Kirche und Schule.
Man schreibt untz aus unserem Leser kreise: Sie bringen in Nr. 267 JbreS geschätzten BlatteS unter Kirche und Schule eine Notiz aus dem Darmstädter „T. A. , die dte Thatsache «"teilt, daß die Großh. KreiSschulkommisston Gießen die Verlegung deS Unterrichts in der obligatorischen FortbildungSschule aus eine frühere DageSstunde, als 7 bis 9 Uhr abends beabsichtigt, und tn der behauptet wird, daß die Ortsschutbebörden bet einigem guten Willen auch tn den Landgemeinden wohl überall diese Verlegung durchführen könnten. Diese letztere Bemerkung darf nicht unwtderlprochen bleiben. Sin Beispiel. Aus manchen Doi fgemeinden um Gießen gehen früh «orgens Fortbtldungsschüler, um mit dem Arbeiterzuge nach Gießen zu fahren, wo sie als Lehrlinge arbeiten, und am Abend nach Hau e lu fahren Da auf der Strecke Fulda - Gießen der erste Zug mit 4 Slaste nackmittaas erst um 5 Uhr 20 Mtn. ab Gieß n fährt, so «ü7de bi?Fortbildungsschule auf 5-7 Uhr diese Lehrlinge 'zwingen, schon um 12 Uhr Helmzufahren, «" andern Wortm, um der Fortbildungsschule mit ihren 2 oder Stunden willen einen ganzen Nachmittag mit seiner Z^und Verdienste zu opfern. Und das 2 bis 4 Mal In der Woche! Ich laste dabet nochunberücksichtigt, welchen Schaden in siltltcher Beztebung dte »brigbleidende freie Zeit am Abend brüten kann. Noch ein anderes Beispiel! In einem Orte ist der Versuch gemacht worden, die Fort- büdungSschule auf 5-7 Uhr zu verlegen. Das Resultat war, daß Sin Gewerbetreibender, der einige Fortbildungsschüler tn seinem Ge-
Tuschmanier gezeichnet hat. Das erste zeigt den jungen Professor Virchow von 1849 nach einer höchst seltenen, vom Hirschroald'schen Ver» läge freundlichst dargeliehenen alten Lithographie, der eine Zeichnung von Ludwig Pietsch zugrunde liegt. Auf dem zweiten Blatt erscheint das lebensprühende B'ld des Jubilars von 1899 nach dem trefflichen Porträt von Georg Meyn. 2)ie Adresse ruht in einer mit Goldverzierung umrahmten Mappe aus Purpurplüsch, der Farbe der Universität. Dre kunstvoll ausgesührte Adreffe ruht in einer rotsammetnen Enveloppe, auf deren Vorder- und Rückseite eine goldene Guirlande in prächtiger Ciselier ar beit den Schmuck bildet. Die Mappe enthält als besondere Aufmerksamkeit und Ueberraschung für den Gefeierten sein Bildnis auS dem Jahre 1849 und sein jetziges Portiät Geheimrat Virchow leitete seine Erwiderung auf die Ansprache des Rektors Professor Dr. FuchS mit der Mitteilung ein, daß er eigentlich beabsichtigt habe, sich der Feier zu entziehen, schließlich habe er sich selbst die Freude nicht versagen wollen, für oll' die Freundlichkeit und Unterstützung, welche ihm zuteil geworden, persönlich zu danken. Der Rector magnificua habe mit Recht betont, daß er in erster Reihe stets Professor geblieben sei und diese amtliche Eigenschaft bei ihm in Konflcktsfällen stets den AuSschlag gegeben habe. Am 1. November 1849 habe König Max von Bayern das ihn zum Profestor ernennende Dekret unterzeichnet, und am 25. November habe er in Würzburg seine erste Vorlesung gehalten. Diese Daten habe er erst in der jüngsten Zeit ermittelt, nachdem er aufgefordert worden war, einige chronologische Angaben über seine Person mitzuteilen. Seine Berufung habe sich übrigens noch um ein volles halbes Jahr verzögert, denn das betreffende Dekret । sei liegen geblieben; er sei also ein älterer Bayer, als man gemeinhin aunehme. Wenn man so alt werde, wie er, dann fühle man sich oft sehr vereinsamt, da die Reihen dBMitarb.iter sich immer mehr lichteten und die nach Wissenschaft dürstende Jugend immer stürmischer dränge; sein Ehrgeiz sei es daher, diese Isolierung durch Leistung auszugleichen, was ihm ja erfreulicherweise auch gelungen scheine. Seinen wlsseuschast- lichen Erfolg danke er eigentlich den zu selbständiger Arbeit herangezogenen Schülern, die in Amerika und Japan, im In- und Auslande wiederum Schule machten und den Ruhm deuffcher Wissenschaft unter alle Nationen trugen. Mit mehrmaligem innigen Dank für die ihm erwiesene Ehre verbinde er die Hoffnung, daß das von ihm geschaffene Werk, welche« er der Welt hinterlasse, der Wiffenschaft dienen werde.
