiche Diamantlager in dem verwitterten oberen Teile der diamantführenden Trichter (pipes), welche aus Eruptivgesteinen bestehen, entdeckt, und betrug die Jahresproduktion an Diamanten in Kimberley
im Jahre 1871 rund 8 Mill. Mk.*)
" " 1888 „ 85 „ „ **)
„ „ 1897/98 (12 Monate) „ 73 „ „ **)
Die Gesamtausbeute an Diamanten seit 1870, dem Jahre der Entdeckung Kimberleys (die Flußseifen waren drei Jahre früher gefunden worden), bis auf 1. Juli 1899 beträgt über 1800 Mill. Mk. an Wert (an den Millionen
*) exclus. der gestohlenen Steine.
. **) Seit 1883 Diebstahl weit geringer, weil 7 Jahre Zuchthaus
+ oder — wollen wir uns nicht stoßen). Rechnet man die veruntreuten Steine dazu, so kommen über 2 Milliarden Mark heraus.
Das Aktienkapital der seit 1888 durch RhodeS zur Debeera Consolidated Mines zusammengezogenen Gruben besteht aus 80 Mill. Mk in Aktien von rund 100Mk. pari, die aber selbst heute noch rund 520 Mk. an der Börse notieren, und ca. 75 Mill. Mk. 5% Prioritäts- Pfandbriefen, so daß der heutige Marktwert ungefähr 4 80 Mill. Mk. beträgt.
Nach Zahlung der PioritätSzinsen konnte die Debeers Company in den letzten Jahren aufs Aktienkapital 40 % Jahresdividende verteilen d. h. 32 Mill. Mk. per Jahr.
Der Verbrauch an Diamanten, die in Antwerpener, Amsterdamer und wegen niedrigeren Zolles auf das Rohprodukt auch in Newyorker Schleifereien zu Brillianten verarbeitet werden, ist rund 2»/, Mill. Karat (a 0,205 Gramm) das Jahr. — Hauptabnehmer ist naturgemäß unsere Damenwelt, die jetzt zu Weihnachten daS Ausbleiben manches heimlich erhofften glitzernden Schmuckstückes sich durch den Stillstand der Gruben und den seit 3 Monaten auf das Doppelte gestiegenen Diamantenpreis erklären laffen muß. —
Bekanntlich ist Kimberley von seinen früheren Eigentümern, den Oranje-Freistaat-Buren, denen England es 1871 raubte, belagert. Zugleich sitzt Cecil RhodeS, der 1888 die vielen einzelnen Privat-Gruben zu der gigantischen DebeerS Consolidated Mines Limited zusammenbrachte, mit in Kimberley gefangen.
Fällt nun dieses Diamantenemporium in die Hande der vor Gott und Recht gesetzmäßigen Eigentümer zurück, so verliertEngland inCecilRhodesseinen südafrikanischen Napoleon und in Kimberley ein Besitztum von einem Wert, der bei einem heutigen Marktpreise von 480 Mill. Mark in den letztenJahren leicht und ohne Raubbau 75 Mill. Mark Diamanten zu Tage förderte.
Um beides zu retten vor den Händen und Kugeln der Söhne des Veldt'S, zog Methuen aus.
Armer Lord Meihuen! Wehe dem englischen General, der so viel Wertvolles nicht zu entsetzen vermag! Für Rhodes gilt aber wohl der alte Spruch: „Mitgefangen, Mitgehangen!!" Arthur Dieseldorss.
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