Nach Professor Virchow sprachen die einzelnen Senatsmitglreder der Friedrich-Wilhelms-Universität dem greisen Gelehrten, der übrigens I von einer wunderbaren Frische war, ihre Glückwünsche aus. Geheimrat von Bergmann gratulierte seinem Freunde in herzlicher Weise. Der festliche Aktus schloß mit einem Rundgang durch das Lebensroerk Vir« chows, das pathologische Museum, wobei der Jubilar in ferner liebenswürdigen Weise den unermüdlichen Führer machte.
Jena, 14 November. Am Sonntag dem 12. d. Mts. fand in Orlamünde die monatliche Zusammenkunft der .Vereinigung I alter Burschenschafter Oberes Saalthal* statt, zu der der Jenenser D. C. zahlreiche Vertreter entsandt hatte. Nack einer zündenden Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Profestor Haushalter. Rudolstadt, wurde eine Sammlung für die Buren veranstaltet, die ein hübsches Sümmchen einbrachte; außerdem wurde an Herrn vr. Leyds in Brüssel folgendes Telegramm geschickt Die Vereinigung I alter Burschenschafter „Oberes Saalthal" und die Vertreter der Jenenser Burschenschaften Germania, Teutonia und Arminia wünschen den stammverwandten Buren: Die Knechtschaft hat ein Ende! Der Vorstand: Professor Haushalter-Rudolstadt, Dr. Döffinger-Lraalseld, | Dr. Beck-Pößneck. _______________________
Universität und Hochschule.
Verschiedenesr Die Akademie der Wissenschaften in München wählte die Professoren Geizer.Jena, Grünwedel, Direktorialassistent am Museum für Völkerkunde in Berlin, Straßburger-Bonn, Holder- Eaaer Mitglied der Centraldirektion der „Monumenta Germamae hiatorica“ zu Berlin, zu korrespondierende n Mitgliedern. - Der Prwat- dozent in der medizinischen Fakultät der kömgl. Universität Würzburg Dr Martin Heidcnhain wurde von dieser Funktion und von der Funktion eines Prosektors am anawmischen Institute dortselbst auf Ansuchen enthoben. — Rudolph Virchow in Berlin empfing gestern mittag um 1 Uhr aus Anlaß seines 50jährigen Jubiläums als ordentlicher Professor in feierlicher Wesse die Glückwünsche der Berliner Universität. Im Sitzungssaal deö Pathologischen Instituts Überreste ber zeitige Rektor Pros. Dr. Fuchs an der Seite des Gesamtsenates dem berühmten Gelehrten eine vom Prorektor Geh Rat Waldeyer verfaßte Adresse In warmen Worten wird darin der Verdienste gedacht, die der Jubilar um die Wissenschaft und um die Universität sich erworben hat. Hervorgehoben wird, daß, wenn der Jubilar auch segensreich auf den verschiedensten Gebieten gewirkt habe, er dennoch immer und vor allem sich als deutscher Profeffor gefühlt und bethättgt habe. Mit Segenswünschen für den verdienstvollen Gelehrten, dessen Ruhm em universeller sei, schließt die Adresse. Die Urkunde enthält vor dem Texte zwei Blätter, welche der Kuratorial-Sekretär Grubel künstlerisch m
schäfte beschäftigte, erklärte, daß, falls der Schulvorstand diese Zeit betbrhtelte, er die in feirem Dienste stehenden Schü er zui afpn genötigt sei. Auf d m Lande, wo wenig Gelegenhe't r-m Verdienste für die Schüler gegeben ist, beb utet das flenuo. - Man Mt, ber gute Wille allein tdut's noch lange n cht. Umsonst spricht auch nicht die B-Hörde von einem Versuche und hält m t einer generellen Maßreoel zurück. , «.•
Weimar, 14. November. Zu der Vorlage über die Ortsschulaufsicht, die zur Zeit den Weimarschen Landtag beschäftigt, schreibt man der „Magd. Ztg.":
Dcr Gesetzentwurf über Aenderung der gesetzlichen Best'mmuvgin über die Wahl der Ortstchulau'seher bat iin Landtag eine wenig günstige Ausnahme gesunden und begessiiet auch Lande ernsten Bedenken. Die Veranlassung für die Vo'legung b^ ^etzen^ wurs« liegt offenbar ba tn, daß in v-re nze'tenFällen dre Schulvorstände nicht den OltSgetsilichen mit der Sckmlaufsicht betraut haben. Im allgemeinen hat sich unser VolkSschulwrsen unter dem Stichling .wen Schulgesetz von 1874 sehr gut entwickelt und b.b uknb gehoben Dir fachmännische Leitung durch die Bezirksschuiinspcktoren Hal Jb bewahrt und eine einheitliche Führung der Volksschulen j-deS $er waltungsbezirks herbeigesührt. 3)t-fer E'sadrung gegenüber will doch der eine ober andere Mißgr ff bei der Wahl be* O tsschulauf- schers nicht so viel besag-n, daß beShalb eine erste Bresche in unter Volksschulgesetz gelegt werden müßte
Hilfe, allein das war vergebens. Binnen kurzer Zeit hatte Z. sein Leben ausgehaucht. Merkwürdigerweise hatte er ( nach dem tätlichen Stich noch soviel Kraft gehabt, um das , der Wunde entströmende Blut in einem Topf aufzufangen. । Schließlich war er dann zusammengebrochen. W. A.
Hünfeld, 14. November. Herr Rich. Müller-Fulda macht im hiesigen Kreisblatt folgendes bekannt: Zum Eisenbahnbau Hünfeld-Vacha. Da das Zustandekommen der Eisenbahnlinie Hünfeld-Vacha hauptsächlich davon abhängig ist, daß ein hinreichender Frachtverkehr in Aussicht gestellt werden kann und hierbei der Zuckerrübenbau hauptsächlich in Betracht kommt, habe ich zur Förderung des Zuckerrübenbaues im Kreise Hünfeld eine Beihilfe von 15 000 Mark ausgesetzt, damit auch diejenigen Gemeinden, welche weite Achsenfrachten nach Hünfeld haben, bereits mit dem Zuckerrübenbau beginnen können. Es werden von mir nach Entfernung 10 bis 30 Pfg. Zuschuß pro Zentner im Jahre 1900 an die Fabrik gelieferten Zuckerrüben als Beihilfe ausbezahlt werden. Diejenigen Landwirte, welche auf diese Beihilfe reflektieren, wollen sich bis spätestens zum 15. Dezember schriftlich an mich wenden.
Fulda, 15. November. Die Errichtung einer eigenen Staatsanwalts stelle für Bearbeitung der Strafsachen aus dem Fuldaer Bezirk ist hier in Aussicht genommen. — Den Gemeinden Dorfborn und Tief en - gruben hiesigen Kreises ist zum Umbau ihrer Schulhauser eine Gnadenbeihilfe von je 10 000 Mk. gewährt worden.
Marburg, 15. November. In dem benachbarten Dorfe Wehrda war gestern Kirmes. Ein hiesiger Droschken- bcsitzer, der abends eine Anzahl junger Leute nach Marburg fahren wollte, war nicht wenig erstaunt, als er in der Stadt anlangte, seinen Wagen leer zu finden. Die Kirmesgäste hatten es vorgezogen, vor dem Bezahlen heimlich zu verduften.
Kassel, 15. November. Gestern mittag gegen u9r ging auf dem Rothenberge bei Rothenditmold ein großer Strohdiemen in Flammen auf. Das Feuer soll von einem vierzehnjährigen Jungen angesteckt worden sein. Die alamierte Feuerwehr mußte umkehren, da ein Löschen nichts mehr helfen konnte. Der Schaden beträgt etwa 1200 Mk.; der Strohdiemen soll nicht versichert gewesen sein.
Kassel, 15. November. An Stelle des am 1. Oktober b. I. in den Ruhestand getretenen Militäroberpfarrers des 11. Armeekorps Konsistorialrat Ofterroth, ist der bisherige Divisionspfarrer der 25. Division, Noack, aus Darmstadt berufen worden. Derselbe wird am nächsten Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Militärgottesdienst eingeführt werden und seine Antrittspredigt halten.
Frankfurt, 15. November. Durchgegangen ist die Kassiererin eines hiesigen Geschäfts mit einem in einer befreundeten Firma bediensteten Reisenden. Als der Verlus der Donna bekannt wurde, schritt der Prinzipal zuerst au den Kassenschrank zu und öffnete ihn, zu seiner Freude fanden sich dort die Moneten in Uebereinstimmung mit dem Kassenbuch vor. Während er nun die Bücher prüfte, kam ein Eilbrief, in dem das Fräulein Mitteilung ihres plötzlichen Austritts aus dem Geschäft machte und die Versicherung abgab, daß alles auf Heller und Pfennig stimme, denn sie sei keine Betrügerin, sondern nur ein Weib, das der Liebe nicht länger widerstehen könne. Zugleich bat sie um Auszahlung des Monatgehalts, die denn auch an die bezeichnete Adresse folgte. Der Prinzipalglaube an die weibliche Zuverlässigkeit ist durch den ..Durchgang dieser VenuS" stark erschüttert worden.
Hanau, 13. November. Am Samstag weilten tn unserer Siadt die Herren Ober-Präsident Graf Zedlitz- Trützfchler und Provinzial-Schulrat Dr. Paehler, die das Gebäude des Gymnasiums einer Besichtigung unterzogen, und auch einen für den eventuellen Neubau des Gymnasiums in Aussicht genommenen Platz besichtigten. Jedoch dürfte ein Neubau noch in weiter Ferne liegen. — Ein Konsortium, an der Sptze die Aktiengesellschaft Thüringer Akkumulatoren- und Elektrizitätswerke Göritzmühl-Saalfeld, beabsichtigt in unserer Nähe ein größeres Elektrizitätswerk zur Abgabe von Kraft und Licht für die Gemeinden des nördlichen und westlichen Teiles des Landkreises Hanau zu errichten. Als Centrale für dieses Werk ist Vilbel in Hessen gedacht, das sich infolge seiner günstigen Wasserverhältnisse besonders hiersür eignet. Die Vorarbeiten sind im Gange.
Köln, 15. November. Die soeben beendete Stadt Verordnetenwahl 2. Klasse endete mit einem Siege der liberalen Partei, auf deren Kandidaten 968 Stimmen, auf die der Zentrumspaitei 487 Stimmen entfielen. Von 2094 Wahlberechtigten wählten 1455. Damit ist die liberale Mehrheit abermals gesichert.
kamst und Wissenschaft.
Lauff bleibt Hofdichter. Aus Wiesbaden vorn 14. d. M. I schreibt man der „Franks. Ztg.": In hiesigen Blättern wird das von der „Franks Ztg." bekanntlich unter allem Vorbehalt wiedergegebene Gerücht, daß Josef Laufs seines Postens als Hosthcaterdramaturg müde sei, für grundlos erklärt. Das ließ sich voraussehen. Das hiesige Tageblatt weiß außerdem zu melden, Lauff fei mit den Vorstudien zum dritten Drama beschäftigt, in dessen Mittelpunkt der große Kurfürst stehen soll. Das Drama soll hier im Jahre 1901 zum 200iährigen Bestehen des preußischen Königtums aufgeführt werden.
Berlin, 15. November. Die Schliersee.r spielten nun bei I Kroll" in Berlin ihr „Lieseri vom Schliersee" vor dem Kaiserpaar I das der Vorstellung mit großem Interesse und lebhaftem Vergnügen I folgte. Nach der Vorstellung zog der Kaiser Direktor Dreher tn em längeres Gespräch. Der Monarch drückte seine hohe Befriedigung über I diese echte Bauernkunst aus und gratulierte dem Künstler zu solchen „Schauspielern". „Wissen Sie, Dreher," sagte der Kaiser, „ich dachte, solche auf die Bühne gesetzte Bauern würden sofort m Pose fallen-, und da sehe ich ganz echte Künstler, die sich so natürlich geben, wie sie sind! — „Das ist es halt eben," antwortete Dreher, „die Pose muß i den Leuten abg'wöhnen, sonst wird nix aus ihnen " Eingehend erkundete sich der Kaiser nach dem „Klarinetten-Muckl" Xaver Terofal. „Der stammt doch, wie Sie mir mal vor Jahren gesagt Haben, von einer französischen Emigrantenfamilie ab, heißt eigentlich Laforet, und spielt dabei so famos einen gerben deutschen Bauern. — „3°, ®^}jcUät, antwortete Dreher, „der is mittlerweile ein echt deutscher Künstler geworden, daß man ihm seine Abstammung gar nicht mehr anschaut. Das Kaiserpaar entbot zum Schluß allen Mitspielenden Dank und Gruß, und der Monarch überreichte Direktor Dreher als Ausdruck seiner hohen Befriedigung eine kunstvolle Brillantnadel in Form eines
Budapest, 15. November- Die Archäologin Sofie Torma, ! Ehrendoktor mehrerer ausländischer Universitäten, ist in Szaszsebes an Cmem Di? Eröffnung ^der Iournattstenfchule in Paris. Die durch die Bemühungen namentlich des „Figaro" zu Stande gekommene Journalistenschule ist in Paris dieser Tage eröffnet worden. Die Leitung des Unternehmens hat eine Amerikanerin, Miß Dick May, in die Hand genommen. Sie ist, wie der „Temps" berichtet, eine Nichte von Karl Marx, hat Soziologie studiert und längere Zeit mit dem Grafen Chambrun, dem Begründer des „Mus6e social Sus^mmen gearbeitet. Sie hat früher schon ein freies Kolleg der sollen Wiß en - schäften begründet, und aus diesem Kolleg ist die Journalistenschule her- vorgeqangen. Die Schule besteht aus Vorträgen, die von berufenen Persönlichkeiten gehalten werden. Den ersten Vortrag hielt der bekannte Schriftsteller Henri Fouquier, und zwar sprach er über den Journalismus in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sowie über das, was der Journalismus sein müsse, um seine große soziale Ausgabe ganz zu erfüllen. Er erzählte unter anderem, wie Miß Dick May ihn für das Werk gewonnen habe durch ihren festen Glauben an das Unternehmen, das sie zu verwirklichen sich entschlossen habe; dann widerlegte er einige in der Presse gegen die Schule erhobenen Einwendungen und schließlich meinte er: „Ich mache mir keine Illusionen. Wir werden einen hervorragenden Platz in den komischen Neujahrs-Revuen der Theater einnehmen, und möglicher Weise wird man uns darstellen, rote wir eine Ente sezieren. Brillat-Savarin erklärte, zum rötisseur müsse man geboren werden; cuisinier könne jedermann werden, das heißt. Journalist zu werden, daß kann man eigentlich nicht lernen Talent bekommt man nicht in der Schule. Aber guter Journalist zu werden, dazu muß man den Berus haben, und der ist eine Gabe der Natur. Unser Programm sollte also ursprünglich lauten: Vorträge über den Journalismus Aber das Wort Vorträge klingt so feierlich und erinnert sofort an das Wort Langweile. Daher hahen wir ein Wort genommen, daß die Sache aber auch wieder nicht genau bezeichnet." Henri Fouquier sprach dann über die Macht des Journalismus und schließlich über die Pflichten des Journalisten, die nach ihm darin bestehen, „zu sagen, was ihm die Wahrheit zu fein scheint und zugleich sich zu bemühen, niemanden zu verletzen und lich nur von Erwägungen der Güte leiten zu lassen.' Die Darlegung dieser schonen Grundsätze fand lebhaften Beifall. Es waren etwa 250 Zuhörer anwesend, darunter viele Studenten, zahlreiche Damen, ein Dutzend Berichterstatter und drei Geistliche. Nach Fouquier sprach der Abgeordnete Cruppi über die Preßgesetzgebung in den verschiedenen Ländern. Im allgemeinen verhalten sich die Blätter dem Unternehmen gegenüber ziemlich skeptisch.
Paris, 15. November. Die Erstausführung von „La prise de Troie“ von Berlioz in der Großen Oper fand nur einen Achtungserfolg, obschon die Ausstattung eine glänzende und die Ausführung eine gute war. Starken Eindruck machte nur die pantomimische Szene des Schmerzes der Andromache.
Lissabon, 15. November. Der kürzlich aus Oporto yer ein- getroffene Bakteriologe Pestana ist hier an der Pest gestorben.
Kmdwittfchast.
8 Aus dem Vogelsberg, 14. November. Das Gebrumm der Dreschmaschinen verstummt nun in den Dörfern nach und nach. Die Dreschmaschinenbesitzer und Dreschmaschinengesellschaften können auf ein recht ergiebiges „Dreschjahr" zurückblicken. Von Sommer bis in den Spätherbst hinein haben die Maschinen ununterbrochen in Thätigkeit gestanden. Auf die magern Jahre für die Maschinenbesitzer sind nun auch fettere gefolgt. In den mageren Jahren haben Genossenschaft«! nicht nur manchmal umsonst gearbeitet, sondern noch Draufgeld beisteuer« müssen; dafür entschädigt sie jetzt ein viel besserer Verdienst. Eine Menge junger Leute aus den Ortschaften des Vogelsberges befindet sich bei den Dreschmaschinen in der Wetterau und in der Mainebene. Die 8 ute kehren erst auf Weihnachten zu ihren Familien zurück. Sie verdienen bei den Maschinen ein hübsches Stück Geld.
L V. Etwas Über die Schweiuezucht. Die Schweinehaltung hat in der Provinz Oberhessen in den letzten zehn Jahren sehr erfreuliche Fortschritte gemacht. Viele Gutswirtschaften, die früher die Schweinezucht nur in sehr beschränktem Maße, die Mast nur für den eigenen Bedarf betrieben, haben jetzt beide Haltungszwecke sehr bedeutend ausgedehnt und erzielen einen recht beträchtlichen Einnahmeposten aus diesem Betriebszweig Selbst der sogenannte Meine Mann mästet einige Schweine, schlachtet davon das eine und versorgt so den Haushalt mit dem nötigen Fleisch und Fett, während er das andere verkauft und mit dem erlösten Geld notwendige ÜBitt* schaftsausgaben bestreitet. Daß die Schweinezucht allgemein alS rentabel angesehen wird, beweist die erfreuliche Zunahme dieses Betriebszweiges. Man kann nur wünschen, daß der Fortschritt auf diesem Gebiete so wie seither andauert. — Die Schweinehaltung, insbesondere die Schweinezucht, wurde früher allgemein und vereinzelt auch jetzt noch zu denjenigen Betriebszwecken gerechnet, bet welchen der Erfolg von „Glück" abhänge Daß das „Gelchick" ausschlaggebend ist, macht sich erfreulicher Weise immer mehr geltend. Es soll hier nur auf zwei Punkte hingewiesen werden, welche eS bedingen, daß die Schweinezucht in einer großen Anzahl unserer Gemeinden nicht recht aufkommt: Die Auswahl der richtigen R<me und die nicht unbedingte Vermeidung der Velwandtschaslsjucht. So ist es in vielen Gemeinden noch üblich, daß der Eberhalter ein Eberferkel aus seiner eigenen Zucht, oder von einem benachbarten Schweinehalter aufzieht und es bann zur Zucht benutzt. Daß hier bald Verwandtschaftszucht eintritt, ja daß sie eigentlich oft schon fett langen Zeiten betrieben wird, halten viele Landwirte noch für unbedenklich. Und doch ist keine andere Züchtungsmaßregel für den Schweinezucktbetrieb bedenklicher, wie diese. Unfruchtbarkeit, Ferkel- flerben, Neigung zu Krankheiten, selbst Mißgeburten sind die Folaen. Eine Gemeindeverwaltung, die es noch zuläßt, daß d»e Zuchteber- beschaffung in der oben geschilderten Weise erfolgt, schädigt die ihr angehörigen schweinezuchttreibenden Landwirte auf t>a§ auerichtDerfte. Der zweite, für den Zuchtbetrieb ausschlaggebende Faktor ist die Auswahl der Rasse. Man ist heute wohl allgemein der Ansicht, daß es für unsere Landwirte, die Ferkel, welche gemästet werden sollen, zum Verkauf oder zum eigenen Bedarf ziehen, das Beste ist, das deulscke Landsckwein mit einem englischen Eber zu paaren. Diese Kreuzungstiere sind genügend frühreif, mastfähig, widerstandsfähig, gefräßig und gute Futteroerwerter. Ebenso ist das Fleisch von recht guter Qualität Dieses Züchtungsfiel zur Erzeugung von Mastschweinen führt sich in Oberhessen immer mehr ein und wird auch vom landwirtschaftlichen Provinzialverein unterstützt und gefordert. Die Gemeinden haben nur nötig, gute englische Eber, aus anerkannt guten Zuchten stammend, aufzustellen. Um dieses Ziel zu fordern, werden vom Provinzialverein an Gemeinden, welche reinrassige englische Eber, die auch von guter Körperbeschaffenheit sind, aufstellen, Zuschüsse von 20 bis 40 Mark unter der Bedingung verwllltgt, daß sie den betreffenden Eber mindestens ein Jahr zur Zucht benutzen. Solche Zuschüsse haben im letzten Jahre erhalten die Gemeinden: Windhausen, Babenhausen II., Eudorf, Berstadt, Dauernheim, Einartshausen, Fauerbach bei Nidda, Breungeshain, Wallernhausen, Bellersheim, Kestrich, Stockheim, Reichelsheim, Wenings, Altenhain, Freienseen, Wetterfeld, Rainrod, Nieder-Weisel, Elbenrod, Arbetter- kolonie Neu-Ulrichstein, Berstadt, Lauback, Grebenau und Kirtorf. - Mit zunehmendem Verständnis für die Nützlichkeit ber Maßregel werben hoffenilick bald noch reckt viele anbere Gemeinben auch kommen und Gebrauch von dem Anerbieten des Provinzialvereins machen.
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Leben nehmen zu esbaden nicht ihre Tin. 9 geben wollten. Pst norbfanbibat nach Wik§- V geben biese jetzt ihre aus Aszey wirb bt- aus den Bahnsteig • Klasse nach Albig nur ■fy boxt also ebenso wie luz." sind übrigens der ' er 5 Psg.-Fahrkarte von e sein könne, denn man Fahrkarte zum Fahren Fahrkarte, gehe aus den lug absahren lassen, ohne a der Ein- und Ausgang unbehindert gestattet sei, etreten, und zwar immer i. Die natürliche Folge i, daß die Bahndirektion irfe auf Id Pfg. erhöht, große ^trjierplafc auf rtig neu angelegt. Der edeckt und sestgestampft. isMche Fchwecke der । 63 unterwegs, um dtn an den Bestimmungsort !s Bodens besorgen dann ehler. , ©pitale ist iu der ver- Kaspar gestorben, und ilqen bes Sturzes, den jesbabencr RabfahrerS ber Hchh«»" ! eine fo bet W Se®*” UentoW« wb‘1 , Der au| f°.
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